Freitag, 1. November 2013

Rezension zu "Schwarzlicht" von Horst Eckert



Krimi mit politischen Intrigen

„Schwarzlicht“ von Horst Eckert ist ein in Düsseldorf angesiedelter Kriminalroman und der erste in dem Hauptkommissar Vincent Veih die Ermittlungen aufnimmt. Eine Fortsetzung dieser Figur in einem weiteren Krimi soll wohl bereits in Planung sein.

Zu Beginn aber einige Worte zum Inhalt von Veihs erstem Fall:
Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Walter Castorp, wird in einem Düsseldorfer Apartment tot aufgefunden. Schnell steht fest: Es war Mord. Hat dieser wohlmöglich etwas mit der in wenigen Tagen anstehenden Landtagswahl zu tun? Oder mit dem politischen Skandal, in den der Ministerpräsident verwickelt war? Die Ermittlungen in dem Fall übernimmt Vincent Veih, Sohn einer ehemaligen RAF-Terroristin und gerade erst zum Leiter des KK11 ernannt. Der politisch brisante Fall stellt ihn vor einige Probleme…

Zunächst muss ich anmerken, den auf dem Cover versprochenen „Thriller“ habe ich inhaltlich nicht wiederfinden können. Einen wirklich guten Kriminalroman mit gelungenen politischen Einflüssen, der Wahl vorausgehenden Intrigen und einem spannenden wie interessanten Mordfall mit sich anschließenden überzeugenden polizeilichen Ermittlungen – das habe ich ganz sicher gefunden. Doch, obwohl die Übergänge gerade bei Krimis und Thriller unbestreitbar fließend sind und es von Leser zu Leser wahrscheinlich persönlich abweichende Definitionen gibt, meine Erwartungshaltung bei dem Genre „Thriller“ ist eine andere, als wenn das Wörtchen „Kriminalroman“ das Cover ziert. Ich lese beides gerne, für einen Thriller jedoch fehlt „Schwarzlicht“ das Bedrohliche. Der anhaltend hohe Nervenkitzel durch einen weiterhin präsenten Täter, der jederzeit wieder gefährlich werden könnte, vielleicht auch eine Perspektive des Täters, die persönliche Bedrohung eines Protagonisten, das Angst machen – das sind Merkmale eines Thrillers, die ein auf Ermittlungen basierender Kriminalroman nicht hat – auch gar nicht braucht – und genau das trifft auch auf „Schwarzlicht“ zu.

Abgesehen von dieser kleinen Kritik an die gewählte Begrifflichkeit ist „Schwarzlicht“ allerdings ein wirklich gelungener Polit-Krimi. Der Mordfall ist außergewöhnlich, das mediale und politische Interesse daran wird überzeugend und spannend mit den Ermittlungen, geführt von dem in sich gespaltenen KK11 unter der neuen – und vorerst vorübergehenden – Leitung von Vincent Veih, verflochten und Intrigen sowie Versuche der subtilen Einflussnahme werden so eingebaut, dass sie auch den Leser mitnehmen in das Gefühl von Ungerechtigkeit und Frustration und ihn emotional stark involvieren. Selbst für regelmäßige Krimileser bietet dieser Roman noch einige neue Facetten – die Ermordung eines Ministerpräsidenten aus einer großen Partei, kurz vor einer Wahl, das ist schon ein ungewöhnlicheres Thema und wird hier zudem konsequent und mit unerwartetem Ausgang gekonnt umgesetzt.

Zwischendurch gibt es vielleicht den ein oder anderen Handlungsstrang zu viel, was als Abbild eines realen Bildes eines solchen Kriminalkommissariats durchaus zutreffend sein kann, den Leser eines fiktionalen Werkes aber schnell den Fokus nehmen und ihn ein wenig verwirren kann. Allerdings trat dies bei „Schwarzlicht“ nur gelegentlich auf, sodass es nicht als sehr störend empfunden wurde und, was das wichtigste ist, am Ende gelang dem Autor ein stimmiges Gesamtbild, das ohne unnötige Konstruktion eine glaubwürdige Zusammenführung der einzelnen Ereignisse ermöglichte.

Die sprachliche Umsetzung bei „Schwarzlicht“ kann man wirklich nur als sehr gut bezeichnen, der Stil ist flüssig, durch eine doch eher auffällige Abfolge von Aufzählungen und kurzen Sätzen aber auch alles andere als eintönig, gelungen auf die leicht depressive, nüchterne, manchmal wütende und nachdenkliche Grundstimmung der Hauptfigur zugeschnitten und insgesamt recht temporeich.

Vincent Veih stellt einen in sich charakterlich sehr runden Protagonisten dar, der sowohl durch eine ungewöhnliche Herkunft und einen holprigen Lebensweg in der Vergangenheit wie auch durch familiäre und persönliche Schwierigkeiten in der Gegenwart ein sehr starkes Profil erhält und durch eine teilweise sture bis rebellische, teilweise auch ein wenig zwiespältige Verhaltensweise einiges an Konfliktpotential mit in die Handlung bringt. Als Gegenpart zu den Versuchen der Einflussnahme aufgrund von politischen Interessen durch die Vorgesetzten ist er genau passend.

Fazit: Ein guter Kriminalroman – kein Thriller – mit politischen Einflüssen, einer starken Hauptfigur und unerwarteten Entwicklungen. Von mir gibt es dafür knappe 5 Sterne und eine Empfehlung für Krimifans. Ich würde mich auf eine Fortsetzung mit der Figur Vincent Veih sehr freuen. 




Allgemeine Informationen

Ausgabe: Gebunden mit Schutzumschlag
Erschienen: Sep. 2013
Seiten: 384
Verlag: Wunderlich
ISBN: 978-3-8052-5057-3
Preis: € [D] 19.95

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