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Mittwoch, 4. November 2015

Wünschenswert im November - Zeitgenössisch und Historisch


Heute zeige ich euch weitere Neuerscheinungen in diesem Monat. Die Genre-Zusammenfassung finde ich bei Romanen, die weder Fantasy noch Science Fiction, noch eindeutige Krimis oder Thriller sind, immer am schwersten. Ich nenne es jetzt "Zeitgenössisch und Historisch" - drin steckt alles von Gegenwartsliteratur bis zum historischen Roman, inklusive Liebesromanen und - wenn auch nicht in diesem Monat - Humorvolles. 
Wie schon gestern gilt auch heute: In meinen neuen Kategorien wird nicht mehr nach Altersempfehlungen unterschieden. "Jugendbuch", "All Age" und "Erwachsenenliteratur" werden bunt gemischt vorgestellt, denn ich finde, was anspricht, ist auch lesenswert, ohne dass sich ein Leser dabei Gedanken um eine fiktive Altergrenze machen muss.

Samstag, 3. Oktober 2015

Rezension zu "Schimmert die Nacht" von Maggie Stiefvater


Spin-Off mit ganz besonderen Protagonisten

Fortsetzungen oder Spin-Offs von an sich abgeschlossenen Reihen lösen in mir in der Regel keine Begeisterungsstürme aus - irgendwann muss die durch den Autoren vorgegebene Geschichte enden und das weitere Leben der Figuren der Fantasie des Lesers übergeben werden, sonst droht die Gefahr mit der Handlung immer weiter abzudriften und entweder in Belanglosigkeiten oder Absurditäten zu versinken bis selbst der größte Fan seinen geliebten Charakteren nichts mehr abgewinnen kann.

Einen solchen Weg sah ich nun möglicherweise auch eine meiner Lieblingsreihen, die Mercy-Falls-Trilogie der wortgewandten US-amerikanischen Autorin Maggie Stiefvater, einschlagen, als sich "Schimmert die Nacht" ankündigte - ein Spin-Off über die Protagonisten Cole und Isabel, die ab dem zweiten Band "Ruht die Licht" neben Sam und Grace bereits in der ursprünglichen Büchern als Ich-Erzähler aufgetreten waren. Zwar blieb ihre parallel verlaufende Liebesgeschichte am Ende der Trilogie offen, doch die Werwolf-Problematik, die den Contemporary-Fantasy-Kern der Handlung ausgemacht hatte, war an sich abgeschlossen. Gab es dort also tatsächlich noch Stoff für ein Spin-Off oder würde "Schimmert die Nacht" mir das Ende meiner geliebten Trilogie nachträglich verderben? Sehr skeptisch habe ich dennoch nach längerem Zögern zu lesen begonnen - ganz und gar ignorieren konnte ich ein Maggie-Stiefvater-Werk dann doch nicht - und folgende Geschichte vorgefunden...

Inhalt: Cole St. Clair kehrt dem Anwesen in Minnesota den Rücken. Ein Internet-TV-Sender, möchte in Los Angeles eine Reality-Show mit ihm produzieren und er fühlt sich nach all der Zeit bereit wieder in die Rolle des Ex-NARKOTIKA-Leadsängers und Keyboarders zu schlüpfen und mit neuer Band ein neues Album aufzunehmen. Doch insgeheim führen Cole noch andere Pläne nach L.A.: Isabel Culpeper lebt dort mit ihrer Mutter und Cole möchte sie zurückgewinnen. Isabel ist allerdings weniger begeistert, als er plötzlich vor ihr steht. Sie hat ein neues Leben begonnen und fürchtet, dass Coles neu erwachtet Rockstar-Leben ihn wieder in den Sumpf aus Alkohol und Drogen zieht, der für ihn damals bei den Wölfen in Mercy Falls geendet hatte.... 

Mittwoch, 5. März 2014

Rezension zu "Das Geheimnis des Nebels" von Pia Hepke


Solides Urban-Fantasy-Debüt

„Das Geheimnis des Nebels“ ist der Auftakt einer Urban-Fantasy-Reihe von der jungen deutschen Autorin Pia Hepke, die damit ein solides Debüt abliefert.
Zum Inhalt: Dianas neuer Mitschüler Adrian hat mit seinen grünen Augen direkt ihre Aufmerksamkeit erregt. Doch seit er aufgetaucht ist, geschehen merkwürdige Dinge. Oft legt sich Nebel über die Stadt und Diana könnte schwören, dass sie im Wald etwas im Nebel gesehen hat. Ein Brand während der Klassenfahrt und Dianas eigenes künstlerisches Talent bringen sie Adrians Geheimnissen näher…

Meine Eindrücke von „Das Geheimnis des Nebels“ sind sehr wechselhaft. Mir gefiel der Plot recht gut. Natürlich ist nicht schwer zu erraten, worauf es in dieser Urban-Fantasy hinauslaufen wird. Das Cover ist doch recht eindeutig. Doch die Umsetzung ist größtenteils gelungen, die Idee wird konsequent und stimmig umgesetzt, sodass dieser Teil des Romans stimmig wirkt.

Donnerstag, 20. Februar 2014

Rezension zu „Stolperherz“ von Britta Sabbag


Nette Geschichte für zwischendurch

„Stolperherz“ von Britta Sabbag ist ein Jugendbuch aus dem Bereich Coming-of-Age von vergleichsweise sparsamen 200 Seiten, das nicht nur junge Leser ab 12 Jahre ansprechen kann.

Zum Inhalt: Sanny leidet nicht nur unter einem angeborenen Herzfehler, der ihr so manche Kreislaufprobleme beschert, sondern auch unter einer überfürsorglichen Mutter und ihrer eigenen Schüchternheit, die sie in der Schule zur Außenseiterin macht. Als dann ausgerechnet der gutaussehende Schulband-Bassist Greg, ihr heimlicher Schwarm, sie einlädt, in den Sommerferien mit der Band auf Tour zu gehen, ist Sanny zwar skeptisch, aber vor allem auch glücklich. Für die 15jährige beginnen abenteuerliche Wochen…

Was mir an dem Buch besonders gefallen hat, ist neben der Grundidee vor allem der Schreibstil. Dass das Buch ab 12 Jahren empfohlen ist, merkt man hier kaum. Er ist nicht nur flüssig, sondern auch abwechslungsreich und gespickt mit kleinen amüsanten Spitzen seitens der Ich-Erzählerin Sanny, die – wenn sie will – durchaus sarkastisch bis zynisch sein kann. Daher bin ich davon überzeugt, dass neben jungen jugendlichen Lesern auch ältere Freunde der All-Age- und Jugendliteratur in diesem schlanken Büchlein eine gelungene Unterhaltung finden können. Vorausgesetzt – und das gilt für alle Altersgruppen – man kann sich für Geschichten dieser Art begeistern.

Montag, 4. November 2013

Rezension zu "Die Ordnung der Sterne über Como" von Monika Zeiner



Eine Spur zu aufgesetzt

„Die Ordnung der Sterne über Como“ von Monika Zeiner ist ein mit knapp über 600 Seiten recht umfangreicher Debütroman über Liebe und Freundschaft, der 2013 den Sprung auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat.

Inhaltlich geht es um Tom, Musiker aus Berlin, der kurz vor einer Konzerttournee durch Italien von seiner Frau verlassen wird. Doch bevor Tom völlig in seiner Depression versinken kann, spricht ihm unerwartet eine alte Freundin auf den Anrufbeantworter. In Italien könnten sie sich wiedersehen. Betty erinnert Tom an eine bessere Zeit vor vielen Jahren, als sie zu dritt, Betty, Tom und sein bester Freund Marc, glücklich waren. Während seiner Reise nach und durch Italien kehrt Tom zu diesen Erinnerungen zurück…

Sprachlich zeigt sich „Die Ordnung der Sterne über Como“ sehr bildgewaltig, reich an Metaphern und Vergleichen, und nur selten locker-leicht erzählend. Es ist anspruchsvoll geschrieben, teilweise einzigartig und schön, teilweise aber auch recht aufgesetzt. Die Hauptfiguren, verbandelt mit der Musik und moderne Menschen, mehr als 10 Jahre nach ihrer gemeinsamen Zeit, bekamen durch den Stil der Autorin häufig etwas Träges, Schwermütiges, oft schon drückend Depressives und Angestaubtes. Insgesamt herrschte ein alt wirkender Grundton vor, der nicht so recht zu den Protagonisten passen wollte.

Zeiner produziert eine anspruchsvolle Sprache mit langen, stark verzweigten Sätzen und einem Hang zum poetisch-philosophisch Nachdenklichen – durchaus lesenswert und dennoch: Durchgehend blieb das Gefühl, dass die Authentizität von Handlung und Figuren ein wenig dem gewollten literarischen Anspruch geopfert wurde. Man könnte meinen, die Figuren würden in längst vergangenen Zeiten leben, Jahrhunderte zurück, und nicht in der Gegenwart, so sehr fehlt dem Roman manchmal das Moderne.

Sicher hat die Geschichte an sich schon eine nachdenkliche Grundstimmung, gerade Tom zeigt auch klar erkennbare Depressionen, und trotzdem hätten die durchaus vorhandenen Lebensfreude widerspiegelnden Passagen zahlreicher sein können. Die Schwere, gerade im Miteinander der Protagonisten, empfand ich häufig als zu dominant.
Zudem wurden die 600 Seiten mit einer oft so langsamen, beobachtungslastigen und handlungsarmen Geschichte gefüllt, dass sie nicht frei von einigen Längen war. Nicht selten stopfte zu viel Alltagserzählung die Lücken, gerade bei der neben Tom zweiten Hauptfigur, Betty.

Insgesamt sind die Idee und auch die Umsetzung der Geschichte aber gut gelungen. Es ist eine Analyse von Liebe und Freundschaft, eine persönliche Weiterentwicklung durch die Aufarbeitung der Vergangenheit. Die Handlung steuert auf eine unerwartete Dramatik zu, was die Längen zum Teil aufwiegen konnte. Auch die Einflüsse der Musik und der Wechsel zwischen Berlin und Italien waren interessante Elemente des Romans.

Fazit: „Die Ordnung der Sterne über Como“ ist ein guter Debütroman mit einer interessanten Geschichte, die sich mit alter Liebe und Freundschaft befasst. Die 600 Seiten sind nicht frei von Längen und es zeigt sich auch, dass weniger manchmal mehr sein kann, auch bei einem bildgewaltigen Schreibstil. Gelegentlich wirkt es aufgesetzt. 4 Sterne. 




Allgemeine Informationen

Ausgabe: Gebunden
Erschienen: März 2013
Seiten: 607
Verlag: Blumenbar
ISBN: 978-3351050009
Preis: € [D] 19.99


Dienstag, 29. Oktober 2013

Rezension zu "Im Pyjama um halb vier" von Gabriella Engelmann und Jakob M. Leonhardt



Ungewöhnlicher Stil, gewöhnliche Handlung

„Im Pyjama um halb vier“ ist ein Jugendbuch, vom Verlag empfohlen ab 12 Jahren und ein Gemeinschaftsprojekt der Autoren Gabriella Engelmann und Jakob M. Leonhardt.
 
Einige Worte zum Inhalt: Lulu ist bei Facebook auf der Suche nach Ben Schumann, dem besten Freund ihrer heimlichen Liebe Marco. Sie findet auch einen Ben, doch der gesuchte ist es nicht. Obwohl sie sich nicht kennen und hunderte Kilometer auseinander wohnen, schreiben sie sich beinahe täglich und beschließen sich, gerade weil sie sich nicht persönlich kennen, all die Dinge zu erzählen, die sie sonst niemandem erzählen würden. Mit der Zeit entwickeln sie Gefühle für den Fremden im Internet – kann das funktionieren?

Ich denke, bei einer solchen Beschreibung eines Buches, ist selbst für die jugendlichen Leser direkt klar, worauf diese Geschichte hinauslaufen wird. Zwar gibt es gegen Ende eine Überraschung, die nicht so leicht vorherzusehen ist und sehr gut umgesetzt wurde, aber es wird die einzige sein. Insgesamt es „Im Pyjama um halb vier“ ein klassisches „Junge-trifft-Mädchen/Junge-mag-Mädchen“-Buch, das durch einen durchgehenden Chat-Stil ein außergewöhnliche Element und durch eine bunte Gestaltung auch optische Besonderheiten mit sich bringt, aber inhaltlich eben doch recht vorhersehbar ist.

Zugegebenermaßen, ich bin mit Mitte Zwanzig auch etwas älter als die tatsächliche Zielgruppe und, obwohl ich viele Jugendbücher gerne lese und auch einige Erwachsene kenne, die dieses Buch hier geliebt haben oder lieben würden, ganz unabhängig von ihrem tatsächlichen Alter, muss ich sagen, dass ich persönlich für diese zuckersüßen Geschichten einfach nicht zugänglich bin, auch als Jugendliche schon nicht wirklich zugänglich dafür war. Doch auch bei dem Versuch einer objektiveren Betrachtung fehlt mir bei diesem Buch einfach einiges, dass es zu mehr machen würde, als zu einer netten Geschichte für zwischendurch.

Ben ist 17, Lulu, übrigens die Abkürzung für das leicht prollige Luca-Luisa, soll 16 Jahre alt sein. Hätten die Figuren das aber nicht irgendwann selbst erwähnt, ich wäre nicht zu dieser Einschätzung bezüglich ihres Alters gekommen. Zuerst wirkten sie sehr kindlich, vor allem Lulu. Sie ist beinahe ein Klischee-Mädchen: Oberflächlich, Modepüppchen, Ballerina, kein Verständnis für Videospiele. Dass der Chantalismus-mit-Bindestrich, der ihren Vornamen darstellt, noch dazu ein etwas neuerer Trend ist, wofür eine 16-jährige vielleicht doch ein wenig zu alt ist, ist dann noch eine Zugabe an Klischee und nicht ganz stimmiger Glaubwürdigkeit.
Auch Ben hat in Sachen Authentizität so seine Schwierigkeiten. Zwar wirkt er älter als Lulu, aber während auch bei ihm manchmal das kindliche durchkommt, wirken beide zusammen häufig zu erwachsen, reden in fast geschwollener Sprache über hoch-philosophische Themen und moralische Grundsatzdiskussionen – in denen beide natürlich ausschließlich eine reine, weiße Weste präsentieren, obwohl sie in Wirklichkeit lügen, was das Zeug hält. Sympathisch Figuren? Nö, größtenteils nicht.

Neben dem in Jugendbüchern fast obligatorischen Thema des ersten Freundes und des ersten Males haben die beiden wenig Altersgerechtes zu besprechen. Schule, Freunde oder Hobbys sind höchstens am Rande mal Thema. Interessant wurde die Handlung dadurch leider nur selten, nur in der Nähe des offen gehaltenen Endes wurde sie kurzzeitig richtig stark. Das hat mir gut gefallen. Davor fehlt ihr oft der rote Faden. Teilweise arg konstruierte Pinnwand-Diskussionen mit anderen Freunden lockern das Gesamtbild zwar auf, können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die privaten Nachrichten zwischen Ben und Lulu sich in die Länge ziehen.

Die Chat-Form dieses Romans bedingt es einfach, dass es genau genommen gar keine Handlung gibt, jedenfalls keine direkte. Sie findet nur als indirekte Wiedergabe in Bens und Lulus Gesprächen statt. Das ist ziemlich trocken (Lulu und ihr Freund, Ben und seine Freundin, der Sinn des Lebens…) und endet in der Regel damit, dass Ben und Lulu nicht mehr miteinander reden und sich anschließend gegenseitig anbetteln es doch wieder zu tun. Der Roman geht hier an sich nicht schlecht mit der Frage um, ob das Gegenüber im Internet immer das ist, wofür man es hält, gerade, wenn es dann um ein persönliches Treffen geht, fehlten mir aber die Vorsichtsmaßnahmen, gerade bei einem Jugendroman für junge Leserinnen, und die Zweifel wurden zugunsten einer ordentlichen Portion Naivität und süßem Kitsch begraben.

Sprachlich ist der Roman flüssig zu lesen, für Jugendliche empfand ich die Wortwahl von Ben und Lulu allerdings nicht immer als glaubhaft. Es war mir oft zu gewählt ausgedrückt. Das hat nichts damit zu tun, dass ich bei einem Roman in Chat-Form die übliche Vernachlässigung der deutschen Rechtschreibung fordern würde, wie man sie bei realen Jugendlichen erwarten müsste – das wäre für jeden Leser eine Zumutung. Dennoch hätte es Ben und Chantalismus-Lulu sicher nicht geschadet, ein wenig lockerer zu sprechen, vielleicht doch die ein oder andere Internetabkürzung häufiger zu verwenden und ihre Smiley-Kenntnisse, bei jedem Jugendlichen garantiert vorhanden, großzügiger auszuschöpfen. Da die Chat-Form eigentlich das Einzige ist, das „Im Pyjama um halb vier“ von der Masse abhebt, hätte man sich auf die Glaubwürdigkeit dieses Elements vielleicht stärker konzentrieren können.

Fazit: Abgesehen von einem gelungenen Ende hat mir persönlich der rote Faden gefehlt und die Figuren waren nicht authentisch genug. Die Chat-Form ist ungewöhnlich, hätte aber konsequenter genutzt werden können. Mehr als eine nette Geschichte für zwischendurch, die ich allerdings nur jungen Mädchen (oder jung-gebliebenen Leser im Allgemeinen), die wirklich auf klassische Junge-trifft-Mädchen-Liebesgeschichten stehen, empfehlen könnte, ist leider nicht daraus geworden. 3 Sterne. 



Allgemeine Informationen

Ausgabe: Klappenbroschur
Erschienen: Jan. 2013
Seiten: 237
Altersempfehlung: ab 12 Jahre
Verlag: Arena
ISBN: 978-3401067933
Preis: € [D] 12.99




Dienstag, 11. Juni 2013

Rezension zu "Die Schwere des Lichts" von Patti Callahan Henry



Bedeutung vs. Natürlichkeit

„Die Schwere des Lichts“ von Patti Callahan Henry ist ein Roman über die Selbstfindung einer Frau.

Inhalt: Ellie ist mit ihren fast 48 Jahren unglücklich in ihrer Ehe, als überraschend auch noch ihre Mutter verstirbt. Auf der Trauerfeier begegnet Ellie ihrer Jugendliebe Hutch, der sie um Hilfe bittet. Für eine Ausstellung benötigt er Informationen über Ellies Mutter. Insbesondere über einen Sommer, als Ellie noch gar nicht geboren war und ihre Mutter Teil der Bürgerrechtsbewegungen Anfang der 60er Jahre gewesen sein soll. Davon weiß Ellie allerdings nichts. Doch dann findet sie das Tagebuch ihrer Mutter, in dem sie auch über eine geheime Liebe zu jener Zeit schreibt. Ellie beschließt eine Auszeit zu nehmen und die Geheimnisse ihrer Mutter zu entschlüsseln. Ist die Zusammenarbeit mit Hutch vielleicht auch für ihre Liebe eine neue Chance?

An sich geht es in „Die Schwere des Lichts“ tatsächlich um die Selbstfindung von Ellie, die mit ihrem bisherigen Leben unzufrieden ist. Die Autorin versucht allerdings, sie ihre Erkenntnisse nicht allein und auf sich bezogen gewinnen zu lassen, sondern sich zunächst am Leben ihrer Mutter entlang zu hangeln, die wie Ellie in jungen Jahren ihre große Liebe aufgegeben hatte. Warum? Aufgrund von äußerem Druck? Wer war die große Liebe ihrer Mutter? Was geschah zwischen Ellie und Hutch und ließ ihre eigene Liebe scheitern?
Neben diesen eher persönlich-alltäglichen Fragen, die für mich den interessanten Kern der Geschichte ausmachten, versucht die Autorin dem Buch allerdings auch beinahe zwanghaft etwas mehr weitreichende Tiefe zu geben, was in meinen Augen nicht gelang. Es ist kaum nachzuvollziehen, warum sich die Hauptprotagonistin so sehr in zwei, drei Jahre im frühen Leben ihrer Mutter verbeißt. Stattdessen schien es, als wolle die Autorin unbedingt, falls nötig mit Gewalt, etwas in die Geschichte verpflanzen, das sie zu mehr machen soll, als nur der Bericht einer Midlife Crisis, egal ob Politik oder philosophische Weisheiten.

Und so schaufelt sich die Autorin immer mehr „Schwere“ in ihr Buch. Bedeutungsschwangere Dialoge, denen die Natürlichkeit so sehr fehlt, dass der Leser die Situationen kaum nachvollziehen kann, Vergangenheiten voller Leid, aber auch großer politischer Tragweite– doch Tiefe will sich trotz allem nicht einstellen. Der Inhalt ist nicht nur vorhersehbar, er wirkt auch leer. Fade Charaktere, unsympathische Stereotypen, die langweiliger kaum sein könnten. Ellie, die arme Wahrheitssuchende, hat es an sich nicht einmal schwer beim Leser. Denn ihr Ehemann ist derart unerträglich, seine Launen für den Leser abstoßend und nicht tolerierbar – wer könnte es ihr verdenken, dass sie ihr Leben an der Seite dieses Mannes nicht mehr auszuhalten scheint, dass eine Wiederbegegnung mit ihrem Ex-Freund aus jungen Jahren alte Begehrlichkeiten in ihr weckt?

Der Ehemann, mit Namen Rusty, war tatsächlich eine der Figuren, die mir das Buch am meisten verhagelt haben. Nicht, weil er einfach unsympathisch war, sondern, weil er so stereotyp-unsympathisch, so eine mit vorhersehbarer Unberechenbarkeit gesegnete Mischung aus Macho-Choleriker und Weichei war, dass ich von der Klischeehaftigkeit oft erschüttert war. Den wollte man nicht nur um Ellies Willen nicht mögen, den konnte man nicht mögen. Das allerdings sorgte nicht nur dafür, dass man Ellies Wunsch nach einem Ausbruch aus dieser Ehe nachvollziehen konnte, sondern gleichzeitig auch für mein Unverständnis: Warum hat sie sich darauf überhaupt eingelassen? Die Antwort auf diese Frage erhält der Leser allerdings. Ellies Liebesleben und auch das ihrer Mutter wurde nicht etwa, wie uns das Buch vielleicht weismachen will, Opfer äußerer Umstände, sondern viel persönliche Schwäche und noch mehr Dummheit spielten eine Rolle – teilweise würde ich ihnen sogar berechnende Kälte vorwerfen. So wurde auch die Hauptfigur mir immer unsympathischer…

Ansonsten war Ellie ein nur schwer zugänglicher Charakter. Mit ihren 48 Jahren ist sie langweilig. Das Standard-Hausfrauchen (Schrägstrich: Hobby-Künstlerin) aus gutem Hause. Mann im Golfclub, Tochter auf dem College. Sie weiß nicht, wer sie ist; sie weiß nicht, was sie will – eine Vorzeige-Midlife-Crisis, die sie allerdings auf eine sehr stille, in sich gekehrte Art auslebt. Dieser zum Einschläfernden neigenden Unentschlossenen bei ihrem Selbstfindungsprozess zu folgen, war nicht wirklich aufregend. Der Ich-Erzählerin fehlte es in meinen Augen einfach an persönlicher Stärke. Sie war so passiv, selbst, wenn sie entschlossen auftrat, wirkte sie oft nur wie eine Zuschauerin, die sich von der gegebenen Situation mitziehen ließ. Manchmal ein bisschen trotzig, aber selten nachvollziehbar und wie vieles an dem Buch eher unnatürlich.

Was das Buch für mich ein wenig gerettet hat, waren Stil und Aufbau des Romans. Ellies Bericht wird unterbrochen von den Tagebucheinträgen der Mutter, die doch, wenn sie auch ähnliche Fehler machte wie die Tochter, insgesamt der interessantere Charakter war, der aktivere, der sein Leben stärker selbst in die Hand nahm und sich nicht so sehr fremdbestimmen ließ, wie es sich bei Ellie präsentierte. Der Schreibstil ist außerdem hervorragend, bildhafte Beschreibungen, Nachdenklichkeit mit Tiefe – jedenfalls dann, wenn die Autorin nicht dicker aufträgt als nötig. Ein schönes Haus am See kann doch einfach auch nur ein schönes Haus am See sein – es muss kein Haus sein, in das, der Legende nach, die Menschen dann kommen, wenn sie die Wahrheit finden wollen, nur weil das auf Ellie gerade so gut passt. Da wurde es manchmal unnötig theatralisch und es entstanden derart schwere Dialoge, an denen nichts natürliches mehr war. So entfernten sich die Charaktere oft wieder von mir als Leser, indem ihnen durch die Spur „zu viel“ das Reale geraubt wurde.

Fazit: Eine vorhersehbare Selbstfindung, die leider oft zu dick aufträgt und selten natürlich wirkt. Die Charaktere waren stereotyp, ihr Verhalten oft nicht nachvollziehbar. Durch den guten Stil und eine interessante, wenn auch etwas gezwungen wirkende, Hintergrundgeschichte ist „Die Schwere des Lichts“ durchaus gut lesbar. Ob man es allerdings lesen muss? Meiner Meinung nach nicht. Von mir gibt es gerade einmal knappe 3 Sterne.

Allgemeine Informationen

Ausgabe: Taschenbuch, April 2013
Seiten: 313
englischer Originaltitel: Coming Up for Air
ISBN: 978-3-7466-2955-1
Preis: € [D] 9.99

Leseprobe und weitere Informationen auf der Verlagshomepage

Montag, 15. April 2013

Rezension zu "Rette mich" - Engel der Nacht 3 - von Becca Fitzpatrick



Der dunkle Engel ist endlich zurück...

‟Rette mich“ ist der lang erwartete dritte Band der insgesamt vierbändigen ‟Engel der Nacht“-Reihe von Becca Fitzpatrick. Nach einem starken ersten Band, ‟Engel der Nacht“, und einer nervenaufreibend endenden Fortsetzung, ‟Bis das Feuer die Nacht erhellt“, ist es jetzt nach fast eineinhalb Jahren soweit – die düstere Urban-Fantasy mit der mitreißenden Liebesgeschichte zwischen der High-School-Schülerin Nora und dem geheimnisvollen gefallenen Engel Patch geht in die nächste Runde. Und ich liebe es immer noch...
 
Inhalt: Nora wurde entführt. Als sie endlich freigelassen wird, befindet sie sich auf dem Friedhof am Grab ihres Vaters und ihr fehlen die Erinnerungen an die vergangenen fünf Monate. Ihre Mutter ist zu allem Überfluss mit Hank Miller zusammen, dem Vater ihrer verhassten Mitschülerin Marcie. Doch so sehr Nora sich bemüht, die Erinnerungen wollen nicht zurückkehren, selbst Patch ist wie ausgelöscht. Ihre beste Freundin Vee lässt kaum ein gutes Haar an ihrem angeblichen Ex-Freund, aber mit der Zeit ahnt Nora das man ihr nicht die Wahrheit sagt, bis sie Scott wieder trifft. Dieser befindet sich immer noch auf der Flucht vor der Schwarzen Hand und führt Nora zurück in die Welt der Nephilim, der gefallenen Engel und zurück zu Patch. Und sie erinnert sich an Hanks wahre Identität...

Zunächst war ich durch den angekündigten Inhalt durchaus etwas skeptisch. Nora hat keine Erinnerungen mehr an den gesamten Handlungszeitraum der ersten beiden Bände. Kann das die Geschichte wirklich voran bringen oder bedeutet es einen Rückschritt, möglicherweise sogar etwas Langeweile für den Leser, wenn dieser gezwungenermaßen der Ich-Erzählerin dabei folgen muss, wie sie Erinnerungen zurück holt, die dem aufmerksamen Leser aus dem ersten beiden Bänden nach wie vor präsent sind? Letztendlich konnte mich die Autorin aber mit diesem Bruch in der Handlung überzeugen. Das Fehlen von Patch in Noras Leben zu Beginn dieses Romans gibt der Geschichte eine glaubhafte Wendung und eine neue Perspektive, gibt der Beziehung der beiden die Gelegenheit, sich neu zu entwickeln, und hält die Handlung am Leben, ohne sie zu monoton werden zu lassen. Gerade die Distanz zwischen Patch und Nora war ein echter Gewinn, denn sie ließ mich von der ersten Seite an mitfiebern – wann finden sie sich wieder?

Besonders aber hat mir diese Wendung auch Nora näher gebracht, die sonst immer ein wenig hinter dem starken männlichen Protagonisten Patch zurückstehen musste. Patch ist natürlich nach wie vor der immer etwas düstere, geheimnisvolle Typ, bei dem jeder Flirt ein Hauch Gefahr bedeutet, aber Nora entwickelt sich von dem hilflosen Mädchen ohne Gedächtnis, mit dem man sehr leicht und sehr intensiv mitfühlen kann, in eine starke Kämpfernatur, die sich – natürlich – auch zurück an Patch' Seite kämpft. Ihr Charakter gewann für mich während dieses Buches deutlich an Profil und wurde Patch immer stärker ebenbürtig – allerdings ohne, dass Patch' Charakterzüge in irgendeiner Form verwässert wurden oder er an Profil verlor.
 
Neben der sehr spannenden Haupthandlung, die wieder den Kampf zwischen den Nephilim und den gefallenen Engeln thematisiert und einen sehr durchdachten Eindruck macht, nimmt die Liebesgeschichte eine mitreißende, aber dennoch nicht alles überschattende Rolle ein. Die Hauptprotagonisten sind nicht blind vor Liebe, ringen mit ihrer eigenen Persönlichkeit um jeden Kompromiss und ergeben so ein Duo mit interessanter Dynamik, das sich aber auch zu tiefer Romantik hinreißen lassen kann. Dieses Liebespaar erzeugt Schmetterlinge im Bauch, ohne jeden Anflug von kitschiger Selbstaufgabe.

Die eigentliche Handlung, das Bündnis der Schwarzen Hand und ihren Plänen zur Befreiung der Nephilim von den gefallenen Engeln, entwickelt sich mit einigen Wendungen und gelungenen Überraschungen zu einem rasanten wie auch vollkommen unerwarteten Finale, das mich absolut begeistert hat. Die Autorin schreibt mit einer sehr ausgefeilten Sprache einen Roman, dessen Fantasy-Elemente zu jeder Zeit glaubwürdig bleiben und flüssig ineinander greifen. Was die ‟Engel der Nacht“-Reihe wieder einzigartig macht, ist die Dunkelheit, diese unfassbar düstere Bedrohung, die in der Atmosphäre dieser Geschichte auf jeder Seite mitschwingt. Man kann nicht aufhören zu lesen und trotz eines eher ruhigeren, dafür gefühlvolleren, Einstiegs in die Handlung, hatte das Buch für mich zu keiner Zeit Längen.

Fazit: Brillanter dritter Band. Die Geschichte erfindet sich selbst neu, die Charaktere entwickeln sich stark und die Liebesgeschichte könnte kaum packender sein – düster und romantisch zugleich. 5 Sterne – jeder Fan der Urban-Fantasy, der diese Reihe noch nicht kennt, sollte das schnell ändern. Es lohnt sich... 



Die "Engel der Nacht"-Reihe (Links zu Amazon.de):
  1. "Engel der Nacht" (Aug. 2010, engl. Originaltitel "Hush, Hush") - Meine Rezension
  2. "Bis das Feuer die Nacht erhellt" (Nov. 2011, engl. Originaltitel "Crescendo") - Meine Rezension
  3. "Rette mich" (März 2013, engl. Originaltitel "Silence")
  4. noch nicht bekannt (engl. Originaltitel "Finale")


Allgemeine Informationen


Ausgabe: Klappenbroschur
Seiten: 448
VerlagPage & Turner
ISBN: 978-3-442-20407-6
Preis: € [D] 16.99
Leseprobe und weitere Informationen auf der Verlagshomepage





Dienstag, 5. März 2013

Rezension zu "Kirschroter Sommer" von Carina Bartsch


Kein Liebesroman, ein Zickenroman

‟Kirschroter Sommer“ von Carina Bartsch – ein deutscher Liebesroman, der es vom selbst verlegten eBook zum erfolgreichen Verlagsroman wurde und einen regelrechten Hype auslöste. Die vielen begeisterten Stimmen haben letztendlich dann auch mich zum Lesen verleitet und, Nein, ich kann die allgemeine Begeisterung nicht nachvollziehen.

Zum Inhalt: Emely ist 23 und Studentin in Berlin. Als ihre beste Freundin Alex ebenfalls zum Studium nach Berlin zieht, ist Emely begeistert. Doch die Sache hat einen Haken, denn Alex zieht mit ihrem älteren Bruder Elyas zusammen, den Emely nur ungern wieder sehen möchte. Denn Elyas war ihre erste große Liebe und auch nach sieben Jahren hasst Emely ihn noch immer. Elyas hingegen zeigt Interesse an Emely, ebenso wie Luca, der ihr anonym Mails schickt. Wer sich wohl dahinter verbirgt?

Und nun zu meiner Meinung zu diesem hochgelobten Roman. Anfangen möchte ich mit den Charakteren, die nach einem ziemlich flachen, aktuell weitverbreiteten Muster aufgebaut sind. Emely, die Ich-Erzählerin, betont in regelmäßigen Abständen, wie durchschnittlich sie aussieht. Natürlich legt sie darauf auch keinen Wert, denn, wie ebenfalls regelmäßig betont wird, ist sie im Gegensatz zu allen anderen kein bisschen oberflächlich. Dass ihre Handlungen dem teilweise entgegengesetzt sind und – natürlich – die bestaussehendsten Männer ihr hinterher laufen, wird ignoriert beziehungsweise ist Bestandteil ihrer fehlerhaften Selbsteinschätzung, die sie allerdings trotzdem während des gesamten Romans vehement und äußerst zickig verteidigt. Denn daraus bestehen die ‟innere Werte“ der tollpatschigen Emely. Sie ist zickig, regelrecht biestig, zwar schlagfertig, aber auch extrem dünnhäutig und eine pessimistische Schwarzmalerin, die sich in der Haut einer 23jährigen verhält wie eine pubertierende 14jährige. Charmant ist definitiv anders und ich konnte leider nicht nachvollziehen, weswegen Elyas so hartnäckig Interesse an dieser unsympathischen Protagonistin zeigte.

Elyas selbst ist allerdings auch kein wirklich ansprechender Charakter. Natürlich sieht der junge Mann mit zimtfarbenden Haaren und türkisgrünen Augen unfassbar gut aus. Ansonsten wirkt er aber sehr aufdringlich und selbstverliebt, seine Annäherungsversuche an Emely sind nicht immer romantisch, sondern oft machohaft schmierig.
Und aus den beiden soll dann eine bezaubernde Liebesgeschichte werden? Jein. Ich habe die Liebesgeschichte 500 Seiten lang gesucht, aber nicht gefunden, was mich letztendlich am meisten enttäuscht hat. Wäre da noch etwas gekommen, würde meine Bewertung wahrscheinlich anders ausfallen. Aber, wenn nach 500 Seiten kaum ein erwähnenswerter Kuss zu Stande kommt, ist das für mich kein Liebesroman. Auch die Hintergründe, die erste große Liebe, die Emely für Elyas empfunden haben will, waren bei ihrer Auflösung mehr als enttäuschend und vorhersehbar.

Stattdessen dreht sich die Handlung im Kreis. Mehrfach werden Situationen aufgefahren (teilweise sehr einschneidende Situationen, die nach ihrer ‟Abarbeitung“ dennoch nie wieder erwähnt werden), in denen sich Elyas als zuvorkommender Traumtyp beweisen und Emely dadurch zum Umdenken bewegen kann. Dieses Umdenken endet aber in der Regel am nächsten Morgen und Emely fällt daraufhin wieder in ihr Elyas-hassendes, Elyas-anzickendes Standardmuster zurück, was trotz aller Schlagfertigkeit und durchaus vorhandenem Witz mit der Zeit langweilt, nervt und das gesamte Buch auf ein sehr niedriges Teenager-Niveau herunterzieht. Die Entwicklung der Charaktere kann ich daher am Ende dieses Romans guten Gewissens mit ‟nicht vorhanden“ bezeichnen und, wer eine Liebesgeschichte erleben will, die diesen Namen auch verdient, wird wohl den zweiten Band, ‟Türkisgrüner Winter“ lesen müssen, denn 500 Seiten haben der Autorin dazu offenbar nicht ausgereicht. Leider wurde dieses Buch für mich dadurch zu einem Paradebeispiel für Wiederholungen und unnötiges In-die-Länge-ziehen.

Die einzige Liebesbeziehung, die man so nennen kann und in der auch eine gewisse Entwicklung steckt, führen daher nicht Emely und Elyas, sondern die sehr überdreht wirkende Freundin und Schwester Alex. Zumindest in der Nebenhandlung hat der Roman also ein wenig greifbare Gefühle zu bieten, die nicht durch ein zickiges Mädchen ruiniert werden.
Der Mail-Schreiber Luca taucht übrigens deutlich sporadischer auf, als ich es erwartet hatte und auch hier entwickelt sich nichts Nennenswertes. Die Identität des ominösen Luca scheint zudem auch recht offensichtlich – aber auch für eine Weiterentwicklung dieses Handlungsstrangs reichen 500 Seiten offenbar nicht aus. Wieder wird man auf den zweiten Band vertröstet.

Nach der Detailansicht der Charaktere, möchte ich jetzt noch das allgemeine Setting des Romans erwähnen. Hier war mir vieles zu schwammig. Ich konnte mich damit anfreunden, dass Emely, Elyas (mit ‟y“) und Luca als Ü-20er in der gegenwärtigen Zeit die Babytrendnamen der letzten Jahre tragen. Womit ich mich nicht mehr anfreunden kann, sind Handlungsort und Handlungszeit. Dem Namen nach spielt dieser Roman in Berlin. Davon merkt man allerdings nicht viel. Kein Ort wird näher charakterisiert, alles bleibt letztendlich unbenannt. So geht Emely zum Beispiel auf ‟eine“ Universität und Elyas auf ‟eine andere“. Berlin war als Handlungsort damit austauschbar und könnte jede andere oder einfach eine fiktive Großstadt sein.
Von der Handlungszeit lässt sich insgesamt schlecht einordnen. Zu Beginn des Buches enden die Semesterferien, nur welche? Ist April oder bereits Oktober? Vergehen Wochen oder Monate? Das ist schwer zu sagen...
Was den gesamten äußeren Aufbau angeht, wirkt der Roman auf mich daher oft oberflächlich und undurchdacht. Wird eine reale Stadt als Handlungsort gewählt, können und sollten auch reale Orte in die Beschreibung einfließen, was der Atmosphäre eines Romans sicher nicht schadet. Diese wurde hier in meinen Augen vernachlässigt, die Umgebung bleibt zu beliebig.

Sprachlich ist ‟Kirschroter Sommer“ solide. Der Stil ist nicht besonders gut, aber auch nicht schlecht. Die Schlagfertigkeit der Ich-Erzählerin verleit dem Buch viel Witz und lässt es ganz spritzig wirken, was mit der Zeit allerdings von Zickereien und Dünnhäutigkeit überlagert wird. Da das Buch ansonsten, abgesehen von Emelys und Elyas' Schlagabtausch, wenig mitbringt, konnte mich der Aufbau insgesamt wenig überzeugen. Die mehr als 500 Seiten sind kaum mehr als eine Einleitung, die inhaltlich dem äußeren Umfang nicht gerecht werden kann.

Fazit: Die Liebesgeschichte ist (noch) keine, obwohl es dazu auf den über 500 Seiten mehr als einmal die Gelegenheit gegeben hätte. Ohne den Folgeband ‟Türkisgrüner Winter“ hat dieser Roman praktisch keine Handlung und das war für mich die größte Enttäuschung. Witzig war es, aber pubertäre Zickereien in der Endlosschleife waren zu viel des Guten. Keine Charakterentwicklung, wenig Romantik, viel Langeweile und das alles zu oft auf Kosten meiner Nerven. Wäre es am Ende einem Liebesroman auch nur nahe gekommen, würde ich für den spritzigen Witz noch 3 Sterne vergeben, so bleibt es bei guten, aber dennoch eher unterdurchschnittlichen 2 Sternen.



Die Reihe (mit Links zu Amazon)
  1. "Kirschroter Sommer" (Januar 2013/Rowohlt-Ausgabe, Erstveröffentlichung 2011)
  2. "Türkisgrüner Winter" (Januar 2013)

Allgemeine Informationen

Ausgabe: Taschenbuch
Seiten: 512
Verlag: rororo
ISBN: 978-3499227844
Preis: € [D] 9.99

Leseprobe und weitere Informationen auf der Verlagshomepage

 




Sonntag, 27. Januar 2013

Rezension zu "Shades of Grey - Gefährliche Liebe" von E L James


Wie Christian Grey zum Schoßhund wurde...

"Shades of Grey - Gefährliche Liebe" ist der zweite Band von E L James' zum Bestseller gehypten und von Medien und Lesern gleichermaßen teils gelobter, teils verrissener Trilogie. Den ersten Teil fand ich ganz nett, den zweiten im Vergleich leider enttäuschend...

Inhalt: Trotz ihrer Versuche ein Leben ohne Christian aufzubauen, kann Ana ihn nicht vergessen. Als er sie einlädt, sich noch einmal mit ihm zu treffen, willigt sie ein und schon sind die beiden wieder zusammen. Doch die Beziehung ist erneut in Gefahr, denn eine ehemalige Affäre von Christian beginnt Ana nachzustellen..

Zum Inhalt war es das eigentlich schon. Der Anblick eines Buches mit mehr als 600 Seiten könnte eventuell zu dem Irrglauben verleiten, dass hier mehr passieren müsste, daher möchte ich kein Geheimnis daraus machen, wie die Autorin die Seiten voll bekommt: Mit Wiederholungen. Das hat mich im ersten Band der Trilogie schon gestört, in dem fast jede der - entgegen dem durch die Medien verursachten Eindruck - in ihrer Anzahl doch überschaubaren Sex-Passagen gleich klang, im zweiten Band dehnen sich die Wiederholungen allerdings auf fast jede Situation aus. Die Dialoge zwischen Ana und Christian laufen in derart kopiert wirkenden Mustern ab, dass ich aus einem Dauer-Déjà-vu-Zustand gar nicht mehr herauskam und quasi durch Monotonie pausenlos zu Tode gelangweilt wurde.

Leider ist es ja auch nicht so, dass das, was wiederholt wird, besonders lesenswert wäre. Ana und Christian zicken sich an, streiten darüber, wer wen dominiert, und präsentieren dabei eine charakterliche Eintönigkeit und Sturheit sondergleichen. Wenn sie nicht diskutieren, wird entweder - falls es doch jemand noch nicht mitbekommen haben sollte - "subtil" darauf hingewiesen, wie unfassbar reich der unfassbar gutaussehende und unfassbar alles-könnende Christian Grey ist oder der Leser wird mit den Gefühlsregungen von Anas gespaltenem Innenleben aus dem Lesebrillen tragenden Unterbewusstsein und der Sex-süchtigen "inneren Göttin" belästigt. Oder natürlich, wie könnte ich das vergessen, die beiden haben Sex. Während ich die Frequenz der Sex-Szenen im ersten Band noch eher harmlos und die mediale Berichterstattung daher völlig übertrieben fand, besteht dieser Band jetzt aus kaum etwas anderem und es wirkte einfach nur noch wie ein billiger Porno. Die beiden "bespringen" sich, wo sie gehen und stehen, nach jeder Unterhaltung, selbst wenn das letzte Schäferstündchen erst drei Seiten zurückliegt - oder kurz: Immer. 

Problematisch wird natürlich auch hier wieder die begrenzte sprachliche Begabung der Autorin, denn nicht nur inhaltlich ist das Buch überhaupt nicht abwechslungsreich, sondern auch sprachlich wirken ähnlichen Abschnitte viel zu oft wie geklont. Das war auch schon im ersten Band ein großes Problem, weswegen er mich trotz einer gewissen Sogwirkung der Liebesgeschichte nie richtig überzeugen konnte, der zweite Band hat aber nicht einmal eine solche Sogwirkung zu bieten, sodass er für mich größtenteils schlecht geschriebene Langeweile verkörperte. Die Liebesgeschichte hat durch das Gezänk der beiden fast jeden Reiz verloren und auch die Versuche durch Christians Ex-Freundin und Stalkerin ein wenig Spannung zu erzeugen, konnten nie für längere Zeit mitreißen. Jedes Mal, wenn es etwas emotionaler oder spannender wurde, verpuffte das Gefühl schnell wieder. Christians Lebensgeschichte, die nun nach und nach ans Licht gebracht wird, konnte dagegen manchmal für kurz Lichtblicke sorgen, indem sie der Handlung doch noch ein wenig Tiefe gab, auch wenn hier das pseudo-psychologische Analysieren seines Verhaltens ein wenig platt ist.

Die Charaktere konnten ansonsten leider nicht punkten. Ana bleibt das langweilige, naive und anstrengende Mädchen, deren "innere Göttin" mich an den Rand meiner nervlichen Belastungsgrenze brachte. Wie kann ein einziger Buchcharakter nur so nerven wie diese Frau und ihr göttliches Alter Ego? Christian, der doch ganz heiße Typ aus Band Eins, wird durch seine langweilige Freundin immer blasser und mit der Zeit vom dominanten Kontrollfreak zum zahmen Schoßhündchen domestiziert. Der Charakter verabschiedet sich von jedem Bisschen Profil, dass er jemals hatte. Mehr als eine viel zu kitschige und durch die beiden Partner mit an sich vollkommen unvereinbaren Lebensvorstellungen nicht glaubwürdige Liebesgeschichte bleibt leider nicht übrig.

Fazit: Leider schlechter als der erste Band. Sex wird als Lückenfüller genutzt und das so oft, dass es selbst für einen flachen Porno einfach nur noch unglaubwürdig ist. Die kitschige Liebesgeschichte besteht eigentlich nur noch aus Wiederholungen und krampfhaften Versuchen Spannung aufzubauen. Profillose Charaktere vervollständigen das Bild. Nur noch ganz knappe 2 Sterne.



Die "Shades-of-Grey"-Trilogie (mit Links zu Amazon.de)
  1. "Geheimes Verlangen" (Juni 2012, englischer Originaltitel: "Fifty Shades of Grey")
  2. "Gefährliche Liebe" (Sep. 2012, englischer Originaltitel: "Fifty Shades Darker")
  3. "Befreite Lust" (Okt. 2012, englischer Originaltitel: "Fifty Shades Freed")

Allgemeine Informationen

Ausgabe: Klappenbroschur
Seiten: 608
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3442478965
Preis: € [D] 12.99

Leseprobe und weitere Informationen auf der Verlagshomepage

 "Shades of Grey - Gefährliche Liebe" bei Amazon




Montag, 14. Januar 2013

Rezension zu "Der Mann, der den Regen träumt" von Ali Shaw


Poetische Fantasy mit großen Gefühlen

"Der Mann, der den Regen träumt" ist der zweite Roman des britischen Autors Ali Shaw und befasst sich inhaltlich mit einer ebenso märchenhaften Fantasy-Geschichte wie sein Debütroman, "Das Mädchen mit den gläsernen Füßen". Da die ähnliche Gestaltung der Bücher dies vielleicht vermuten lassen könnte, möchte ich aber darauf hinweisen, dass es sich bei den beiden Romanen des Autors um eigenständige Werke handelt, die unabhängig voneinander gelesen werden können.

Inhalt: Nachdem ihr Vater gestorben ist, beginnt Elsa sich in New York nicht mehr wohlzufühlen. Sie beschließt, ihr altes Leben hinter sich zu lassen und in dem kleinen Ort Thunderstown inmitten eines Gebirges ganz neu anzufangen. Thunderstown ist allerdings eine seltsame Gemeinde, deren abergläubische Bewohner einen ewigen Kampf gegen Ziegen und das Wetter führen. Bei einer Wanderung durch die Berge lernt Elsa Finn kennen, der sich vor ihren Augen auflöst - einfach zu Nebel wird. Denn auch Finn ist nicht gewöhnlich. Er hat ein Geheimnis, das ihn zu einem einsamen Leben in den Bergen zwingt, und Elsas Gefühle für ihn werden auf eine harte Probe gestellt, denn Finn ist nicht ungefährlich...

Nach diesem zweiten Roman des Autors kann ich wohl kaum noch abstreiten, dass ich ein großer Fan seiner Geschichten - kleine, Fantasy-angehauchte Märchen voller Skurrilität und großer Gefühle - bin. Nachdem er mich im letzten Jahr mit "Das Mädchen mit den gläsernen Füßen" verzaubert hat, bin ich mit entsprechend hohen Erwartungen an sein neues Werk herangegangen und wurde absolut nicht enttäuscht. "Der Mann, der den Regen träumt" ist etwas rücksichtsloser, etwas direkter, als das Debüt, aber insgesamt ebenso zauberhaft.

Besonders auffällig ist dabei Shaws Stil, der sich nicht nur durch eine sehr bildhafte, fast poetische Sprache kennzeichnet, sondern auch durch eine traurige, schwere Atmosphäre, in der die sehr romantische - aber auch tragische - Beziehung der Protagonisten für Lichtblicke sorgt. Die Fantasy-Elemente werden dabei von Shaw kaum erläutert oder auf ihre Herkunft hin hinterfragt, was aber für die Sogwirkung dieser Geschichte auch gar nicht nötig ist. Stattdessen kann der Leser, der die Einzigartigkeit des vom Autor entworfenen Ortes als gegeben akzeptiert, in eine phantasievolle Welt eintauchen, in der Elsas neuer Lebensweg und das Aufkeimen einer zarten Liebe mit dem kuriosen Wetter Thunderstowns, verkörpert durch verschiedene Lebewesen, verflochten werden. Der Autor besitzt ohne Zweifel ein Talent dafür, eine Geschichte voller Magie zu erschaffen und durch die Leichtigkeit der von ihm erdachten Phänomene verträumt und doch real wirken zu lassen.

Die Charaktere in "Der Mann, der den Regen träumt" sind in ihrem Handeln nicht immer leicht verständlich. Jeder hat seine Geschichte, oft geprägt von einer guten Portion Tragik, die der Autor nur langsam enthüllt. Ob nun Elsa, die den Verlust ihres Vaters verarbeitet, Finn, der noch vor seinem Rückzug in die Isolation einen wichtigen Mensch verloren hat, oder Daniel, der zwiegespalten ist zwischen den Traditionen von Vater und Großvater und seinen Verpflichtungen als Jäger, der die Gemeinde vor den Tieren aus den Bergen schützen muss, alle haben ihre interessante Vergangenheit. 

Shaw verleiht jedem seiner Charaktere viel Tiefe, lässt ihm aber auch über lange Strecken seine Geheimnisse, sodass man als Leser doch immer wieder von der Entwicklung der Protagonisten überrascht wird und die Spannung in der ansonsten eher ruhig gehaltenen Handlung nicht verloren geht. Während mir von "Das Mädchen mit den gläsernen Füßen" besonders die Sanftheit, aber auch die Tragik, der Geschichte in Erinnerung blieb, hinterlässt Shaws zweiter Roman einen etwas skrupelloseren Eindruck. Die Figuren haben teilweise unsympathische Züge und zudem ist die Handlung ein wenig grausamer und auch gruseliger - ein bisschen handfester - als im Debüt. Dennoch steht sie diesem in seiner Fähigkeit den Leser mitzureißen und mit der fremden Welt ein wenig zu verzaubern in nichts nach.

Fazit: Wieder ein sehr tiefgehender Roman von Ali Shaw, der durch seine tragisch-romantische Geschichte in fast poetischer, sehr bildhafter Sprache verzaubert. Dezente Fantasy-Elemente verleihen der märchenhaften Handlung den letzten Schliff. Ich bin begeistert und kann das Buch nur weiterempfehlen. 5 Sterne - bitte lesen! 



"Der Mann, der den Regen träumt" von Ali Shaw bei Amazon.de

Allgemeine Informationen

Ausgabe: Gebunden, Jan. 2013
Seiten: 332
Verlag: script5
englische Originalausgabe: The Man who Rained
ISBN: 978-3839001462
Preis: € [D] 18.95

Leseprobe und weitere Informationen auf der Verlagsseite zum Buch


Donnerstag, 3. Januar 2013

Rezension zu "Grischa - Goldene Flammen" von Leigh Bardugo


viel Potential, aber zu wenig Informationen

"Grischa - Goldene Flammen" ist der Auftakt einer High-Fantasy-Trilogie mit russischen Zügen und der Debütroman der Autorin Leigh Bardugo. Insgesamt hat mir dieses Buch für Jugendliche/junge Erwachsene gut gefallen, trotz kleiner Schwächen.

Inhalt: Alina ist Kartografin in der Ersten Armee des Zaren, die sich darauf vorbereitet gemeinsam mit einigen Grischa, den Magiern des Reiches Rawka, die Schattenflur zur überqueren - einen in völliger Dunkelheit liegenden Korridor, der das Land in zwei Teile teilt und von bösartigen Kreaturen bewohnt wird. Ebenfalls dabei ist Maljen, ein Fährtenleser und ihr bester Freund seit Kindertagen, in den sie heimlich verleibt ist. Doch Maljen ist ein Frauenheld und sie selbst so unscheinbar, dass sie sich nicht traut, zu ihren Gefühlen zu stehen. Als sie bei der Durchfahrt der Schattenflur angegriffen werden, rettet Alina Maljen das Leben, allerdings auf übernatürliche Weise. Die Grischa unter ihrem Anführer, dem Dunklen, werden auf sie aufmerksam und schicken sie weit nach Osten, um bei ihnen in die Lehre zu gehen...

"Grischa" ist ein High-Fantasy-Roman, erinnert aber vor allem durch die Namensgebung vieler Figuren und Ortschaften sowie durch die Existenz eines Zaren an ein Russland vor einigen hundert Jahren. Was aber die Welt insgesamt angeht, so waren mir die Beschreibungen oft zu schwammig und ich finde mich auch jetzt am Ende und trotz Karte und kleinem Glossar kaum zurecht. Das Argument, dass es sich bei "Goldene Flammen" um den Auftakt einer Trilogie handelt, kann an dieser Stelle für mich auch nicht zum Tragen kommen, denn gerade von einem High-Fantasy-Roman muss ich erwarten können, dass ich während des Lesens alle Hintergrundinformationen bekomme, die ich zum Verstehen jeder Beschreibung benötige. Und dieses Gefühl hatte ich bei Grischa nicht. Oft waren es Kleinigkeiten, die sich aber schnell aufsummierten: Stickereien an verschieden farbigen Umhängen, Kriegsparteien, die mir schleierhaft blieben, die Grischa und ihre verschiedenen Orden und Fähigkeiten selbst, die zwar an einigen Stellen beiläufig einflossen, aber sich mir nie vollständig erschlossen.

Ich bin besonders enttäuscht über diese fehlenden beziehungsweise unvollständigen Informationen, da ich "Grischa" ansonsten nahezu perfekt fand. Die Charaktere, insbesondere natürlich die Ich-Erzählerin Alina, waren mir immer gut verständlich. Alina selbst ist zwar eine etwas weinerliche, nicht besonders starke und manchmal naive junge Frau, was mir allerdings in Anbetracht ihrer Vergangenheit als körperlich eher schwächliches, armes Waisenkind schlüssig erschien, sodass sie mit als harmonische Protagonistin mit sehr viel Entwicklungspotential, das im Laufe der Geschichte teilweise an die Oberfläche kommt, sehr gut gefiel. Auch andere Figuren wie Maljen, der Dunkle oder einige der Grischa, mit denen Alina lernt, haben mir sehr gut gefallen. Romantisch ist die Geschichte außerdem auch und zwar auch eine sehr angenehme, unaufdringliche, aber emotional dennoch intensive Art, die mich direkt mitnahm.

Sprachlich hat mich "Goldene Flammen" ebenfalls positiv überrascht. Der Stil ist flüssig und gut, auch wenn die russischen Begriffe zu Beginn ungewohnt sind. Auch der Aufbau hat mir gut gefallen, insbesondere die durch eine andere Perspektive und durch fehlende Namensnennungen unpersönlicher und fast märchenhaft wirkenden Kapitel "davor" und "danach", die Prolog und Epilog der Geschichte bilden, während der Rest aus Alinas Sicht in der Ich-Perspektive geschildert wird. Der Handlungsverlauf ist spannend gestaltet und die Geschichte birgt einige Überraschungen und eine oft sehr geheimnisvolle Stimmung. An manchen Stellen hätte ich mir vielleicht eine ausführlichere Auseinandersetzung mit der Situation gewünscht, denn "Grischa" ist zwar auf der einen Seite nie langweilig, wirkt dafür auf der anderen Seite manchmal ein wenig überhastet und dort hätte ich mir etwas mehr Zeit gewünscht, um mit Alina mithalten zu können.

Was die Gestaltung angeht, so bin ich wirklich ausnahmsweise froh darüber, dass das Cover von "Shadow and Bone", wie "Goldene Flammen" im Original heißt, nicht übernommen wurde. Das farbliche zarte deutsche Cover ist sehr viel ansehnlicher und passt wunderbar zum Buch.

Fazit: Eine High-Fantasy, bei der ein wenig die Hintergrundinformationen vergessen wurden, was es nicht immer leicht macht, zu folgen. Die Charaktere, die Grundidee und die Sprache sind aber erste Klasse und machen Lust auf mehr. "Goldene Flammen" ist daher hoffentlich nur der lesenswerte Auftakt einer sehr guten Trilogie - das Potential ist da, wenn auch in diesem Band noch nicht ganz ausgeschöpft. 4 Sterne 



Die Grischa-Trilogie (mit Links zu Amazon.de)
  1. "Goldene Flammen" (Sep. 2012, englischer Originaltitel: "Shadow and Bone")
  2. "Eisige Wellen" (Juli 2013, englischer Originaltitel: "Siege and Storm")
  3. noch nicht bekannt (englischer Originaltitel: "Ruin and Rising", vorraussichtlich 2014)

In Großbritannien wurde der erste Band der Grischa-Trilogie unter dem Titel "The Gathering Dark" veröffentlicht.

Zusätzliches Märchen



Allgemeine Informationen

Ausgabe: Gebunden
Erschienen: September 2012
Seiten: 352
Verlag: Carlsen
ISBN: 978-3551582850
Preis: € [D] 17.90

Leseprobe und weitere Informationen auf der Verlagshomepage zum Buch

Samstag, 8. Dezember 2012

Rezension zu "Pandemonium" von Lauren Oliver


Ein Must-Read unter den Dystopien

"Pandemonium" ist der zweite Band der Amor-Trilogie von Lauren Oliver, die sich inhaltlich mit einer zukünftigen Dystopie befasst, bei der Liebe als Krankheit aufgefasst und durch einen Eingriff bei erreichen der Volljährigkeit geheilt wird. Nach dem ersten Band, "Delirium", hatte ich den zweiten Band sehnsüchtig erwartet und wurde nicht enttäuscht.

Zum Inhalt: Lena schafft es zu den Invaliden in die Wildnis, doch Alex' Verlust belastet sie sehr. Trotzdem geht ihr Leben weiter und führt sie nach New York, wo sie unter falscher Identität lebt und für den Untergrund arbeitet. Ihr Ziel ist Julian, der Sohn eines der größten Befürworter des Eingriffs zur Heilung der Liebe, dessen eigener Eingriff bevorsteht, aber umstritten ist, da bei dem jahrelang schwerkranken Jungen die Gefahr besteht, dass er die Heilung nicht überlebt. Kurz vor dem Eingriff, bei einer Kundgebung der VDFA, der  Vereinigung für ein Deliria-freies Amerika, der Julians Vater vorsteht, kommt es zu einem Aufstand anderer Invaliden und als Lena ihren Auftrag befolgt und Julian im Auge behält, gerät sie selbst in Gefahr...

"Pandemonium" ist ganz anders, als ich es mir ursprünglich vorgestellt hatte. Ich hatte erwartet, dass die Handlung unmittelbar an Lenas Flucht aus Portland anschließen und sich vorerst mit ihrem Leben in der Wildnis befassen würde, eventuell auch mit dem Wunsch und dem Versuch Alex zu finden, als einziges spannenderes Element. Ein eher ruhigerer Zwischenteil bis zur erneuten Thematisierung der Dystopie und der Konfrontation mit den Staatsmächten also. Mit dem tatsächlichen Aufbau ihres Romans hat mich die Autorin dann aber sehr überrascht. Es gibt diese ruhigeren Elemente, in der Zeit, in der Lena lernt in der Wildnis zurecht zu kommen, um Alex trauert und sich an der Vorstellung festhält, dass er doch noch leben könnte, das "Damals", sie werden aber parallel zu einer Zeit mehrere Monate in der Zukunft erzählt, in der Lena längst für den Untergrund arbeitet und eine sehr spannende und gefährliche Phase durchlebt, das "Jetzt". Durch die Zweiteilung der Erzählung in "damals" und "jetzt" vermeidet die Autorin langatmigere, eintönigere Passagen während Lenas Trauerphase ohne diese emotionaleren Abschnitte aber vollkommen zu vernachlässigen. Die Handlung schaltet dauernd um zwischen Spannung und Gefühl und diese nicht-chronologische, abwechslungsreiche Erzählweise konnte mich direkt überzeugen.

Wie schon der erste lebt auch dieser zweite Band neben Action-reichen Abschnitten von sehr mitreißenden emotionalen Wendungen und einer überzeugenden Protagonistin, die sowohl willensstark wie auch manchmal hilfsbedürftig und schwach ist. Lena gehörte für mich schon nach dem ersten Band, nach "Pandemonium" aber nun endgültig, zu einem der tief gehensten, stimmigsten und am besten ausgearbeiteten Protagonisten, die aktuell im Jugendbuchbereich, speziell auch im Bereich der Dystopien, zu finden sind. Eine solch abwechslungsreiche und glaubwürdige Ich-Erzählerin macht einfach Freude - egal, ob sie ein wenig in ihrem Selbstmitleid versinkt oder sich zur führenden Kämpferin berappelt, man muss einfach mit ihr mitfiebern.

Überhaupt schafft es Lauren Oliver mit einer spürbaren Leichtigkeit eine sehr glaubwürdige Welt aufzubauen, mit meistens undurchsichtigen Verstrickungen, die sich zum Schluss überraschend, aber logisch zu einem stimmigen Gesamtbild entwirren lassen, die Spannung hoch zuhalten, und ihre Dystopie mit vielfältigen Charakteren auszuschmücken, zu denen hier neben Lena insbesondere Julian und die anderen Untergrundler gehören. Sprachlich wie atmosphärisch ist "Pandemonium" sehr stark, punktet besonders mit einer gewissen Bildhaftigkeit, emotionaler Tiefe und einigen dramatischen Wendungen. 
Sicherlich, kein Buch ist zu hundert Prozent perfekt, und so habe ich auch bei "Pandemonium" zumindest einen kleinen Kritikpunkt. Neben allen unerwarteten Wendungen und einer spannenden Handlungsführung gab es auch einige Dinge, die leicht vorherzusehen waren, Stellen, an denen man der Protagonistin ein paar Schritte voraus war, und Situationen, in denen das "Die-Welt-ist-ein-Dorf"-Gefühl aufgrund von "Zufällen" und überraschend "perfektem" Timing ein wenig zu präsent war. Das waren kleine Stolpersteine, die nichtsdestotrotz zwar da sind, aber in einer für mich tolerierbaren, nur gering ins Gewicht fallenden Form, denn meistens fügt sich die Handlung trotzdem glaubhaft zusammen.

Fazit: Eine rundum gelungene Fortsetzung, die mich besonders durch den Aufbau überraschte. Abwechslungsreich, spannend, gefühlvoll. Mich hat schon "Delirium" sehr überzeugt und nach "Pandemonium" kann ich ziemlich sicher sagen, dass die "Amor"-Trilogie zu den aktuell besten Dystopien unter den Jugendbüchern zählt - wenn sie nicht, meiner Meinung nach, sogar die eindeutig beste ist. 5 Sterne, ein echtes Must-Read.


Die Amor-Trilogie (mit Links zu Amazon):
  1. "Delirium" (Nov. 2011, engl. Originaltitel: "Delirium")
  2. "Pandemonium" (Nov. 2012, engl. Originaltitel: "Pandemonium")
  3. noch nicht bekannt (engl. Originaltitel:"Requiem" - März 2013)
Allgemeine Informationen

Ausgabe: Gebunden, 1. Auflage
Seiten: 400
Verlag: Carlsen Verlag
ISBN: 978-3551582843
Preis: € [D] 17.90

Leseprobe und weitere Informationen auf der Verlagsseite zum Buch



Fazit zum HYPE DES MONATS


Ganz einfach: Ja, "Pandemonium" hat den Hype verdient. Es ist eine sehr gelungene Fortsetzungen, die viele Facetten bietet und insgesamt eine der überzeugensten Dystopien überhaupt.