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Dienstag, 23. Februar 2016
Dienstag, 8. Dezember 2015
Rezension zu "Endgame - Die Hoffnung" von James Frey
Actionreiche Fortsetzung
„Endgame – Die Hoffnung“ ist nach „Die Auserwählten“ der zweite Band der
endzeitlichen Actionthriller-Trilogie des amerikanischen
Bestseller-Autors James Frey.
Inhaltlich schließt „Die Hoffnung“
sich unmittelbar an seinen Vorgänger an. Der Erdschlüssel ist gefunden,
doch anders als die Spieler es ursprünglich durch die Überlieferungen
ihrer Geschlechter gelernt hatten, offenbarten die keplers ihnen, dass
sie das Ereignis, das große Teile der Menschheit auslöschen würde,
dadurch überhaupt erst ausgelöst haben. Und tatsächlich zeigt sich nun
bald eine reale Bedrohung für die Erde. Ein riesiger Meteorit rast auf
den Planeten zu. Währenddessen müssen die Spieler die Entscheidung
treffen, ob sie weiterspielen oder einen Weg finden, das Ereignis doch
noch zu verhindern...
Zunächst einmal kommen die Spieler nach dem actionreichen Finale des ersten Bandes allerdings zur Ruhe. Viele kehren an vertraute Orte oder sogar nach Hause zu ihren Familien zurück, um sich zu sammeln und für die Suche nach dem Himmelsschlüssel, der zweiten von drei Etappen des Spiels, zu rüsten. Dennoch wird es auch gleich am Anfang wieder spannend. Die neun verbleibenden Spieler sind über den gesamten Globus verteilt und verfolgen, anders als im ersten Band, längst nicht mehr alle das gleiche Ziel, was zu großer Abwechslung und zahlreichen eindrucksvollen Kulissen führt.
Shari, die längst
weiß, dass sich der Himmelsschlüssel in ihrem „Besitz“ befindet,
bereitet sich und ihre Familie auf die Ankunft der anderen Spieler vor.
Alice beschließt sich auf die Seite der jungen Mutter zu schlagen. Hilal
und Baitsakhan lassen ihre schweren Wunden versorgen, Maccabee
unterstützt seinen Verbündeten dabei und sucht wie Aisling Hilfe bei der
Familie. Sarah – traumatisiert von Christophers Tod - und Jago sind als
zweites Duo unterwegs, das sich auch weiterhin mit der
Widersprüchlichkeit ihrer Gefühle füreinander und ihren Rollen als
Spieler zweier gegnerischer Geschlechter auseinandersetzen muss, und ein
bereits totgeglaubter Spieler erwacht in Gefangenschaft des Militärs.
Noch
mehr Action durch Verfolgung, Kampf und Flucht bringt eine weitere
Entwicklung der Geschichte mit sich: Das Endgame ist nicht länger geheim
– die Bergung des Erdschlüssels in Stonehenge hat die Aufmerksamkeit
der Weltbevölkerung auf das Spiel gezogen, sodass sich die Spieler nicht
länger nur bei Begegnungen untereinander in Gefahr befinden, sondern
auch das Interesse diverser Behörden geweckt haben, die sich nun an ihre
Fersen heften. Viele Gewissensfragen werden aufgeworfen, denn die
Enthüllungen der keplers bezüglich des Auslösens des die Menschheit zu
großen Teilen vernichtenden Ereignisses haben die Spieler tief
verunsichert. Während einige weiterhin fest entschlossen sind,
weiterzuspielen und so ihrem Geschlecht das Überleben durch den Sieg zu
sichern, überdenken andere die uralten Überlieferungen und schmieden
neue Pläne, um das Ereignis doch noch aufzuhalten.
Strukturell
wie sprachlich bleibt James Frey dem Stil des ersten Bandes treu. Jedes
Kapitel ist bereits überschrieben mit den dort in Erscheinung tretenden
Charakteren und schildert die Ereignisse anschließend aus ihrer Sicht.
So schlüpft der Leser abwechselnd in diverse Köpfe an die
verschiedensten Handlungsorte und ist immer mitten drin im Geschehen.
Die Sätze bleiben oft kurz, beabsichtigte Wiederholungen erzeugen
zusätzlich ein hohes Lesetempo und unterstützen durch einen
Stakkato-artigen Stil den Eindruck von Anspannung und Action. Was sich
ebenfalls wie schon im ersten Band findet, sind recht intensiv
beschriebene Kampfszenen bis hinein in die blutigsten Details, welche
die Altersempfehlung von ab 16 Jahren nachvollziehbar machen.
Trotz
Liebesgeschichte und Charakteren unterschiedlichster persönlicher
Einstellungen und Handlungsweisen prägen Stil und Sprache „Endgame“ eher
als Thriller im Bereich eines apokalyptischen Abenteuerromans und
weniger als Entwicklungsroman einzelner Hauptfiguren, was angesichts der
Anzahl von immerhin noch neun der ursprünglichen zwölf Spielern wohl
auch kaum auf dem fast gleichberechtigten Niveau zu leisten wäre. Wer
sich dessen bewusst ist, kann hier die Stärken der Trilogie sehen, die
sich durch einen ununterbrochen hohen Spannungsbogen ebenso auszeichnet
wie durch die Vielzahl der Charaktere, die Abwechslung in die Geschichte
bringen.
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Fazit: Mit Spannung und Vielfalt fesselt auch der
zweite Teil der „Endgame“-Trilogie von James Frey den Leser und Fan
actionreicher Unterhaltung an die Seiten und überzeugt mit einer
ausgeklügelten Vision des nahenden Weltuntergangs. Mich hat der Autor
ein weiteres Mal überzeugt und ich vergebe 5 von 5 Sterne.
Die Trilogie
- "Endgame - Die Auserwählten" (Okt. 2014, engl. Originaltitel: "Endgame - The Calling") - meine Rezension
- "Endgame - Die Hoffnung" (Okt. 2015, engl. Originaltitel: "Sky Key")
- ???
Allgemeine Informationen
Ausgabe: Gebunden, mit Schutzumschlag
Originaltitel: Sky Key
Erschienen: 19. Oktober 2015
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
Seiten: 592 Seiten
Verlag: Oetinger
ISBN: 978-3789135248
Preis: € [D] 19.99
Leserpobe und weitere Informationen auf der Verlagshomepage zum Buch
und über das Website-Special
Sonntag, 4. Oktober 2015
Kochbuch-Rezension zu "Craft Beer Kochbuch" von Stevan Paul, Torsten Goffin und Daniela Haug
Bier im und zum Essen
Das
"Craft Beer Kochbuch" von Stevan Paul (Rezepte), Torsten Goffin (Texte)
und Daniela Haug (Fotos) ist eine gelungende Verbindung zwischen
klassischen Sach- und Kochbuch, das seinem Leser den aktuellen Trend der
"Craft" Biere, der "handwerklichen" Biere aus - vergleichsweise
kleinen, mitunter sehr spezialisierten - Brauereien näher bringt.
Samstag, 3. Oktober 2015
Rezension zu "Schimmert die Nacht" von Maggie Stiefvater
Spin-Off mit ganz besonderen Protagonisten
Fortsetzungen oder Spin-Offs von an sich abgeschlossenen Reihen lösen in
mir in der Regel keine Begeisterungsstürme aus - irgendwann muss die
durch den Autoren vorgegebene Geschichte enden und das weitere Leben der
Figuren der Fantasie des Lesers übergeben werden, sonst droht die
Gefahr mit der Handlung immer weiter abzudriften und entweder in
Belanglosigkeiten oder Absurditäten zu versinken bis selbst der größte
Fan seinen geliebten Charakteren nichts mehr abgewinnen kann.
Einen
solchen Weg sah ich nun möglicherweise auch eine meiner
Lieblingsreihen, die Mercy-Falls-Trilogie der wortgewandten
US-amerikanischen Autorin Maggie Stiefvater, einschlagen, als sich
"Schimmert die Nacht" ankündigte - ein Spin-Off über die Protagonisten
Cole und Isabel, die ab dem zweiten Band "Ruht die Licht" neben Sam und
Grace bereits in der ursprünglichen Büchern als Ich-Erzähler aufgetreten
waren. Zwar blieb ihre parallel verlaufende Liebesgeschichte am Ende
der Trilogie offen, doch die Werwolf-Problematik, die den
Contemporary-Fantasy-Kern der Handlung ausgemacht hatte, war an sich
abgeschlossen. Gab es dort also tatsächlich noch Stoff für ein Spin-Off
oder würde "Schimmert die Nacht" mir das Ende meiner geliebten Trilogie
nachträglich verderben? Sehr skeptisch habe ich dennoch nach längerem
Zögern zu lesen begonnen - ganz und gar ignorieren konnte ich ein
Maggie-Stiefvater-Werk dann doch nicht - und folgende Geschichte
vorgefunden...
Inhalt: Cole St. Clair kehrt dem Anwesen in Minnesota den
Rücken. Ein Internet-TV-Sender, möchte in Los Angeles eine Reality-Show
mit ihm produzieren und er fühlt sich nach all der Zeit bereit wieder in
die Rolle des Ex-NARKOTIKA-Leadsängers und Keyboarders zu schlüpfen und
mit neuer Band ein neues Album aufzunehmen. Doch insgeheim führen Cole
noch andere Pläne nach L.A.: Isabel Culpeper lebt dort mit ihrer Mutter
und Cole möchte sie zurückgewinnen. Isabel ist allerdings weniger
begeistert, als er plötzlich vor ihr steht. Sie hat ein neues Leben
begonnen und fürchtet, dass Coles neu erwachtet Rockstar-Leben ihn
wieder in den Sumpf aus Alkohol und Drogen zieht, der für ihn damals bei
den Wölfen in Mercy Falls geendet hatte....
Sonntag, 2. November 2014
Rezension zu "Endgame - Die Auserwählten" von James Frey
Spannender Endzeit-Thriller
„Endgame – Die Auserwählten“ von James Frey ist mehr als nur der
Reihenauftakt zu einer neuen apokalyptischen Trilogie, die mit einer
Altersempfehlung ab 16 Jahren nicht mehr als klassisches Jugendbuch
sondern in das neu gewachsene Genre der All-Age-Literatur einzuordnen
ist. Darüber hinaus ist es angelegt als multimediales Großereignis,
bestehend aus einer geplanten Verfilmung, für alle Figuren angelegte
Profile in sozialen Netzwerken, Events in diversen Städten, einem
Augmented-Reality-Game und nicht zuletzt einem im Roman versteckten
Kryptorätsel, bei dessen Lösung ein Gewinn von 500 000 US-Dollar in Gold
winkt. Dementsprechend groß wurde die Veröffentlichung von „Endgame“,
in 30 Ländern weltweit am gleichen Tag, auch beworben, was einen
gewissen Hype um das Buch auslöste.
Nichtsdestotrotz sehe ich das
Kryptorätsel und all die interaktiven Zusätze in erster Linie als
Erweiterungen zum Lesen, welche die Geschichte selbst aber nicht mehr
oder weniger lesenswert machen sollten. Daher habe ich mich auch in
erster Linie von der inhaltlichen Beschreibung dieses, wie ich es
bezeichnen würde, endzeitlichen Action-Thrillers zum Kauf verleiten
lassen und mich beim Lesen zunächst nur auf die Geschichte konzentriert –
wie bei jedem anderen Roman auch – und mich nicht von der Suche nach
kryptischen Hinweisen ablenken lassen.Und darum geht es inhaltlich: 12 Meteoriten schlagen auf der Erde ein, an den Wohnorten von 12 ganz bestimmten Menschen – den aktuellen Spielern der 12 Geschlechter, in die sich die gesamte Erdbevölkerung unterteilt. Seit Jahrtausenden haben die Eingeweihten der Geschlechter auf dieses Ereignis gewartet und ihre Spieler dafür trainiert. Endgame hat begonnen. Jetzt müssen die Spieler aufbrechen und sich einem Wettkampf auf Leben und Tod rund um den Globus stellen. Nur einer kann gewinnen und so das Überleben seines ganzen Geschlechts sichern….
Sonntag, 26. Oktober 2014
Rezension zu "Wen der Rabe ruft" von Maggie Stiefvater
Maggie Stiefvater sorgt für Gänsehaut
„Wen der Rabe ruft“ von Maggie Stiefvater ist der Auftakt einer neuen
Urban-Fantasy-Reihe, die wie schon die vorangegangenen Bücher der
amerikanischen Erfolgsautorin im Bereich der All-Age-Literatur
anzusiedeln ist und vom Verlag ab 16 Jahren empfohlen wird. Stiefvater
begibt sich mit diesem auf insgesamt vier Bände ausgelegten Mehrteiler
in den Bereich des Paranormalen: Wahrsager, Geister und alte Energien
tief unter der Erde sorgen für Gänsehaut…Kurz zum Inhalt: Blue ist die Tochter einer Wahrsagerin und hilft jedes Jahr in einer Aprilnacht ihrer Familie dabei, die Seelen der Menschen zu begrüßen, die bald sterben werden, obwohl sie selbst nicht über die Gabe verfügt, Geister zu sehen. Doch in diesem Jahr sieht Blue einen einzigen: Den Geist eines Jungen namens Gansey. Bedeutet das, dass sie für den Tod dieses Unbekannten verantwortlich sein wird? Immerhin lebt sie seit ihrer frühesten Kindheit mit einer Prophezeiung: Wenn sie ihre wahre Liebe küsst, wird dieser Junge sterben.
In der gleichen Stadt suchen vier Jungen nach einem alten Energiepfade, einer Ley-Linie, an der einer Legende nach Glendower, ein mächtiger walisischer König, begraben liegen und auf seine Erweckung warten soll. Einer dieser Jungen ist Gansey…
Samstag, 17. Mai 2014
Rezension zu "Ewiglich die Liebe" von Brodi Ashton
Ein würdiger Abschied von den Ewiglichen
„Ewiglich die Liebe“ ist das Finale der „Ewiglich“-Trilogie, einer
Urban-Fantasy-Reihe aus der Feder der amerikanischen Autorin Brodi
Ashton. Nach meiner großen Begeisterung für „Ewiglich die Sehnsucht“ und
„Ewiglich die Hoffnung“ wurde der dritte und letzte Band nicht nur
lange herbeigesehnt, sondern die Erwartungen waren auch entsprechend
hoch. Findet die Autorin einen würdigen Abschluss für Nikki, Jack und
den Ewiglichen Cole?
Bevor ich diese Frage – zumindest für mich – beantworte, vorab einige Worte zum Inhalt:Nikki ist verzweifelt. Während Cole ihr geholfen hat, Jack aus den Tunneln des Ewigseits zu befreien, hat er sie gleichzeitig hinters Licht geführt. Durch eine List hat er ihr Herz gestohlen, um seine eigenen Pläne in die Tat umzusetzen. Nikki, die die hundertjährige Nährung des Ewiglichen überlebt hat, soll nun selbst zur Ewiglichen werden, die Königin Adonia stürzen und dann an seiner Seite über das Ewigseits herrschen.
Nikki und Jack bereiten sich darauf vor, ihr Herz zurückzubekommen, um ihre Wandlung zur Ewiglichen aufzuhalten, und das Ewigseits ein für alle Mal zu besiegen.
Der zweite Band der Trilogie endete mit einem Knall, als Cole nach der gelungenen Rettung von Jack in Nikkis Zimmer erschien und den kleinen Kompass mitnahm. Als er ihr dabei offenbarte, dass es sich bei dem unbekannten Gegenstand um ihr Oberweltherz handelte und er sie während ihres Aufenthalts im Ewigseits ohne ihr Wissen zu einer Ewiglichen gemacht hatte, schockierte das nicht nur Nikki. Auch der Leser wurde von dieser Wendung vollkommen überrascht und, dass er Nikki in eben diesem Moment notgedrungen verlassen musste, weil ihm die Seiten von „Ewiglich die Hoffnung“ ausgingen, kann sicherlich als besonders kluger Schachzug der Autorin betrachtet werden. Durch die starken Emotionen am Ende des zweiten Bandes, der nur wenige Seiten zuvor noch so ruhig und glücklich hätte enden können, wurden diese letzten Momente unvergesslich und die Vorfreude auf den finalen Band vervielfachte sich.
Samstag, 15. März 2014
Rezension zu "Das geraubte Paradies" von Bernd Perplies
Überzeugender Abschluss endzeitlichen Trilogie!
„Das geraubte Paradies“ von Bernd Perplies ist der letzte Band der
endzeitlich-dystopischen Trilogie, zu der auch „Flammen über Arcadion“
und „Im Schatten des Mondkaisers“ zählen. Mit auffallend schön
gestaltetem Cover schließt der dritte Band sich optisch schon einmal dem
Rest der Reihe an – und inhaltlich? Ist „Das geraubte Paradies“ der
würdige Abschluss, den die beiden starken Vorgänger verdienen?
Zum Inhalt: Jonan, Carya und Pitlit haben den Hof des Mondkaisers in Francia verlassen. Sie sind auf dem Weg in die Berge, wo die Schwarze Zone liegt, aus der noch nie ein Mensch lebend zurückgekehrt sein soll. Liegt dort wirklich das Versteck der Erdenwacht, der geheimen Organisation, bei der Carya Antworten zu ihrer eigenen Herkunft zu finden hofft? Viel Zeit bleibt ihnen allerdings nicht, denn Francia, Arcadion und Austrogermania steuern auf einen großen Krieg hin, der das ganze Land bedrohen könnte…
Der dritte und somit letzte Band der Trilogie schließt unmittelbar dort an, wo der zweite endete. Der Aufenthalt der Hauptfiguren Carya und Jonan, aus deren Sicht auch der letzte Band erzählt wird, in Francia am prächtigen Hofe des Mondkaisers liegt hinter ihnen. Sie sind dem Rätsel von Caryas Herkunft ein gutes Stück näher gekommen – allerdings auch auf ein neues Rätsel gestoßen: Die Erdenwacht. Versteckt in der angeblich tödlichen Schwarzen Zone. Dorthin geht die Reise nun und das ebenfalls in gewohnter Manier der beiden ersten Bände. Die Atmosphäre, die der Autor durch die Beschreibung der zerstörten und verwaisten Landschaft seiner Zukunftsversion Europas aufbaut, ist packend, düster und in jedem Punkt harmonisch. Unterstützt wird die Stimmung des Romans durch einen Schreibstil, der flüssig und erzählerisch stark ist und die bildgewaltigen wie auch emotionalen Momente der Reise immer wieder durch passende Worte gekonnt einfängt.
Dienstag, 11. März 2014
Rezension zu "Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat" von Gavin Extence
Ein unglaublich herzlicher Roman...
Der Roman mit dem langen Titel „Das unerhörte Leben des Alex Woods oder
warum das Universum keinen Plan hat“ des britischen Autors Gavin Extence
ist ein Debütroman über einen ungewöhnlichen Jungen und eine
ungewöhnliche Freundschaft…
Alex Woods Leben verändert sich schlagartig, als er zehn Jahre alt ist. Bis dahin führte er ein recht gewöhnliches Leben in einem kleinen Ort im englischen Somerset – sofern man eine wahrsagende Mutter mit Esoterikladen als gewöhnlich bezeichnen kann. Doch plötzlich kennt die ganze Welt seinen Namen, auch die Polizisten, die ihn sieben Jahre später an der Grenze in Dover aufgreifen. Im Auto, das er wegen eines epileptischen Anfalls nicht mehr fahren kann, mit einer größeren Menge Marihuana, obwohl er nie Drogen genommen hat, und mit einer Urne auf dem Beifahrersitz.
Alex beginnt zu erzählen: von dem Ereignis, das ihn berühmt machte, von dem, was danach kam, und von seiner ungewöhnlichen Freundschaft zum mürrischen Mr. Peterson…
So viel - oder besser: so wenig - zum Inhalt. Der muss bei diesem Buch einfach vage bleiben und sich auf Andeutungen beschränken, denn die Ratlosigkeit vom ersten Kapitel an, wenn Alex bei der Polizei sitzt und den Ordnungshütern die merkwürdigen Details seine Reise zu erklären versucht, gehört hier zum Leseprozess einfach dazu. Alex erzählt die Geschichte seines Lebens anschließend chronologisch, angefangen mit dem Moment, der dazu führte, dass plötzlich jeder den Namen des 10jährigen kannte - einen kleinen Hinweis darauf gibt das schöne Cover des Buches.
Donnerstag, 6. März 2014
Rezension zu "Catching Fire" von Suzanne Collins
Ein starker zweiter Band
„Catching Fire“ ist der zweite Teil der „Hunger Games“-Trilogie von
Suzanne Collins (deutscher Titel: „Die Tribute von Panem – Gefährliche Liebe“). Die Fortsetzung der erfolgreichen dystopischen Zukunftsvision
rund um die tödlichen, vom alten Rom inspirierten Spiele in der Arena
Panems begleitet das Leben von Katniss und Peeta nach deren Rückkehr in
Distrikt 12.
Inhalt: Während Katniss und Peeta nach ihrer
Rückkehr in ihren Heimatdistrikt ein deutlich weniger entbehrungsreiches
Leben führen, spitzt sich die Situation im Land immer mehr zu. Es gibt
Gerüchte über eine Rebellion, die durch Katniss‘ Trick am Ende der
letzten Spiele Aufwind bekommen hat. Präsident Snow lässt daher keinen
Zweifel daran, dass Katniss und Peeta auf ihrer Siegestour durch die
anderen Distrikte alle von ihrer großen Liebe für einander überzeugen
müssen, um Schlimmeres zu verhindern und sich und ihrer Familien nicht
in große Gefahr zu bringen…Ich habe viel Zeit verstreichen lassen, nachdem ich den ersten Band der „Hunger Games“ gelesen hatte. Jenen fand ich genial, von der Grundidee bis zur Umsetzung. Doch ich war unsicher, was die Fortsetzbarkeit dieser Geschichte anging. Sicher war Katniss‘ und Peetas Rückkehr nach Distrikt 12 nicht das Ende dessen, was man aus dem Land Panem, dieser gefährlichen, ungerechten Zukunftsvision, herausholen konnte. Doch was ich in anderen Inhaltszusammenfassungen las, ließ mich zögern – die Idee einer Rebellion ist nur konsequent und schlüssig, aber es gab einen Zusatz: Erneute Spiele, wieder Arena, ausgerechnet jetzt eine Neuerung in den Regeln, sodass zu den 75. Spielen nicht neue Tribute aus der Masse aller Jugendlichen sondern aus dem Gewinnern der vorangegangenen Spielen ausgelost würden. Was das bei nur drei Gewinnern von Distrikt 12 heißen würde - zwei Männern und einer Frau, Peeta, Haymitch und Katniss -, ist wahrlich kein großes Rätsel.
Donnerstag, 27. Februar 2014
Rezension zu "Kiss me, kill me" von Lucy Christopher
Emotionaler Psychothriller
„Kiss me, kill me“ ist der neue Roman von Lucy Christopher, einer
britische Autorin, die mich zuletzt mit ihrem Debütroman „Ich wünschte,
ich könnte dich hassen“ sehr begeistert hat. Entsprechend hoch waren
meine Erwartungen an ihr neuestes Werk, das sich am ehesten als
Psychothriller einordnen lässt.
Inhaltlich geht es um den Tod der hübschen und beliebten Ashlee. Eines Nachts trägt Emilys Vater Jon die tote Mitschülerin ins Haus. Doch der ehemalige Soldat ist durch seinen Kriegseinsatz psychisch sehr belastet und leidet unter starken Flashbacks. Er kann sich nicht erinnern, was im Wald, wo er sich oft in einem alten, versteckten Bunker aufhält, passiert ist. Emily ist von seiner Unschuld überzeugt, doch da es keine anderen Beweise gibt, wird ihr Vater wegen Totschlags angeklagt.
Damon war Ashlees Freund. Er ist von Jon Shepherds Schuld überzeugt, doch er hat keine Erinnerung mehr an die Nacht, in der Ashlee starb und die Zweifel beginnen an ihm zu nagen…
„Kiss me, kill me“ hat viele Elemente eines Psychothrillers, konzentriert sich aber vor allem auf das Innenleben der beiden Ich-Erzähler Emily und Damon. Ihre persönliche Verwicklung, ihre emotionale Beteiligung an dem Todesfall, der Vater und Freundin aus ihren Leben gerissen hat – einer im Gefängnis, die andere tot; ihre Zweifel, die Unterschiede zwischen der Realität und den Erinnerungen.
Freitag, 1. November 2013
Rezension zu "Schwarzlicht" von Horst Eckert
Krimi mit politischen Intrigen
„Schwarzlicht“ von Horst Eckert ist ein in Düsseldorf angesiedelter
Kriminalroman und der erste in dem Hauptkommissar Vincent Veih die
Ermittlungen aufnimmt. Eine Fortsetzung dieser Figur in einem weiteren
Krimi soll wohl bereits in Planung sein.
Zu Beginn aber einige Worte zum Inhalt von Veihs erstem Fall:
Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Walter Castorp, wird in einem Düsseldorfer Apartment tot aufgefunden. Schnell steht fest: Es war Mord. Hat dieser wohlmöglich etwas mit der in wenigen Tagen anstehenden Landtagswahl zu tun? Oder mit dem politischen Skandal, in den der Ministerpräsident verwickelt war? Die Ermittlungen in dem Fall übernimmt Vincent Veih, Sohn einer ehemaligen RAF-Terroristin und gerade erst zum Leiter des KK11 ernannt. Der politisch brisante Fall stellt ihn vor einige Probleme…
Zunächst muss ich anmerken, den auf dem Cover versprochenen „Thriller“ habe ich inhaltlich nicht wiederfinden können. Einen wirklich guten Kriminalroman mit gelungenen politischen Einflüssen, der Wahl vorausgehenden Intrigen und einem spannenden wie interessanten Mordfall mit sich anschließenden überzeugenden polizeilichen Ermittlungen – das habe ich ganz sicher gefunden. Doch, obwohl die Übergänge gerade bei Krimis und Thriller unbestreitbar fließend sind und es von Leser zu Leser wahrscheinlich persönlich abweichende Definitionen gibt, meine Erwartungshaltung bei dem Genre „Thriller“ ist eine andere, als wenn das Wörtchen „Kriminalroman“ das Cover ziert. Ich lese beides gerne, für einen Thriller jedoch fehlt „Schwarzlicht“ das Bedrohliche. Der anhaltend hohe Nervenkitzel durch einen weiterhin präsenten Täter, der jederzeit wieder gefährlich werden könnte, vielleicht auch eine Perspektive des Täters, die persönliche Bedrohung eines Protagonisten, das Angst machen – das sind Merkmale eines Thrillers, die ein auf Ermittlungen basierender Kriminalroman nicht hat – auch gar nicht braucht – und genau das trifft auch auf „Schwarzlicht“ zu.
Abgesehen von dieser kleinen Kritik an die gewählte Begrifflichkeit ist „Schwarzlicht“ allerdings ein wirklich gelungener Polit-Krimi. Der Mordfall ist außergewöhnlich, das mediale und politische Interesse daran wird überzeugend und spannend mit den Ermittlungen, geführt von dem in sich gespaltenen KK11 unter der neuen – und vorerst vorübergehenden – Leitung von Vincent Veih, verflochten und Intrigen sowie Versuche der subtilen Einflussnahme werden so eingebaut, dass sie auch den Leser mitnehmen in das Gefühl von Ungerechtigkeit und Frustration und ihn emotional stark involvieren. Selbst für regelmäßige Krimileser bietet dieser Roman noch einige neue Facetten – die Ermordung eines Ministerpräsidenten aus einer großen Partei, kurz vor einer Wahl, das ist schon ein ungewöhnlicheres Thema und wird hier zudem konsequent und mit unerwartetem Ausgang gekonnt umgesetzt.
Zwischendurch gibt es vielleicht den ein oder anderen Handlungsstrang zu viel, was als Abbild eines realen Bildes eines solchen Kriminalkommissariats durchaus zutreffend sein kann, den Leser eines fiktionalen Werkes aber schnell den Fokus nehmen und ihn ein wenig verwirren kann. Allerdings trat dies bei „Schwarzlicht“ nur gelegentlich auf, sodass es nicht als sehr störend empfunden wurde und, was das wichtigste ist, am Ende gelang dem Autor ein stimmiges Gesamtbild, das ohne unnötige Konstruktion eine glaubwürdige Zusammenführung der einzelnen Ereignisse ermöglichte.
Die sprachliche Umsetzung bei „Schwarzlicht“ kann man wirklich nur als sehr gut bezeichnen, der Stil ist flüssig, durch eine doch eher auffällige Abfolge von Aufzählungen und kurzen Sätzen aber auch alles andere als eintönig, gelungen auf die leicht depressive, nüchterne, manchmal wütende und nachdenkliche Grundstimmung der Hauptfigur zugeschnitten und insgesamt recht temporeich.
Vincent Veih stellt einen in sich charakterlich sehr runden Protagonisten dar, der sowohl durch eine ungewöhnliche Herkunft und einen holprigen Lebensweg in der Vergangenheit wie auch durch familiäre und persönliche Schwierigkeiten in der Gegenwart ein sehr starkes Profil erhält und durch eine teilweise sture bis rebellische, teilweise auch ein wenig zwiespältige Verhaltensweise einiges an Konfliktpotential mit in die Handlung bringt. Als Gegenpart zu den Versuchen der Einflussnahme aufgrund von politischen Interessen durch die Vorgesetzten ist er genau passend.
Fazit: Ein guter Kriminalroman – kein Thriller – mit politischen Einflüssen, einer starken Hauptfigur und unerwarteten Entwicklungen. Von mir gibt es dafür knappe 5 Sterne und eine Empfehlung für Krimifans. Ich würde mich auf eine Fortsetzung mit der Figur Vincent Veih sehr freuen.
Zu Beginn aber einige Worte zum Inhalt von Veihs erstem Fall:
Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Walter Castorp, wird in einem Düsseldorfer Apartment tot aufgefunden. Schnell steht fest: Es war Mord. Hat dieser wohlmöglich etwas mit der in wenigen Tagen anstehenden Landtagswahl zu tun? Oder mit dem politischen Skandal, in den der Ministerpräsident verwickelt war? Die Ermittlungen in dem Fall übernimmt Vincent Veih, Sohn einer ehemaligen RAF-Terroristin und gerade erst zum Leiter des KK11 ernannt. Der politisch brisante Fall stellt ihn vor einige Probleme…
Zunächst muss ich anmerken, den auf dem Cover versprochenen „Thriller“ habe ich inhaltlich nicht wiederfinden können. Einen wirklich guten Kriminalroman mit gelungenen politischen Einflüssen, der Wahl vorausgehenden Intrigen und einem spannenden wie interessanten Mordfall mit sich anschließenden überzeugenden polizeilichen Ermittlungen – das habe ich ganz sicher gefunden. Doch, obwohl die Übergänge gerade bei Krimis und Thriller unbestreitbar fließend sind und es von Leser zu Leser wahrscheinlich persönlich abweichende Definitionen gibt, meine Erwartungshaltung bei dem Genre „Thriller“ ist eine andere, als wenn das Wörtchen „Kriminalroman“ das Cover ziert. Ich lese beides gerne, für einen Thriller jedoch fehlt „Schwarzlicht“ das Bedrohliche. Der anhaltend hohe Nervenkitzel durch einen weiterhin präsenten Täter, der jederzeit wieder gefährlich werden könnte, vielleicht auch eine Perspektive des Täters, die persönliche Bedrohung eines Protagonisten, das Angst machen – das sind Merkmale eines Thrillers, die ein auf Ermittlungen basierender Kriminalroman nicht hat – auch gar nicht braucht – und genau das trifft auch auf „Schwarzlicht“ zu.
Abgesehen von dieser kleinen Kritik an die gewählte Begrifflichkeit ist „Schwarzlicht“ allerdings ein wirklich gelungener Polit-Krimi. Der Mordfall ist außergewöhnlich, das mediale und politische Interesse daran wird überzeugend und spannend mit den Ermittlungen, geführt von dem in sich gespaltenen KK11 unter der neuen – und vorerst vorübergehenden – Leitung von Vincent Veih, verflochten und Intrigen sowie Versuche der subtilen Einflussnahme werden so eingebaut, dass sie auch den Leser mitnehmen in das Gefühl von Ungerechtigkeit und Frustration und ihn emotional stark involvieren. Selbst für regelmäßige Krimileser bietet dieser Roman noch einige neue Facetten – die Ermordung eines Ministerpräsidenten aus einer großen Partei, kurz vor einer Wahl, das ist schon ein ungewöhnlicheres Thema und wird hier zudem konsequent und mit unerwartetem Ausgang gekonnt umgesetzt.
Zwischendurch gibt es vielleicht den ein oder anderen Handlungsstrang zu viel, was als Abbild eines realen Bildes eines solchen Kriminalkommissariats durchaus zutreffend sein kann, den Leser eines fiktionalen Werkes aber schnell den Fokus nehmen und ihn ein wenig verwirren kann. Allerdings trat dies bei „Schwarzlicht“ nur gelegentlich auf, sodass es nicht als sehr störend empfunden wurde und, was das wichtigste ist, am Ende gelang dem Autor ein stimmiges Gesamtbild, das ohne unnötige Konstruktion eine glaubwürdige Zusammenführung der einzelnen Ereignisse ermöglichte.
Die sprachliche Umsetzung bei „Schwarzlicht“ kann man wirklich nur als sehr gut bezeichnen, der Stil ist flüssig, durch eine doch eher auffällige Abfolge von Aufzählungen und kurzen Sätzen aber auch alles andere als eintönig, gelungen auf die leicht depressive, nüchterne, manchmal wütende und nachdenkliche Grundstimmung der Hauptfigur zugeschnitten und insgesamt recht temporeich.
Vincent Veih stellt einen in sich charakterlich sehr runden Protagonisten dar, der sowohl durch eine ungewöhnliche Herkunft und einen holprigen Lebensweg in der Vergangenheit wie auch durch familiäre und persönliche Schwierigkeiten in der Gegenwart ein sehr starkes Profil erhält und durch eine teilweise sture bis rebellische, teilweise auch ein wenig zwiespältige Verhaltensweise einiges an Konfliktpotential mit in die Handlung bringt. Als Gegenpart zu den Versuchen der Einflussnahme aufgrund von politischen Interessen durch die Vorgesetzten ist er genau passend.
Fazit: Ein guter Kriminalroman – kein Thriller – mit politischen Einflüssen, einer starken Hauptfigur und unerwarteten Entwicklungen. Von mir gibt es dafür knappe 5 Sterne und eine Empfehlung für Krimifans. Ich würde mich auf eine Fortsetzung mit der Figur Vincent Veih sehr freuen.
Allgemeine Informationen
Ausgabe: Gebunden mit Schutzumschlag
Erschienen: Sep. 2013
Seiten: 384
Verlag: Wunderlich
ISBN: 978-3-8052-5057-3
Preis: € [D] 19.95
Leseprobe und weitere Informationen auf der Verlagshomepage zum Buch
"Schwarzlicht" von Horst Eckert bei Amazon
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Mittwoch, 2. Oktober 2013
Rezension zu "Du. Wirst. Vergessen." von Suzanne Young
Schleichender Weg in die Dystopie
„Du. Wirst. Vergessen.“ von Suzanne Young ist der erste von zwei Bänden
mit einer dystopischen Grundidee, die im Vergleich zu den meisten
anderen Büchern dieses aktuellen Trend-Genres sehr nah – sowohl zeitlich
wie auch inhaltlich – an unserer realen Gegenwart bleibt.
Zum Inhalt: Die Selbstmordrate ist unter Jugendlichen stark gestiegen, Auch Sloanes Bruder Brady hat sich vor zwei Jahren das Leben genommen. Um das Problem zu bekämpfen, wurde das „Programm“ entwickelt, unterstützt von der Regierung und den Eltern. Die Jugendlichen werden beobachtet. Wer Anzeichen von Depressionen zeigt, muss damit rechnen ins „Programm“ gebracht zu werden – die Rückkehrer haben alle Erinnerungen verloren. Daher vermeidet es Sloane, so wie alle anderen auch, ihre Gefühle zu zeigen. Nicht einmal vor ihren Eltern kann sie ehrlich sein. Nur bei ihrem Freund James ist sie offen, doch eines Tages bricht James zusammen. Wird Sloane es schaffen, dass er sich an sie erinnert, wenn er aus dem „Programm“ zurückkehrt? Oder könnte sie damit leben, wenn er es nicht tut?
„Du. Wirst. Vergessen.“ schafft es dem aktuellen Dystopie-Trend neues hinzuzufügen. Nicht durch die verlorenen Erinnerungen – das ist kein seltenes oder besonders neues Motiv. Doch „Du. Wirst. Vergessen.“ stellt in seiner Position zwischen unserer Gesellschaft und der dystopischen Zukunftsvision einen Sonderfall dar. Denn, während die meisten Dystopien neue Gesellschaftsstrukturen präsentieren und dem Leser in den Hintergrundinformationen nur nebenbei Einblick darauf gewähren, wie sich diese entwickelt haben, ob durch Konflikte, gar Kriege, oder Naturkatastrophen apokalyptischen Ausmaßes, zeigt Suzanne Young genau diesen Übergang zwischen unserer Realität und einer dystopischen Zukunft. Dabei sind ihre Überlegungen sehr gut durchdacht, gleichzeitig aber auch denkbar unspektakulär, sodass tatsächlich auch eine gefühlte Nähe zwischen Gegenwart des Lesers und der hier erschaffenen Welt entstehen kann.
Es müssen nicht immer die großen Kriege oder Katastrophen sein, die Gesellschaften durch bedenkliche Entscheidungen Schritt für Schritt zum Negativen verändern. Hier ist der Auslöser ein plötzlicher Anstieg der Zahl von Suiziden bei jungen Menschen. Die Lösung zur Eindämmung dieser ist das „Programm“. Da die Rückkehrer nach ihrer Behandlung keine Anzeichen von depressiven Erkrankungen mehr zeigen, gilt es als Erfolg, zumindest bei der Regierung und den besorgten Eltern. Die Jugendlichen selbst sehen jedoch die andere Seite. Sie verlieren Freunde, denn die Behandelten erinnern sich nicht, haben sogar stark veränderte Persönlichkeiten, werden optisch verändert – neue Kleidung, neue Frisur. Doch öffentlich Kritik zu üben oder Gefühle zu zeigen, kann bedeuten, dass man selbst der Nächste ist, der ins „Programm“ muss.
„Du. Wirst. Vergessen.“ setzt mit dieser Idee nicht in ferner Zukunft an, sondern in einer der Gegenwart sehr nahen Zeit. Doch, obwohl sich eigentlich nur ein einziges Element verändert hat (die Selbstmordrate) und besorgte Erwachsene aus richtigen Gründen (die Heilung der Depressionen) das Falsche unterstützen (das „Programm“), ist das Leben der Jugendlichen davon schon stark negativ beeinflusst und damit für den Leser sehr erschreckend. Dabei hat dieses eine dystopische Merkmal allerdings noch Grenzen. Zum Beispiel die Volljährigkeit. Noch ist die Gesellschaft nicht so weit gegangen die Mündigkeit der Menschen im Erwachsenenalter zu schränken. Noch ist das „Programm“ auch lokal beschränkt. Doch es weitet sich aus und gewinnt an Einfluss. Genau diese Entwicklung hinein in die Dystopie ist einer der Kernaspekte dieses Buches.
Das
zweite und vordergründige Hauptaugenmerk liegt auf der Entwicklung der
Charaktere und ihrer Beziehungen in dieser schwierigen Welt. Sloane,
James und ihre Freunde kämpfen gegen die negativen Gefühle, der Roman
wird dadurch hauptsächlich bestimmt von einer nachdenklichen, oft
traurigen Stimmung und weniger von actionreichen Sequenzen. Die
Ausweglosigkeit ist greifbar in der Gefühlswelt der Protagonisten und
von der Autorin atmosphärisch ebenso gut umgesetzt, wie die intensive
Liebesgeschichte zwischen Sloane und James, dem ehemals besten Freund
ihres Bruders Brady. Sein Selbstmord verbindet und belastet die beiden
und vermutlich ist es von vorn herein nur eine Frage der Zeit, bis das
„Programm“ auch dieses wundervolle Paar entzweit. Es folgen spannende
Entwicklungen, zartes Herantasten und viele schockierende und traurige
Momente. „Du. Wirst. Vergessen.“ ist nicht nur sprachlich stark
geschrieben, es lebt auch von den starken Gefühlen der Protagonisten und
einer bedrückenden Grundstimmung.Neben der guten Sprache überzeugen auch die Charaktere, allen voran die Ich-Erzählerin Sloane, eine aufgeweckte 17-Jährige, die zwar Schwächen zeigt aber nicht durch Naivität oder gar Dummheit negativ auffällt, sondern ganz im Gegenteil mit Charaktertiefe und Facettenreichtum überzeugt. Mit ihr mit zu fiebern fällt leicht, ihre Trauer und ihren Schwermut zu verstehen ebenfalls.
Die Autorin vereint eine gute Mischung aus Liebe, Wut und einer ausdrucksstarken Persönlichkeit in ihrer Hauptfigur. Das „Programm“ stellt dabei eine weitere Herausforderung dar, indem es die Notwendigkeit schafft, zwischen Bachgefühl und Wissen unterscheiden zu müssen, wenn die Erinnerungen fort sind. Wie Sloane und die anderen mit den Auswirkungen des Programms umgehen, wie die Autorin sich das „Programm“ überhaupt vorstellt, ist sehr lesenswert und die Fortsetzung wird von mir jetzt mit Spannung erwartet.
Fazit: „Du. Wirst. Vergessen.“ ist eine sprachlich intensive und mit starken Charakteren umgesetzte Romanidee, die sich mit einer dystopischen Idee zur Bekämpfung von Selbstmorden und Depressionen befasst und zeigt, wie ein solches Element eine Gesellschaft, die im Kern noch nah an der heutigen Zeit liegt, nach und nach zum Negativen verändert. Das ist der Autorin sehr gut gelungen, besonders durch eine eher nachdenkliche Grundstimmung. „Du. Wirst. Vergessen.“ setzt mehr auf die emotionalen Aspekte als auf große Action. Ich kann dieses Buch nur empfehlen. 5 Sterne.
Die Reihe (mit Links zu Amazon):
- "Du. Wirst. Vergessen." (August. 2013, englischer Originaltitel "The Program")
- noch nicht bekannt (englischer Originaltitel "The Treatment", April 2014)
Allgemeine Informationen
Ausgabe: Broschur
Erschienen: August 2013
Seiten: 448
Verlag: blanvalet
ISBN: 978-3-442-26921-1
Preis: € [D] 14.00
Freitag, 27. September 2013
Rezension zu "Grischa - Eisige Wellen" (Band 2) von Leigh Bardugo
Spannender, düsterer und unheimlicher
„Grischa – Eisige Wellen“ ist nach „Goldene Flammen“ der zweite Band
einer High-Fantasy-Trilogie mit russisch angehauchter Szenerie. Die
Reihe, offiziell aus dem Jugendbuchbereich aber uneingeschränkt
All-Age-geeignet, wird geschrieben von der in Amerika lebenden Autorin
Leigh Bardugo und konnte mich jetzt ein zweites Mal begeistern.
Zunächst ein paar Worte zum Inhalt:Alina und Maljen sind nach ihrem Sieg über den Dunklen auf der Flucht und versuchen jenseits der Wahren See ihre Identität zu verschleiern. Denn die Unsicherheit bleibt. Sollte der Dunkle den Schattenflur überlebt haben? Selbst weit entfernt von ihrer Heimat Rawka kann sich Alina nicht sicher fühlen. Ihre Befürchtungen scheinen sich zu bewahrheiten, denn die Gerüchte über den Dunklen nehmen zu und er könnte mächtiger sein als jemals zuvor. Rawka ist in Gefahr und Alina auch, denn um seine Pläne in die Tat umzusetzen, braucht der Dunkle ihre Kräfte….
Die „Grischa“-Trilogie hebt sich nicht nur durch die in zarten Farben gestalteten Cover von anderen Reihen im Jugendbuchbereich ab. Zunächst einmal ist sie eine der wenigen High-Fantasy-Reihen, denn unter den Jugendbüchern ist die Welt des Über- und Unnatürlichen deutlich stärker - wenn nicht gar fast ausschließlich - durch die Urban- und Contemporary-Fantasy repräsentiert, also durch ein Genre, in dem Fantasy-Elemente in unsere (in der Regel moderne) Welt eingebunden werden. In der „Grischa“-Trilogie befinden wir uns in einem Reich mit mittelalterlichen Strukturen, das nicht Teil unserer Welt ist. Was „Grischa“ jedoch auch hier aus dem üblichen High-Fantasy-Setting herausstechen lässt, sind Anlehnungen an die russische Geschichte und Sprache, die sich sowohl in der Herrschaftsform Rawkas selbst finden (es ist ein Zarenreich) als auch in zahlreichen Namen von Personen und Orten. Es handelt sich also zwar um High-Fantasy, dennoch gibt es aber Wiedererkennungspunkte mit einer historischen, russisch beeinflussten Welt, was ich als Grundkonzept auch beim zweiten Band sehr gelungen und immer wieder spannend finde.
Auch durch den sprachlich sehr gelungenen Aufbau der Reihe schafft die Autorin es, sich von der Masse abzuheben. So beginnt und endet auch der zweite Band, wie schon der erste, mit einem Prolog und einem Epilog, die in einem neutralen, fast märchenhaften Stil gehalten werden und ganz distanziert von einem Jungen und einem Mädchen erzählen. Diese Kapitel runden den Roman ab und sorgen sowohl am Anfang wie auch am Ende für eine besondere Atmosphäre, die dazwischen von Alina als starker Ich-Erzählerin aufgenommen wird. Diese kleinen Elemente, die Berührungspunkte zu einem russischen Zarenreich oder die ungewöhnlichen Kapitel im Märchenstil, sind das, was „Grischa“ als Reihe zu etwas Besonderem macht, und zusammen mit einer sehr erwachsenen Sprache, gespickt mit eindrucksvollen Beschreibungen in bildgewaltigen Momenten, wird „Grischa“ dadurch auch für Fantasy-Fans jeden Alters zum absoluten Lesevergnügen.
Dennoch kann ich nicht abstreiten, dass ich mit einer gewissen Skepsis an die Fortsetzung herangegangen bin. „Goldene Flammen“ ließ sicherlich einige Fragen offen, war aber insgesamt mit seinem offenen Ende sehr rund und hätte wundervoll als Einzelband funktionieren können. Musste die Frage nach dem Schicksal des Dunklen also wirklich noch einmal aufgerollt werden? Sie musste vielleicht nicht, aber ich bin froh, dass Bardugo es getan hat. Was ich im ersten Band noch kritisiert hatte – mein einziger Kritikpunkt in einem ansonsten nahezu perfekten Roman - , war die teilweise etwas unvollständige Versorgung des Lesers bezüglich der Informationen über die Magie und Struktur der Grischa als Gemeinschaft verschiedener Orden mit mannigfaltigen Eigenschaften und Kombinationen von Aufgaben und Farbcodes, die zu überblicken für mich als Leser schwierig war. Davon ist in „Eisige Wellen“ kaum noch etwas zu spüren, was zum Einen auch daran liegen mag, dass das Leben im Kleinen Palast unter den Grischa nicht mehr die größte Rolle spielt, allerdings taucht die Autorin auch noch einmal viel tiefer in die Welt Rawkas ein.
Alina
und Maljen bereisen viele Orte und treffen auf magische Wesen und
politische Intrigen. An wessen Seite das alles passiert, soll hier nicht
näher beschrieben werden, denn sowohl die Rolle des Dunklen als auch
die weiterer Personen ist ein unverzichtbarer Teil des Spannungsaufbaus
innerhalb der Geschichte. Nur so viel sei verraten: Der Dunkle macht
seinem Namen noch einmal alle Ehre. Unheimlicherer, düsterer und
erschreckender war „Grischa“ bisher nie. Ansonsten geht es um Politik,
religiöse Kulte, die Macht im Zarenreich und die Herrschaft über die
Grischa im Kleinen Palast. Die wunderschöne, zarte Liebesgeschichte
zwischen Alina und Maljen wird konfliktreicher werden und leiden –
gleich an mehreren Stellen geht diese Fortsetzung emotional gewaltig
unter die Haut.Insgesamt machen die Charaktere einen sehr ausgereiften Eindruck und sind für ein Jugendbuch in ihrem Verhalten bereits sehr Erwachsen. Niemand, der sich nicht mehr zu den Teens zählen kann, sollte aufgrund der Altersempfehlung „ab 14 Jahren“ davor zurückschrecken, dieses Buch in die Hand zu nehmen, denn strenge Differenzierungen zwischen der Eignung für Jugendliche oder Erwachsene müssen gerade bei dieser Trilogie aufgrund der exzellenten Sprache und der Vielschichtigkeit der Charaktere an sich nicht gezogen werden.
Was den Spannungsverlauf angeht, so steigert sich „Eisige Wellen“ mit jeder Seite und gipfelt in einem unglaublichen Finale, das beinahe atemlos werden lässt. Mit großer Spannung erwarte ich jetzt den dritten Band, denn am Ende des zweiten ist es nicht mehr wie nach dem ersten Band: Hier muss definitiv noch eine Geschichte zu Ende erzählt werden.
Fazit: „Eisige Wellen“ kann sich im Vergleich zu seinem Vorgänger „Goldene Flammen“ noch einmal steigern. Es wird spannender, düsterer und unheimlicher. Insgesamt ist „Grischa“ eine Trilogie, die sich sowohl durch die Reife ihrer Charaktere wie auch durch stilistische, sprachliche Elemente und den Aufbau ihrer Welt als High-Fantasy mit Berührungspunkten zum historischen russischen Zarenreich deutlich von anderen abhebt. Sehr empfehlenswert. 5 Sterne
Die Grischa-Trilogie (mit Links zu Amazon.de)
- "Goldene Flammen" (Sep. 2012, englischer Originaltitel: "Shadow and Bone")
- "Eisige Wellen" (Juli 2013, englischer Originaltitel: "Siege and Storm")
- noch nicht bekannt (englischer Originaltitel: "Ruin and Rising", vorraussichtlich Juni 2014)
- In Großbritannien wurde der erste Band der Grischa-Trilogie unter dem Titel "The Gathering Dark" veröffentlicht.
Zusätzliche Märchen
- "Die Hexe von Duwa" (ebook, Sep. 2012, englischer Titel: "The Witch of Duva")
- "Der allzu schlaue Fuchs" (ebook, Okt. 2013, englischer Titel: "The Too-Clever Fox")
Allgemeine Informationen
Ausgabe: Gebunden
Erschienen: Juli 2013
Seiten: 384
Verlag: Carlsen
ISBN: 978-3551582966
Preis: € [D] 18.90
Leseprobe und weitere Informationen auf der Verlagshomepage zum Buch
"Grischa - Eisige Wellen" von Leigh Bardugo bei Amazon
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Sonntag, 22. September 2013
Rezension zu "Die drei Leben der Tomomi Ishikawa" von Benjamin Constable
Wirklichkeit oder Einbildung? Ein ewiges Rätsel....
„Die drei Leben der Tomomi Ishikawa“ von Ben Constable ist ein Roman,
der zugleich verwirrt und nachdenklich macht. Was ist real, was
Einbildung? Das ist manchmal schwer zu sagen…
Inhalt: Ben
Constables Freundin Tomomi Ishikawa hat sich das Leben genommen. In
einem Brief, der unter seiner Tür durchgeschoben wurde, teilt sie ihm
dies mit. Doch damit nicht genug, weitere Nachrichten von ihr folgen,
versteckt an unterschiedlichsten Orten, auf die sie Hinweise
hinterlässt. Sie führen Ben Constable auf eine Schnitzeljagd durch Paris
und New York und zu grausamen Geheimnissen in Tomomi Ishikawas Leben.
Wie gut kannte er seine Freundin überhaupt? Sind ihre Geschichten wahr
oder erfunden? Ben Constable weiß es schon bald nicht mehr…
Den
Roman von Benjamin Constable einem Genre zuzuordnen fällt nicht gerade
leicht. Es hat Elemente eines Thrillers, die Jagd nach Tomomi Ishikawas
Vergangenheit ist ohne Frage spannend und die gewonnenen Erkenntnisse
teilweise sehr schockierend. Was das angeht, so hat der Roman meine
Erwartungen, die ich rein aus dem Klappentext heraus entwickelt hatte,
absolut erfüllt. Doch dahinter steckt mehr. „Die drei Leben der Tomomi
Ishikawa“ spielt mit der Verwischung von Realität und Fiktion. Weder
scheint der Protagonist immer zu wissen, was der Wahrheit entspricht –
ob überhaupt etwas der Wahrheit entspricht? – noch kann der Leser diese
Frage nach Wirklichkeit oder Einbildung beantworten.
Was direkt zu Beginn auffällt: Autor und Protagonist tragen denselben Namen. Und nicht nur das – sie sind gleich alt, in England geboren, lebend und arbeitend in Paris, mit dem bisher weitestgehend unerfüllten Wunsch, als Autor Fuß zu fassen. All das kann man nicht nur über die Figur Ben Constable lesen, sondern es findet sich auch in der Biographie des Autors Benjamin Constable. Die Geschichte wird zudem eingeleitet durch ein Gespräch zwischen Tomomi Ishikawa und Ben Constable, darüber, dass er gerne mal ein Buch über sie beide schreiben würde. Wie passend. Versetzt sich der Autor also selbst, als Ich-Erzähler, in seine Geschichte? Es scheint so. Oder?
Selbst in der Geschichte wird die Frage nach Realität oder Fiktion auf mehreren Ebenen immer wieder gestellt. Sind Tomomi Ishikawas Offenbarungen über ihre Vergangenheit, auf deren Spuren Ben Constable wandelt, wahr oder entspringen sie ihrer Vorstellungskraft? Ist sie wirklich tot? Was steckt hinter der Schnitzeljagd? Oder hinter dem imaginären Kater Cat. Dass Cat imaginär ist, steht außer Frage, nur Ben Constable kann ihn sehen – für ihn ist er aber sehr real. Eine imaginäre Katze, die zwar nicht spricht, wenn es sein muss, aber mal die Führungsrolle übernimmt. Das klingt schräg? Ist es auch! Der Roman ist verwirrend, schwer zu deuten und lässt den Leser mit vielen offenen Fragen zurück, allerdings, und das macht ihn zu etwas besonderem, lässt er ihn auch nicht mehr los.
Was direkt zu Beginn auffällt: Autor und Protagonist tragen denselben Namen. Und nicht nur das – sie sind gleich alt, in England geboren, lebend und arbeitend in Paris, mit dem bisher weitestgehend unerfüllten Wunsch, als Autor Fuß zu fassen. All das kann man nicht nur über die Figur Ben Constable lesen, sondern es findet sich auch in der Biographie des Autors Benjamin Constable. Die Geschichte wird zudem eingeleitet durch ein Gespräch zwischen Tomomi Ishikawa und Ben Constable, darüber, dass er gerne mal ein Buch über sie beide schreiben würde. Wie passend. Versetzt sich der Autor also selbst, als Ich-Erzähler, in seine Geschichte? Es scheint so. Oder?
Selbst in der Geschichte wird die Frage nach Realität oder Fiktion auf mehreren Ebenen immer wieder gestellt. Sind Tomomi Ishikawas Offenbarungen über ihre Vergangenheit, auf deren Spuren Ben Constable wandelt, wahr oder entspringen sie ihrer Vorstellungskraft? Ist sie wirklich tot? Was steckt hinter der Schnitzeljagd? Oder hinter dem imaginären Kater Cat. Dass Cat imaginär ist, steht außer Frage, nur Ben Constable kann ihn sehen – für ihn ist er aber sehr real. Eine imaginäre Katze, die zwar nicht spricht, wenn es sein muss, aber mal die Führungsrolle übernimmt. Das klingt schräg? Ist es auch! Der Roman ist verwirrend, schwer zu deuten und lässt den Leser mit vielen offenen Fragen zurück, allerdings, und das macht ihn zu etwas besonderem, lässt er ihn auch nicht mehr los.
Benjamin
Constable hat es geschafft, mich innerhalb weniger Seiten in seinen Bann
zu ziehen. Nie wusste ich wirklich, wohin der Roman führen würde –
vorherzusehen ist wenig, wo man doch nicht einmal weiß, was echt ist und
was nicht. Doch schon allein durch die wunderschöne Sprache, die
bildhaften Beschreibungen, die Ben Constable mit einer leichten
Lethargie und tiefen Traurigkeit der Figuren verbindet und immer wieder
durch frohe, humorvollen oder schockierende Momente aufbrechen lässt,
ist der Leser gefangen. Das hat mich begeistert, ebenso wie die
wiederkehrenden Elemente, die Symbolik hinter den Worten, eine große
Faszination ausübten und den Schreibstil zu etwas einzigartigem machten,
das man nur zu gerne erleben wollte.
Die Schauplätze sind
vielfältig, eine Reise durch Paris und New York in all ihren Facetten,
und immer intensiv beschrieben, mit Liebe zum Detail und sprachlicher
Präzision.
Abgerundet wurde der Roman durch die Tiefe und Vielschichtigkeit der Figuren. Freundschaft, Liebe, Traurigkeit, Depression und Tod – alles ist dabei. Selten kann man die Absichten der Charaktere durchschauen, oft nicht einmal verstehen, und nur langsam setzen sich die Puzzlestücke zusammen, aber nie vollständig. Der Roman und seine Protagonisten geben am Ende viel Stoff zum Nachdenken.
Abgerundet wurde der Roman durch die Tiefe und Vielschichtigkeit der Figuren. Freundschaft, Liebe, Traurigkeit, Depression und Tod – alles ist dabei. Selten kann man die Absichten der Charaktere durchschauen, oft nicht einmal verstehen, und nur langsam setzen sich die Puzzlestücke zusammen, aber nie vollständig. Der Roman und seine Protagonisten geben am Ende viel Stoff zum Nachdenken.
Eine
leichte Lektüre für zwischendurch ist „Die drei Leben der Tomomi
Ishikawa“ sicher nicht. Das Buch hat einen gewissen Anspruch und fordert
Aufmerksamkeit, unterhält aber gleichzeitig auch durch subtilen Humor
mit einem Hang zum Skurrilen und große Bilder für die Vorstellungskraft
des Lesers. Ich kann nicht sagen, dass ich einen solchen Roman erwartet
hätte, denn so etwas Verwirrendes hätte ich mir nicht vorstellen können.
Und dennoch hat es mich begeistert, einfach, weil es etwas ganz
besonderes war. Ein Roman der lange in Erinnerung bleibt.
Fazit:
„Die drei Leben der Tomomi Ishikawa“ ist ein ungewöhnlicher Roman.
Verwirrend und voller Rätsel, ständig auf der Suche zwischen Realität
und Einbildung, dabei wundervoll geschrieben und sowohl zum Lachen wie
auch zum Weinen. Die Geschichte berührt, unterhält und regt zum
Nachdenken an, wenn man sich denn auf das skurrile Abenteuer einlassen
kann. Es lohnt sich. Ein außergewöhnlicher Roman, dem ich, auch wenn er
ein wenig Chaos in meinem Kopf hinterlässt, nur 5 Sterne geben kann.
Allgemeine Informationen
Ausgabe: Gebunden, Sept. 2013
Seiten: 383
Verlag: script5
Originaltitel: Three lives of Tomomi Ishikawa
ISBN: 978-3839001578
Preis: € [D] 18.95
Leseprobe und weitere Informationen auf der Verlagshomepage
Montag, 19. August 2013
Rezension zu "Stolen Mortality" von Jennifer Benkau
Vampirroman mit neuen Ideen
„Stolen Mortality“ von Jennifer Benkau ist ein Vampirroman, der in einer
schottischen Kleinstadt angesiedelt ist. Nachdem ich von den Dystopien
der Autorin, „Dark Canopy“ und der Fortsetzung „Dark Destiny“,
begeistert war, war ich sehr gespannt auf ihre neuste Veröffentlichung –
und die Urban-Fantasy konnte meine hohen Erwartungen erfüllen.
Inhalt:
Jamian ist ein Kienshi und wie schon sein Vater vor ihm der Wächter
über den kleinen schottischen Ort Glen Mertha, wo er dafür sorgt, dass
die ansässigen Vampire sich an die Gesetze halten. Gerade wurde Jamian
jedoch selbst vom Senat verurteilt. Für einen Fehler, den sein jüngerer
Bruder Junias begangen hat, soll ihm durch ein Gift die Sterblichkeit
genommen werden. Als Jamian noch versucht, sich mit seiner Strafe
abzufinden, taucht plötzlich eine fremde Vampirin in Glen Mertha auf.
Laine hält sich an keine Gesetze und selbst die anderen Vampire warnen
ihn, doch Jamian ist von ihr fasziniert….
Vampirromane mögen mittlerweile viele Leser abschrecken: Oh, bitte, nicht noch einer! Die Thematik ist in der Urban-Fantasy der letzten Jahre – nicht zuletzt auch dank Stephenie Meyers „Twilight“-Saga – ordentlich durchgekaut worden und nach etlichen Versuchen ein wenig ausgelutscht. Kann da eigentlich noch was Neues kommen? Auch ich habe mich das bei „Stolen Mortality“ gefragt. Durch „Dark Canopy“ bin ich zum absoluten Fan der Autorin geworden – und dann kommt als nächstes ein Vampirroman? Ich war skeptisch. Aber Jennifer Benkau konnte mich mit ihrer Interpretation der Blutsauger überzeugen. Auch bei Vampiren ist noch Platz für neue Ideen.
In „Stolen Mortality“ sind die Vampire nämlich nicht allein – und nein, es sind auch nicht die fast schon standardmäßig ihren Weg begleitenden Werwölfe, die ihnen in einem beschaulich gewählten Setting einer schottischen Kleinstadt begegnen. Mit den Kienshi hat die Autorin eine zweite Gattung erdacht, menschlich und doch übernatürlich, die sich gut organisiert, geführt von einem Senat, der Aufgabe angenommen haben, die Vampire zu überwachen. Kienshi und Vampire sind dabei nicht zwangsläufig verfeindet. So lange nichts Schlimmeres passiert, belauert man sich, aber lässt sich zufrieden.
Auch ein zweiter Aspekt dieses Romans ist neu: Unsterblichkeit als ein erstrebenswertes Geschenk ist als Idee bekannt, „Stolen Mortality“ jedoch konzentriert sich auf die negativen Gesichtspunkte und so wird die Unsterblichkeit zur Strafe. Für immer 19 sein – mit dieser Aussicht muss Jamian leben. Zu sehen, wie die Menschen um ihn herum altern, irgendwann im Verborgenen leben zu müssen, da die dauerhafte Jugend sonst nicht mehr zu verbergen ist, das ist Jamians Zukunft. Als Leser fand ich es bedrückend, aber zugleich auch erfrischend, dass nach der Verherrlichung der Unsterblichkeit auch mal die andere Seite in den Mittelpunkt gerückt wird. Eine Seite, über die bestimmt jeder Leser von Vampirromanen schon einmal nachgedacht hat, die aber in der Regel nicht näher thematisiert wird oder im Vergleich zu der glorifizierten Aussicht ewig zu leben zu kurz kommt.
Des Weiteren punkteten bei mir die Charaktere. Jamian und Junias sind ein Brüder-Duo, das unterschiedlicher kaum sein könnte, sich aber dennoch gut ergänzt. Hinzu kommt die geheimnisvolle Vampirfrau Laine, die schwer zu durchblicken ist. Die Protagonisten sind nicht unbedingt die Sympathieträger, die beim Leser ein Gefühl von Liebe auf den ersten Blick auslösen werden. Sie sind schwierig. Schwierig im Sinne von wütend, von unberechenbar, von stur und eigensinnig. Aber sie sind auch abwechslungsreich und vor allem absolut authentisch. Die sich entwickelnden Liebesbeziehungen sind auf der einen Seite leidenschaftlich und wild, auf der anderen zart und romantisch.
Der Schreibstil von Jennifer Benkau ist nach wie vor hervorragend. Spannungsgeladen, einfühlsam und flüssig geschrieben reißt der Roman den Leser mit. Dazu kommen ein charmanter Handlungsort in Schottland und leichte Einflüsse einheimischer Sprachen oder – im Falle der älteren Vampire – zeitgemäßer Eigenarten, die eine gewisse Natürlichkeit übermitteln.
Fazit: „Stolen Mortality“ ist ein Vampirroman, der dem Urban-Fantasy-Genre durch die Kienshi, die Wächter der Vampire, neue Ideen verschafft. Es ist spannend, intensiv und nicht aus der Hand zu legen. 5 Sterne
Allgemeine Informationen
Preis: € [D] 14.90
Leseprobe und weitere Informationen auf der Verlagshomepage zum Buch
Mittwoch, 14. August 2013
Rezension zu "Die Auslese - Nur die Besten überleben" von Joelle Charbonneau
Dystopisches Highlight
„Die Auslese – Nur die Besten überleben“ von Joelle Charbonneau ist der Auftakt einer dystopischen Trilogie, angesiedelt in einem postapokalyptischen Amerika in der Zukunft.
Inhalt: Nach einem verheerenden Krieg sind weite Teile Amerikas unbewohnbar. Die Menschen haben es sich zur Aufgabe gemacht, sie nach und nach wieder mit Kolonien zu besiedeln und das Land nutzbar zu machen. Die 16jährige Cia lebt mit ihrer Familie in einer der kleineren Kolonien. Sie macht gerade ihren Schulabschluss und träumt davon auf die Universität zu gehen, doch nur wenige Schüler werden dazu ausgewählt, an der „Auslese“ teilzunehmen, einer Reihe von Tests, die über die zukünftigen Studenten entscheiden. Cia ist zunächst überglücklich, als sie erfährt, dass sie für die Auslese in die Hauptstadt reisen darf, auch wenn das bedeutet, dass sie ihre Familie vielleicht nie wieder sieht. Doch ihr Vater, der vor vielen Jahren selbst die Auslese absolviert hat, warnt sie. Es könnte gefährlich werden – tödlich – und sie darf niemandem vertrauen…
Dystopien mit jugendlichen Protagonistinnen, nicht selten Trilogien, gibt es mittlerweile auf dem Buchmarkt wie Sand am Meer. Um aus dieser Masse herauszustechen, muss ein Buch schon eine ganz besonders überzeugende Zukunftsvision liefern und glücklicherweise hat die amerikanische Autorin Joelle Charbonneau genau das mit „Die Auslese“ geschafft. Der Auftakt ihrer dystopischen Trilogie bietet eine abwechslungsreiche, spannende Handlung in einem glaubwürdigen, mit einer gut durchdachten Hintergrundgeschichte versehenen Szenario einer postapokalyptischen Zukunft. Die Gesellschaft und ihre Aufgaben, das Leben der Menschen in kleinen und größeren Kolonien, die sich nach und nach wieder vernetzen und Lebensraum neu erschließen, sind insgesamt eine gut vorstellbare Situation der Menschheit nach einem zerstörerischen Krieg, der große Teile der Welt verseuchte und unbewohnbar machte. Bis hinein in die Details ist diese Grundidee, auf der die Autorin ihre Dystopie aufbaut, gelungen umgesetzt.
Trotz jugendlicher Protagonistin (Cia ist 16 Jahre alt) und einer dadurch jungen Zielgruppe setzt die Autorin auf realitätsnahe Schilderungen, die ihrer düsteren Idee der Auslese Leben einhauchen. Nur die besten Schüler, die klügsten Köpfe und stärksten Anführer sollen die Möglichkeit haben, die Universität zu besuchen und dadurch in Zukunft wichtige Posten für die Gesellschaft zu übernehmen. Aus der Vergangenheit, aus dem verheerenden Krieg voller Fehlentscheidungen, will die Gesellschaft gelernt haben, auf welche Fähigkeiten es ankommt, damit sich so etwas nicht wiederholt – doch ihre Methoden sind für den Leser nicht leicht zu verdauen.
Die Autorin strukturiert die einzelnen Testphasen sehr gut, mit jeder Seite folgt der Leser der Ich-Erzählerin Cia tiefer hinein in die erschreckende Erkenntnis, dass die Auslese nicht harmlos ist. Grenzen scheinen weder die Tester noch die anderen Kandidaten zu kennen, der Untertitel „Nur die Besten überleben“ ist Programm. Es wird unheimlich und teilweise auch sehr blutig und grausam, wodurch das Buch trotz des Alters der Protagonistin sicher nicht als reines Jugendbuch, sondern eher in der Zielgruppe der (jungen) Erwachsenen beziehungsweise als All-Age-Buch zu sehen ist.
Bei den Charakteren liegt der Fokus deutlich auf der Ich-Erzählerin Cia, mit vollem Namen eigentlich Malencia Vale. Sie ist ein vielschichtiger Charakter, in den sich der Leser schnell hineinfühlen kann. Sie hat sowohl starke als auch menschlich-schwache Momente und ist dadurch eine sehr real und glaubhaft wirkende Figur, die sich durch einen facettenreichen Charakter auszeichnet. Sie vertraut sowohl auf ihren Instinkt, gebraucht aber auch ihren Verstand, ist klug und handelt überlegt. Dabei ist Cia im Vergleich zu vielen anderen weiblichen Hauptfiguren ähnlicher Romane erfrischend wenig naiv. Sie beobachtet, lernt aus ihren Fehlern und denen anderer und findet ein glaubhaftes Maß zwischen Misstrauen und dem Glauben an das Gute, obwohl besonders letzterer hart auf die Probe gestellt wird, während die erschreckende Entwicklung der Auslese voranschreitet, da sie Cia gemeinsam mit dem Leser in schockierende Situationen und zu menschlichen Abgründen führen wird.
Mir hat dieser eine sympathische Charakter und das Verfolgen seiner starken Entwicklung so viel Spaß gemacht, dass Cia allein schon ein ausreichend überzeugendes Merkmal wäre, um diese Dystopie zwischen vielen anderen hervorstechen zu lassen.
Doch auch die Nebencharaktere überzeugen, ebenso wie eine zarte Liebesgeschichte, die allerdings die eigentliche Handlung nie in den Hintergrund drängt.
Auch Schreibstil und sprachliche Vielfalt hinterlassen einen überdurchschnittlich starken Eindruck und tragen mit einer flüssigen, abwechslungsreichen und sehr eindringlichen Sprache zum gelungenen Gesamtbild der Dystopie bei. Ein auffallend häufiger Gebrauch indirekter Rede anstelle direkter Dialoge verdeutlicht dabei noch einmal die Bedeutung Cias für diese Geschichte und festigt ihren Standpunkt im Fokus der Handlung, was mich gerade bei der gewählten Ich-Perspektive sehr überzeugen konnte.
Der Leser wird durch tiefgehende Gefühle, spannende Wendungen und mitreißende Überraschungen intensiv in die Handlung mit einbezogen und nimmt förmlich selbst an der atmosphärisch überzeugend geschilderten Welt und dem Schrecken der Auslese teil. Keine Sekunde möchte an dieses Buch aus der Hand legen und am Ende ist jeder Tag, den man auf die Fortsetzung warten muss, eigentlich schon zu viel. Meine Vorfreude ist jetzt schon riesig.
Fazit: „Die Auslese – Nur die Besten überleben“ von Joelle Charbonneau ist ein starker Auftakt einer neuen dystopischen Trilogie. Ein glaubhafter Aufbau der postapokalyptischen Gesellschaft sowie ein sich an Spannung und Schrecken stetig steigernder Handlungsverlauf voller unerwarteter Wendungen begeistern. Nichts ist, wie es scheint. Eine überzeugende Protagonistin und eine zarte Liebesgeschichte runden die Geschichte ab und hinterlassen ein eindrucksvolles Gesamtbild und große Vorfreude auf den zweiten Band. Sehr empfehlenswert, für jeden Dystopie-Fan ein Muss. 5 Sterne.
Die Trilogie (mit Links zu Amazon)
- "Die Auslese - Nur die Besten überleben" (Aug. 2013, englische Originalausgabe "The Testing")
- noch nicht bekannt (englische Originalausgabe "Independent Study" erscheint Jan. 2014)
- noch nicht bekannt
Allgemeine Informationen
Ausgabe: Gebunden
Seiten: 416
Verlag: Penhaligon
ISBN: 978-3764531171
Preis: € [D] 16.99
Leseprobe und weitere Informationen auf der Verlagshomepage
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