Freitag, 22. Juni 2012

Rezension zu "Finding Sky" von Joss Stirling


Das Kindchenschema

"Finding Sky" ist der erste Teil einer Trilogie von Joss Stirling um die übernatürlich begabte Familie Benedict. Während mich das pinke Cover mit silbernen Ranken und babyblauer Schrift leider nur wenig ansprach, hat mich der Klappentext und anschließend auch die Leseprobe doch schnell davon überzeugt, dass es sich hierbei um einen lesenswerten Romantic-Fantasy-Roman aus dem Jugendbuchsektor handeln könnte - und das ist es auch.

Und darum geht's: Die 16jährige Sky Bright zieht mit ihren Adoptiveltern von England in die USA. An ihre Kindheit vor der Adoption hat sie kaum Erinnerungen und sie galt lange als psychisch labil. Auch an der neuen High-School fürchtet Sky durch ihre Schüchternheit keinen Anschluss zu finden, doch sie freundet sich schnell mit ein paar Mitschülern an. Nur der düstere Zed, der in der Schule immer wieder unangenehm auffällt, irritiert sie. Erst ist er ihr gegenüber vollkommen ablehnend - dann redet er plötzlich mit ihr in ihren Gedanken und als sie antwortet, ändert sich alles. Zed ist überzeugt davon, dass sie wie er ein Savant ist und noch dazu sein Seelenspiegel, der dazu bestimmt ist, sein Leben mit ihm zu verbringen. Sky will das alles nicht glauben und der Kontakt zu Zeds Familie, den Benedicts, bringt sie außerdem in große Gefahr...

Zu weiten Teilen hat mir "Finding Sky" wirklich gut gefallen. Der Plot ist gelungen. Es gibt ruhigere und spannungsgeladene Abschnitte, die eine abwechslungsreiche Lektüre ergeben, die man ungern aus der Hand legen möchte. Der Begriff "Savant", in unserer realen Welt auch eine Bezeichung für sogenannte Inselbegabte, wird hier als zusätzliche Begabung im phantastischen Sinne interpretiert. Jedes Mitglied der Benedicts hat andere Fähigkeiten, alle Savants können sich aber anscheinend über Telepathie unterhalten und über Telekinese Dinge bewegen. Das führt zu einigen witzigen Passagen im Buch, über die man wirklich schmunzeln kann.

Auch die Charaktere sind an sich gut gelungen - besonders Zed, der vom Rüpel und zum perfekten Freund und fast schon zu einer Klette wird, was Sky zurecht irritiert. Diese Änderung des Charakters Zed und die Liebesgeschichte, die sich daraus entwickelt, mit einer sehr interessanten und abwechslungreichen Dynamik aus Skepsis und Romantik, war wirklich süß und sehr schön zu lesen. Ein wenig kitschig ist es zwar auch, aber insgesamt hat es mir einfach gefallen, besonders weil Zed plötzlich so anhänglich und nahezu von Sky besessen ist, während sie und vor allem ihre Eltern nicht so ganz wissen, was sie davon halten sollen. Das so häufig auftauchende Konzept von Liebe auf den ersten Blick - beziehungsweise auf den ersten Gedankenaustausch - bekommt dadurch in "Finding Sky" mal eine etwas andere Entwicklung, mit viel Charme, Witz und Situationskomik.

Allerdings bedient der Roman was Sky angeht wirklich jedes erdenkliche Kindchenschema. Die Ich-Erzählerin ist psychisch ganz furchtbar labil, schüchtern, hat eine schlimme Vergangenheit und weckt zudem auch noch äußerlich den Beschützerinstinkt. Sie wird beschrieben als winzig klein, super zierlich, mit blonden Locken und großen blaunen Augen. Zwischendurch war sie mir einfach zu mitleidserregend und ich fand die Ausbreitung ihres Schicksals und ihre Hilflosigkeit teilweise einfach zu stark überreizt. Außerdem finde ich, dass bei aller Spannung, die Entwicklung des Charakters Sky zu kurz kam. Ihre eigenen Fähigkeiten, die Erkenntnis ein Savant zu sein, das alles bleibt am Rande und konnte mich zum Schluss nicht überzeugen.
Zwar wird es eine Fortsetzung geben, in dieser werden Sky und Zed aber nicht mehr die Hauptrolle spielen, sondern Yves, einer von Zeds insgesamt sechs Brüdern, wird seine eigene Geschichte bekommen. Daher hätte ich mir am Ende etwas weniger Kitsch für die Liebesgeschichte und etwas mehr Struktur im Fantasy-Teil der Geschichte gewünscht. Ganz ausgereift erschien es mir nicht.

Der Schreibstil hat mir gut gefallen, er liest sich flüssig, ist aber für ein Jugendroman schon sehr ausgefeilt und macht daher auch im fortgeschritteneren Alter noch Freude. Gleich mit dem sehr starken ersten Kapitel fängt die Autorin den Leser emotional ein und fesselt ihn an ihre Geschichte.
Auch das Cover finde ich mittlerweile passender als vor dem Lesen - wenn das auch nicht gerade einen besonders positiven Grund hat. Ich finde nämlich, pink und babyblau passen hervorragend zum Kindchenschema...

Fazit: Schöner Vertreter der Jugendbuch-Romantic-Fantasy. Ein bisschen kitschig, aber auch spannend. Die Ich-Erzählerin hat mich in ihrer Darstellung als armes kleines Mädchen nicht ganz überzeugen können und auch der Fantasy-Anteil hätte etwas mehr Aufmerksamkeit vertragen können, aber insgesamt habe ich es gern gelesen und kann es auch weiter empfehlen. 4 Sterne.


"Die Macht der Seelen"-Trilogie (mit Links zu Amazon.de)
  1. "Finding Sky" (Mai 2012, englischer Originaltitel "Finding Sky")
  2. "Saving Phoenix" (Nov. 2012, englischer Originaltitel "Stealing Phoenix")
  3. nicht bekannt (englischer Originaltitel "Seeking Crystal")
 
 Allgemeine Informationen

Ausgabe: Gebunden, Mai 2012
 Seiten: 464
 Verlag : Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN: 978-3423760478
Preis: € [D] 16.95

 Leseprobe und weitere Informationen auf der Verlagshomepage

Kommentare:

  1. Hmmm... die englische Ausgabe hat mich neulich auch schon in der Mayerschen angelacht... mal sehen, hört sich ja gar nicht so übel an!

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  2. Hey:)
    Tolle Rezi!
    Bin gleich mal Mitglied deines Blogs geworden ;)

    Ps: Schau doch auch auf meinem neuen Blog vorbei: http://meine-buecherwelten.blogspot.de/ Würde mich freuen! :)

    Liebste Grüße <3

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  3. Schöne Rezi :)
    Jetzt hab ich zwar etwas angst vor dem Kitsch, aber ich will das Buch dennoch irgendwann lesen^^

    LG :)

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  4. Sehr schön geschrieben die Rezi!
    Kann man sehr gut verstehen. Ich finde das Buch klingt ganz schön und ich habs auf meiner Liste stehen :)

    LG
    Lilly

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  5. Eine schöne Rezi! Ich freue mich schon auf das Buch, da ich es nächsten Monat zum Geburtstag bekomme.
    LG
    Sunny

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