Dienstag, 31. Januar 2012

Rezension zu "Die Totensammler" von Paul Cleave


 Eine Sammlung von Serienmördern

"Die Totensammler" ist der erste Thriller des Autors Paul Cleave, den ich gelesen habe, und er hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt, sodass ich kaum aufhören konnte zu lesen. Trotzdem gab es auch die ein oder andere Stelle, die mir nicht so gut gefallen hat, aber dazu später...

Erstmal kurz zum Inhalt: Im neuseeländischen Christchurch wird er Ex-Cop und Ex-Privatdetektiv Theo Tate nach viermonatiger Haft aus dem Gefängnis entlassen. Absitzen musste er diese Strafe, weil er betrunken ein Mädchen, Emma Green, angefahren und schwer verletzt hatte. Kaum auf freiem Fuß bittet sein ehemaliger Kollege Schroder um Hilfe beim Aufspüren von "Melissa X", wie sie von der Polizei genannt wird, die sich offensichtlich auf das Töten von Uniformierten spezialisiert hat. Doch auch Emmas Vater wendet sich an Tate, da seine Tochter seit zwei Tagen vermisst wird und er befürchten muss, dass sie einem Verbrechen zum Opfer fiel. Beinahe gleichzeitig entführt der psychisch kranke Adrian den Professor für Kriminalpsychologie Cooper Riley, um seine Serienmörder-Sammlung zu starten, da er von diesen fasziniert ist. Schnell ahnt Tate, dass die Entführungen zusammenhängen könnten...

Meiner Meinung nach hat Cleave mit "Die Totensammler" einen wirklich spannenden (Psycho-)Thriller mit viel Action und einer gut durchdachten, kaum vorhersehbaren Handlung geschrieben. Er versteht es sehr gut, den Leser auf falsche Fährten zu locken, die so glaubhaft angelegt sind, dass ich oft von den Wendungen überrascht wurde. Auch der Schreibstil ist gelungen. Während ich bei vielen Geschichten, die im Präsens geschrieben sind, immer eine Weile brauche, bis ich mich eingelesen habe und das Lesen flüssiger wird, habe ich bei diesem Thriller kaum ein paar Seiten gebraucht, bis mich die Zeitform nicht mehr störte.

Ebenso wie die Sprache haben mir auch die Gleiderung und die Perspektiven gut gefallen. Mit jedem Kapitel wechselt die Erzählperspektive. Tate, der Hauptprotagonist, ist Ich-Erzähler, während von Adrian und Cooper in der dritten Person berichtet wird. Gerade Adrian ist dabei ein sehr interessanter Charakter. So bekommt man den Handlungsverlauf nicht nur von Seiten des Ermittlers vermittelt, sondern erfährt auch die Sichtweisen von Täter und Entführtem. Für mich war die Handlung von der ersten bis zu letzen Seite spannend, glaubhaft und Nerven aufreibend.

Aber es gibt so ein paar Kleinigkeiten, die mir nicht gefallen haben. Da war zum Einen Tates fragwürdiges Rechtsverständnis, das Selbstjustiz in rauen Mengen beinhaltet und mich dank mehrfacher Wiederholungen in Tates Gedanken irgendwann ein wenig nervte. Zum Anderen fand ich das Nebeneinanderherlaufen der beiden zunächst voneinander völlig unabhängigen Kriminalfälle, die Entführung von Emma Green und Cooper Riley auf der einen und die Serienmörderin Melissa X auf der anderen Seite, zwischendurch ein bisschen ermüdend, denn einer der Fälle wurde zwar immer wieder hochgeholt und durchgekaut, blieb aber in der Handlung so weit im Hintergrund, dass mich die Passagen dazu immer wieder ein wenig aus der eigentlich spannenden Handlung des anderen Falls herausrissen. Dennoch hat der Autor damit natürlich auch einen guten Cliffhanger erzeugt, sodass mich kaum etwas davon abhalten kann, die Reihe weiter zu verfolgen.

Dadurch komme ich auch noch zu einer kleinen Anmerkung: Ich habe keinen der Vorgänger ("Der siebte Tod", "Die Stunde des Todes", "Die Toten schweigen nicht" und "Der Tod in mir") gelesen, da ich diesen Teil spontan in die Finger bekam und erst beim Lesen merkte, dass er offensichtlich eine längere Vorgeschichte hat. Die Handlung und die Spannung funktionieren zwar auch als Einzelteil recht gut und es gibt reichlich Rückblicke, die dem Leser ausreichend Hintergrundinformationen liefern, um auch die größeren Zusammenhänge mit Tates Vergangenheit zu verstehen, aber ich würde dennoch empfehlen von vorne anzufangen, denn ich hatte oft das Gefühl, dass ich von der ein oder anderen Sache gerne mehr gewusst hätte.

Fazit: Ein wirklich spannender, teilweise blutiger Thriller mit überraschenden Wendungen, der mich bis auf ein paar Kleinigkeiten, überzeugen konnte. Wenn der Autor immer so gut schreibt, freue ich mich schon auf den Rest der Reihe und hoffe auf eine baldige Fortsetzung. 5 von 5 Sternen.

Kommentare:

  1. Dieses Buch von Paul Cleave habe ich noch nicht gelesen. Allerdings wurde "Der siebte Tod" und "Der Tod in mir" bereits verschlungen. Diese beiden Bücher fand ich großartig - sie hatten aber nichts miteinander zu tun und waren in sich abgeschlossen.
    Also diese beiden kannst du auf jeden Fall lesen, ohne auf eine Reihenfolge zu achten.

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    1. Hallo,
      ich glaube generell kann man jeden der Teile einzeln lesen. Bei "Die Totensammler" ging es ja prinzipiell auch. Soweit ich aber die Inhaltsangaben gelesen habe, geht "der siebte Tod" um den Serienmörder, der in diesem fünften Teil immer wieder erwähnt wird und in "Der Tod in mir" kommt Schroder vor.

      Morgen gehe ich aber in die Bibliothek und ich habe schon im Onlinekatalog nachgesehen, dass alle Bände bis auf einen ausleihbar sind (und den einen habe ich gestern ertauscht). Gibt also gar keine Problem sie chronologisch zu lesen ;-)

      Gruß

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