Montag, 26. August 2013

Rezension zu "Godspeed - Die Ankunft" von Beth Revis



Ein steiniger Weg zur neuen Heimat

„Die Ankunft“ ist der dritte Band der dystopischen Jugendbuch-Trilogie „Godspeed“ aus der Feder der amerikanischen Autorin Beth Revis und bildet damit einen Abschluss der in weiter Entfernung im Weltall angesiedelten Science Fiction.

Inhalt: Das Shuttle der Godspeed landet endlich auf der Zentauri-Erde und Amy kann ihre Eltern und die anderen Eingefrorenen wecken. Anschließend scheint sich Juniors Misstrauen zu bestätigen – die militärisch Ausgebildeten unter den ehemaligen Sol-Erde-Bewohnern übernehmen, angeführt von Amys Vater, das Kommando. Das Verhältnis zu den Menschen von der Godspeed ist schwierig. Doch das soll nicht das einzige Problem für Junior und Amy bleiben, denn der Planet ist alles andere als eine friedliche neue Heimat.

Größtenteils hat „Die Ankunft“ meine Erwartungen erfüllt und kann auch mit den ersten beiden Bänden der Reihe problemlos mithalten. Die Reise zur Zentauri-Erde war für die Protagonisten wie auch für mich als Leser eine sehr spannende. Nach all der Zeit in der Enge eines Schiffes, so sinnlos in die Länge gezogen durch die Entscheidung und Diktatur eines Einzelnen, empfand selbst ich von meinem Standpunkt jenseits der Buchseiten aus die Situation als bedrückend und so frustrierend, dass ich Junior, Amy und den anderen die Freiheit eines ganzen Planeten mit jeder Faser gewünscht und vollkommen begeistert mitgefiebert habe bei ihrer Landung.

Eins schafft die Autorin nämlich mit Sicherheit: Durch ihre beiden Ich-Erzähler, Amy und Junior, ist der Leser immer nah dran am Geschehen, auch nah dran an den Gefühlen der Figuren, und erlebt ihre emotionalen Höhen und Tiefen von Frustration über Erleichterung bis zur Liebe ungefiltert mit. Die Atmosphäre dieses Buches – die Atmosphäre der gesamten Reihe – ist atemberaubend. Allein das Szenario der einsamen Godspeed im Weltall war klasse gewählt. Der Werdegang dieses Schiffes hat in den ersten beiden Bänden so viele Eindrücke hinterlassen und mich als Leser manchmal in einen Zustand der atemlosen Anspannung versetzt, und genau daran kann Beth Revis jetzt mit der Landung auf dem neuen rätselhaften Planeten anknüpfen und den Leser mit ihrem eher schnörkellosen aber durch die Ich-Perspektiven doch auch sehr nachdenklichen Stil erneut mitreißen.

Was für mich letztendlich den Unterschied zwischen einem sehr guten Abschluss und einem perfekten gemacht hat, steckte leider im Detail – eine überschaubare Ansammlung von Kleinigkeiten, die mich in ihrer Summe dennoch einfach nicht loslassen und bei mir den Eindruck erwecken, dass manche Wendung doch mit Gewalt erzwungen und manches Unglück doch zu sehr gewollt war. Ob es nun eine Figur war, die sich – unverständlicherweise von Amy teilweise gefördert - zwischen die Liebe von Amy und Junior zu drängen schien und dadurch im letzten Band noch die klischeehafte und beinahe obligatorische Dreiecksgeschichte herbeizuführen drohte, oder einige Fragen der Logik, durch die die Wendungen am Ende nicht in jedem Detail problemlos mit jeder zuvor getroffenen Aussage in Einklang gebracht werden konnten – manchmal wirkte es in der näheren Betrachtung einfach nicht ganz rund.

Das gilt auch für die Figuren, die entgegen ihrer Erfahrungen teilweise etwas zu starr und stur angelegt waren, sodass sie im Ergebnis doch zu vorhersehbar und zu direkt auf Konflikte und Krawall zusteuerten. Während ich den Menschen der Godspeed aufgrund ihrer auf einen isolierten Lebensraum beschränkten Erfahrung einiges an eingefahrenem Verhalten verzeihen, sie sogar verstehen konnte, muss ich bei den erweckten Ex-Eingefrorenen kritischer sein. Sie bestätigten einfach zu sehr die von Orion und Junior aufgrund von Angst und Vorurteilen aufgestellten Erwartungen und das konnte mich nicht überzeugen. Eine Entwicklung war zwar festzustellen, aber diese kam, so hatte ich das Gefühl, erst, nachdem Revis ihr Bedürfnis nach einer ordentlichen Konfrontation befriedigt hatte, selbst wenn diese dadurch ein wenig konstruiert, eine Spur zu gewollt und für den Leser ziemlich frustrierend wirkte.

Allerdings ist eine große Portion Frustration für mich bei dieser Trilogie ohnehin ein ständiger Begleiter, wenn auch in einem positiv-mitfühlenden Sinn. Die Ausweglosigkeit der Situationen, die Überflüssigkeit von Leid und Tod und die Hilflosigkeit gegenüber vielen Ereignisse wecken beim Leser neben der schönen, aber ebenfalls schwierigen Liebesgeschichte die mitreißende Sogwirkung dieser Reihe. „Godspeed“ ist keine einfache Geschichte, die spurlos an einem vorüber zieht, sondern nimmt sehr mit, macht oft traurig und wütend, was aber, um es positiv auszudrücken, auch dazu führt, dass der Leser involviert bleibt – und das gilt im Speziellen auch für den dritten und letzten Band. Oft konnte ich nur den Kopf schütteln aufgrund der Sinnlosigkeit mancher Aktionen und einem starken Gefühl von Wozu-das-alles – aber so schrecklich und schockierend es manchmal auch war, ich konnte kaum aufhören zu lesen.

Fazit: Die „Godspeed“ erreicht in „Die Ankunft“ ihr Ziel und begeistert ein letztes Mal mit ihren starken Protagonisten und schockierenden Wendungen. Kein einfaches Ende, aber – abgesehen von kleinen Unebenheiten im Detail – ein starkes und mitreißendes. Gute 4 Sterne. 



Die "Godspeed"-Trilogie (mit Links zu Amazon.de)
  1. "Die Reise beginnt" (Aug. 2011, englischer Originaltitel: "Across the Universe") - meine Rezension
  2. "Die Suche" (Aug. 2012, englischer Originaltitel: "A Million Suns") - meine Rezension
  3. "Die Ankunft" (Aug. 2013, englischer Originaltitel: "Shades of Earth")


Allgemeine Informationen

Ausgabe: Gebunden
Seiten: 480
Verlag: Dressler
ISBN: 978-3-7915-1678-3
Preis: € [D] 19.95

Weitere Informationen auf der Verlagshomepage

Kommentare:

  1. ich bin grad an der hälfte angelangt und ich find es einfach klasse, wie es weitergeht.
    lg stefie

    AntwortenLöschen
  2. Die Reihe wollte ich auch noch lesen. Ich finde sie hört sich sehr interessant an und dank deiner guten Bewertung, werde ich sie mir wohl bald mal zulegen ^^ Sobald mein SuB ein wenig verkürzt wurde.

    AntwortenLöschen