Donnerstag, 5. Oktober 2017

Projekt Shortlist - Die Bücher in Zahlen, Daten und Covern


Am 9. Oktober 2017 wird der diesjährige Gewinner des Deutschen Buchpreises bekannt gegeben. Aus diesem Anlass möchte ich mich eine Woche lang den sechs finalen Büchern auf der Shortlist widmen. 

Nachdem sich der erste Beitrag des "Projekts Shortlist" mit den Eckdaten des Deutschen Buchpreises selbst beschäftigt hat, soll es heute um die nominierten Bücher selbst gehen, aber noch nicht um den Inhalt - den hebe mich mir für später auf, denn noch fehlt auf meiner eigenen Checkliste das Lesen des sechsten Buches. Heute geht es stattdessen um die harten Zahlen, die Daten - und um die Äußerlichkeiten, die im Besonderen eine meiner Lieblingstrivialitäten darstellen: Die Cover - let's get oberflächlich. Zumindest ein kleines bisschen...

Zunächst aber rufen wir uns die sechs Titel noch einmal ins Gedächtnis und lassen sie mit vollständigem Namen - genannt in alphabetischer Reihenfolge sortiert nach Titel - und ein paar Links zunächst für sich selbst sprechen.


"Außer sich" von Sasha Marianna Salzmann

"Das Floß der Medusa" von Franzobel

"Die Hauptstadt" von Robert Menasse

"Die Kieferninseln" von Marion Poschmann

"Romeo oder Julia" von Gerhard Falkner

"Schlafende Sonne" von Thomas Lehr

Und nun zu ein paar Details rund um diese sechs literarischen Werke, die aus über 200 Büchern im Auswahlverfahren zu den Finalisten gekürt wurden.
 
Fünfzig Prozent der diesjährigen Shortlist stammt aus dem Herbstprogramm des Suhrkamp-Verlags. Für mich war das in erster Linie irritierend, denn nach den überall direkt zu finden Richtlinien des Deutschen Buchpreises kann jeder Verlag nur zwei Titel direkt zur Prüfung durch die Jury einreichen. Allerdings können weitere Titel - dann allerdings unverbindlich - empfohlen oder aber von der Jury selbst angefragt werden. So also dominiert dieser Verlag mit seinem Trio die diesjährige Shortlist klar. Außerdem vertreten mit je einem Buch sind der Zsolnay-Verlag, der Berlin-Verlag und der Hanser-Verlag. 

Nebenbei: Natürlich gehört der österreichische Zsolnay-Verlag schon seit vielen Jahren auch zur Gruppe der Hanser-Literaturverlage, aber für mich zählt, was drauf steht.


Zu den drei September-Kindern des Suhrkamp-Verlags - übrigens alle Stichtag-gerecht erschienen am 11. September (wir erinnern uns, am 12. wird die Shortlist bekanntgegeben und müssen die Bücher im Handel sein) - gesellte sich mit Gehard Falkners "Romeo oder Julia" noch ein vierter Roman, der erst im letzten Monat veröffentlicht wurde. "Schlafende Sonne" von Thomas Lehr gehört als August-geborenes Werk allerdings auch zu den Nominierungen aus den Herbstprogrammen der Verlage - nur "Das Floß der Medusa" ist schon seit Januar auf Reisen.


Zu den weiteren Zahlen eine kleine Vorgeschichte: Mir ist in Buchhandlungen schon einige Male aufgefallen, dass ich den Standard-Buch-Breite-Griff entwickelt habe. Wenn die Bücher mit dem Cover zum Regal-Reihen-Bummler nach außen geschichtet sind, nehme ich das Buch scheinbar automatisch mit einer intuitiv voreingestellten Lücke zwischen Daumen und Fingern aus dem Regal - und merke erst wenn ich plötzlich zwei Bücher in der Hand habe oder aber die Finger nicht auf den erwarteten Spalt zwischen dem vorderen und dem dahinter verdeckt stehenden Buch stoßen, dass ich dieses spezielle Buch falsch eingeschätzt habe. Genau ersteres hätte mir bei "Die Kieferninseln" auch leicht passieren können. Mit nur 168 Seiten liegt es nämlich noch um einiges unterhalb meiner persönliches Wohlfühl-Seitenzahl, zumal das Papier auch noch recht dick, die Schrift recht groß und das Buch nicht nur schmal sondern, wie alle Suhrkamp-Titel, auch noch eher kleinformatig ist. Dem Gegenüber nähert sich "Schlafende Sonne" sowohl von der Seitenzahl (640) als auch von Höhe und Breite her schon der Region an, wo ein Buch als Schlagwerkzeug waffentauglich wird. 

Cover

Kommen wir zum Abschluss der Äußerlichkeiten zu der Paradedisziplin des Oberflächlichen: der Oberfläche selbst, neudeutsch: das Cover, im Falle der hier versammelten Hardcover: der Schutzumschlag. Nackig gemacht habe ich sie zwar just-for-fun auch noch, aber da zeigen sich gleich fünf der Werke in reichlich monochrom beklebter Unterpappe. Bei "Schlafende Sonne" allerdings ist das Entfernen der schützenden Oberbekleidung höchst erhellend - jedenfalls nach mehrmaligem Hin- und Her-Wenden von Vorder- und Rückseite und anschließend der brillanten Idee das grau-schattierte Sprenkelwerk mal inklusive Buchrücken aufgeklappt in seiner Gesamt-grau-heit zu betrachten. Ach, ein Mensch soll das sein! Der Schutzumschlag zeigt zwar - vor allem auf der hier nicht gezeigten Rückseite - auch schon diese grauen Schatten, aber vor allem sieht man grau-gesprenkeltes Grau - und drei weiße Balken. Ohne Shortlist-Nominierung wäre ich an dieser grauen Eminenz nicht nur vorbeigegangen, ich hätte auch noch weggeschaut. So grau ist es.


Zu den erfreulicheren Farbgestaltungen - na gut. "Das Floß der Medusa" ist sehr braun, aber es handelt sich immerhin um einen Gemäldeausschnitt aus dem gleichnamigen Werk von Théodore Géricault, dem nicht nur das gleiche historische Ereignis zu Grunde liegt. Das Gemälde wird im Roman auch noch explizit genannt. Assoziationen zur Farbe Braun, die über die einfache Wortkette Schiff, Floß, Holz hinausgehen, bekommt man beim Lesen des Buches zwar auch, aber - lieber Leser bitte glaube mir - die eignen sich nur zum Verdrängen nicht zum Erläutern. 
"Die Kieferninseln" zeigen ein Muster, das an eine Welle in einem minimalistisch und von japanischen Endlos-Verzierungen inspirierten Stil erinnert. Wer mir diesen Assoziationen eine Suchmaschine füttert, stößt auch direkt auf dieses Motiv. So wundert es auch nicht, dass auch der Roman inhaltlich nach Japan führt.
Meinen persönlichen Geschmack treffen aber am ehesten die Cover der drei bisher ungenannten Bücher, die einem sehr ähnlichen Stil folgen. Als Kunst-Laie würde ich es als stark reduzierte Schwarz-auf-Weiß-mit-Primärfarbe-Darstellung charakterisieren. Es gibt dabei Nuancen, die "Die Hauptstadt" - wenig Gelb, erkennbare, aber stark reduzierte Bauten - zu der mir bei freier Auswahl in der Auslage einer Buchhandlung wohl am wenigsten ins Auge fallenden Darstellung machen, während das dicke blaue "X" auf "Romeo oder Julia" schon meilenweit strahlt. Mein optischer Favorit ist aber "Außer sich" - nicht ganz so weiß, wie die anderen beiden, dafür aber ein Hauch verspielt durch die fliegenden Vögel. Außerdem muss man schon ein wenig genauer hinsehen, um unter dem großen Fleck rot-explodierenden Federviehs noch die beiden spiegelbildlich angeordneten Köpfe wahrzunehmen.

Das war er also - ein langer Beitrag über das Drumherum und die Cover der nominierten Bücher, einfach weil ich den Zahlenkram und vor allem die Bebilderung liebe. Jetzt fehlen noch die Autoren, der Inhalt und natürlich mein persönliches Ranking der Buchpreis-Shortlist. Ersteres folgt morgen.

Eure
Sabrina

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