Dienstag, 31. Januar 2012

4 Wochen lang zusätzliche Lesezeit...

...ärztlich verordnet dank Schlagloch-Landschaft

Schon vor etwas über einer Woche bin ich abends auf einem nicht beleuchteten Weg in ein Schlagloch getreten und habe mich ordentlich auf die Nase gelegt. Knie aua, Fuß aua, Hand aua. Während mein Knie mittlerweile wieder seinen normalen Umfang und seine normale Färbung angenommen hat und die Kratzer an meiner Hand auch fast verschwunden sind, wurde mein Fuß mit jedem Tag bunter und ich konnte dabei zu schauen, wie immer neue blaue Flecken an die Oberfläche kamen und sich außerdem ein ordentlicher blaue Streifen an meiner Fußsohle bildete.

Beim ohnehin vorhandenen Termin habe ich mir dann heute auch nochmal die ärtzliche Bestätigung für das abgeholt, was ich eh schon vermutet habe. Im O-Ton meines Arztes habe ich "eine richtig schöne Bänderdehnung" - Jippie!

Er hat mir nahegelegt mindestens weitere vier Wochen auf Sport zu verzichten...und mein Fuß, der immer noch ordentlich weh tut, empfiehlt nichts anderes. Ich bin also in nächster Zeit ein Couch-Potato...und muss weniger Schokolade essen. ;-)

Das einzig positive: Da ich mit Sport und der dazu gehörenden Hin- und Rückfahrt mindestens dreimal die Woche jeweils zweieinhalb bis drei Stunden meiner Zeit totschlage, habe ich in den nächsten Wochen deutlich mehr Zeit zum Lesen...



Rezension zu "Erweckt" - Mercy02 - von Rebecca Lim


Etwas mehr Spannung bitte...

"Erweckt" ist nach "Gefangen" der zweite Teil der "Mercy"-(im Original auch genannt "Earthbound"-)Reihe der australischen Autorin Rebecca Lim und hat mir leider nicht so gut gefallen wie der Vorgänger.

Zum Inhalt: Mercy erwacht erneut in einem neuen Körper, dem der 19-jährigen Lela, deren Mutter aufgrund einer unheilbaren Krebserkrankung im Sterben liegt und die sich mit einem unbefriedigenden Kellnerjob über Wasser hält. Wie immer kann sich Mercy an kaum etwas erinnern, doch etwas ist anders als sonst, denn während sie von allen vorangegangenen Leben noch blasse Bilder im Kopf hat, scheinen alle Erinnerung an ihr letztes Leben, das als Carmen, komplett ausgelöscht zu sein. Nur langsam schafft sie es, etwas über dieses vergangene Leben herauszufinden und ihr fällt wieder ein, dass Luc, ihr Geliebter, der sie nur in ihren Träumen finden kann, sie beauftragt hat Ryan zu finden...

Meiner Meinung nach ist "Erweckt" leider kein besonders starker zweiter Teil. Wie im ersten schon splittet sich die Handlung quasi in zwei Teile, dem "realen" Leben von Lela, deren Körper Mercy übernommen hat, und dem übernatürlichen Teil, der Suche nach Mercys eigener Vergangenheit, bevor sie zum ewigen "Souljacking", wie sie das besetzen fremder Körper nennt, verdammt wurde.

Dieser zweite Teil, also die übergeordnete Handlung der ganzen Reihe ist ganz gelungen. Wie im ersten Teil gibt es auch hier immer wieder Andeutungen oder Figuren aus Mercys Vergangenheit, die ihr bekannt vorkommen, auch wenn sie sie noch nicht ganz einordnen kann. Leider dauert es fast bis zum Ende des Buches, bis zum ersten Mal über leicht verwirrende Andeutungen ein wenig hinausgegangen wird, und ich für meinen Teil habe noch immer nicht viel mehr als eine Ahnung, warum Mercy so leben muss und wer sie war. Trotzdem fand ich die Weiterentwicklung der Haupthandlung eigentlich ausreichend und auch interessant und spannend.

Aber während Carmen im letzten Teil in eine recht packende Kriminalhandlung verstrickt war und sie Ryan zumindest nahe war, wenn man auch nicht wirklich von einer beginnenden Liebesgeschichte reden konnte, passiert in Lelas Leben eigentlich fast nichts. Lelas Mutter liegt im Sterben, was einen sehr emotionalen Aspekt in die Geschichte bringen könnte, aber die Ich-Erzählerin ist nun einmal nicht Lela sondern Mercy in Lelas Körper und so blieben bis auf ein, zwei kurze Momente große Gefühle aus. Lelas Job ist Mist, das ist schnell klar, ein paar Bekannte von ihr haben Probleme, aus denen Mercy ihnen raushelfen möchte, sie hat einen Beinahe-Stalker und, auch wenn überraschende Momente den ansonsten eher flachen Spannungsverlauf kurz anheben, hat der Roman leider mehrere Längen.

Ryans Anteil in diesem Roman ist kaum der Rede wert und wenn er endlich aktiver wird, ist auch schon fast das Ende erreicht, was mich persönlich am meisten frustriert hat. Im Klappentext steht doch etwas von "großer Liebe" - wo ist die denn bitte? Im Urlaub? Ich habe sie jedenfalls nicht gefunden.

Was mir aber wieder gut gefällt ist die Sprache des Romans, die sehr angenehm und flüssig zu lesen ist, obwohl das Präsens oft nicht ganz mein Ding ist, und mich ebenso überzeugt wie die glaubhafte Ich-Erzählerin Mercy.

Mein Fazit: Ich bin leider ein wenig enttäuscht. Mir fehlte ein wenig die Spannung und vor allem die angekündigte "große Liebe" war für mich kaum vorhanden, zumal Ryan in diesem Roman eine Randerscheinung bleibt. Ich hoffe der nächste Teil hat wieder ein bisschen mehr zu bieten. Leider nur 3 Sterne.  

Earthbound-Reihe:
  1. "Gefangen" (Okt. 2011, engl. Originaltitel: "Mercy")
  2.  "Erweckt" (Jan. 2012, engl. Originaltitel: "Exile")
  3. "Besessen" (März. 2012, engl. Originaltitel: "Muse")
  4. "Befreit" (Jul. 2012, engl. Originaltitel: "Fury")

Rezension zu "Die Totensammler" von Paul Cleave


 Eine Sammlung von Serienmördern

"Die Totensammler" ist der erste Thriller des Autors Paul Cleave, den ich gelesen habe, und er hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt, sodass ich kaum aufhören konnte zu lesen. Trotzdem gab es auch die ein oder andere Stelle, die mir nicht so gut gefallen hat, aber dazu später...

Erstmal kurz zum Inhalt: Im neuseeländischen Christchurch wird er Ex-Cop und Ex-Privatdetektiv Theo Tate nach viermonatiger Haft aus dem Gefängnis entlassen. Absitzen musste er diese Strafe, weil er betrunken ein Mädchen, Emma Green, angefahren und schwer verletzt hatte. Kaum auf freiem Fuß bittet sein ehemaliger Kollege Schroder um Hilfe beim Aufspüren von "Melissa X", wie sie von der Polizei genannt wird, die sich offensichtlich auf das Töten von Uniformierten spezialisiert hat. Doch auch Emmas Vater wendet sich an Tate, da seine Tochter seit zwei Tagen vermisst wird und er befürchten muss, dass sie einem Verbrechen zum Opfer fiel. Beinahe gleichzeitig entführt der psychisch kranke Adrian den Professor für Kriminalpsychologie Cooper Riley, um seine Serienmörder-Sammlung zu starten, da er von diesen fasziniert ist. Schnell ahnt Tate, dass die Entführungen zusammenhängen könnten...

Meiner Meinung nach hat Cleave mit "Die Totensammler" einen wirklich spannenden (Psycho-)Thriller mit viel Action und einer gut durchdachten, kaum vorhersehbaren Handlung geschrieben. Er versteht es sehr gut, den Leser auf falsche Fährten zu locken, die so glaubhaft angelegt sind, dass ich oft von den Wendungen überrascht wurde. Auch der Schreibstil ist gelungen. Während ich bei vielen Geschichten, die im Präsens geschrieben sind, immer eine Weile brauche, bis ich mich eingelesen habe und das Lesen flüssiger wird, habe ich bei diesem Thriller kaum ein paar Seiten gebraucht, bis mich die Zeitform nicht mehr störte.

Ebenso wie die Sprache haben mir auch die Gleiderung und die Perspektiven gut gefallen. Mit jedem Kapitel wechselt die Erzählperspektive. Tate, der Hauptprotagonist, ist Ich-Erzähler, während von Adrian und Cooper in der dritten Person berichtet wird. Gerade Adrian ist dabei ein sehr interessanter Charakter. So bekommt man den Handlungsverlauf nicht nur von Seiten des Ermittlers vermittelt, sondern erfährt auch die Sichtweisen von Täter und Entführtem. Für mich war die Handlung von der ersten bis zu letzen Seite spannend, glaubhaft und Nerven aufreibend.

Aber es gibt so ein paar Kleinigkeiten, die mir nicht gefallen haben. Da war zum Einen Tates fragwürdiges Rechtsverständnis, das Selbstjustiz in rauen Mengen beinhaltet und mich dank mehrfacher Wiederholungen in Tates Gedanken irgendwann ein wenig nervte. Zum Anderen fand ich das Nebeneinanderherlaufen der beiden zunächst voneinander völlig unabhängigen Kriminalfälle, die Entführung von Emma Green und Cooper Riley auf der einen und die Serienmörderin Melissa X auf der anderen Seite, zwischendurch ein bisschen ermüdend, denn einer der Fälle wurde zwar immer wieder hochgeholt und durchgekaut, blieb aber in der Handlung so weit im Hintergrund, dass mich die Passagen dazu immer wieder ein wenig aus der eigentlich spannenden Handlung des anderen Falls herausrissen. Dennoch hat der Autor damit natürlich auch einen guten Cliffhanger erzeugt, sodass mich kaum etwas davon abhalten kann, die Reihe weiter zu verfolgen.

Dadurch komme ich auch noch zu einer kleinen Anmerkung: Ich habe keinen der Vorgänger ("Der siebte Tod", "Die Stunde des Todes", "Die Toten schweigen nicht" und "Der Tod in mir") gelesen, da ich diesen Teil spontan in die Finger bekam und erst beim Lesen merkte, dass er offensichtlich eine längere Vorgeschichte hat. Die Handlung und die Spannung funktionieren zwar auch als Einzelteil recht gut und es gibt reichlich Rückblicke, die dem Leser ausreichend Hintergrundinformationen liefern, um auch die größeren Zusammenhänge mit Tates Vergangenheit zu verstehen, aber ich würde dennoch empfehlen von vorne anzufangen, denn ich hatte oft das Gefühl, dass ich von der ein oder anderen Sache gerne mehr gewusst hätte.

Fazit: Ein wirklich spannender, teilweise blutiger Thriller mit überraschenden Wendungen, der mich bis auf ein paar Kleinigkeiten, überzeugen konnte. Wenn der Autor immer so gut schreibt, freue ich mich schon auf den Rest der Reihe und hoffe auf eine baldige Fortsetzung. 5 von 5 Sternen.

Rezension zu "Göttlich verdammt" von Josephine Angelini


Twilight reloaded?!?

"Göttlich verdammt" von Josephine Angelini hat an sich eine ganz nette Handlung, die mir nur leider zu großen Teilen viel zu viele Ähnlichkeiten mit der "Twilight-Saga" hatte, als dass ich es noch für Zufall halten könnte.

Zum Inhalt: Helen ist fast 17 und lebt mit ihrem alleinerziehenden Vater auf der Insel Nantucket. Sie ist eine große, recht hübsche, aber auch sehr schüchterne High-Schülerin, die immer sehr darauf bedacht ist, nicht aufzufallen. Denn irgendwie weiß sie, dass sie anders ist. Stärker als andere Mädchen und vor allem auch schneller.

Als die reiche Großfamilie Delos auf die Insel zieht, bekommt sie die Bestätigung, dass an ihr wirklich etwas nicht stimmt, denn sie wird von merkwürdigen Träumen heimgesucht und drei Frauen in ihrem Kopf wecken in ihr das Verlangen, alle Mitglieder der Delos-Familie umzubringen. Nach und nach erfährt sie, dass sie zu den Halbgöttern, den Scions, gehört, und, dass die Familie Delos eigentlich das letzte verbleibende "Haus" dieser aus der griechischen Mythologie stammenden Wesen sein sollte. Denn durch eine alte Blutrache werden alle Scions dazu getrieben, die Mitgleider anderer Häuser zu töten.

Doch Helen schafft es diese Blutrache zu unterbrechen und mit den Delos Freundschaft zu schließen - und sich in Lucas, einen der Delos', zu verlieben, während sie versucht ihre Kräfte kennenzulernen, das Rätsel um ihre Herkunft und ihre verschwundene Mutter zu lösen und der drohenden Gefahr durch den restlichen Delos-Clan zu entgehen.

Am Anfang fand ich das Buch wirklich unterhaltsam. Helen ist eine ganz angenehme Protagonistin, ihre Freundin Claire ist ebenfalls ein interessanter Charakter und als die Delos-Familie nach Nantucket zieht und Helen ständig bei ihrem bloßen Anblick von Mordgelüsten heimgesucht wird, wird die Handlung ebenfalls ziemlich interessant und auch witzig. Auch Helens rätselhafte Träume sind spannend. Aber je mehr das Rätsel dann aufgelöst wird und das Verlangen die Familie zu töten dabei ganz schnell verschwunden ist, desto langweiliger wurde die Geschichte irgendwie.

Nicht, dass sie keine Handlung mehr gehabt hätte, ganz im Gegenteil, bei anderen Geschichten würde die Vielzahl der Handlungsstränge den Roman wahrscheinlich richtig in Schwung bringen. Aber hier fand ich es irgendwie lieblos zusammengeklatscht und so vorhersehbar, dass ich mich zwischendurch zwingen musste, weiterzulesen. Helen trainiert ihre Fähigkeiten, Helen lernt, was Halbgötter sind, Helen liebt Lucas, Helen wird gejagt, Helen hat Ärger mit irgendwem - meistens mit Lucas' älterem Cousin Hector - und alles wird - "klatsch, klatsch, klatsch" - hintereinanderweg geschrieben, ohne dass es für mich einen besonderen Spannungsaufbau gegeben hätte.

Außerdem - und das ist das größte Manko - leidet dieses Buch unter einem akuten Anfall von "Twilight"-Doppelgängeritis. Helen, ihre Lebensumstände, die Familie Delos, Helens Freunde, die Liebesgeschichte ... das alles könnte man einfach aus "Göttlich" rausschneiden und eins-zu-eins durch "Twilight"-Teile ersetzen. So hat sich die Familie Delos zum Beispiel dazu entschieden anderes zu leben als der Rest ihres Clans, der in Europa geblieben ist, sie haben fünf Kinder, Helen lebt allein mit ihrem Vater und bekocht ihn regelmäßig...und das schlimmste Copy-Paste-Verbrechen findet sich dann in der "Liebesgeschichte".

Natürlich fühlen sich Helen und Lucas unendlich stark zueinander hingezogen, können aber wie Bella und Edward nicht wirklich richtig zusammensein. Die beiden Paare führen dazu fast identische Dialoge, mit Helen in der "warum denn nicht, wir können es doch versuchen"-Rolle und Lucas mit dem "nein, wenn wir uns auch nur küssen könnte ich mich nicht mehr beherrschen"-Angsthasen-Gefasel.
So überrascht es nicht, dass Edward und Bella ... äh ... Helen und Lucas brav das amerikansiche Prüderie-Bedürfnis erfüllen und keusch bleiben - und weil natürlich nicht wirklich die Gefahr besteht, dass Lucas Helen das Blut aussaugt oder sie zermatscht, wird in "Göttlich" bei Sex zwischen den beiden gleich mit dem Ausbruch eines die ganze Welt vernichtenden Krieges gedroht. Ja, wenn Teenager Sex haben, geht die Welt unter...da sind amerikanische Jugendbücher doch wirklich zuverlässig amüsant. Aber diese hirnlosen Dialoge sind leider absolut nicht lesenswert, schon nicht im "Twilight"-Original und erst recht nicht in der "Göttlich"-Kopie.

Man könnte natürlich sagen, dass "Göttlich" als eigenständige Geschichte dennoch eine Daseinsberechtigung neben "Twilight" hätte, wenn es besonders herausragend gut geschrieben wäre: Aber das ist es nicht. Es sollte zwar nicht schwer sein, Frau Meyers literarische Fähigkeiten zu überbieten, aber auch in "Göttlich" haben sich weder Autorin noch Übersetzerin einen Zacken aus der Krone gebrochen. Neben der irgendwie holprig auf mich einfallenden Handlung holperte nämlich auch die Sprache an vielen Stellen gleich mit.

Also, damit komme ich endlich zum Fazit: "Göttlich" war am Anfang wirklich gut, wurde dann aber mit jeder Seite schlechter und entpuppte sich als "Twilight"-Kopie samt Keuschheitsgelübde. Der Handlungsverlauf ging oft Schlag-auf-Schlag ohne Spannung oder besondere Highlight-Momente und die Sprache ist nicht besonders gut. Muss man nicht lesen, besonders nicht, wenn man "Twilight" schon kennt. 


 Die Göttlich-Trilogie (mit Links zu Amazon.de)

  1. "Göttlich verdammt" (Mai 2011, engl. Originaltitel: "Starcrossed")
  2. "Göttlich verloren" (Mai 2012, engl. Originaltitel: "Dreamless")
  3. "Göttlich verliebt" (März 2013, engl. Originaltitel: "Goddess")

Allgemeine Informationen

Ausgabe: Gebunden
Seiten: 494
Verlag: Dressler
ISBN: 978-3791526256
Preis: € [D] 19.95

Weitere Informationen auf der Verlagshomepage
Leseprobe auf der Homepage zur Trilogie

Montag, 30. Januar 2012

Neuer Lesestoff

"Erweckt", "Die Rebellen der Ewigkeit" und "Die Kunst des klaren Denkens"

Heute gab es noch einen kleinen Ausflug in die Stadt und dabei hat die Buchhandlung was neues zu lesen abgeworfen, nämlich "Erweckt", der zweite Band der Mercy-Reihe von Rebecca Lim, und das kleine "Die Kunst des klaren Denkens: 52 Denkfehler" von Rolf Dobelli, zur Abwechslung mal wieder ein kleines Sachbuch. Außerdem hat eine Freundin mir noch "Die Rebellen der Ewigkeit" von Gerd Ruebenstrunk ausgeliehen. 


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Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Ravensburger Buchverlag 
Preis: € 14,99 [D]
ISBN-13: 978-3473368297
Originaltitel: Exile

Inhalt: 
Mercy erwacht im Körper von Lela, die versucht, sich und ihre kranke Mutter mit einem Kellnerjob über Wasser zu halten. Aber warum gelingt es Mercy nicht, sich an ihr Leben als Carmen zu erinnern? Einer von Lelas Stammkunden scheint der Schlüssel zu ihrer Erinnerung zu sein. Wird Mercy es mit seiner Hilfe am Ende doch noch gelingen, zu ihrer großen Liebe Ryan zurückzukehren? 

Da ich zu "Gefangen" - Mercy 01 auch schon eine Rezension geschrieben habe, habe ich die *hier* auch noch einmal eingestellt.
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Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Carl Hanser Verlag
Preis: € 14,90 [D]
ISBN-13: 978-3446426825

Inhalt:
Unser Gehirn ist für ein Leben als Jäger und Sammler optimiert. Heute leben wir in einer radikal anderen Welt. Das führt zu systematischen Denkfehlern - die verheerend sein können für Ihr Geld, Ihre Karriere, Ihr Glück. Wer weiß, wie leicht man sich irren kann, ist besser gewappnet: Rolf Dobelli nimmt die tückischsten "Denkfallen" unter die Lupe, in die wir immer wieder tappen. Und so erfahren wir, - warum wir unser eigenes Wissen systematisch überschätzen (und andere für dümmer halten, als sie sind), - warum etwas nicht deshalb richtiger wird, weil Millionen von Menschen es für richtig halten, - warum wir Theorien nachhängen, selbst wenn sie nachweislich falsch sind. Rolf Dobellis Texte sind nicht nur inhaltlich ausgesprochen bereichernd, sie sind ein echtes Lesevergnügen.

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Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: arsEdition
Preis: € 17,99 [D]
ISBN-13: 978-3760765396

Inhalt:
Was, wenn die Ewigkeit nur einen Wimpernschlag entfernt ist ? Der internationale Konzern Tempus fugit hat den Zeithandel kommerzialisiert. Lebenszeit zu kaufen und zu verkaufen ist nun für jedermann möglich. Doch ist diese Technologie wirklich so ungefährlich, wie Tempus fugit behauptet? Oder gibt es bereits Risse in der Realität, die so verheerend sind, dass sie die Welt über kurz oder lang ins Chaos stürzen, wie es die Geheimorganisation Rebellen der Ewigkeit prophezeit? Der junge Willis gerät zwischen die Fronten eines Krieges, der sich im Verborgenen abspielt und muss sich für eine Seite entscheiden. Doch sein Schicksal ist weit tiefer mit beiden Seiten verbunden, als er ahnt. 

Rezension zu "Gefangen" - Mercy 01 - von Rebecca Lim

 
In fremden Körpern...

"Gefangen" ist der erste Teil einer neuen Fantasy-Jugendbuch-Reihe aus der Feder der australischen Autorin Rebecca Lim und ich fand diesen Einstieg bis auf wenige kleine Schwächen relativ gelungen.

Zum Inhalt: Mercy weiß nicht, wer oder was sie ist. Obwohl sie weiß, wie sie wirklich aussieht, hat sie keinen eigenen Körper, sondern lebt immer wieder für eine begrenzte Zeit in den Körpern anderer Frauen/Mädchen, über die sie in dieser Zeit die Kontrolle hat. Dort versucht sie so wenig aufzufallen wie möglich und gleichzeitig Ordnung in die Leben dieser Frauen zu bringen. Nur in ihren Träumen scheint sie Kontakt zu jemandem aus ihrer Vergangenheit zu haben. Luc fordert sie immer wieder auf, ihn zu finden, auch wenn sie nicht weiß wer er ist, und warnt sie gleichzeitig vor den geheimnisvollen Acht.

In diesem ersten Teil der Reihe übernimmt Mercy den Körper des schüchternen, unscheinbaren Chormädchens Carmen, die mit dem Rest ihres Chors zu einem Gastauftritt in den kleinen Ort Paradise gereist ist. Die Familie, bei der Carmen lebt, ist durch die Entführung ihrer Tochter Lauren vor zwei Jahren noch immer schwer belastet, wie Mercy sofort feststellt, denn sie bekommt durch Körperkontakt Einblick in die Gedanken und Gefühle anderer Menschen. Vor allem Laurens Zwillingsbruder Ryan kann die Suche nach Lauren nicht aufgeben und Mercy beschließt ihm dabei zu helfen, während sie gleichzeitig Carmens Karriere als Solostimme im Chor voranbringen und Carmen so ihren Traum von der Aufnahme an einer renommierten Gesangsschule ermöglichen möchte.

Gut ist der Roman meiner Meinung nach insbesondere durch das Geheimnis um Mercy, das  in diesem ersten Teil weitestgehend im Dunkeln bleibt. Das macht Mercy interessant und rätselhaft und lässt als offene Haupthandlung auf spannende Folgeteile hoffen.

Die abgeschlossene Handlung dieses ersten Teiles ,die Suche nach der verschwundenen Lauren, ist zwar eine ganz spannende Kriminalgeschichte, hat aber auch kleine Schwächen, nicht zuletzt deshalb, weil man als Leser trotz mehrerer falscher Fährten eigentlich von vornherein den richtigen Hauptverdächtigen für die Entführung erkennen kann. Außerdem hätten die Passagen über die Chorproben für meinen Geschmack manchmal ein wenig kürzer sein können, da Chorgesang auch einfach gar nicht zu meinen Interessen zählt

Auch die leichte Annäherung zwischen Ryan und Mercy bzw. Carmen ist nicht besonders packend. Von einer Liebesgeschichte kann man in diesem Roman daher sicher nicht sprechen. Es deutet sich etwas an, das wars aber auch schon.

Ryan alleine ist dagegen ein ganz interessanter Charakter, besessen von der Suche nach seiner Schwester und irritiert von Carmens merkwürdigen Auftreten. Er ist ein Rebell, der seine Schwester auch nach zwei Jahren noch nicht aufgeben kann, während die Eltern weitestgehend resigniert haben.

Auch die Sprache des Romans hat mir ebenfalls gut gefallen. Mercy ist die Ich-Erzählerin und der Roman ist durchgehend flüssig zu lesen und hatte auch für mich keine feststellbaren Längen. Auch das Cover gefällt mir in seiner Schlichheit sehr gut. Der "Mercy"-Schriftzug glitzert sogar ein wenig.

Fazit: Insgesamt also ein gelungener, wenn auch für mich nicht zu 100 Prozent überzeugender, erster Teil, der sicher das Potential zur Steigerung hat, denn die Hintergrundgeschichte über Mercy selbst, was sie ist, wo sie herkommt, wer Luc ist und warum sie immer wieder in fremden Körpern erwacht, ist wirklich spannend. 4 von 5 Sternen

Earthbound-Reihe:
  1. "Gefangen" (Okt. 2011, engl. Originaltitel: "Mercy")
  2.  "Erweckt" (Jan. 2012, engl. Originaltitel: "Exile")
  3. "Besessen" (März. 2012, engl. Originaltitel: "Muse")
  4. "Befreit" (Jul. 2012, engl. Originaltitel: "Fury")

Samstag, 28. Januar 2012

Der Berg der Schande - mein SuB

Wo kommen die ganzen Bücher her? Waren die schon immer da?

Ich habe gerade angefangen mein Regal neu zu sortieren und bin dabei auch auf meinen "SuB" gestoßen. Zugegeben, er heißt schon lange nur noch zum Schein "SuB", denn stapeln würde ich DAS nicht mehr wollen. In Wirklichkeit ist es ein halbes "RuB" - ein halbes Regal ungelesener Bücher (aber ein kleines Regal!)...
Naja, dabei wurde ich zugegeben ein wenig überrascht: Sind das wirklich alles meine Bücher? Waren das schon immer so viele oder haben die heimlich im Regal Nachwuchs bekommen? Wo kommen die denn alle her?
Ich habe meine gesammelten ungelesenen Werke mal zu einem kleinen Berg gestapelt - mein "Berg der Schande"...

Auf dem Foto sieht er irgendwie wieder ganz harmlos aus, aber Fakt ist, da stapeln sich rund 55 Bücher und das sind nur die, die wirklich mir gehören. Zusätzlich habe ich noch ein Regal mit Büchern, die ich geliehen habe und mein Online-Konto bei der Stadtbibliothek behauptet das wären nochmal genau 30 Stück, von denen ich vielleicht bis jetzt um die 10 gelesen habe...aber die lese ich wenigstens regelmäßig.

Es wird also Zeit, dass ich mal ein wenig reduziere. Dazu mache ich gleich erstmal eine ausführliche Liste meiner dauerhaften "Mitbewohner", die "Gäste" aus der Bibliothek spielen keine Rolle - einige von denen verlassen mich ohnehin in ein paar Tagen wieder...

Und was da alles bei ist. Zugegeben, viele Spontankäufe oder -täusche bzw. Zugaben zu Täuschen, aber auch erschreckend viele Bücher, die ich in vollem Bewusstsein gekauft habe, weil ich sie unbedingt einmal lesen wollte ...

Zum Beispiel "Die Bücherdiebin" von Zusak, "Unendlicher Spaß" von Foster Wallace, "Der Medicus" von Gordon, "Priester" von Canavan und "Isola" von Abedi - wollte ich alles unbedingt lesen, aber jetzt verrottet es schon seit Monaten im Schrank. Auch dabei sind die ersten beiden "Shopaholic"-Teile (wollte mal wissen, ob sie wirklich so gut wie erfolgreich sind), der erste "Eragon" oder "Glennkill - Ein Schafskrimi" von Leonie Swann...

Mann, Mann, Mann, was habe ich da angesammelt. Ab jetzt gibt es ein Kaufverbot (ok, eine Kaufeinschränkung...lassen wir die Kirche mal im Dorf ;-)) und es wird gelesen, was noch so rumsteht! Fest vorgenommen!


Das Ende einer Ära...


 ....wenn eine Reihe zu Ende geht

Jedes Mal, wenn ich den letzten Teil einer Reihe, die ich sehr mochte, zu Hause stehen habe, möchte ein Teil von mir - der nervige, neugierige Teil, der nicht warten kann, bis er so viele Infos hat, wie er kriegen kann, der immer und am besten sofort das Ende kennen muss und nicht aufhört daran zu denken, bis er endlich alles weiß - sofort den Buchdeckel anheben und es verschlingen.
Aber es gibt noch den anderen Teil, der traurig ist, dass es bald vorbei ist, der sich beim ersten Blick ins Buch die Anzahl der Seiten anschaut, um zu wissen, wie lange er noch von seinen Helden lesen kann und ein klein wenig Angst hat, dass der Abschluss zur Enttäuschung werden könnte. 

Dieser Teil hindert mich oft daran den letzten Teil einer Reihe zu lesen und so ist es auch aktuell. Auf meinem Regal steht gerade "Wired" von Robin Wasserman, der dritte Teil der "Skinned"-Trilogie. "Skinned" und "Crashed" fand ich fantastisch...und jetzt möchte ich einfach nicht das es zu Ende geht. Nein! Nein! Nein! Schon seit mehr als zwei Wochen steht das Buch jetzt da rum, über dem Kopfende meines Bettes, wo alle Bücher, die ich aus der Bibliothek ausgeliehen habe, stehen, und starrt mich an: Jeden Abend wenn ich ins Bett gehe und dabei ein anderes Buch zur Hand nehme, jeden Morgen, wenn ich aufstehe und mehrmals am Tag, wenn ich an nichts Böses ahnend einfach nur vorbei laufe...es ist immer da. Die stille Bedrohung, die schreit: "Lies mich!".

Noch habe ich eineinhalb Wochen Zeit, bis die Bibliothek es vielleicht wieder haben möchte (wenn mir nicht irgendein anderes Bücherwürmchen mit einer Vormerkung in die Quere gekommen ist, habe ich sogar noch über einen Monat - aber das wage ich im Moment gar nicht zu hoffen). Deswegen habe ich jetzt beschlossen, dass ich es spätestens Montag beginnen werde und schreibe das hier, um mich selbst daran zu erinnern es auch zu tun!

Allerdings habe ich gestern Abend leider schon selbst für einen Plan B gesorgt. Denn ich hatte die Reihe bisher nur geliehen, wollte sie aber immer auch fürs heimische Regal kaufen, allerdings lieber im englischen Original. Leider haben mich die schrecklichen englischen Cover bisher davon abgehalten - die konnte ich meinem Bücherregal einfach nicht antun. Aber dann habe ich gestern zum ersten Mal die schöne, neue US-Ausgabe entdeckt (ein Lob an den "Simon Pulse"-Verlag), die bisher dank neuen Namen der Einzelbände und neuem Triologie-Namen ("Cold Awakening) komplett an mir vorbeigegangen ist, und musste sie direkt bestellen, weil ich dieses Design einfach unglaublich schön finde - Montag oder Dienstag sind sie dann hoffentlich da. Trotzdem würde ich die Reihe gerne erstmal in einer Sprache zu Ende lesen...wenn es danach doch nur nicht zu Ende wäre...


Freitag, 27. Januar 2012

Rezension zu "Das Mädchen mit den gläsernen Füßen" von Ali Shaw


 Jeder hat eine Vergangenheit

"Das Mädchen mit den gläsernen Füßen" ist der Debütroman von Ali Shaw und, nachdem ich es gelesen habe, wundert mich nicht mehr, dass es ein solcher Überraschungserfolg wurde.

Zum Inhalt: Ida kehrt etwa ein halbes Jahr nach ihrem Sommerurlaub dort auf die Inselgruppe St. Hauda's Land zurück, denn sie sucht Antworten auf die Frage, was mit ihr passiert. Ihre Füße haben angefangen sich in Glas zu verwandeln. Sie Henry Fuwa zu finden, den sie immer Sommer dort kennenlernte und der mehr über die Geheimnisse der Inseln zu wissen scheint. Zuerst trifft sie aber auf Midas, einen stillen und zurückgezogenen Hobbyfotografen, der sofort von ihren großen Stiefeln beeindruckt ist. Doch auch Midas kämpft innerlich mit seiner Vergangenheit und kann sich Ida nicht sofort öffnen...

Meine Meinung: Das Buch hat mich überrascht, denn, da es in der Jugendbuchabteilung meiner Buchhandlung stand und auch der Klappentext durchaus ein Buch des Genres Romantic-Fantasy ankündigen könnte, hatte ich wie so oft eine leicht kitschige Tennie-Liebe mit spannenden Wendungen erwartet, aber dieser Roman fällt deutlich aus der Reihe. Zuerst einmal sind die Protagonisten Ida und Midas ganz untypisch keine Teenager mehr sondern beide in ihren Zwanzigern. Außerdem ist das Buch sehr ruhig, oft traurig und melanchonisch und jeder, der die Auflösung der großen Geheimnisse und die spannende Reise durch ein verzaubertes Land auf der Suche nach Idas Rettung sucht, wird wahrscheinlich nicht das finden, was er erwartet.

Doch wenn man sich auf diese ganz besonderen Geschichte einlässt, ist sie einfach traumhaft. Man merkt schnell, dass die Inseln von St. Hauda's Land nicht normal sind, ihre Geheimnisse aber gut hüten. Es gibt Gerüchte über ein Tier, dessen Blick alles in Weiß verwandelt, es gibt gefährliche, glühende Quallen an den Küsten und geflügelte Stiere in den Mooren, die außer Henry Fuwa noch niemand zu Gesicht bekommen hat. Und es gibt das Glas an Idas Füßen und sie ist nicht die Einzige. Doch kann ihr überhaupt geholfen werden? Kennt jemand die Ursache? Idas und Midas' Suche schwankt zwischen Hoffnung, Verzweiflung und Akzeptanz des eigenen Schicksals.

Aber nicht nur Ida hat mit Problemen zu kämpfen. Alle Protagonisten haben ihre Vergangenheit und das Buch springt oft in der Zeit zurück, um aus dieser zu erzählen. St. Hauda's Land ist ein Hort der Traurigkeit und Melanchonie. Viele haben Angst sich mit der Vergangenheit zu konfrontieren, leben mit ihren bedrückenden Geheimnissen zurückgezogen, in Wut und Frust oder in resignierter Gleichgültigkeit. Das ist die eigentliche Geschichte, die dieses Buch erzählt. Idas Suche nach Hilfe führt dazu, dass einige dieser gebrochenen Menschen sich aus ihren Höhlen begeben, miteinander sprechen und sich ihrer Vergangenheit stellen. So geht es auch Midas, der seit Jahren mit dem Schicksal seiner Familie hadert und dabei vergessen hat, sein eigenes Leben in die Hand zu nehmen.
Zwischen all den anderen mit ihren tiefen Narben auf der Seele ist die kranke Ida eigentlich der stärkste Charakter. Sie geht mit ihrem Schicksal ruhig und mutig um und zieht dabei auch noch Midas aus seinem Schneckenhaus.

Der Roman hält bis zum Ende diese mal leicht, mal sehr bedrückende Stimmung bei und ist in dieser nur mit ein wenigen Fantasyelementen gespickten Welt sehr glaubwürdig. Kitsch gibt es nicht, auch nicht den großen, alles auflösenden Paukenschlag. Vieles bleibt ungesagt und nicht alle Geheimnisse, die der Leser erfährt, erreichen auch die Protagonisten, während sie ihre Vergangenheit aufarbeiten. Ich habe beim Lesen richtig mitgefühlt und war bis zum Ende einfach nur gebannt von diesem feinfühligen Umgang mit großen Gefühlen, enttäuschter Liebe, zerstörtem Vertrauen und starker Trauer.

Der Schreibstil in "Das Mädchen mit den gläsernen Füßen" ist durchaus anspruchsvoll, die Sätze sind oft lang und verschachtelt, die Sprache ist geschwungen und fast poetisch, arbeitet viel mit Metaphern und vermittelt sehr gut die bedrückende und gleichzeitig märchenhafte Atmosphäre dieses Romans. Mir hat sie sehr gut gefallen, auch wenn (oder gerade weil) man sie nicht schnell sondern aufmerksam lesen sollte, damit die Scheinheit darin richtig zur Geltung kommt.

Darüber hinaus ist auch das Äußere des Buchs schön und passend gestaltet. Der Schnitt ist silbern gefärbt und das Titelbild unterstützt diese verträumte und gleichzeitig etwas traurige, farblose Welt, die in der Handlung aufgebaut wird.

Mein Fazit also: Der Roman hat mir richtig gut gefallen, auch wenn ich ursprünglich etwas anderes erwartet hatte. Doch es ist der Kontrast zwischen dem Schwermut der Protagonisten mit den Unglücken in ihrer Vergangenheit und der schönen, märchenhaften Welt der geheimnisvollen St. Hauda's Land Inseln, der diese Geschichte so lesenswert macht. Es ist ein Roman zum Nachdenken, ein Roman, der bei mir auch noch lange, nachdem ich den Buchdeckel zu geschlagen hatte, eine Stimmungsmix aus Bedrückung und Erleichterung hinterließ.

Einfach traumhaft schön! Eine mehr als klare Leseempfehlung!


"Das Mädchen mit den gläsernen Füßen
" von Ali Shaw bei Amazon.de

Allgemeine Informationen

Ausgabe: Gebunden, 1. Auflage, Jan. 2012
Seiten: 400
Verlag: script5
englische Originalausgabe: The Girl with Glass Feet
ISBN: 978-3-8390-0131-8
Preis: € [D] 19.95

Leseprobe und weitere Informationen auf der Verlagsseite zum Buch

Rezension zu "Die Flucht" von Ally Condie


 Gefühlvolle Fortsetzung

"Die Flucht" ist der zweite Teil der "Cassia und Ky"-Trilogie von Ally Condie. Da ich den ersten Teil, "Die Auswahl", abgesehen vom sehr schönen Cover, nur mittelmäßig fand, musste ich, als ich "Die Flucht" in der Buchhandlung liegen sah, erstmal ein paar Seiten Probe lesen - und habe es dann auch mitgenommen und sogar an einem Abend durchgelesen. Es ist also gerade am Anfang in meinen Augen deutlich stärker als "Die Auswahl", kann dieses Niveau aber leider nicht über die gesamten rund 460 Seiten aufrecht erhalten.

Der Inhalt ist dabei eigentlich schnell erzählt: Ky ist nun seit einigen Wochen als Soldat in den Äußeren Provinzen. Um nicht auf den sichern Tod warten zu müssen, beschließt er mit zwei Freunden aus den schlecht überwachten Dörfern in die Canyons des Grenzgebiets zu fliehen. Cassia, die derweil in ihrem Arbeitslager alles daran setzt anstatt nach Hause ebenfalls in die Äußeren Provinzen versetzt zu werden, kommt nur wenige Tage nach Kys Flucht dort an und folgt ihm in die Canyons, die außer Ky aber noch ein weiteres Geheimnis hüten....

Im Gegensatz zum ersten Teil gibt es in "Die Flucht" jetzt zwei Ich-Erzähler, nämlich Cassia und Ky, was dem Roman gleich eine ganz andere Tiefe gibt. Denn Ky agiert und denkt viel selbstständiger und konsequenter als Cassia und verleit der Handlung damit deutlich mehr Dynamik, während Cassia zwar auch zweifellos mutiger wird, aber immer noch ein wenig hilflos wirkt. Auch Xander bekommt endlich ein etwas stärkeres Profil, sodass meine beiden Hauptkritikpunkte aus Teil eins (fast) ausgemerzt wurden: Weder fehlende Dynamik noch einen viel zu blassen Konkurrenten um Cassias Liebe würde ich diesem Teil vorwerfen.

Vor Allem die erste Hälfte ist in meinen Augen sehr gelungen, spannend und mit großen Emotionen versehen. Die Liebe zwischen Cassia und Ky empfand ich als deutlich romantischer und als starken Antreib für beide, die sogar ihr Leben aufs Spiel setzten, um den jeweils anderen ausfindig zu machen. Auch die Sprache des Romans ist überzeugend, angenehm und flüssig zu lesen. Weiterhin liegt der Schwerpunkt der Geschichte auf den Worten, auf Büchern und Poesie, die aber nun auch einen größeren Stellenwert als Codierung für mögliche Rebellionen einnehmen.

Leider hält die Geschichte ihr Niveau aber nicht durchgehend. Gerade in der zweiten Hälfte tritt die große Liebe zwischen Ky und Cassia plötzlich und für meinen Geschmack viel zu sehr in den Hintergrund. Sie hat eigentlich nur noch Gastauftritte, während sich die beiden Hauptprotagonisten in ihren Zukunftsplänen auseinander entwickeln und kompromissloser und auch kälter auftreten. Außerdem tritt die Handlung ein wenig auf der Stelle und Gedanken, darüber wer wem und weshalb misstraut oder wer welches Geheimnis hat, wiederholen sich zu oft. Plötzlich scheint alles andere wichtiger und nimmt den ganzen Raum des Romans ein, während sich die Liebesgeschichte nicht in dem Maße weiterentwickelte, wie ich es erwartet hatte.

Zum Glück hat mir das Ende wieder gefallen und lässt mich auf einen guten Abschluss der Trilogie hoffen, auch wenn ich schon einen deutlichen Verdacht habe, in welche Richtung sich das ganze entwickeln wird.

Mein Fazit daher: Starker Anfang aber schwächelnde zweite Hälfte, die bewirkt, dass die Liebesgeschichte wieder etwas schwunglos wurde. Dennoch hat es mir besser gefallen als der erste Teil, sodass ich die Reihe mittlerweile doch gut und nicht mehr nur mittelmäßig nennen und guten Gewissens empfehlen würde. Eine Lesempfehlung mit kleinen Einschränkungen, daher eine 4-Sterne-Wertung. 





Die "Cassia & Ky" - Trilogie (mit Links zu Amazon.de)

  1. "Die Auswahl" (Jan. 2011, engl. Originaltitel "Matched") - meine Rezension
  2. "Die Flucht" (Jan. 2012, engl. Originaltitel "Crossed")
  3. "Die Ankunft" (Jan. 2013, engl. Originaltitel "Reached")

Allgemeine Informationen


Ausgabe: Gebunden, Jan. 2012
Seiten: 464
Verlag: FJB
empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
ISBN: 978-3841421449
Preis: € [D] 16.99

Leseprobe und weitere Informationen auf der Verlagshomepage



Rezension zu "Ewiglich die Sehnsucht" von Brodi Ashton


Traumhaft schön

"Ewiglich die Sehnsucht" ist der Auftakt einer neuen Jugendbuchreihe von Brodi Ashton und hat auch mich als Mitzwanzigerin ganz und gar in seinen Bann gezogen.

Zum Inhalt: Nikki kehrt zu ihrem Vater und an ihre High School zurück. Alle denken, sie sei im Drogenenzug gewesen und bleiben ihr gegenüber auf Abstand. Dabei hat Nikki die letzten Monate, die für sie wie einhundert Jahre waren, beim Ewiglichen Cole in dessen Welt, wo er sich von ihren Gefühlen genährt hat. Doch Nikki ist anders als alle, die Cole bisher mitgenommen hatte. Sie hat die Nährung überstanden und er möchte sie zu einer Ewiglichen und seiner Königin machen. Doch Nikki beschließt zurückzukehren, auch wenn sie sich leer und schwach fühlt und ihr nur sechs Monate bleiben, ehe sie entgültig in die Tunnel der Unterwelt zurückkehren muss. Nur ihre große Liebe Jack, mit dem sie zusammen gewesen ist, bevor Cole sie mitnahm, kann sie noch nicht aufgeben...

Meiner Meinung nach hat die Geschichte einfach alles: Liebe, Verlustangst, Mythologie und jede Menge Spannung, die durch einen hervorragenden Schreibstil und die Ich-Perspektive von Nikki auch sehr gut vermittelt werden. Auch die emotionale Leere, die Nikki am Anfang spürt, nachdem Cole sich so lange von ihren Gefühlen ernährt hat, kam bei mir als Leser sehr gut an. Nikki lebt mit der ständigen Gewissheit, in sechs Monaten wieder in die Unterwelt zurückkehren zu müssen und wünscht sich nur sich diesmal richtig von allen verabschieden zu können. Das Buch erzählt hierbei sowohl die aktuelle Geschichte, bei der über jedem Kapitel "Jetzt" und die Zeit, die Nikki bis zu ihrer Rückkehr in die Tunnel noch bleibt, angegeben ist, als auch die Vorgeschichte ihrer Liebe zu Jack und wie es überhaupt dazu kam, dass sie mit Cole mitging.

Auch die beiden Jungs in Nikkis Leben waren für mich interessant. Jack ist ihre große Liebe. Während sie bei der hundertjährigen Nährung fast alles andere vergessen hatte, war es Jacks Gesicht, das sie dazu bewegte zurückzukehren. Doch ihr Vertrauen zu Jack ist erschüttert und Jack findet am Anfang keinen Zugang mehr zu ihr, gibt aber nicht auf. Die Liebesgeschichte verläuft langsam und hat etwas sehr Rührendes und Tiefgehendes.

Doch auch Cole gibt nicht auf und, auch wenn er als Unsterblicher, der anderen Leuten die Gefühle aussaugt, eigentlich der "Böse" sein sollte, konnte ich auch seine Rolle verstehen. Nikki bedeutet für ihn zwar auch den Zugang zur Macht, aber dennoch scheint ihm etwas an ihr zu liegen. Er wechselt ständig zwischen Überheblichkeit und sanfter Zuneigung zu ihr. Er möchte sie ebenso wenig an die Tunnel verlieren wie Jack und ich denke und hoffe, dass Cole in den Folgeteilen noch eine sehr interessante Rolle spielen wird, die über die des emotionslosen Bösewichts hinausgeht. Das verspricht eigentlich schon die Entwicklung, die er im Laufe des Romans durchmacht. Für mich ist er daher eine der spannensten Figuren von "Ewiglich".

Übrigens gefällt mir auch das Cover recht gut, welches das Heraussaugen der Gefühle ebenso andeutet wie es durch den Granatapfel die Verknüpfung zur griechischen Mythologie herstellt. Es ist durch die Blassheit zwar sicher nicht mein Lieblingscover, aber passt zur Geschichte und das um ein Vielfaches besser, als das mit dem roten Kleid etwas verrucht daherkommende Cover der englischen Ausgabe "Everneath", das abgesehen von den dunklen Nebenschwaden, die sich um die Beine des Mädchens winden, meiner Meinung nach gar nichts mit der Handlung und vor Allem nicht mit der Protagonistin gemein hat.

Fazit: Was soll ich anderes sagen, als das Buch ist super und hat mich gefesselt. Auch wenn die Liebesgeschichte nicht schnell in Gang kommt und Nikki am Anfang recht emotionslos war, fügt sich das alles doch überzeugend in die Handlung ein und das Buch hatte keine einzige Länge. Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen und kann es kaum erwarten, den zweiten Teil in der Hand zu halten. Ein starkes Jugendbuch-Debüt von Brodi Ashton!


Trilogie (mit Links zu Amazon.de)

  1. "Ewiglich die Sehnsucht" (Jan. 2012, engl. Original: "Everneath")
  2. "Ewiglich die Hoffnung" (Dez. 2012, engl. Original: "Everbound")
  3. noch nicht bekannt
Allgemeine Informationen

Ausgabe: Gebunden
Seiten: 379
Verlag: Oetinger
ISBN: 978-3789130403
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Preis: € [D] 17.95

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Rezension zu "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" von Jonas Jonasson


Mein Jahreshighlight 2011

Auch wenn ich in den letzten Monaten bevorzugt Jugendromane und Thriller gelesen habe, ist mein Jahreshighlight für 2011 ein Roman, der sich in keine dieser beiden Rubriken einordnen lässt: "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" ist das erstklassige Debüt des schwedischen Autors Jonas Jonasson.

Zum Inhalt: An seinem einhundertsten Geburtstag, dem 2. Mai 2005, klettert Allan Karlsson aus dem Fenster seines Zimmers im Altenheim und drückt sich so vor der eigenen Geburtstagsfeier. Sein erstes Ziel ist der Busbahnhof, an dem er mit dem erst besten Bus fährt soweit ihn seine 50 Kronen bringen - und da der ungepflegte junge Mann, dessen Koffer Allan in der Zwischenzeit beaufsichtigt, nicht rechtzeitig von der Toilette zurückkehrt, nimmt Allan das Gebäckstück gleich mit. Unglücklicherweise ist "Bolzen", der junge Mann, Mitglied einer kleinen Gangstergruppe und der Koffer prall gefüllt mit Geld. Die Verfolgung beginnt und da leider auch nicht jeder Kleinkriminelle, der sich auf die Suche nach Allan und seiner wachsenden Reisegemeinschaft (inklusive Elefant Sonja) macht, das Zusammentreffen überlebt, ist bald auch die Polizei an Allan interessiert.

Neben der Flucht quer durch Schweden springt der Roman immer wieder in die Vergangenheit und schildert chronologisch Allans bisheriges Leben. Schon in jungen Jahren begeistert von Sprengstoff (und dadurch verantwortlich für die ein oder andere Kuhfehlgeburt), bereist der politisch eigentlich uninteressierte und überaus gutmütige Allan die ganze Welt, ist "zufällig" beteiligt an diversen historischen Ereignissen und trinkt Schnäpse mit (unter anderem) General Franco, Präsident Truman und Stalin...

Meiner Meinung nach ist es dem Autor mit diesem Roman gelungen auf über 400 Seiten ein unterhaltsames Lesevergnügen mit einer sehr detailverliebten Handlung, einer guten Sprache und jeder Menge trockenem Humor zu schreiben. Auch seine Charaktere bekommen eine liebevoll ausgeschmückte Hintergrundgeschichte. Der Autor schreibt mit einer bemerkenswerten Kreativität und konstruiert glaubhafte Zusammenhänge in einer gänzlich unglaublichen Handlung.

Der hundertjährige Protagonist Allan erinnert mit seiner Naivität und seinem großen Herz an "Forrest Gump". Sein Einschreiten in den wichtigstens historischen Ereignissen der letzten einhundert Jahre scheint tatsächlich immer ein Versehen zu sein. Zum Beispiel schenkt er zufällig Kaffee aus, als die amerikanischen Wissenschaftler um Oppenheimer ihre unüberwindbaren Probleme beim Bau der Atombombe diskutieren - und kann ihnen dank seiner Sprengstofferfahrung natürlich direkt helfen...ohne, dass er dabei eine böse Absicht gehabt hätte. Allan hilft immer gerne. Er ist nicht daran interessiert, auf welcher politischen Seite er dabei steht. Denn wie er immer betont: Politik interessiert ihn nicht!

Aber nicht nur in Allans Vergangenheit baut der Autor eine fantastisch abstruse Handlung auf, die trotz ihrer Absurdität durch die geschickten Verpflechtungen immer logisch erscheint, sondern auch in der Gegenwart. Allans schart auf seiner Reise quer durch Schweden eine handvoll illustrer Gestalten um sich: von einem dank jahrzehntelangem Studium in diversen Fachrichtungen nahezu allwissenden Imbissbudenbesitzer über einen gealterten Kleinkriminellen bishin zur mit Schimpfworten um sich werfenden Schönheit, die auf ihrem einsam gelegenen Grundstück die entlaufene Elefantendame Sonja versteckt - und Sonja reist daraufhin natürlich auch mit durchs Land. 

Der Roman bietet fast sekündlich Anlass für einen Schmunzler, strotzt vor Sprachwitz und Situationskomik und ist dabei ähnlich wie "Forrest Gump" herzzerreißend schön und niemals langweilig.

Fazit: Sprachlich und inhaltlich ein mehr als gelungenes Buch über einen ganz schön munteren Hundertjährigen, das für viele Stunden fesselt und unterhält. Mein absolutes Highlight aus 2011, das ich gerne weiterempfehlen möchte.




Allgemeine Informationen
Ausgabe: Klappenbroschur, August 2011
Seiten: 416
Verlag: carl's books
ISBN: 978-3570585016
Preis: € [D] 14.99

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Rezension zu "Crashed" von Robin Wasserman


 Gelungene Fortsetzung der "Skinned"-Trilogie

"Crashed" ist der zweite Teil der "Skinned"-Trilogie von Robin Wasserman und hat mich wie auch der erste Teil wieder vollkommen überzeugt.

Zum Inhalt: Lia Kahns Leben hat sich geändert. Sie hat ihre Familie und alle Menschen nach Audens schwerem Unfall hinter sich gelassen und lebt jetzt mit den anderen "Mechs" auf Quinns Anwesen. Sie versorgen sich mit illegalen BioMax-Updates und suchen den täglichen Kick um die schwachen Gefühle zu verstärken. Doch Lia wird in ein grausamens Verbrechen verwickelt, einen Anschlag auf Menschen in einer Konzernanlage, in der sich Lia und Riley zufällig aufhalten und zu dem sich einige "Mechs" bekennen.
Gleichzeitig gründet Lias ärgster Feind, der ehemalige "Erleuchteten"-Führer Rai Savona, eine neue "Bruderschaft der Menschen" und einer ihrer populärsten Anhänger wird Lias früherer Freund Auden.

Im Gegensatz zu "Skinned" ist "Crashed" meiner Meinung nach deutlich ereignisreicher, aber auch hier kommt wieder eine tiefe Emotionalität nicht zu kurz. Es geht um Vertrauen der "Mechs" untereinander, besonders Lias Vertrauen in Jude beginnt zu wanken. Gleichzeitig erfährt sie aber auch mehr über die Vergangenheit ihrer neuen "Familie" und es entwickelt sich eine kleine, wundervolle, aber nicht überzogene oder kitschige Liebesgeschichte.

Außerdem bleibt immer noch die Frage, was Lia überhaupt ist - Mensch oder Maschine - und welchen Platz sie einnehmen kann. Ihre Familie scheint sie noch nicht aufgegeben zu haben. Auch wenn ihre Schwester Zo sie weiterhin hasst, bleibt es für alle schwer zu definieren, ob Lia noch menschlich ist oder nicht.
Der Druck der Regierung auf die "Mechs" und die Ablehnung aus der Gesellschaft wird indes - vor allem getrieben durch die Bruderschaft - immer größer und sie müssen irgendwann um ihre Zukunft bangen.

"Crashed" führt das Bild der Dystopie aus "Skinned" gekonnt weiter und auch die Sprache ist neben dem Inhalt wieder sehr überzeugend. Die Autorin versteht sich sowohl darauf Emotionen hervorragend zu vermitteln und ihren Charakteren Tiefe zu geben als auch die Welt mit all ihren Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten verständlich und glaubhaft zu schildern. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen.
Das Cover des zweiten Bands ist genauso schlicht gestaltet wie das des ersten Teils "Skinned". Das gleiche Muster überspannt den Einband, nur die Farbe wurde verändert. Nach dem Violett-Ton von "Skinned" ist "Crashed" nun grün. Auch wenn ich lieber schlichte Cover mag als zum Beispiel das des englischen Originals, das ebenfalls "Crashed" heißt, sind mir die Titel der "Skinned"-Trilogie schon fast ein wenig zu langweilig.

Trotzdem, insgesamt lautet mein Fazit ganz einfach: Ich liebe die "Skinned"-Trilogie, da sie eine ganz einzigartige bedrückende Stimmung verbreitet und mir Lia als Charakter ganz besonders gut gefällt. Die Sprache, die Atmosphäre, die Charaktere - wie in "Skinned" stimmt auch in "Crashed" für mich wieder einfach alles.

Wieder eine klare Leseempfehlung. Ich kann es kaum noch erwarten den letzten Teil zu lesen.


Trilogie (mit Links zu Amazon.de)
  1. "Skinned" (engl. Originaltitel "Skinned")
  2. "Crashed" (engl. Originaltitel "Crashed")
  3. "Wired" (engl. Originaltitel "Wired")

Rezension zu "Skinned" von Robin Wasserman


 Mensch oder Maschine?

"Skinned" von Robin Wasserman ist der Auftakt der gleichnamigen Trilogie und gehört in die Reihe der Dystopie-Romane im Jugend-/junge-Erwachsene-Sektor. Mich hat es von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt. Das könnte eines meiner neuen Lieblingsreihen werden...

Zum Inhalt: Mehrere Jahunderte in der Zukunft hat sich die Gesellschaft sehr verändert. Die Konzerne regieren die Welt und kontrollieren das gesamte Leben ihrer Angestellten, die keine anderen Möglichkeiten haben, als all ihre Rechte - von Familienplanung bis zum Wahlrecht - an die Konzerne abzutreten, um ein sicheres Leben zu führen. Wer das nicht tut, muss in den Städten leben, die durch Kriege zerbomt und von Atomwaffen verstrahlt sind. Es gibt weder genug Essen noch genug medizinische Versorgung oder Energie für alle.

Nur wenige Reiche verfügen über die Möglichkeit auf dem Land zu leben, Autos und Energie im Überfluss zu besitzen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Zu diesen Reichen gehört auch die Ich-Erzählerin, die beliebte, 17-jährige Lia Kahn, doch als die Sicherheitssysteme ihres Autos versagen, wird sie in einem Unfall mit einem LKW schwer verletzt - so schwer, dass sie eigentlich tot ist. Doch anstatt zu sterben, wacht sie in einem künstlichen Körper wieder auf. Sie ist von da an ein "Skinner", wie die Menschen die neue Technologie abwertend bezeichnen, und stößt überall auf Ablehnung und lernt die Schnelllebigkeit des hauptsächlich im "Network" geführten Lebens zum ersten Mal aus der Rolle des Außenseiters kennen.

Meiner Meinung nach ist der Roman für einen Jugendroman sprachlich auf einem unerwartet hohen Niveau und die Geschichte wirkt sehr ausgereift und überzeugt auf ganzer Linie. Es fiel mir als Leser leicht, mich in Lia hineinzuversetzen, ihre Gefühle und Gedanken sind sehr präzise und einfühlsam geschildert. Überhaupt lebt der Roman mit seiner ganzen Emotionalität von einer sehr melanchonischen, bedrückenden und oft traurigen Stimmung, aber - was mir gut gefallen hat - auch von fiel schwarzem Humor und jeder Menge Sarkasmus. Zwar hält die Autorin das Niveau manchmal nicht ganz aufrecht, aber die kurzen schwächeren Passagen kann man getrost verkraften.

Lia ist kein schwacher Charakter, aber das neue Leben und die Ablehnung, die ihr entgegengebracht werden, setzen ihr zu. Immer wieder taucht die Frage auf, was Mensch sein bedeutet und welche Rolle Lia als Kopie eines menschlichen Bewusstseins in einem mechanischen Körper in einer menschlichen Umgebung einnehmen kann. Sie trifft auf andere "Skinner", die sich selbst "Mechs" und die Menschen "Orgs" nennen und sich von den Menschen abgrenzen. Auf der anderen Seite steht eine religiöse Gruppierung, die "Erleuchteten", die den "Skinnern" die Rechte nehmen wollen. 
Das Cover ist recht schlicht gestaltet. Ein geometrisches Muster zieht sich über den violetten Einband. Trotzdem gefällt es mir deutlich besser als das englische Cover. Ich mag fotographische Titelbilder einfach nur in ganz wenigen Ausnahmefällen und dieser hier - die Lia mit dem Eisblick - gehört sicher nicht dazu.

Fazit: Insgesamt hat mich dieser Trilogie-Auftakt von allen Jugendbüchern, die ich in letzter Zeit gelesen habe, am meisten überzeugt. Der Altersempfehlung "ab 16" kann ich auch nur zustimmen, denn dieses Buch ist sowohl sprachlich als auch inhaltlich auf einem so guten Niveau, dass ich als Mitte-20-Jährige von den üblichen Albernheiten oder Kitschigkeiten, die mich sonst bei Jugendromanen oft nerven, hier verschont geblieben bin.

Klare Leseempfehlung! 

Trilogie (mit Links zu Amazon.de)
  1. "Skinned" (engl. Originaltitel "Skinned")
  2. "Crashed" (engl. Originaltitel "Crashed")
  3. "Wired" (engl. Originaltitel "Wired")

Rezension zu "Scherbenmond" von Bettina Belitz



 Eine richtig miese Fortsetzung

Ich kann nicht sagen, dass ich "Splitterherz", den Auftakt der Trilogie von Bettina Belitz, geliebt habe. Ich fand ihn ok, hatte aber tatsächlich die Hoffnung, dass viele Fragen im zweiten Teil beantwortet werden würden und vor allem, dass die Hauptprotagonistin und Ich-Erzählerin Ellie Sturm mir ein bisschen weniger auf die Nerven fallen würde. Jetzt habe ich - und ich muss fast sagen "leider" - den zweiten Teil, "Scherbenmond", gelesen und bin abgesehen von kurzen Lichtblicken hier und da wirklich geschockt darüber, wie mies diese Fortsetzung doch ist.

Aber bevor ich mich im Detail auslasse, erstmal kurz zum Inhalt: Es ist Winter. Ellie hat ihr Abitur gemacht, doch ihr Vater ist verschwunden und hat seit Monaten keinen Kontakt mehr zu ihr oder ihrer Mutter aufgenommen, und auch Colin ist nicht wieder aufgetaucht. Dann zeigt Ellies Mutter ihr einen Brief von ihrem Vater, den er vor seiner Abreise für die beiden hinterlassen hat und in dem er Ellie auffordert ihren Bruder Paul in Hamburg zu besuchen und in seiner Wohnung den Schlüssel zu dem geheimnisvollen Safe ihres Vaters zu suchen, was sie dann auch tut. Doch Paul hat sich sehr verändert, ist sehr träge geworden und führt über dies anscheinend eine Beziehung zu einem Mann...

Auf den ersten 50 Seiten von "Scherbenmond" war ich zunächst überrascht und musste versuchen, mich zurückzuerinnern, was mich an "Splitterherz" denn so gestört hatte? Die Ich-Erzählerin Ellie ist doch ganz spritzig, unterhält mit viel Sprachwitz und der lockere Schreibstil ist angenehm zu lesen. Aber dann traf mich die Erinnerung bei Ellies Autofahrt nach Hamburg wie ein Blitzschlag: Ellie ist eine nahezu lebensunfähige, ständig hysterische, dumme Trulla, die aus heiterem Himmel ausrastet, rumheult und die einfachsten Dinge nicht auf die Reihe bekommt (Auto fahren zählt dazu - wie soll diese angeblich 18jährige jemals eine Fahrprüfung bestanden haben?).

Gut, für Ellies überdurchschnittliche Sensibilität findet die Autorin ganz schnell eine medizinische Erklärung, aber muss ich diese auch für Dummheit und Naivität hinnehmen? Außerdem - abgesehen davon, dass Ellies unberechenbare Gefühlsausbrüche keinen Gewinn für die Handlung darstellen - scheint mir der Charakter der Ich-Erzählerin einfach nur noch unglaubwürdig. Fehlkonzipiert!
Denn sie benimmt sich einfach ganz anderes, als sie in der Geschichte verkauft wird. Sie soll eine Einser-Abiturientin sein, die es auf die Reihe kriegt trotz schweren Liebeskummers wegen Colins Flucht und schlimmer Sorgen um ihren Vater nahezu perfekte Prüfungen abzulegen. Außerdem wird ihr von jedem immer wieder bescheinigt, wie gut sie sich für ein (natur)wissenschaftliches Studium eignen würde, da sie so hervorragend logisch denken könnte. Diese angebliche Fähigkeit zum logischen Denken spielt auch beim großen Finale des Romans eine große Rolle, da Colin und Tillmann ihre Zweifel in vielen Situationen angeblich vorausahnen konnten - als logische Konsequenz von Ellies "noch-mal-drüber-nachdenken".

Nur, wenn man das genau betrachtet, hat das, was Ellie so den lieben langen Tag tut, mit logischem Denken einfach rein gar nichts zu tun. Und mit Intelligenz auch nicht. Sie benimmt sich wie der Elefant im Porzellanladen, immer dumm, immer anstrengend und reagiert aufgrund eines - O-Ton - "Gefühls" von einem auf den anderen Moment völlig über. Ich habe mich irgendwann gefragt, ob die Ellie, die von den Protagonisten im Buch so unablässlig gelobt wird und trotz aller Widrigkeiten ein Einser-Abitur geschafft hat, tatsächlich dieselbe Person ist wie die, die ständig hysterisch rumheult. Für mich passt an diesem Charakter nichts zusammen. Ich empfinde es als wildes Kuddel-Muddel angeblicher Eigenschaften, das frei von jedem Konzept und ohne Sinn und Verstand irgendwie zusammengeklöppelt wurde, und das macht mir einfach den ganzen Roman kaputt, weil ich so viele Widersprüche einfach unglaubwürdig finde und kaum ertragen kann.

Dazu kommt die sehr gezogene Handlung, die durch eine Vielzahl von unverknüpften Handlungssträngen immer wieder unterbrochen, neu aufgenommen und durcheinandergewürfelt wird. Zuerst geht es Ellie um die Suche nach ihrem Vater, dann prescht (im wahrsten Sinne des Wortes) ein neuer Handlungsabschnitt auf dem Rücken eines Pferdes herbei, verschwindet wieder und macht erst der alten und dann noch einer neuen Haupthandlung Platz. So ist auch die Geschichte selbst ein Durcheinander, das nebenbei auch von vielen Wiederholungen lebt. Gedanken, Dialoge (die übrigens oft mehr als unsinnig und unnatürlich wirken) und Beschreibungen werden immer wieder hochgekramt. Das langweilt und bis endlich Spannung aufkam, hat es mehr als 500 Seiten gedauert, was einfach daran lag, dass die Handlung nicht auf den Punkt gebracht wurde, sondern man sich stattdessen lieber immer im Kreis drehte.

Die Auflösung des Geheimnisses um Ellies Bruder Paul, das mit der Zeit die Suche nach ihrem Vater als Haupthandlung ablöste, ist dabei auch nicht wirklich überraschend. Ohne, dass ich verraten möchte, worum es in diesem Geheimnis überhaupt geht, kann ich nur sagen: Die als großer Schockmoment präsentierte Entschlüsselung beim Anschauen des Beweisvideos war für mich nur ein Achselzucken, denn ich hatte es mehrere 100 Seiten lang vermutet - und nehme an, dass es so ziemlich jedem anderen Leser ähnlich gehen müsste. Es ist einfach zu offensichtlich und eine Schande, dass es dennoch so lange dauert, bis die Protagonisten den Leser in Sachen Wissensstand endlich eingeholt haben.

Die Liebesgeschichte zwischen Ellie und dem Nachtmahr Colin hat nach wie vor was - auch wenn ein beachtlicher Teil dieses "was" für mich "befremdlich" bedeutet. Dennoch ist der Roman an den Stellen, wo die wirre Handlung sich dann mal dazu herablässt die Beziehung der beiden zu thematisieren, am packensten und verbreitet ein bisschen Kribbeln bei mir als Leser. Leider sind diese Passagen aber viel zu kurz und auch der einzige wirklich überzeugende Charakter Tillmann kann die ansonsten entstehenden Längen des Romans auch nicht mehr wettmachen.

Ein paar der offen gebliebenen Fragen aus "Splitterherz" wurden zwar beantwortet, aber gerade im Bezug auf Ellies Vater fand ich dieses Buch trotz fast 700 langen, langen Seiten mehr als unbefriedigend. Ich stehe jetzt vor dem Dilemma, dass ich den dritten Teil bereits zu Hause stehen habe und gerne wissen würde, wie es endet, aber nicht weiß, ob ich noch einen Teil mit "Prinzessin-auf-mindestens-1000-Erbsen"-Ellie und ihrer quengeligen, dummen, hysterischen, irrationalen Art ertragen kann. Schade...

Mein Fazit: Meine Hoffnung, dass Teil zwei besser werden könnte als Teil eins, hat sich ins Gegenteil gewandelt. Das war eine richtig miese Fortsetzung mit anstrengender - und ich gehe sogar soweit zu sagen unglaubwürdiger und schlecht durchdachter - Ich-Erzählerin, zu wenig Spannung und oft frustrierend wirrer Handlung. Der zweite Stern ist nur durch wenige fesselnde Momente und einen guten Nebencharakter gerechtfertigt. Der Rest ist Müll und ich würde vom Lesen abraten.


Trilogie (mit Links zu Amazon.de)
  1. "Splitterherz" (Jan. 2010)
  2. "Scherbenmond" (Jan. 2011)
  3. "Dornenkuss" (Nov. 2011)