Donnerstag, 1. Oktober 2015

Kochbuch-Rezension zu "Vom Glück, gemeinsam zu essen" von Leo und Karl Wrenkh



abwechslungsreich, exotisch, farbenfroh

In "Vom Glück, gemeinsam zu essen - Aufgetischt für jeden Ernährungsstil" präsentieren die Brüder Leo und Karl Wrenkh ein ungewöhnliches Konzept zum Kochen für Gäste. Die Wiener Gastronomensöhne und Köche präsentieren auf 176 Seiten rund 70 Rezepte, die nicht in klassische Kategorie sondern in 14 "Tische" unterteilt sind. Jeweils drei bis fünf herzhafte und in der Regel eine süße Komponente ergeben einen solchen Tisch, bei dem alle Gerichte zeitgleich serviert und dem Gastgeber so die Möglichkeit geben sollen, die Zeit mit seinen Gästen zu verbringen, statt zwischenzeitlich in der Küche verschwinden und für Nachschub sorgen zu müssen.

Die Umsetzung dieser Grundidee überzeugte auf den ersten schnellen Blick - nicht nur schienen die 14 Tische abwechslungsreich zu sein, auch die Auslegung der Rezepte für jeweils eine Person und eine vorab angegebene Umrechentabelle zur Vervielfältigung der Menge entsprechend der erwarteten Gästezahl passten ebenso zum Konzept wie eine vor jedem "Tisch" durchnummerierte Checkliste zur entspannten parallelen Vorbereitung des Essen. Allerdings ließen sich nicht alle Rezepte mit dem Wunsch, alle Speisen gleichzeitig zu servieren, vereinbaren. Macht es beispielsweise Sinn, das "warme Schokoladentörtchen" oder das "Dattel-Joghurt-Eis" auf den Tisch zu bringen, wenn vorab noch der Verzehr der herzhaften Speisen ansteht, während die Raumtemperatur ihnen die gewünschten Eigenschaften raubt? Zumindest bei einigen Rezepten wird die Grundidee daher nicht konsequent verfolgt und eine kurze Abwesenheit des Gastgebers zugunsten des kulinarischen Genusses scheint unabdingbar.

Daneben versprach das Kochbuch außerdem, Gäste mit unterschiedlichen Essgewohnheiten durch die vorgestellten Rezepte mit entsprechender Kennzeichnung und alternativen Varianten problemlos zum gemeinsamen Essen an einen Tisch zu bekommen - egal ob vegan, vegetarisch, laktose- oder glutenfrei, für jeden sollte etwas dabei sein.


Allerdings machte sich hierbei schnell die erste Ernüchterung breit. Zwar ist die piktografische Markierung durch farbige Symbole gelungen, doch die Anmerkungen zu beispielsweise veganen Varianten waren selten und in der Regel nicht besonders überraschend - sie gehen über Vorschläge "veganen Joghurt" oder "Zucker statt Honig" zu verwenden kaum hinaus. So bleibt trotz der ambitionierten Ankündigung, "Vegetarier, Fleischesser und Veganer an einen Tisch" zu bekommen, das altbekannte Problem auch bei den vorgeschlagenen Menüs dieses Kochbuchs erhalten: Die veganen oder vegetarischen Gäste müssen sich mit weniger Komponenten begnügen als die übrigen - oder der Gastgeber ergänzt durch eigene Rezepte. Da wären ein, zwei rein vegane/glutenfreie Tische zusätzlich wohl zielführender gewesen.


Stattdessen gliedern sich die Tische thematisch nach Jahreszeiten, Anlässen ("Sonntag", "Picknick"), Spezialitäten wie die französische Pizzavariante "Pissaladière" oder die japanische Nudel "Soba" und internationalen Länderküchen ("Kuba", "Israel", "Sri Lanka"). Alles in Allem zeigt sich hier eine Vorliebe zur Exotik, die das Kochbuch auf der einen Seite sehr abwechslungsreich aufgrund seiner zahlreichen kulinarischen Einflüsse macht, auf der anderen Seite aber bereits beim Durchblättern gelegentlich den Wunsch nach regional-mitteleuropäischen/-österreichischen Komponenten weckte. Trotz ihrer internationalen Vielfalt bleiben die Gerichte allerdings recht bodenständig, Vertreter einer eher filigranen, feinen Küche sind nicht zu finden.


Optisch kommt "Vom Glück, gemeinsam zu essen" in moderner, matter Gestaltung mit gleich zwei praktischen Lesebändchen als hochwertiges Hardcover daher. Hübsch arrangierte und farbenfrohe Fotos zu jedem Tisch und jedem Rezept, ergänzt durch Landschafts- und Personenaufnahmen, zeigen eine ausgeprägte Liebe zum Detail. Vor jedem "Tisch" erklärt ein einleitender Text die jeweilige Zusammenstellung, wobei mehr informative Worte und weniger persönliche Anekdoten wünschenswert gewesen wären. 

Fazit: "Vom Glück, gemeinsam zu essen" verfolgt mit der Zusammenstellung von "Tischen" anstelle einer klassischen Menüabfolge ein interessantes Konzept, das weitestgehend als gelungen bezeichnet werden kann, auch wenn zwischen Werbetext und Wirklichkeit leichte Abstriche gemacht werden müssen. Experimentierfreudige Hobbyköche, die exotischen Gerichten gegenüber aufgeschlossen sind und es eher bodenständig als fein mögen, werden an diesem modern gestalteten Kochbuch vermutlich ihre Freude haben. Denn (und damit das wichtigste zum Schluss) alle bisher nachgekochten Rezepte konnten geschmacklich überzeugen. 4 Sterne




 Allgemeine Informationen

Ausgabe: Gebunden
Erschienen: 31 August 2015
Seiten: 208
Rezepte: ca. 70
ISBN: 978-3-85033-940-7
Preis: € [D] 29.90

Weitere Informationen und ein Blick ins Buch auf der Verlagshomepage. 


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