Der Oktober hat seine Mitte überschritten, der November rückt näher. Er ist leider ein von mir wenig geliebter Monat. Während der Oktober sich wie gerade eben erst noch ab und an ein paar schöne, warme, sonnige Tage abringen kann, ist bei November-Eintritt endgültig Schluss mit Sommerreifen und -schuhen. Kalt, nass, windig - abgesehen vom Startschuss für den Weihnachtsmarkt verspricht ein November wenig, was zum Verlassen der warmen Wohnung animieren könnte. Um so besser, dass es Neuerscheinungen gibt, Lesenachschub für lange Stunden auf dem Sofa, wenn es draußen stürmt und regnet und friert. Werfen wir also gemeinsam einen Blick auf die fremden Welten von Fantasy und Science Fiction, die uns dieser meist ungemütliche November in die Buchhandlungen bringen wird.
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Donnerstag, 19. Oktober 2017
Dienstag, 23. Februar 2016
Dienstag, 3. November 2015
Wünschenswert im November - Fantasy und Science Fiction
Zeit für ein paar Neuerscheinungen aus diesem November - diese hier stammen alle aus den Genres Fantasy und Science Fiction. Da ich übrigens erst vor wenigen Tagen an einer Unterhaltung beteiligt war, in der es darum ging, dass sich die All-Age-Lesementalität in Deutschland nicht so recht durchsetzt, Jugendbücher belächelt und Young-Adult kaum wahrgenommen werden, werde ich in Zukunft übrigens keine Unterteilungen dieser Art mehr vornehmen. In den Buchbeschreibungen findet ihr eventuell Hinweise, doch ganz allgemein sind in dieser Kategorie alles zu finden, was ins Genre passt - unabhängig von der Altersempfehlung.
Freitag, 9. Oktober 2015
"Endgame": Interview mit dem Gewinner der 500 000 $
Froylan, 25 aus Mexico, hat das geschafft als erster Spieler weltweit das Kryptorätsel aus "Endgame - Die Auserwählten" zu lösen. Am 08. Oktober 2015, 20 Uhr deutscher Zeit, konnte er im Ceasers Palace, dem berühmten Hotel in Las Vegas, sein Preisgold im Wert von 500 000 US-$ abholen, das dort seit Erscheinen des ersten Bandes der Trilogie öffentlich ausgestellt in einem gläsernen Tresor und über einen Live-Stream im Internet sichtbar auf den Gewinner gewartet hatte.
Hier folgt jetzt das übersetzte Interview mit dem Gewinner - wie er das Kunststück wohl geschafft hat? Ich hatte beim Lesen damals keinen einzigen Anhaltspunkt zum Beginnen des Rätsels gefunden...
Sonntag, 2. November 2014
Rezension zu "Endgame - Die Auserwählten" von James Frey
Spannender Endzeit-Thriller
„Endgame – Die Auserwählten“ von James Frey ist mehr als nur der
Reihenauftakt zu einer neuen apokalyptischen Trilogie, die mit einer
Altersempfehlung ab 16 Jahren nicht mehr als klassisches Jugendbuch
sondern in das neu gewachsene Genre der All-Age-Literatur einzuordnen
ist. Darüber hinaus ist es angelegt als multimediales Großereignis,
bestehend aus einer geplanten Verfilmung, für alle Figuren angelegte
Profile in sozialen Netzwerken, Events in diversen Städten, einem
Augmented-Reality-Game und nicht zuletzt einem im Roman versteckten
Kryptorätsel, bei dessen Lösung ein Gewinn von 500 000 US-Dollar in Gold
winkt. Dementsprechend groß wurde die Veröffentlichung von „Endgame“,
in 30 Ländern weltweit am gleichen Tag, auch beworben, was einen
gewissen Hype um das Buch auslöste.
Nichtsdestotrotz sehe ich das
Kryptorätsel und all die interaktiven Zusätze in erster Linie als
Erweiterungen zum Lesen, welche die Geschichte selbst aber nicht mehr
oder weniger lesenswert machen sollten. Daher habe ich mich auch in
erster Linie von der inhaltlichen Beschreibung dieses, wie ich es
bezeichnen würde, endzeitlichen Action-Thrillers zum Kauf verleiten
lassen und mich beim Lesen zunächst nur auf die Geschichte konzentriert –
wie bei jedem anderen Roman auch – und mich nicht von der Suche nach
kryptischen Hinweisen ablenken lassen.Und darum geht es inhaltlich: 12 Meteoriten schlagen auf der Erde ein, an den Wohnorten von 12 ganz bestimmten Menschen – den aktuellen Spielern der 12 Geschlechter, in die sich die gesamte Erdbevölkerung unterteilt. Seit Jahrtausenden haben die Eingeweihten der Geschlechter auf dieses Ereignis gewartet und ihre Spieler dafür trainiert. Endgame hat begonnen. Jetzt müssen die Spieler aufbrechen und sich einem Wettkampf auf Leben und Tod rund um den Globus stellen. Nur einer kann gewinnen und so das Überleben seines ganzen Geschlechts sichern….
Samstag, 15. März 2014
Rezension zu "Das geraubte Paradies" von Bernd Perplies
Überzeugender Abschluss endzeitlichen Trilogie!
„Das geraubte Paradies“ von Bernd Perplies ist der letzte Band der
endzeitlich-dystopischen Trilogie, zu der auch „Flammen über Arcadion“
und „Im Schatten des Mondkaisers“ zählen. Mit auffallend schön
gestaltetem Cover schließt der dritte Band sich optisch schon einmal dem
Rest der Reihe an – und inhaltlich? Ist „Das geraubte Paradies“ der
würdige Abschluss, den die beiden starken Vorgänger verdienen?
Zum Inhalt: Jonan, Carya und Pitlit haben den Hof des Mondkaisers in Francia verlassen. Sie sind auf dem Weg in die Berge, wo die Schwarze Zone liegt, aus der noch nie ein Mensch lebend zurückgekehrt sein soll. Liegt dort wirklich das Versteck der Erdenwacht, der geheimen Organisation, bei der Carya Antworten zu ihrer eigenen Herkunft zu finden hofft? Viel Zeit bleibt ihnen allerdings nicht, denn Francia, Arcadion und Austrogermania steuern auf einen großen Krieg hin, der das ganze Land bedrohen könnte…
Der dritte und somit letzte Band der Trilogie schließt unmittelbar dort an, wo der zweite endete. Der Aufenthalt der Hauptfiguren Carya und Jonan, aus deren Sicht auch der letzte Band erzählt wird, in Francia am prächtigen Hofe des Mondkaisers liegt hinter ihnen. Sie sind dem Rätsel von Caryas Herkunft ein gutes Stück näher gekommen – allerdings auch auf ein neues Rätsel gestoßen: Die Erdenwacht. Versteckt in der angeblich tödlichen Schwarzen Zone. Dorthin geht die Reise nun und das ebenfalls in gewohnter Manier der beiden ersten Bände. Die Atmosphäre, die der Autor durch die Beschreibung der zerstörten und verwaisten Landschaft seiner Zukunftsversion Europas aufbaut, ist packend, düster und in jedem Punkt harmonisch. Unterstützt wird die Stimmung des Romans durch einen Schreibstil, der flüssig und erzählerisch stark ist und die bildgewaltigen wie auch emotionalen Momente der Reise immer wieder durch passende Worte gekonnt einfängt.
Donnerstag, 6. März 2014
Rezension zu "Mockingjay" von Suzanne Collins
Spannend, aber unausgewogen
„Mockingjay“ ist der dritte und damit letzte Band der erfolgreichen
„Hunger Games“-Trilogie, der in Deutschland unter dem Titel „Die Tribute
von Panem – Flammender Zorn“ erschienen ist. Natürlich war ich sehr
gespannt, was sich die amerikanische Autorin Suzanne Collins für das
große Finale ihres dystopischen Bestseller-Dreiteilers ausgedacht hat.
Zum
Inhalt: Katniss ist in Distrikt 13 angekommen, der entgegen der
offiziellen Version der Regierung von Panem niemals ausgelöscht wurde,
sondern in einem unterirdischen Bunker weiter existierte. Peeta jedoch
wurde vom Kapitol gefangen genommen. Wird Katniss ihn wieder sehen? Doch
vorerst plant Distrikt 13 die Rebellion anzuführen, mit Katniss gut
sichtbar an ihrer Spitze, als Antrieb für die anderen Distrikte. Ein
Krieg gegen das Kapitol steht unausweichlich bevor…
So viel sei gleich vorweg gesagt: Ja, es wird spannend im letzten Band der dystopischen Trilogie. Spannend und blutig, kompromisslos, überraschend, dramatisch – die Autorin steckt in diesen letzten Teil noch einmal alles, was sich der Leser an atemberaubenden und schockierenden Momenten nur erhoffen kann. Der dritte Band hätte also ein gleichwertiger, würdiger Abschluss werden können - in gewisser Hinsicht war er das auch – und dennoch ist es der schwächste Teil der Reihe.
So viel sei gleich vorweg gesagt: Ja, es wird spannend im letzten Band der dystopischen Trilogie. Spannend und blutig, kompromisslos, überraschend, dramatisch – die Autorin steckt in diesen letzten Teil noch einmal alles, was sich der Leser an atemberaubenden und schockierenden Momenten nur erhoffen kann. Der dritte Band hätte also ein gleichwertiger, würdiger Abschluss werden können - in gewisser Hinsicht war er das auch – und dennoch ist es der schwächste Teil der Reihe.
Rezension zu "Catching Fire" von Suzanne Collins
Ein starker zweiter Band
„Catching Fire“ ist der zweite Teil der „Hunger Games“-Trilogie von
Suzanne Collins (deutscher Titel: „Die Tribute von Panem – Gefährliche Liebe“). Die Fortsetzung der erfolgreichen dystopischen Zukunftsvision
rund um die tödlichen, vom alten Rom inspirierten Spiele in der Arena
Panems begleitet das Leben von Katniss und Peeta nach deren Rückkehr in
Distrikt 12.
Inhalt: Während Katniss und Peeta nach ihrer
Rückkehr in ihren Heimatdistrikt ein deutlich weniger entbehrungsreiches
Leben führen, spitzt sich die Situation im Land immer mehr zu. Es gibt
Gerüchte über eine Rebellion, die durch Katniss‘ Trick am Ende der
letzten Spiele Aufwind bekommen hat. Präsident Snow lässt daher keinen
Zweifel daran, dass Katniss und Peeta auf ihrer Siegestour durch die
anderen Distrikte alle von ihrer großen Liebe für einander überzeugen
müssen, um Schlimmeres zu verhindern und sich und ihrer Familien nicht
in große Gefahr zu bringen…Ich habe viel Zeit verstreichen lassen, nachdem ich den ersten Band der „Hunger Games“ gelesen hatte. Jenen fand ich genial, von der Grundidee bis zur Umsetzung. Doch ich war unsicher, was die Fortsetzbarkeit dieser Geschichte anging. Sicher war Katniss‘ und Peetas Rückkehr nach Distrikt 12 nicht das Ende dessen, was man aus dem Land Panem, dieser gefährlichen, ungerechten Zukunftsvision, herausholen konnte. Doch was ich in anderen Inhaltszusammenfassungen las, ließ mich zögern – die Idee einer Rebellion ist nur konsequent und schlüssig, aber es gab einen Zusatz: Erneute Spiele, wieder Arena, ausgerechnet jetzt eine Neuerung in den Regeln, sodass zu den 75. Spielen nicht neue Tribute aus der Masse aller Jugendlichen sondern aus dem Gewinnern der vorangegangenen Spielen ausgelost würden. Was das bei nur drei Gewinnern von Distrikt 12 heißen würde - zwei Männern und einer Frau, Peeta, Haymitch und Katniss -, ist wahrlich kein großes Rätsel.
Mittwoch, 19. Februar 2014
Rezension zu "Zeitsplitter - Die Jägerin" von Cristin Terrill
Zeitreise - eine gefährliche Erfindung
„Zeitsplitter – Die Jägerin“ von Cristin Terrill ist ein
All-Age-geeigneter Jugendroman, der dem Genre Science-Fiction mit dem
Schwerpunkt Zeitreise zuzuordnen ist. Obwohl für das amerikanische
Original „All our yesterdays“ bereits eine Fortsetzung angekündigt
wurde, lässt sich „Die Jägerin“ als Einzelband lesen und muss durch die
in sich abgeschlossene Geschichte nicht zwangsläufig als Auftakt zu
einer mehrteiligen Reihe betrachtet werden.
Zunächst einige Worte zum Inhalt: Marina ist ein reiches, verwöhntes Mädchen aus Washington D.C. und heimlich verliebt in ihren Nachbarn und langjährigen besten Freund, den hochintelligenten James.
Vier Jahre in der Zukunft hat sich alles verändert. Em ist in einer dunklen Zelle eingesperrt. In der Zelle neben ihr sitzt ihr Freund Finn. Die Situation scheint aussichtslos, bis sie eines Tages unter dem Abflussdeckel einen Zettel findet, eine Nachricht, die sie sich selbst aus der Vergangenheit geschickt hat. Bereits vierzehnmal sind andere Versionen von ihr und Finn aus den Zellen entkommen und haben versucht, durch eine Zeitreise in die Vergangenheit die Zukunft zu verändern. Em und Finn planen es ein weiteres Mal zu versuchen, doch es scheint nur noch einen Weg zu geben, um die Zukunft zu verhindern. Jemand muss sterben…
Es ist wohl schon an den Namen der beiden Protagonistinnen, die sich in diesem Roman als Ich-Erzählerinnen abwechseln werden, zu erahnen und wird auch in der Geschichte schon nach wenigen Seiten (und darüber hinaus bereits im Klappentext) offengelegt, sodass ich jetzt nicht zu viel verrate, wenn ich schreibe, dass Em und Marina ein und dieselbe Person sind. Vier Jahre trennen sie. Vier Jahre, in denen sich ihr Leben in den USA grundlegend verändert hat. Ursächlich dafür war eine Erfindung, die es für Em nun in der Vergangenheit zu verhindern gilt: Die Zeitreise.
Dass sie dies ausgerechnet dadurch zu erreichen versucht, dass sie eben diese Erfindung nutzt, um in die Vergangenheit zu reisen und dort entsprechende Veränderungen vorzunehmen, scheint zunächst paradox – der Autorin gelingt es aber weitestgehend für ihre Zeitreise logische und in sich stimmige Erklärungen zu finden.
Zunächst einige Worte zum Inhalt: Marina ist ein reiches, verwöhntes Mädchen aus Washington D.C. und heimlich verliebt in ihren Nachbarn und langjährigen besten Freund, den hochintelligenten James.
Vier Jahre in der Zukunft hat sich alles verändert. Em ist in einer dunklen Zelle eingesperrt. In der Zelle neben ihr sitzt ihr Freund Finn. Die Situation scheint aussichtslos, bis sie eines Tages unter dem Abflussdeckel einen Zettel findet, eine Nachricht, die sie sich selbst aus der Vergangenheit geschickt hat. Bereits vierzehnmal sind andere Versionen von ihr und Finn aus den Zellen entkommen und haben versucht, durch eine Zeitreise in die Vergangenheit die Zukunft zu verändern. Em und Finn planen es ein weiteres Mal zu versuchen, doch es scheint nur noch einen Weg zu geben, um die Zukunft zu verhindern. Jemand muss sterben…
Es ist wohl schon an den Namen der beiden Protagonistinnen, die sich in diesem Roman als Ich-Erzählerinnen abwechseln werden, zu erahnen und wird auch in der Geschichte schon nach wenigen Seiten (und darüber hinaus bereits im Klappentext) offengelegt, sodass ich jetzt nicht zu viel verrate, wenn ich schreibe, dass Em und Marina ein und dieselbe Person sind. Vier Jahre trennen sie. Vier Jahre, in denen sich ihr Leben in den USA grundlegend verändert hat. Ursächlich dafür war eine Erfindung, die es für Em nun in der Vergangenheit zu verhindern gilt: Die Zeitreise.
Dass sie dies ausgerechnet dadurch zu erreichen versucht, dass sie eben diese Erfindung nutzt, um in die Vergangenheit zu reisen und dort entsprechende Veränderungen vorzunehmen, scheint zunächst paradox – der Autorin gelingt es aber weitestgehend für ihre Zeitreise logische und in sich stimmige Erklärungen zu finden.
Samstag, 7. September 2013
Rezension zu "Ashes - Ruhelose Seelen" von Ilsa J. Bick
Authentische Endzeit - Nichts für schwache Nerven
„Ashes – Ruhelose Seelen“ ist der dritte Band der im deutschen
vierteiligen, postapokalyptischen Reihe von Ilsa J. Bick. Da die Reihe
im Original eine Trilogie ist und der letzte Band nur aufgrund seines
Umfangs nach der Übersetzung auf zwei Bücher aufgeteilt wurde, findet
sich häufig auch die Angabe 3.1 für diesen Band. Der Abschluss der
Reihe, der vierte Band oder auch 3.2, wird „Pechschwarzer Mond“ heißen
und uns ein letztes Mal in die blutige Welt der zombie-ähnlichen
Menschenfresser entführen. Wer die Reihe noch nicht kennt, findet in
„Brennendes Herz“ den ersten und in „Tödliche Schatten“ den zweiten
Band, die beide unbedingt vor „Ruhelose Seelen“ gelesen werden sollten.
Die Reihe ist zu komplex und baut zu sehr auf einander auf, um mit einem
anderen Band als dem ersten einzusteigen.
Zum inhaltlichen lässt sich dabei dieses Mal kaum etwas verraten. Die Reise für Tom, Alex, Peter und die anderen Überlebenden des elektromagnetischen Impulses, dessen Herkunft noch immer ungeklärt ist, geht weiter, ebenso wie ihr Kampf gegen die Veränderten, die Jugendlichen, die zu zombieähnlichen Menschenfressern wurden. Noch immer herrscht tiefster Winter, während Tom versucht Alex zu finden, Alex versucht sie selbst zu bleiben und Rule ums Überleben kämpft…
Was ziemlich überflüssig sein dürfte, ist, beim dritten Band noch vor den Grausamkeiten dieser Roman-Reihe warnen zu müssen. Ich mache es aber dennoch, denn die Autorin legt noch einmal nach. „Ruhelose Seelen“ ist ekliger, grausamer und mit mehr Gewalt und Blut gespickt als seine beiden Vorgänger. Die Nerven des Lesers werden hier nicht geschont, jedes Detail wird beschrieben. Die Grenzen des sogenannten „guten Geschmacks“ hat diese Buchreihe dabei wahrscheinlich schon lange hinter sich gelassen, doch wer sich an schauderhaften Beschreibungen nicht stört und ekelhafte Horrorszenarien ertragen kann, der bekommt eine hoch-authentische Endzeit-Geschichte, die wirklich mitreißt, schockiert und ihre Leser dazu bringt, von der ersten bis zur letzten Seite mit zu fiebern.
Was wären auch Menschenfresser, die ihrem Namen nicht gerecht werden? Interessant finde ich hierbei, dass die Autorin ihren Veränderten wirklich eine Entwicklung zugutekommen lässt. Wirkten sie im ersten Band noch wie klassische Zombies, unkontrolliert und wild mordend, werden sie immer menschlicher, auch berechnender und intelligenter. Abgesehen davon, dass sie nicht sprechen und – nun ja – andere Menschen fressen, verhalten sie sich kaum anders, als die anderen verzweifelten Überlebenden, die versuchen, den Winter zu überstehen. Die Autorin erschafft diese menschliche Seite der „Chuckies“ so überzeugend, dass der Leser oft doch hin- und hergerissen ist. Ihre Absichten sind nicht sofort verständlich, aber, wenn sie dann ans Licht kommen, nachvollziehbar – doch ist es wirklich vertretbar, für diese Ekel und Angst verbreitenden Wesen Verständnis aufbringen zu können? Kommt manchmal gar etwas wie Sympathie auf?
Abgesehen von den Veränderten spielen natürlich
unsere wenigen Überlebenden eine große Rolle. Während in Rule Hunger und
Chaos herrscht, sucht Tom wieder nach Alex. Welcher Leser der Reihe
wartet nicht darauf, dass sie wieder zusammen treffen? Immerhin sind sie
seit der ersten Hälfte des ersten Bandes getrennt und am Ende des
zweiten waren sie so nah dran, hatten ihr Ziel fast erreicht – und was
ist jetzt? Ja, das bleibt spannend. Die Autorin schafft wirklich einige Wendungen, mit denen man nicht rechnen kann, viele Handlungsstränge wurden gesponnen und warten darauf zusammengeführt zu werden. „Ashes“ war schon nach den ersten zwei Bänden eine sehr komplexe Geschichte, mit vielen Teilaspekten und Protagonisten, und das bleibt auch nach dem dritten Band so. Wenn ich daran denke, dass der Autorin jetzt gerade einmal noch die 450 Seiten von „Pechschwarzer Mond“ bleiben werden, um alles zusammenzuführen, all die Handlungsstränge zu Ende zu bringen, die Protagonisten mit einander zu verbinden und für die postapokalyptische Welt eine Zukunft zu präsentieren, bin ich einerseits sehr gespannt, andererseits aber auch ein wenig skeptisch, denn ich hatte erwartet, dass in „Ruhelose Seelen“ schon weiter vorangeschritten wird.
Auf der einen Seite ist „Ruhelose Seelen“ nämlich wirklich nicht handlungsarm, ganz im Gegenteil. Es passiert einiges, vor allem die Kampf- und Actiondichte ist hoch und das hält auch die Spannung hoch. Allerdings teilen sich auch bis zu fünf verschiedene Schauplätze mit verschiedenen Gruppen von Protagonisten die Kapitel dieses Buches untereinander auf – wenn man bedenkt, dass es einmal, im ersten Band der Reihe, nur einen Fokus gab, nämlich Alex, leuchtet sicher ein, dass der Handlungsfortschritt in jedem einzelnen Strang bei Weitem nicht mehr so groß ist. Hinzu kommt noch, dass gerade am Anfang einige kurze Kämpfe über mehrere Kapitel in die Länge gezogen wurden und das, leider, auch noch zum Großteil durch sich wiederholende Gedanken des kämpfenden Protagonisten, was mit der Zeit ein wenig meine Nerven strapazierte.
Positiv erwähnen möchte ich aber, dass die Autorin es sehr gut schafft, ein Gleichgewicht zwischen allen Handlungssträngen herzustellen, sodass keiner über eine zu lange Zeit in Vergessenheit gerät oder das Gefühl aufkam, eine dieser Teilhandlungen wäre an sich überflüssig.
Was den Schreibstil und die beschreibenden Fähigkeiten der Autorin angeht, so kann ich absolut keinen Kritikpunkt anbringen. Es ist abwechslungsreich und spannend, die detaillierten Beschreibungen gehen unter die Haut und die Atmosphäre geht schon nach den ersten Seiten auf den Leser über. Der kalte Winter und der Schrecken der Veränderten sind beinahe greifbar, so hervorragend vermittelt die Autorin die Stimmung ihrer Endzeit-Romane.
Wer also starke Nerven hat, die auch die
schonungslosesten Beschreibungen von blutigen Eingeweiden und Tod
aushalten können, findet in diesem Buch wieder eine authentische
Postapokalypse ohne Angst vor Direktheit und ohne große Umschweifen.
Deswegen gilt unbedingt auch andersherum, dass Leser mit schwächeren
Nerven sich gut überlegen sollten, ob sie dieses Buch in die Hand nehmen
möchten – vor allem auch, wenn sie das Gefühl hatten, dass schon der
zweite Band „Tödliche Schatten“ die persönliche Grenze erreicht oder gar
überschritten hatte. Es wird alles andere als harmloser. Die Einordnung
des Buches als Jugendbuch ist dabei in meinen Augen oft irritierend,
denn trotz vergleichsweise junger Protagonisten hat es alles, was ein
All-Age-Buch braucht, von glaubwürdigen Charakteren über Spannung bis
hin zu einer logischen Handlung und einem ausdrucksstarken Schreibstil.
Man darf hier also nicht den Fehler machen, aufgrund einer Einordnung
„ab 14 Jahren“ von einer seichten oder gar gewaltfreien Handlung
auszugehen.
Fazit: „Ruhelose Seelen“ ist ein überzeugender dritter Band der „Ashes“-Reihe, die ich trotz der häufig zu lesenden Angabe „ab 14 Jahren“ beim besten Willen nicht mehr als Jugendbuch einstufen würde. Nicht zu zart besaitete All-Age-Leser können dagegen voll auf ihre Kosten kommen, denn „Ashes“ ist einer der überzeugendsten Endzeit-Romane, die aktuell auf dem Buchmarkt zu finden sind. Schonungslos im Detail begeistert die Geschichte mit facettenreichen Charakteren und einer sehr komplexen Handlung. Von mir gibt es dafür wieder sehr gute 4 Sterne.
Fazit: „Ruhelose Seelen“ ist ein überzeugender dritter Band der „Ashes“-Reihe, die ich trotz der häufig zu lesenden Angabe „ab 14 Jahren“ beim besten Willen nicht mehr als Jugendbuch einstufen würde. Nicht zu zart besaitete All-Age-Leser können dagegen voll auf ihre Kosten kommen, denn „Ashes“ ist einer der überzeugendsten Endzeit-Romane, die aktuell auf dem Buchmarkt zu finden sind. Schonungslos im Detail begeistert die Geschichte mit facettenreichen Charakteren und einer sehr komplexen Handlung. Von mir gibt es dafür wieder sehr gute 4 Sterne.
Die Ashes-Reihe (mit Links zu Amazon.de)
- "Brennendes Herz" (Aug. 2011, engl. Originaltitel: "Ashes")
- "Tödliche Schatten" (Aug. 2012, engl. Originaltitel: "Shadows")
- geteilt auf : "Ruhelose Seelen" (Aug. 2013) und "Pechschwarzer Mond" (Sep. 2013) - (engl. Originaltitel: "Monsters", erscheint im Sep. 2013)
Allgemeine Informationen
Ausgabe: Gebunden
Seiten: 448
Verlag: Egmont Ink
ISBN: 978-3863960063
Preis: € [D] 17.99
Anmerkung: Wer die ersten beiden Bände nicht mehr genau in Erinnerung hat, findet auf der INK-Seite noch einmal eine Zusammenfassung der Charaktere von der Autorin.
Montag, 26. August 2013
Rezension zu "Godspeed - Die Ankunft" von Beth Revis
Ein steiniger Weg zur neuen Heimat
„Die Ankunft“ ist der dritte Band der dystopischen Jugendbuch-Trilogie
„Godspeed“ aus der Feder der amerikanischen Autorin Beth Revis und
bildet damit einen Abschluss der in weiter Entfernung im Weltall
angesiedelten Science Fiction.
Größtenteils hat „Die Ankunft“ meine Erwartungen erfüllt und kann auch mit den ersten beiden Bänden der Reihe problemlos mithalten. Die Reise zur Zentauri-Erde war für die Protagonisten wie auch für mich als Leser eine sehr spannende. Nach all der Zeit in der Enge eines Schiffes, so sinnlos in die Länge gezogen durch die Entscheidung und Diktatur eines Einzelnen, empfand selbst ich von meinem Standpunkt jenseits der Buchseiten aus die Situation als bedrückend und so frustrierend, dass ich Junior, Amy und den anderen die Freiheit eines ganzen Planeten mit jeder Faser gewünscht und vollkommen begeistert mitgefiebert habe bei ihrer Landung.
Eins schafft die Autorin nämlich mit Sicherheit: Durch ihre beiden Ich-Erzähler, Amy und Junior, ist der Leser immer nah dran am Geschehen, auch nah dran an den Gefühlen der Figuren, und erlebt ihre emotionalen Höhen und Tiefen von Frustration über Erleichterung bis zur Liebe ungefiltert mit. Die Atmosphäre dieses Buches – die Atmosphäre der gesamten Reihe – ist atemberaubend. Allein das Szenario der einsamen Godspeed im Weltall war klasse gewählt. Der Werdegang dieses Schiffes hat in den ersten beiden Bänden so viele Eindrücke hinterlassen und mich als Leser manchmal in einen Zustand der atemlosen Anspannung versetzt, und genau daran kann Beth Revis jetzt mit der Landung auf dem neuen rätselhaften Planeten anknüpfen und den Leser mit ihrem eher schnörkellosen aber durch die Ich-Perspektiven doch auch sehr nachdenklichen Stil erneut mitreißen.
Was für mich letztendlich den Unterschied zwischen einem sehr guten Abschluss und einem perfekten gemacht hat, steckte leider im Detail – eine überschaubare Ansammlung von Kleinigkeiten, die mich in ihrer Summe dennoch einfach nicht loslassen und bei mir den Eindruck erwecken, dass manche Wendung doch mit Gewalt erzwungen und manches Unglück doch zu sehr gewollt war. Ob es nun eine Figur war, die sich – unverständlicherweise von Amy teilweise gefördert - zwischen die Liebe von Amy und Junior zu drängen schien und dadurch im letzten Band noch die klischeehafte und beinahe obligatorische Dreiecksgeschichte herbeizuführen drohte, oder einige Fragen der Logik, durch die die Wendungen am Ende nicht in jedem Detail problemlos mit jeder zuvor getroffenen Aussage in Einklang gebracht werden konnten – manchmal wirkte es in der näheren Betrachtung einfach nicht ganz rund.
Das gilt auch für die Figuren, die entgegen ihrer Erfahrungen teilweise etwas zu starr und stur angelegt waren, sodass sie im Ergebnis doch zu vorhersehbar und zu direkt auf Konflikte und Krawall zusteuerten. Während ich den Menschen der Godspeed aufgrund ihrer auf einen isolierten Lebensraum beschränkten Erfahrung einiges an eingefahrenem Verhalten verzeihen, sie sogar verstehen konnte, muss ich bei den erweckten Ex-Eingefrorenen kritischer sein. Sie bestätigten einfach zu sehr die von Orion und Junior aufgrund von Angst und Vorurteilen aufgestellten Erwartungen und das konnte mich nicht überzeugen. Eine Entwicklung war zwar festzustellen, aber diese kam, so hatte ich das Gefühl, erst, nachdem Revis ihr Bedürfnis nach einer ordentlichen Konfrontation befriedigt hatte, selbst wenn diese dadurch ein wenig konstruiert, eine Spur zu gewollt und für den Leser ziemlich frustrierend wirkte.
Allerdings ist eine große Portion Frustration für mich bei dieser Trilogie ohnehin ein ständiger Begleiter, wenn auch in einem positiv-mitfühlenden Sinn. Die Ausweglosigkeit der Situationen, die Überflüssigkeit von Leid und Tod und die Hilflosigkeit gegenüber vielen Ereignisse wecken beim Leser neben der schönen, aber ebenfalls schwierigen Liebesgeschichte die mitreißende Sogwirkung dieser Reihe. „Godspeed“ ist keine einfache Geschichte, die spurlos an einem vorüber zieht, sondern nimmt sehr mit, macht oft traurig und wütend, was aber, um es positiv auszudrücken, auch dazu führt, dass der Leser involviert bleibt – und das gilt im Speziellen auch für den dritten und letzten Band. Oft konnte ich nur den Kopf schütteln aufgrund der Sinnlosigkeit mancher Aktionen und einem starken Gefühl von Wozu-das-alles – aber so schrecklich und schockierend es manchmal auch war, ich konnte kaum aufhören zu lesen.
Fazit: Die „Godspeed“ erreicht in „Die Ankunft“ ihr Ziel und begeistert ein letztes Mal mit ihren starken Protagonisten und schockierenden Wendungen. Kein einfaches Ende, aber – abgesehen von kleinen Unebenheiten im Detail – ein starkes und mitreißendes. Gute 4 Sterne.
Die "Godspeed"-Trilogie (mit Links zu Amazon.de)
- "Die Reise beginnt" (Aug. 2011, englischer Originaltitel: "Across the Universe") - meine Rezension
- "Die Suche" (Aug. 2012, englischer Originaltitel: "A Million Suns") - meine Rezension
- "Die Ankunft" (Aug. 2013, englischer Originaltitel: "Shades of Earth")
Allgemeine Informationen
Ausgabe: Gebunden
Seiten: 480
Verlag: Dressler
ISBN: 978-3-7915-1678-3
Preis: € [D] 19.95
Weitere Informationen auf der Verlagshomepage
Mittwoch, 14. August 2013
Rezension zu "Die Auslese - Nur die Besten überleben" von Joelle Charbonneau
Dystopisches Highlight
„Die Auslese – Nur die Besten überleben“ von Joelle Charbonneau ist der Auftakt einer dystopischen Trilogie, angesiedelt in einem postapokalyptischen Amerika in der Zukunft.
Inhalt: Nach einem verheerenden Krieg sind weite Teile Amerikas unbewohnbar. Die Menschen haben es sich zur Aufgabe gemacht, sie nach und nach wieder mit Kolonien zu besiedeln und das Land nutzbar zu machen. Die 16jährige Cia lebt mit ihrer Familie in einer der kleineren Kolonien. Sie macht gerade ihren Schulabschluss und träumt davon auf die Universität zu gehen, doch nur wenige Schüler werden dazu ausgewählt, an der „Auslese“ teilzunehmen, einer Reihe von Tests, die über die zukünftigen Studenten entscheiden. Cia ist zunächst überglücklich, als sie erfährt, dass sie für die Auslese in die Hauptstadt reisen darf, auch wenn das bedeutet, dass sie ihre Familie vielleicht nie wieder sieht. Doch ihr Vater, der vor vielen Jahren selbst die Auslese absolviert hat, warnt sie. Es könnte gefährlich werden – tödlich – und sie darf niemandem vertrauen…
Dystopien mit jugendlichen Protagonistinnen, nicht selten Trilogien, gibt es mittlerweile auf dem Buchmarkt wie Sand am Meer. Um aus dieser Masse herauszustechen, muss ein Buch schon eine ganz besonders überzeugende Zukunftsvision liefern und glücklicherweise hat die amerikanische Autorin Joelle Charbonneau genau das mit „Die Auslese“ geschafft. Der Auftakt ihrer dystopischen Trilogie bietet eine abwechslungsreiche, spannende Handlung in einem glaubwürdigen, mit einer gut durchdachten Hintergrundgeschichte versehenen Szenario einer postapokalyptischen Zukunft. Die Gesellschaft und ihre Aufgaben, das Leben der Menschen in kleinen und größeren Kolonien, die sich nach und nach wieder vernetzen und Lebensraum neu erschließen, sind insgesamt eine gut vorstellbare Situation der Menschheit nach einem zerstörerischen Krieg, der große Teile der Welt verseuchte und unbewohnbar machte. Bis hinein in die Details ist diese Grundidee, auf der die Autorin ihre Dystopie aufbaut, gelungen umgesetzt.
Trotz jugendlicher Protagonistin (Cia ist 16 Jahre alt) und einer dadurch jungen Zielgruppe setzt die Autorin auf realitätsnahe Schilderungen, die ihrer düsteren Idee der Auslese Leben einhauchen. Nur die besten Schüler, die klügsten Köpfe und stärksten Anführer sollen die Möglichkeit haben, die Universität zu besuchen und dadurch in Zukunft wichtige Posten für die Gesellschaft zu übernehmen. Aus der Vergangenheit, aus dem verheerenden Krieg voller Fehlentscheidungen, will die Gesellschaft gelernt haben, auf welche Fähigkeiten es ankommt, damit sich so etwas nicht wiederholt – doch ihre Methoden sind für den Leser nicht leicht zu verdauen.
Die Autorin strukturiert die einzelnen Testphasen sehr gut, mit jeder Seite folgt der Leser der Ich-Erzählerin Cia tiefer hinein in die erschreckende Erkenntnis, dass die Auslese nicht harmlos ist. Grenzen scheinen weder die Tester noch die anderen Kandidaten zu kennen, der Untertitel „Nur die Besten überleben“ ist Programm. Es wird unheimlich und teilweise auch sehr blutig und grausam, wodurch das Buch trotz des Alters der Protagonistin sicher nicht als reines Jugendbuch, sondern eher in der Zielgruppe der (jungen) Erwachsenen beziehungsweise als All-Age-Buch zu sehen ist.
Bei den Charakteren liegt der Fokus deutlich auf der Ich-Erzählerin Cia, mit vollem Namen eigentlich Malencia Vale. Sie ist ein vielschichtiger Charakter, in den sich der Leser schnell hineinfühlen kann. Sie hat sowohl starke als auch menschlich-schwache Momente und ist dadurch eine sehr real und glaubhaft wirkende Figur, die sich durch einen facettenreichen Charakter auszeichnet. Sie vertraut sowohl auf ihren Instinkt, gebraucht aber auch ihren Verstand, ist klug und handelt überlegt. Dabei ist Cia im Vergleich zu vielen anderen weiblichen Hauptfiguren ähnlicher Romane erfrischend wenig naiv. Sie beobachtet, lernt aus ihren Fehlern und denen anderer und findet ein glaubhaftes Maß zwischen Misstrauen und dem Glauben an das Gute, obwohl besonders letzterer hart auf die Probe gestellt wird, während die erschreckende Entwicklung der Auslese voranschreitet, da sie Cia gemeinsam mit dem Leser in schockierende Situationen und zu menschlichen Abgründen führen wird.
Mir hat dieser eine sympathische Charakter und das Verfolgen seiner starken Entwicklung so viel Spaß gemacht, dass Cia allein schon ein ausreichend überzeugendes Merkmal wäre, um diese Dystopie zwischen vielen anderen hervorstechen zu lassen.
Doch auch die Nebencharaktere überzeugen, ebenso wie eine zarte Liebesgeschichte, die allerdings die eigentliche Handlung nie in den Hintergrund drängt.
Auch Schreibstil und sprachliche Vielfalt hinterlassen einen überdurchschnittlich starken Eindruck und tragen mit einer flüssigen, abwechslungsreichen und sehr eindringlichen Sprache zum gelungenen Gesamtbild der Dystopie bei. Ein auffallend häufiger Gebrauch indirekter Rede anstelle direkter Dialoge verdeutlicht dabei noch einmal die Bedeutung Cias für diese Geschichte und festigt ihren Standpunkt im Fokus der Handlung, was mich gerade bei der gewählten Ich-Perspektive sehr überzeugen konnte.
Der Leser wird durch tiefgehende Gefühle, spannende Wendungen und mitreißende Überraschungen intensiv in die Handlung mit einbezogen und nimmt förmlich selbst an der atmosphärisch überzeugend geschilderten Welt und dem Schrecken der Auslese teil. Keine Sekunde möchte an dieses Buch aus der Hand legen und am Ende ist jeder Tag, den man auf die Fortsetzung warten muss, eigentlich schon zu viel. Meine Vorfreude ist jetzt schon riesig.
Fazit: „Die Auslese – Nur die Besten überleben“ von Joelle Charbonneau ist ein starker Auftakt einer neuen dystopischen Trilogie. Ein glaubhafter Aufbau der postapokalyptischen Gesellschaft sowie ein sich an Spannung und Schrecken stetig steigernder Handlungsverlauf voller unerwarteter Wendungen begeistern. Nichts ist, wie es scheint. Eine überzeugende Protagonistin und eine zarte Liebesgeschichte runden die Geschichte ab und hinterlassen ein eindrucksvolles Gesamtbild und große Vorfreude auf den zweiten Band. Sehr empfehlenswert, für jeden Dystopie-Fan ein Muss. 5 Sterne.
Die Trilogie (mit Links zu Amazon)
- "Die Auslese - Nur die Besten überleben" (Aug. 2013, englische Originalausgabe "The Testing")
- noch nicht bekannt (englische Originalausgabe "Independent Study" erscheint Jan. 2014)
- noch nicht bekannt
Allgemeine Informationen
Ausgabe: Gebunden
Seiten: 416
Verlag: Penhaligon
ISBN: 978-3764531171
Preis: € [D] 16.99
Leseprobe und weitere Informationen auf der Verlagshomepage
Donnerstag, 25. Juli 2013
Rezension zu "Godspeed - Die Suche" von Beth Revis
Zurück auf der Godspeed
„Godspeed – Die Suche“ ist der zweite Band der dystopischen
Science-Fiction-Trilogie von Beth Revis. Der Auftakt dieser
Jugendbuchreihe, „Die Reise beginnt“, hatte mich durch seine gelungene
Idee und viele unerwartete Wendungen überzeugen können. Im Großen und
Ganzen ist das auch der Fortsetzung gelungen…
Zum Inhalt: Das Leben auf der Godspeed wird gefährlicher. Nachdem Junior, der als viel zu junger Anführer von vielen nicht akzeptiert wird, die Droge Phydus abgesetzt hat, brodelt es in der Bevölkerung. Zudem erfährt Junior von den Technikern, wie es tatsächlich um das Raumschiff bestellt ist – für einen so langen Aufenthalt im All war es nie gedacht, der Zerfall hat längst begonnen.
Amy ist sich unterdessen ihrer Gefühle für Junior nicht sicher und fühlt sich zudem auf dem Schiff immer unwohler. Zudem entdeckt sie, dass Orion, der eingefroren auf dem Kryo-Deck zurückgeblieben ist, ihr eine Aufgabe zugeteilt hat. Er hat etwas über die Zentauri-Erde herausgefunden und stellt Amy vor eine schwere Entscheidung…
Es geht also weiter auf der Godspeed. Noch gut erinnere ich mich an das beklemmende, frustrierende Gefühl am Ende des ersten Bandes, als heraus kam, dass die Godspeed ihre Mission, das Landen auf der Zentauri-Erde, vielleicht niemals erfüllen würde, da sie schon lange hinter dem Zeitplan zurück liegt, und die gesamte Bevölkerung mit Drogen und Illusionen dazu gebracht wurde, den Lügen des Ältesten zu glauben. Junior will das als neuer Ältester ändern. Er befreit die Bewohner der Godspeed von den Drogen und versucht das Schiff wieder auf Kurs zu bringen. Schnell fallen ihm dabei Ungereimtheiten in der Geschichte des Ältesten auf. Wie ist es wirklich um das Schiff bestellt? Steckt noch mehr hinter der Legende der Seuche? Können sie die Zentauri-Erde jemals erreichen? Wie weit sind die überhaupt noch entfernt?
So sehr Junior sich auch bemüht die Geheimnisse aufzudecken und das Schiff dem Ziel seiner Mission näher zu bringen, er muss schnell feststellen, dass die Bevölkerung ohne Phydus für ihn schwer zu kontrollieren ist. Ihm fehlt die Autorität des Ältesten, außerdem möchte er auch gar nicht wie dieser sein. Doch jetzt, wo die Menschen selbst denken, im Archiv Bücher über die Geschichte der Sol-Erde lesen, fangen sie auch an, sich nach Mitbestimmung zu sehnen. Die Autorin legt hier ein großes Augenmerk auf die gesellschaftlichen und politischen Strukturen der Godspeed und setzt die Konflikte gut um. Letztendlich betreten die Menschen hier Neuland. Politische und soziale Systeme sind ihnen unbekannt, das Ältesten-System hat seit Generationen aufgrund des Phydus funktioniert. Nach drei Monaten ohne die Droge beginnen sie sich diesem zu widersetzen. Führt Junior die Bewohner des Raumschiffes ins Chaos?
Junior selbst steht zwischen diesen Konflikten. Eine Stärke der Autorin zeigt sich auch hier: Sie scheut nicht davor zurück, ihren Hauptfiguren auch unsympathische Charakterzüge angedeihen zu lassen. Junior möchte nicht werden wie der letzte Älteste, diese Dominanz liegt ihm eigentlich nicht. Dennoch, konfrontiert mit den Konflikten und dem drohenden Chaos auf dem Schiff auf der einen Seite und seiner großen Verantwortung auf der anderen, ist auch er in dem behaftet, was er gelernt hat: Die diktatorische Form des Ältesten-Systems aufzugeben, kommt ihm kaum in den Sinn. Welche Methoden sind also die richtigen? Seine Überforderung ist spürbar und nachvollziehbar. An dieser Stelle wird „Die Suche“ zur moralischen Charakterentwicklung für Junior und diese Aspekte sind der Autorin sehr gut gelungen.
Schwerer zu verstehen dagegen ist Amy. Sie ist wie Junior eigentlich auch hin und hergerissen, aber unterstützt ihn auf politischer Ebene nicht, wie erhofft. Ich hätte hier von ihre mehr erwartet, denn als Bewohnerin der Sol-Erde kennt sie als einzige die gesamte historische Bandbreite gesellschaftlicher Modelle. Sie könnte Junior dabei unterstützen, den richtigen Weg zu finden, doch von ihrem Hass und ihrer Angst kommt sie nicht los. Ihre Beziehung zu Junior, die sie jedoch nicht richtig zulassen kann, stärkt sie ein wenig, aber die Furcht vor den anderen Bewohnern und der Hass auf Orion fressen sie auf. Sie wirkt ein bisschen verloren, hat als Charakter zwar auch manchmal ihre starken Momente, besonders auf der Suche nach Orions Botschaften, meistens aber wirkte sie ein wenig eindimensional. Ihr Hass auf einzelne nimmt fast groteske Züge an und sie wird kaltherziger, also ich es in anderen Situationen bei ihre für möglich gehalten hätte, denn auf eine gewisse Weise ist sie ein sehr zarter, zerbrechlicher Charakter, mit dem ich mitfühlen konnte.
Schreibstil und Handlung können wie schon
im ersten Band überzeugen. Der Perspektivwechsel zwischen Amy und Junior
ist ein gutes Mittel um die verschiedenen Blickwinkel auf der Godspeed
einzufangen. Die Handlung ist spannend und wie schon im ersten Band
warten einige überraschende Wendungen auf den Leser. Auch das
beklemmende Gefühl der Enge des Raumschiffs und der Aussichtslosigkeit
der Situation - Amys Träume von einer Welt ohne Wände – wird wieder gut
eingefangen. Mit großen Emotionen, ausdrucksstarken Bildern und
gefühlsintensiven Momenten spart die Autorin nicht. Kleinere Logiklücken
beim Betrieb des Schiffes sind zu verzeihen beziehungsweise fallen kaum
auf, wenn man nicht zu sehr darüber nachdenkt.Am Ende schafft es Revis dieses Mal nicht mit einem ähnlichen Paukenschlag abzuschließen wie im ersten Band. Dennoch ist das Potential für den Abschluss der Trilogie da und sie wird von mir mit Spannung erwartet.
Fazit: Spannend, überraschend und abwechslungsreich präsentiert sich auch der zweite Band der Godspeed-Trilogie. Mit einer Weiterentwicklung der Charaktere sowie der Gesellschaft des Raumschiffs überzeugt „Die Suche“ wie schon der Vorgänger. Einziger Schwachpunkt: Amy. Sie bleibt in ihrer Entwicklung stehen und ist nicht immer nachzuvollziehen. Gute 4 Sterne
Die "Godspeed"-Trilogie (mit Links zu Amazon.de)
- "Die Reise beginnt" (Aug. 2011, englischer Originaltitel: "Across the Universe") - meine Rezension
- "Die Suche" (Aug. 2012, englischer Originaltitel: "A Million Suns")
- "Die Ankunft" (Aug. 2013, englischer Originaltitel: "Shades of Earth")
Allgemeine Informationen
Ausgabe: Gebunden
Seiten: 464
Verlag: Dressler
ISBN: 978-3791516776
Preis: € [D] 19.95
Weitere Informationen auf der Verlagshomepage
Sonntag, 14. Juli 2013
Rezension zu "Das Labyrinth jagt dich" von Rainer Wekwerth
Eine Fortsetzung, die alle Erwartungen erfüllt
„Das Labyrinth jagt dich“ von Rainer Wekwerth ist der zweite
Band einer deutschen Jugend-Science-Fiction-Trilogie. Der erste Band, „Das Labyrinth erwacht“, konnte mich durch ein hohes Spannungsniveau und
interessante Charaktere uneingeschränkt begeistern. Dementsprechend hoch waren
meine Erwartungen an seine Fortsetzung – ob er diesen gerecht werden konnte?
Zunächst einige Worte zum Inhalt: Fünf der sieben
Jugendlichen haben es bis in die dritte Welt geschafft, doch der Kampf gegen
die Zeit, gegen das Labyrinth und auch gegeneinander geht weiter. Nur vier Portale
warten auf Jeb, Jenna, León, Mary und Mischa als Weg in die nächste Welt.
Wieder wird einer von ihnen zurückbleiben…
So abrupt wie der erste Band nach den ersten beiden Welten
endete, geht es jetzt in der dritten Welt auch weiter. Nahtlos schließt sich
diese an die Ereignisse des letzten Bandes an, die fünf verbliebenen
Jugendlichen sind direkt wieder mitten drin in ihrer Suche nach den Toren.
Spannend wie im ersten Band geht es weiter. Wo sind die Portale, wie werden die
jungen Leute dorthin gelangen? Die wichtigste Frage von allen natürlich
beschäftigt die Protagonisten wie den Leser in jeder liebevoll gestalteten Welt
gleichermaßen: Wer wird es dieses Mal nicht schaffen?
Die fünf der ursprünglich sieben Hauptfiguren, die der Leser
jetzt noch durch die Welten begleiten kann, sind abwechslungsreich und in ihrer
Entwicklung glaubwürdig, wie schon im ersten Band. Nicht immer machen sie in
ihrem inneren Kampf zwischen Freundschaft, sogar Liebe, und dem eigenen
Überlebenswillen einen sympathischen Eindruck, nicht immer handeln sie nach
moralischen Gesichtspunkten fair oder richtig. Aber wer könnte das unter den
hier erdachten Umständen schon von sich behaupten?
Die Welten haben strenge Regeln: Ein Portal wird jedes Mal fehlen.
Ein junger Mitstreiter muss zurückbleiben, allein seinem ungewissen Schicksal
in der surrealen Umgebung überlassen werden. Zwischen den Jugendlichen
schließen sich Allianzen, Liebe ist im Spiel, ständig muss einer fürchten, auf
der Strecke zu bleiben. Unter diesen Gesichtspunkten mag sich nicht jeder immer
„richtig“ verhalten, stattdessen dominiert in diesem Roman die Glaubwürdigkeit.
Jede Entwicklung eines Charakters ist gut durchdacht, glaubhaft vermittelt und
sowohl der ursprünglichen Konstitution der Figur wie auch ihrer Anpassung an
die Umgebung und der Ausnahmesituation geschuldet. Die Charaktere sind und
bleiben eine große Stärke dieser Reihe. Sie gehen unter die Haut.
Die Welten sind weiterhin abwechslungsreich gestaltet. Mal
ist die Bedrohung von außen groß, die Welt physisch gefährlich, mal beansprucht
sie den Verstand und greift die Psyche an. Was ist überhaupt real, was sind nur
Illusionen? Dieser zweite Band lüftet nur wenige Geheimnisse, lässt dem Leser
aber viel Raum für Vermutungen. Kleine Hinweise spicken den Weg der
Protagonisten, es bleibt spannend, wie sich das am Ende alles zu einem
logischen Ganzen zusammen fügen wird. Wer steckt hinter diesem grausamen Spiel,
warum hat es ausgerechnet die sieben jungen Leute getroffen, die anscheinend
nichts gemeinsam haben?
In der Natur der gesamten Grundidee liegt es natürlich, dass
viele Geheimnisse noch erhalten bleiben müssen – ein Abschluss, und sei es auch
nur ein Teilabschluss, der über das Ende einer der Welten hinausgeht und die
großen Fragen hinter der Existenz des Labyrinth aufdeckt, ist hier noch nicht
zu erwartet. Dennoch nähert man sich diesen Lösungen Schritt für Schritt an und
das ist umso spannender, je weiter die Charaktere voranschreiten.
Die Erinnerungen der Charaktere an ihre Leben vor dem Labyrinth,
die ihnen zu Beginn komplett genommen waren, kehren langsam zurück, bei einigen
schneller und sehr deutlich, bei anderen bleiben es noch Schatten, einzelne
Bilder oder Gedanken. Auch diese Erinnerungen und der Aufbau des Romans, die
Art, wie sie Welt um Welt in die Handlung eingeflochten werden, sind spannend,
mitreißend und so packend, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte.
Ein flüssiger, unaufgeregter Schreibstil, der die Atmosphäre
der Handlung gelungen aufgreift und die Welten in ihren Details plastisch
beschreibt rundet den gelungenen Gesamteindruck am. Selbiges gilt auch für die
wechselnden Perspektiven, die dafür sorgen, dass kein Charakter zur Nebenfigur
verkommt, sondern alle gleichberechtigt erscheinen, was die Spekulationen um
ihre Reihenfolge ihres Ausscheidens nur noch erschwert. Jede Figur, die
unterwegs zurückblieb, egal wie schwierig ihr Charakter war, habe ich
schmerzlich vermisst. Umso mehr trieben mich beim Lesen die Fragen nach ihrem
Schicksal um. Es schien klar, dass das Zurückbleiben den Tod bedeuten würde –
doch ist das auch tatsächlich so? Der zweite Band traut sich, einige
Erkenntnisse aus dem Vorgänger noch einmal gehörig auf den Kopf zu stellen. Man
kann sich beim Labyrinth nie ganz sicher sein…
Fazit: Riesige Erwartungen bravourös erfüllt. Starke
Charaktere mit viel Tiefe und ausgefeilte Welten machen auch die Fortsetzung zu
einem spannenden Lesevergnügen. Ich kann es kaum noch erwarten, dass die großen
Geheimnisse des Labyrinths gelüftet werden und erwarte den dritten Band schon
jetzt sehnsüchtig – bis zum Sommer 2014 werde ich mich wohl leider gedulden
müssen. Für den zweiten vergebe ich aber definitiv 5 Sterne. Die Reihe ist
genial.
Die Labyrinth-Trilogie (mit Links zu Amazon.de)
- "Das Labyrinth erwacht" (Jan. 2013) - meine Rezension
- "Das Labyrinth jagt dich" (August 2013)
- noch nicht bekannt (voraussichtlich Sommer 2014)
Allgemeine Informationen
Ausgabe: Gebunden
Seiten: 352
ISBN: 978-3-401-06789-6
Preis: € [D] 16.99
Leseprobe und weitere Informationen auf der Verlagshomepage
Donnerstag, 13. Juni 2013
Rezension zu "Gefangene der Magie" von Rebecca Wild
Kira und Cians Seele sind zurück
„Gefangene der Magie“ von Rebecca Wild ist nach „Verräter der Magie“ der
zweite Band und (vorerst?) letzte Band ihrer dystopisch angehauchten,
in der Zukunft spielenden Urban-Fantasy-Jugendbuch-Reihe.
Inhalt: Kira hat Cians Seele wieder in ihrem Körper aufgenommen, doch ein Dauerzustand ist das nicht. Aber wohin mit ihm? Zurück in seinen alten Körper! Mit der ausgegrabenen Leiche wendet sich Kira an eine junge Totenbeschwörerin, doch so leicht, wie gedacht, wird es nicht. Außerdem werden ihre Feinde, die Magier und die Anführerin des Widerstands, die Sidhe Sina, wieder auf die beiden aufmerksam…
Insgesamt konnte mich „Gefangene der Magie“ leider weniger begeistern als sein Vorgänger, „Verräter der Magie“. Meine Kritikpunkte aus dem ersten Band kann ich auch auf den zweiten nahtlos übertragen. Der Roman ist insgesamt sehr actionreich aufgebaut, die Ereignisdichte ist hoch. Zum einen ist das natürlich ein Pluspunkt, aber auf den wieder einmal nur rund 300 Seiten wirkten diese auf den Leser einprasselnden Vorkommnisse in ihrer Fülle häufig überladend. Es blieb den Figuren keine Zeit einmal innezuhalten, zu reflektieren, nachzudenken und somit auch ihre Persönlichkeit auf einer Ebene weiterzuentwickeln, die sie dem Leser näher bringt.
Bei den Hauptfiguren, dem Magier Cian und der Sidhe Kira, war das gerade noch zu verkraften – sie begleitet der Leser so intensiv, dass man recht gut über sie informiert ist. Auch der Humor der beiden, dieser bissige Schlagabtausch, in dem sich aber viel Liebe und manchmal eben auch verletzte Gefühle verbergen, ein Element der Bücher, das ich im ersten Band sehr geliebt habe, ist wieder mit von der Partie und eine echte Bereicherung.
Ganz unterhaltsam war auch wieder Kiras „Hausdämon“ Pooka. Der kleine Verwandlungskünstler mit den glühend roten Augen zeigt sich dieses Mal von seiner etwas dunkleren Seite, die klar macht, dass er eben doch kein Haustier, sondern eine mächtige, alte Kreatur ist, findet aber auch einen Freund in Cians nicht wie geplant wiedererweckter Leiche. Durch die beiden musste ich oft schmunzeln.
Andere Charaktere dagegen wirkten blass, sogar austauschbar, ihre Eigenschaften kamen in der fix erzählten Handlung kaum zum Tragen.
Auch die Aufschlüsselung der Handlungsstränge konnte mich nicht bis zum Ende überzeugen. Vieles wirkte leider doch wie fallen gelassen, manches aus dem ersten Band wie gar nicht erst wieder aufgenommen. Das Ende ging schnell, vieles überschlug sich, einiges entlädt sich und ein Weg in die Zukunft wird geebnet – aber rund wirkt es leider nicht. Selbst für ein offenes Ende, das ich normalerweise sehr schätze, fehlen zu viele Elemente der vorangegangenen Geschichte.
Sprachlich hat mir
„Gefangene der Magie“ wieder gut gefallen. Es wirkt stimmig, der bereits
erwähnte Humor lockert den Jugendroman gelungen auf und die zwischen
Kira und Cian wechselnde Perspektive ist ebenfalls gut umgesetzt.
Wie
bereits im ersten Band wird auch der zweite Band wieder durch ein
Glossar ergänzt, auf das im Text durch Sternchen an den entsprechenden
Begriffen hingewiesen wird. Das empfand ich für den Lesefluss als
störend, zumal der Umfang der Bücher ein solches Glossar an sich nicht
nötig macht – es besteht in der Regel auch nur aus einem Satz, der
ebenfalls im Text selbst eingebaut ist. Natürlich stört ein vorhandenes
Glossar nicht, aber die Sternchen reißen aus dem Lesefluss und geben das
Gefühl, man müsse etwas nachschlagen, was in den meisten Fällen aber
nicht der Fall ist. Das empfand ich an der Stelle daher als etwas
übereifrig.
Fazit: Leider nicht ganz so stark wie der Vorgänger. Die Geschichte hätte mehr Zeit gebraucht, wurde zu schnell erzählt. Die Charaktere können sich nicht entwickeln, das Ende wirkte gar deutlich unrund. Ich vergebe gute 3 Sterne. Gute Unterhaltung mit leichten Schwächen.
Fazit: Leider nicht ganz so stark wie der Vorgänger. Die Geschichte hätte mehr Zeit gebraucht, wurde zu schnell erzählt. Die Charaktere können sich nicht entwickeln, das Ende wirkte gar deutlich unrund. Ich vergebe gute 3 Sterne. Gute Unterhaltung mit leichten Schwächen.
Die Reihe (mit Links zu Amazon.de):
- "Verräter der Magie" (August 2012) - meine Rezension
- "Gefangene der Magie" (März 2013)
Allgemeine Informationen
Ausgabe: Taschenbuch
Seiten: 320
Verlag: Ravensburger Buchverlag
ISBN: 978-3-473-58439-0
Preis: € [D] 9.99
Ausgabe: Taschenbuch
Seiten: 320
Verlag: Ravensburger Buchverlag
ISBN: 978-3-473-58439-0
Preis: € [D] 9.99
Leseprobe und weitere Informationen auf der Verlagshomepage zum Buch
Mittwoch, 5. Juni 2013
Rezension zu "Im Schatten des Mondkaisers" von Bernd Perplies
Erst zäh, dann beeindruckend fulminant
„Im Schatten des Mondkaisers“ von Bernd Perplies ist nach „Flammen über
Arcadion“ der zweite Band einer dystopischen Trilogie, die in einem
teilweise zerstörten, gesellschaftlich neu strukturierten Europa in der
Zukunft spielt.
Inhalt: Nach einem kurzen Aufenthalt im Dorf der
Mutanten, ist es Zeit für Carya den Geheimnissen ihrer Herkunft auf die
Spur zu kommen. Die Koordinaten des Flugzeugs, mit dem sie als Kind
abstürzte, führen Carya, Jonan und Pitlit nach Francia in die Nähe von
Paris, wo der Mondkaiser an seinem prächtigen Hof regiert. Dort versucht
sie zwischen höfischen Intrigen herauszufinden, woher sie stammt…
Zunächst fiel mir der Wiedereinstieg in die Geschichte recht schwer. Inhaltlich schließt sie dort an, wo „Flammen über Arcadion“ endete, jedoch begann die Reise ins zerstörte, gefährliche Frankreich in meinen Augen eher zäh. Viele Fakten – Reisevorbereitungen, Geld- und Proviantbeschaffung – dominierten das Geschehen, nur wenige nennenswerte Ereignisse fanden statt und vor allem war wenig Nähe zwischen den Figuren zu beobachten. Es dauerte seine Zeit, bis die Spannung wieder zunahm und ich mich wieder besser an Carya und Jonan, aus deren Sicht die Geschichte auch im zweiten Band erzählt wird, annähern und mit ihnen mitfiebern konnte. Auch Pitlit erlangt seine Spritzigkeit und seinen Witz leider erst bei einer etwas fortgeschrittenen Seitenzahl zurück. Vorher wirkte der abenteuerliebende Straßenjunge oft ein wenig wie der Klotz am Bein der Geschichte.
Sind die drei aber erst einmal in Frankreich – oder Francia, wie es nach dem Sternenfall heißt – wird es deutlich spannender und auch erkenntnisreicher. Endlich nähern sich die drei Reisenden dem Ziel ihrer Suche nach Caryas Herkunft und diese bietet noch einmal einige Überraschungen, wenn auch die größten erst ziemlich spät zum Tragen kommen. Während sich die Ereignisse auf den letzten 100 Seiten fast überschlagen, wird es zwischendurch zwar manchmal ebenfalls actionreich, aber nicht alle Vorkommnisse führten die Gruppe auch zu einem Erkenntnisgewinn und so wünschte ich mir häufig, Carya würde endlich ihre Fragen stellen, wo sie eher beobachtende Positionen einnahm. Die Verteilung aus Spannung und zähem Handlungsfluss war in meinen Augen leider nicht ganz ausgeglichen. Erst etwas zu wenig Spannung, am Ende sehr viel.
Außerdem dominierten für meinen Geschmack ein wenig zu sehr die Zufälle. Zur mehr als nur richtigen Zeit an genau dem richtigen Ort, wo genau die richtige Person als eine unter tausenden anzutreffen ist. Am Ende fügte sich allerdings vieles reibungslos zusammen und, im Gegensatz zu vielen Mittelbänden von Trilogien, hatte „Im Schatten des Mondkaisers“ einen eigenen großen Höhepunkt, eine eigenständig entwickelte Handlung und ein überragendes Finale, sodass es insgesamt deutlich mehr war, als ein reiner Übergang zwischen Auftakt und Finale.
Dennoch, nach den Startschwierigkeiten hat mich die Geschichte wieder packen können, wie es schon der erste Band konnte. Sie ist spannend, interessant, weiterhin voller Geheimnisse und mit vielschichtigen Charakteren ausgestattet. Besonders der Mondkaiser und seine Höflinge haben mir in diesem zweiten Band mit am besten gefallen, sind sie doch für die Überraschungen und facettenreichen Charakterzügen gut, die mir ausgerechnet bei den Hauptfiguren oft gefehlt haben. Carya ist zwar durch ihre verborgenen Fähigkeiten, die sich immer wieder einen Weg an die Oberfläche bahnen, nach wie vor ein interessanter Charakter, hätte allerdings aktiver sein können, was leider auch für Jonan gilt. Insbesondere die Beziehung der beiden wirkte auf mich lange Zeit wie eingeschlafen. Erst am Ende, das wirklich ein fulminantes Finale darstellte und vieles ausgleichen konnte, gewannen auch die Charaktere wieder an Profil.
Das gut gewählte Setting des zerstörten Europas mit vielen verschiedenen, allesamt düsteren, bildlich starken Schauplätzen und dem Hof des Mondkaisers als extremen Kontrast zur von Armut dominierten Trümmerlandschaft außerhalb, gehört ebenfalls zu den großen Pluspunkten dieses zweiten Bandes, der es am Ende doch schaffte Lust auf mehr zu machen.
Der Schreibstil bleibt ebenfalls ein Pluspunkt. Abwechslungsreich, flüssig und gelungen der jeweiligen Situation, ob lockerer Straßensprache oder steifem Hofjargon, angepasst. Ebenfalls punkten kann die Reihe auch weiterhin mit ihrer Gestaltung, Aufsehen erregenden Covern und auffälliger Innengestaltung.
Fazit: Am Anfang leider etwas zäh geraten, fesselt der Roman doch noch durch seine Charaktere, ein durchdachtes Setting, Action und einige Überraschungen. Besonders das Ende konnte überzeugen. Es macht Lust auf mehr. 4 Sterne.
Zunächst fiel mir der Wiedereinstieg in die Geschichte recht schwer. Inhaltlich schließt sie dort an, wo „Flammen über Arcadion“ endete, jedoch begann die Reise ins zerstörte, gefährliche Frankreich in meinen Augen eher zäh. Viele Fakten – Reisevorbereitungen, Geld- und Proviantbeschaffung – dominierten das Geschehen, nur wenige nennenswerte Ereignisse fanden statt und vor allem war wenig Nähe zwischen den Figuren zu beobachten. Es dauerte seine Zeit, bis die Spannung wieder zunahm und ich mich wieder besser an Carya und Jonan, aus deren Sicht die Geschichte auch im zweiten Band erzählt wird, annähern und mit ihnen mitfiebern konnte. Auch Pitlit erlangt seine Spritzigkeit und seinen Witz leider erst bei einer etwas fortgeschrittenen Seitenzahl zurück. Vorher wirkte der abenteuerliebende Straßenjunge oft ein wenig wie der Klotz am Bein der Geschichte.
Sind die drei aber erst einmal in Frankreich – oder Francia, wie es nach dem Sternenfall heißt – wird es deutlich spannender und auch erkenntnisreicher. Endlich nähern sich die drei Reisenden dem Ziel ihrer Suche nach Caryas Herkunft und diese bietet noch einmal einige Überraschungen, wenn auch die größten erst ziemlich spät zum Tragen kommen. Während sich die Ereignisse auf den letzten 100 Seiten fast überschlagen, wird es zwischendurch zwar manchmal ebenfalls actionreich, aber nicht alle Vorkommnisse führten die Gruppe auch zu einem Erkenntnisgewinn und so wünschte ich mir häufig, Carya würde endlich ihre Fragen stellen, wo sie eher beobachtende Positionen einnahm. Die Verteilung aus Spannung und zähem Handlungsfluss war in meinen Augen leider nicht ganz ausgeglichen. Erst etwas zu wenig Spannung, am Ende sehr viel.
Außerdem dominierten für meinen Geschmack ein wenig zu sehr die Zufälle. Zur mehr als nur richtigen Zeit an genau dem richtigen Ort, wo genau die richtige Person als eine unter tausenden anzutreffen ist. Am Ende fügte sich allerdings vieles reibungslos zusammen und, im Gegensatz zu vielen Mittelbänden von Trilogien, hatte „Im Schatten des Mondkaisers“ einen eigenen großen Höhepunkt, eine eigenständig entwickelte Handlung und ein überragendes Finale, sodass es insgesamt deutlich mehr war, als ein reiner Übergang zwischen Auftakt und Finale.
Dennoch, nach den Startschwierigkeiten hat mich die Geschichte wieder packen können, wie es schon der erste Band konnte. Sie ist spannend, interessant, weiterhin voller Geheimnisse und mit vielschichtigen Charakteren ausgestattet. Besonders der Mondkaiser und seine Höflinge haben mir in diesem zweiten Band mit am besten gefallen, sind sie doch für die Überraschungen und facettenreichen Charakterzügen gut, die mir ausgerechnet bei den Hauptfiguren oft gefehlt haben. Carya ist zwar durch ihre verborgenen Fähigkeiten, die sich immer wieder einen Weg an die Oberfläche bahnen, nach wie vor ein interessanter Charakter, hätte allerdings aktiver sein können, was leider auch für Jonan gilt. Insbesondere die Beziehung der beiden wirkte auf mich lange Zeit wie eingeschlafen. Erst am Ende, das wirklich ein fulminantes Finale darstellte und vieles ausgleichen konnte, gewannen auch die Charaktere wieder an Profil.
Das gut gewählte Setting des zerstörten Europas mit vielen verschiedenen, allesamt düsteren, bildlich starken Schauplätzen und dem Hof des Mondkaisers als extremen Kontrast zur von Armut dominierten Trümmerlandschaft außerhalb, gehört ebenfalls zu den großen Pluspunkten dieses zweiten Bandes, der es am Ende doch schaffte Lust auf mehr zu machen.
Der Schreibstil bleibt ebenfalls ein Pluspunkt. Abwechslungsreich, flüssig und gelungen der jeweiligen Situation, ob lockerer Straßensprache oder steifem Hofjargon, angepasst. Ebenfalls punkten kann die Reihe auch weiterhin mit ihrer Gestaltung, Aufsehen erregenden Covern und auffälliger Innengestaltung.
Fazit: Am Anfang leider etwas zäh geraten, fesselt der Roman doch noch durch seine Charaktere, ein durchdachtes Setting, Action und einige Überraschungen. Besonders das Ende konnte überzeugen. Es macht Lust auf mehr. 4 Sterne.
Die Trilogie (mit Links zu Amazon.de)
- "Flammen über Arcadion" (Sep. 2012) - Rezension
- "Im Schatten des Mondkaisers" (März 2013)
- "Das geraubte Paradies" (Sep. 2013)
Allgemeine Informationen
Ausgabe: Gebunden
Seiten:544
Verlag: LYX
ISBN: 978-3802586385
Preis: € [D] 19.99
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