Samstag, 29. September 2012

Rezension zu "Dornentöchter" von Josephine Pennicott


Ein wenig zu trocken

"Dornentöchter" von Josephine Pennicutt erzählt die Geschichte einer Familie in einem kleinen (fiktiven) tasmanischen Dorf namens Pencubitt, die mir insgesamt gut gefallen hat.

Inhalt: Nach dem Tod ihrer Mutter und der Trennung von ihrem Mann Jack zieht Sadie mit ihrer Tochter Betty nach Tasmanien, in das Dorf Pencubitt, wo sie das Poet's Cottage geerbt hat, das alte Haus ihrer Großmutter Pearl. Pearl war eine berühmte Kinderbuchautorin und sehr exzentrisch, bis sie 1936 im Keller des Poet's Cottage brutal ermordet wurde. Seitdem soll es dort angeblich sogar spuken....
Sadie, selbst auch Autorin, hat sich vorgenommen, die Geheimnisse ihrer Großmutter zu entschlüsseln, ihren Tod aufzuklären und ein Buch über sie zu schreiben. Im Garten des Poet's Cottage lebt noch immer Sadies alte Tante Thomasina, die voller Hass für ihre Mutter ist - ganz im Gegenteil zu ihrer Schwester Marguerite, Sadies Mutter, die stets nur gut von ihr gesprochen hatte. Mit einem anderen Buch über Pearl, geschrieben von ihrer alten Freundin Birdie, die immer noch in Pencubitt lebt, versucht Sadie das Leben ihrer Großmutter zu verstehen...

Dieser Roman, der sich irgendwo zwischen Familienschicksal, Kriminalroman und Gruselgeschichte bewegt, war nicht leicht zu lesen. Auf den knapp 400 Seiten tummeln sich nicht wenige Protagonisten, deren Schicksale und Geschichten zu einem Gesamtbild geflochten werden wollen. Das gelingt der Autorin zwar sehr gut, sodass die Handlung mir zum Schluss sehr stimmig und gut durchdacht erschien, aber mit dem eher trockenen Schreibstil hatte der Roman leider doch einige Längen, die von den kurzen Gänsehaut-Momenten und den starken Charakteren nicht aufgewogen werden konnten. Sprachlich wirkt "Dornentöchter" leider recht altbacken, etwas stelzig und staubig - und das nicht nur in Birdies Buch "Die Netzspinnerin", welches der Leser mit der Hauptfigur Sadie gemeinsam liest, sondern auch in der modernen Gegenwart. Der Wechsel zwischen gegenwärtiger Geschichte und Birdies Erzählungen von Pearl und ihrer ungleichen Freundschaft aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sorgte allerdings ein wenig für Auflockerung.

Die Charaktere waren allesamt sehr vielschichtig und stark und sorgten mit ihren Entwicklungen im Laufe des Romans für Überraschungen. Besonders interessant ist aber Sadies verstorbene Großmutter Pearl, deren Leben in dem kleinen Dorf Pencubitt, der Heimat ihres Mannes Maxwell, alles andere als einfach war. Pearl wurde durch ihre exzentrische, freizügige Art zum Zentrum von Klatsch und Tratsch im Dorf und machte sich schnell Feinde, was die Aufklärung ihrer Ermordung nicht gerade einfach macht. Ihr wurden Affären mit mehreren Männern nachgesagt, sie trank, kleidete sich auffällig und selbst ihre älteste Tochter hatte nichts als Verachtung für sie übrig. Mit Sadie gemeinsam einzutauchen in dieses abenteuerliche Leben, das ein so tragisches Ende nahm, war sehr spannend und macht den eigentlichen Reiz dieses Romans aus.

Fazit: Eine interessante Familiengeschichte mit ein paar Geistern aus der Vergangenheit und einem ungelösten Mordfall. Leider etwas trocken zu lesen, aber dennoch ein lesenswerter Roman aus dem fernen Australien. 4 Sterne



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Allgemeine Informationen

Ausgabe: Gebunden, Sep. 2012
Seiten: 400
Verlag: List
Originaltitel: Poet's Cottage
ISBN: 978-3471350867
Preis: € [D] 19.99

Leseprobe und weitere Informationen auf der Verlagshomepage

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