Samstag, 7. September 2013

Rezension zu "Ashes - Ruhelose Seelen" von Ilsa J. Bick



Authentische Endzeit - Nichts für schwache Nerven

„Ashes – Ruhelose Seelen“ ist der dritte Band der im deutschen vierteiligen, postapokalyptischen Reihe von Ilsa J. Bick. Da die Reihe im Original eine Trilogie ist und der letzte Band nur aufgrund seines Umfangs nach der Übersetzung auf zwei Bücher aufgeteilt wurde, findet sich häufig auch die Angabe 3.1 für diesen Band. Der Abschluss der Reihe, der vierte Band oder auch 3.2, wird „Pechschwarzer Mond“ heißen und uns ein letztes Mal in die blutige Welt der zombie-ähnlichen Menschenfresser entführen. Wer die Reihe noch nicht kennt, findet in „Brennendes Herz“ den ersten und in „Tödliche Schatten“ den zweiten Band, die beide unbedingt vor „Ruhelose Seelen“ gelesen werden sollten. Die Reihe ist zu komplex und baut zu sehr auf einander auf, um mit einem anderen Band als dem ersten einzusteigen.

Zum inhaltlichen lässt sich dabei dieses Mal kaum etwas verraten. Die Reise für Tom, Alex, Peter und die anderen Überlebenden des elektromagnetischen Impulses, dessen Herkunft noch immer ungeklärt ist, geht weiter, ebenso wie ihr Kampf gegen die Veränderten, die Jugendlichen, die zu zombieähnlichen Menschenfressern wurden. Noch immer herrscht tiefster Winter, während Tom versucht Alex zu finden, Alex versucht sie selbst zu bleiben und Rule ums Überleben kämpft…

Was ziemlich überflüssig sein dürfte, ist, beim dritten Band noch vor den Grausamkeiten dieser Roman-Reihe warnen zu müssen. Ich mache es aber dennoch, denn die Autorin legt noch einmal nach. „Ruhelose Seelen“ ist ekliger, grausamer und mit mehr Gewalt und Blut gespickt als seine beiden Vorgänger. Die Nerven des Lesers werden hier nicht geschont, jedes Detail wird beschrieben. Die Grenzen des sogenannten „guten Geschmacks“ hat diese Buchreihe dabei wahrscheinlich schon lange hinter sich gelassen, doch wer sich an schauderhaften Beschreibungen nicht stört und ekelhafte Horrorszenarien ertragen kann, der bekommt eine hoch-authentische Endzeit-Geschichte, die wirklich mitreißt, schockiert und ihre Leser dazu bringt, von der ersten bis zur letzten Seite mit zu fiebern.

Was wären auch Menschenfresser, die ihrem Namen nicht gerecht werden? Interessant finde ich hierbei, dass die Autorin ihren Veränderten wirklich eine Entwicklung zugutekommen lässt. Wirkten sie im ersten Band noch wie klassische Zombies, unkontrolliert und wild mordend, werden sie immer menschlicher, auch berechnender und intelligenter. Abgesehen davon, dass sie nicht sprechen und – nun ja – andere Menschen fressen, verhalten sie sich kaum anders, als die anderen verzweifelten Überlebenden, die versuchen, den Winter zu überstehen. Die Autorin erschafft diese menschliche Seite der „Chuckies“ so überzeugend, dass der Leser oft doch hin- und hergerissen ist. Ihre Absichten sind nicht sofort verständlich, aber, wenn sie dann ans Licht kommen, nachvollziehbar – doch ist es wirklich vertretbar, für diese Ekel und Angst verbreitenden Wesen Verständnis aufbringen zu können? Kommt manchmal gar etwas wie Sympathie auf?

Abgesehen von den Veränderten spielen natürlich unsere wenigen Überlebenden eine große Rolle. Während in Rule Hunger und Chaos herrscht, sucht Tom wieder nach Alex. Welcher Leser der Reihe wartet nicht darauf, dass sie wieder zusammen treffen? Immerhin sind sie seit der ersten Hälfte des ersten Bandes getrennt und am Ende des zweiten waren sie so nah dran, hatten ihr Ziel fast erreicht – und was ist jetzt? Ja, das bleibt spannend. 

Die Autorin schafft wirklich einige Wendungen, mit denen man nicht rechnen kann, viele Handlungsstränge wurden gesponnen und warten darauf zusammengeführt zu werden. „Ashes“ war schon nach den ersten zwei Bänden eine sehr komplexe Geschichte, mit vielen Teilaspekten und Protagonisten, und das bleibt auch nach dem dritten Band so. Wenn ich daran denke, dass der Autorin jetzt gerade einmal noch die 450 Seiten von „Pechschwarzer Mond“ bleiben werden, um alles zusammenzuführen, all die Handlungsstränge zu Ende zu bringen, die Protagonisten mit einander zu verbinden und für die postapokalyptische Welt eine Zukunft zu präsentieren, bin ich einerseits sehr gespannt, andererseits aber auch ein wenig skeptisch, denn ich hatte erwartet, dass in „Ruhelose Seelen“ schon weiter vorangeschritten wird.

Auf der einen Seite ist „Ruhelose Seelen“ nämlich wirklich nicht handlungsarm, ganz im Gegenteil. Es passiert einiges, vor allem die Kampf- und Actiondichte ist hoch und das hält auch die Spannung hoch. Allerdings teilen sich auch bis zu fünf verschiedene Schauplätze mit verschiedenen Gruppen von Protagonisten die Kapitel dieses Buches untereinander auf – wenn man bedenkt, dass es einmal, im ersten Band der Reihe, nur einen Fokus gab, nämlich Alex, leuchtet sicher ein, dass der Handlungsfortschritt in jedem einzelnen Strang bei Weitem nicht mehr so groß ist. Hinzu kommt noch, dass gerade am Anfang einige kurze Kämpfe über mehrere Kapitel in die Länge gezogen wurden und das, leider, auch noch zum Großteil durch sich wiederholende Gedanken des kämpfenden Protagonisten, was mit der Zeit ein wenig meine Nerven strapazierte.
Positiv erwähnen möchte ich aber, dass die Autorin es sehr gut schafft, ein Gleichgewicht zwischen allen Handlungssträngen herzustellen, sodass keiner über eine zu lange Zeit in Vergessenheit gerät oder das Gefühl aufkam, eine dieser Teilhandlungen wäre an sich überflüssig.

Was den Schreibstil und die beschreibenden Fähigkeiten der Autorin angeht, so kann ich absolut keinen Kritikpunkt anbringen. Es ist abwechslungsreich und spannend, die detaillierten Beschreibungen gehen unter die Haut und die Atmosphäre geht schon nach den ersten Seiten auf den Leser über. Der kalte Winter und der Schrecken der Veränderten sind beinahe greifbar, so hervorragend vermittelt die Autorin die Stimmung ihrer Endzeit-Romane.

Wer also starke Nerven hat, die auch die schonungslosesten Beschreibungen von blutigen Eingeweiden und Tod aushalten können, findet in diesem Buch wieder eine authentische Postapokalypse ohne Angst vor Direktheit und ohne große Umschweifen. 
Deswegen gilt unbedingt auch andersherum, dass Leser mit schwächeren Nerven sich gut überlegen sollten, ob sie dieses Buch in die Hand nehmen möchten – vor allem auch, wenn sie das Gefühl hatten, dass schon der zweite Band „Tödliche Schatten“ die persönliche Grenze erreicht oder gar überschritten hatte. Es wird alles andere als harmloser. Die Einordnung des Buches als Jugendbuch ist dabei in meinen Augen oft irritierend, denn trotz vergleichsweise junger Protagonisten hat es alles, was ein All-Age-Buch braucht, von glaubwürdigen Charakteren über Spannung bis hin zu einer logischen Handlung und einem ausdrucksstarken Schreibstil. Man darf hier also nicht den Fehler machen, aufgrund einer Einordnung „ab 14 Jahren“ von einer seichten oder gar gewaltfreien Handlung auszugehen.

Fazit: „Ruhelose Seelen“ ist ein überzeugender dritter Band der „Ashes“-Reihe, die ich trotz der häufig zu lesenden Angabe „ab 14 Jahren“ beim besten Willen nicht mehr als Jugendbuch einstufen würde. Nicht zu zart besaitete All-Age-Leser können dagegen voll auf ihre Kosten kommen, denn „Ashes“ ist einer der überzeugendsten Endzeit-Romane, die aktuell auf dem Buchmarkt zu finden sind. Schonungslos im Detail begeistert die Geschichte mit facettenreichen Charakteren und einer sehr komplexen Handlung. Von mir gibt es dafür wieder sehr gute 4 Sterne.


 
Die Ashes-Reihe (mit Links zu Amazon.de)
  1. "Brennendes Herz" (Aug. 2011, engl. Originaltitel: "Ashes")
  2. "Tödliche Schatten" (Aug. 2012, engl. Originaltitel: "Shadows")
  3. geteilt auf : "Ruhelose Seelen" (Aug. 2013) und "Pechschwarzer Mond" (Sep. 2013) - (engl. Originaltitel: "Monsters", erscheint im Sep. 2013) 

Allgemeine Informationen

Ausgabe: Gebunden
Seiten: 448
Verlag: Egmont Ink
ISBN: 978-3863960063
Preis: € [D] 17.99




Anmerkung: Wer die ersten beiden Bände nicht mehr genau in Erinnerung hat, findet auf der INK-Seite noch einmal eine Zusammenfassung der Charaktere von der Autorin.

Kommentare:

  1. Hey Sarah! Danke erstmal für deinen Kommentar!! Wie gesagt, die Hose ist nun mal Geschmackssache und ich wollte mich durch den Bezug auf die 'größeren' Blogger nicht rechtfertigen...Das war wirklich nicht meine Absicht. Vielleicht hätte ich mich anders ausdrücken sollen! Im Grunde wollte ich nur darauf hinweisen, dass auch andere bereits diesen 'Stil' entdeckt haben... Und ich finde es auch völlig okay wenn du deine Meinung äußerst! Ich wollte keinen iwie angreifen oder sonst was ... Ich kenne einige Blogs mit kleinerer Leserschaft, die wirklich 1A sind. Von Technik & Stil! Ich hoffe du verstehst mich!

    Sorry, dass ich das jetzt hier schreibe, aber ich möchte unbedingt, dass du meine Rückmeldung auch wirklich durchliest!

    Schönes Wochenende ♥

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  2. Hey :)

    Hab leider noch kein einziges Buch von der 'Ashes'-Reihe gelesen aber möchte es demnächst unbedingt noch kaufen! (:

    Liebe Grüße, Jasi
    http://meinelieblingsbooks.blogspot.co.at/

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