Mittwoch, 12. September 2012

Rezension zu "Ruht das Licht" von Maggie Stiefvater


 Leider schwächer als Teil Eins

"Ruht das Licht" ist der zweite Teil von Maggie Stiefvaters Trilogie, die von "Nach dem Sommer" eingeleitet wurde. Leider kann er meiner Meinung nach nicht ganz mit seinem Vorgänger mithalten...

Zum Inhalt: Sam hat es geschafft über den Winter ein Mensch zu bleiben. Jetzt im Frühjahr kann es jeder Zeit soweit sein, dass sich die neuen Werwölfe, darunter Graces Freundin Olivia, wieder in Menschen verwandeln und Sam wird nichts anderes übrigbleiben, als sich in Becks Haus als dessen Nachfolger um die neuen Wölfe zu kümmern. Doch noch verbringt er lieber jede Nacht heimlich in Grace Zimmer, was aber durch ihre immer abweisender werdenden Eltern, die auf einmal ihr Interesse an Graces Leben wiederentdeckt zu haben scheinen, immer schwieriger wird. Außerdem verändert Grace sich. Der Werwolf in ihr, in den sie sich nach ihrem Biss in der Kindheit nie verwandelt hat, erwacht und ihr Leben gerät in Gefahr...

Irgendwie hatte ich Probleme mich in "Ruht das Licht" einzufinden. Die Liebesgeschichte zwischen Sam und Grace ist zwar immer noch da, wirkte aber bedeutungsloser, als hätte sie in den Monaten, die sie zwischen dem ersten und dem zweiten Teil miteinander verbracht haben, einen Rückschritt erlebt. Sie war distanzierter und zu meinem Unverständnis auch keuscher. Das große Gefühl aus dem ersten Teil war im zweiten Teil für mich nur noch selten spürbar - erst gegen Ende, wenn die Bedrohung der Trennung wieder präsent ist, kehrt ein wenig davon zurück.

Auch, dass der Kreis der Ich-Erzähler sich verdoppelt hat, konnte mich nicht wirklich begeistern. Erzählten in "Nach dem Sommer" nur Sam und Grace aus der Ich-Perspektive ihre Geschichte, kommen jetzt noch Isabel und einer der neuen Werwölfe, Cole, hinzu. Auch wenn jeder Charakter sehr individuell ausgearbeitet wurde und ich Isabel als Erweiterung durch ihre amüsante Sturheit und leicht kühle Zickigkeit durchaus unterhaltsam fand, haben sie die Handlung für mein Empfinden nicht großartig vorangebracht.

Ganz im Gegenteil: Sie haben irgendwie den Fokus von der schönen, emotionalen Sam-und-Grace-Geschichte genommen und damit auch die Sorge um Grace und ihre plötzliche Krankheit ein bisschen in den Hintergrund gedrängt, was ich einfach nur schade fand, denn das ist für mich der eigentlich interessante Handlungsstrang gewesen.
Gerade der neue Werwolf Cole, der durch seine dunkle und geheimnisvolle Vergangenheit wohl neue Aspekte und eine neue Liebe in die Geschichte bringen sollte, hat mich eher gelangweilt. Auf der einen Seite soll er hochbegabt sein, auf der anderen Seite ein Rockstar mit Drogenvergangenheit, die er den anderen verschweigen möchte - da diese "Geheimnis" dem Leser aber bereits nach wenigen Seiten durch Cole höchstpersönlich mitgeteilt wird, konnte es für mich gar keinen Reiz mehr darstellen und es war einfach nicht interessant, wie die anderen drei es Stück für Stück entschlüsselten.

Der Schreibstil ist allerdings immer noch sehr gut, sehr detailiert und einfühlsam, und darin liegt auch weiterhin die große Stärke von Maggie Stiefvaters Trilogie.

Fazit: Insgesamt also eine weiterhin lesenswerte, aber leider auch schwächere Fortsetzung der Trilogie, die für mich ein bisschen zu wenig Sam-und-Grace und ein bisschen zu viel Cole enthielt. 




Die Trilogie (mit Links zu Amazon.de):
  1. "Nach dem Sommer" (Sep. 2010, engl. Originaltitel: "Shiver") - meine Rezension
  2. "Ruht das Licht" (Sep. 2011, engl. Originaltitel: "Linger")
  3. "In deinen Augen" (Aug. 2012, engl. Originaltitel: "Forever")
Allgemeine Informationen

Ausgabe: Gebunden
Seiten:400
Verlag: Script5
ISBN: 978-3839001189
Preis: € [D] 18.90

Leseprobe und weitere Informationen auf der Verlagshomepage

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