Montag, 2. Oktober 2017

Das Comeback

...hoffentlich

Wie vielleicht einige festgestellt haben, lag dieser Blog jetzt ungefähr anderthalb Jahre brach und ich war auch ansonsten online nicht mehr aktiv. Dabei plane ich schon seit geraumer Zeit die Wiederbelebung oder besser gesagt, ich habe nie wirklich geplant ihn überhaupt stillzulegen. 

Die Gründe dafür, dass es soweit kam, sind vielfältig und gleichzeitig doch auf eine gemeinsame Ursache zurückzuführen. Da ich nicht weiß, wie ich es vornehmer formulieren könnte, mit den Jahren auch festgestellt habe, dass Rumdrucksen oder "der sanfte Weg" nicht funktionieren, und ich mich gleichzeitig für den offensiven Umgang statt für das Verheimlichen entschieden habe, kommt hier ganz offen und direkt die Wahrheit: Depressionen sind scheiße...

...und trotzdem konnte ich es nicht vermeiden, mir schon vor Jahren diese für Außenstehende schwer zu verstehende Krankheit "zuzulegen". Es hat während meines Studiums angefangen und wurden das erste Mal kurz vor dem geplanten Antritt der Masterarbeit so unerträglich, dass mich diese Krankheit vom Abschluss meines Studiums abgehalten hat. Zweimal. Für einen leistungsorientierten Menschen wie mich, der nichts besser kann, als sich selbst unter Druck zu setzen, war es am Anfang nur schwer zu akzeptieren, dass diese andauerende Traurigkeit, Antriebs- und Freudlosigkeit, die ständige Heulerei, die Grübeleien, das Gefühl von Überforderung, Unsicherheit und Stress beim augenscheinlichen Nichtstun, die Versagensängste und Vermeidungsstrategien und letztendlich auch die starke Gewichtszunahme mehr waren als nur eine Phase von schlechter Laune. 

Nebenbei an dieser Stelle: Depressionen und Frustfressen sind wirklich eine unfassbar dumme Kombination von dessen Anschaffung ich jedem dringendst abraten muss. 
Was mich mittlerweile dazu bewegt, ganz offen über das Thema zu sprechen und auch zu schreiben, sind die Schwierigkeiten vieler Betroffener (und ich habe in meiner Therapiezeit einige kennengelernt) sich Nicht-Erkrankten verständlich zu machen. Das ist genaugenommen nur nachvollziehbar und sicher kein Vorwurf an die Nahestehenden, die versuchen mit Tipps wie "Reiß dich einfach zusammen", "Mach doch einfach" oder "Wenn du wieder abnimmst und nicht mehr so scheiße aussiehst, gehst du bestimmt wieder lieber vor die Tür, dafür brauchst du doch keine Therapie" letztendlich nur zu helfen. 

Was sollen sie auch anderes sagen, wenn sie nur die offensichtlichen Verhaltungsänderungen sehen und sich Depressive oft auch noch stark zurückziehen und einigeln? Es fehlt Umstehenden oft einfach der Kontext, der unsichtbare Teil der Depressionen, eben all das, was im eigenen Kopf eingesperrt ist, diese oft irrationalen Gedankengänge, die von banalen Alltagshandlungen in einer ständigen Abwärtsspirale zum persönlichen Weltuntergang führen, über die man in der Regel genau deswegen auch nicht spricht, weil man selbst nicht versteht, wie man so unsicher, handlungsunfähig und nichtsnütz sein kann. 

Das Problem ist, dass die Unterstützung von nahestehenden Menschen wichtig ist, denn die Abgrenzung macht es nur noch schlimmer, das Gefühl für faul gehalten zu werden oder für "komisch", oder auch einfach nur die Herausforderung sich allein durch die langwierige und frustrierende Suche nach ärztlicher und therapeutischer Behandlung zu machen, sind zusätzlich belastend - mehr Ab- als Zusagen und Wartezeiten im Bereich eines halben Jahres muss jeder erstmal verdauen. Deswegen finde ich es heute - mehr oder weniger rückblickend auf die stärkeren Episoden meiner Depression - wichtig, dass Depressionen öffentlich ihr Stigma verlieren, was wohl nur funktionieren wird, wenn als halbwegs normal wahrgenommene Mitmenschen - zu denen ich hoffentlich zähle - auch offen über diese Erkrankung reden können ohne zu fürchten als Voll-Psycho abgestempelt zu werden.

Hier ist auch wieder ein kleines "Nebenbei" angebracht: Depressionen lassen sich mittlerweile auf biochemischer Ebene ganz gut verstehen, was zu einer enormen Weiterentwicklung der verfügbaren Medikamente geführt hat. Das ist allerdings in der öffentlichen Wahrnehmung meiner Meinung nach bisher auch nur unzureichend angekommen, was unnötigerweise dazu führt, dass Erkrankten von Laien Ängste vor starken Stimmungsaufhellern oder persönlichkeitsverändernden Tranquilizern mit astronomischen Nebenwirkungen eingeredet werden. So schlimm ist es aber bei weitem nicht, vor allem nicht im Vergleich der "Nebenwirkungen" der Depression selbst - ich zumindest wünschte heute, ich hätte mich leichter von einem Arzt zu Pillen überreden lasssen, denn letztendlich hatte der Recht: Wer nicht schläft und dank innerlicher Daueranspannung die Konzentrationsfähigkeit einer Fliege hat, kann nur schwer an anderen therapeutischen Maßnahmen teilnehmen.

So und nun Schluss mit dem unerfreulichen Krankheits-Talk. Im letzten Jahr habe ich mein Studium endlich abgeschlossen, Master of Science ist somit abgehakt, hab ich jetzt. Das hat zwar nicht verhindert, dass die Depressionen hin und wieder noch aus ihrer dunklen Ecke kriechen und mich von Dingen abhalten, die mir Freude machen, aber dazu dient heute auch dieser Post. Hobbys sind wichtig und ich möchte endlich wieder bloggen, mehr lesen, gestalten und mich mit anderen austauschen. Weil ich dazu neige, mich unter Druck zu setzen, in Stress und Perfektionismus auzuarten, plane ich erstmal nichts festes ein und werde mich auch dem Social-Media-Wahnsinn nicht allzu sehr widmen. Ich möchte einfach wieder regelmäßig Content, idealerweise in Form von Rezensionen, absondern, der das Internet ebenfalls idealerweise mit einem kleinen bisschen Mehrwert bereichert - oder zur Not eben auch mal mit völligem Nonsens-aber-Spaß vollmüllt. Es läuft halt nicht immer alles "idealerweise"-mäßig.


Natürlich muss auch mein Mitbewohner und unkooperativ-bis-bockiges Fotomotiv wieder an der Verbreitung meiner geistigen Ergüsse mitarbeiten - immerhin bezahle ich sein Futter und mache sein Klo sauber. Seit zwölfeinhalb Jahren. 
Kater Snow ist immer noch weiß, extrem fauschig und taub, stur, faul und betreibt seine größten Hobbys - schlafen, fressen, im Weg rumsitzen, -stehen, -liegen, -rollen, Nase in alles stecken und Dinge, die ihm größtenteils nicht gehören, runter- oder durch die Gegend schubsen - mit beachtenswerter Ausdauer.

Jetzt ist der Post länger geworden, als beabsichtigt, aber was solls - einmal in anderthalb Jahren. Ich freue mich jetzt darauf wieder "anständig" zu bloggen und natürlich auch auf die Kommunikation mit euch Lesern. 

Eure
Sabrina

PS: Ihr seht, ich habe versucht mit Snow Fotos zu machen. Allerdings bin ich keine Selfie-Expertin und Snow ist zwar fotogen wie nichts, aber nicht dann, wenn ich das möchte. Er ist und bleibt eher das Spontan-Model. 

PSS: Übrigens, dass ich keinen Plan habe, war gelogen. Die Leistungsdruck-Perfektionismus-Tante in mir hat zwar gelernt, aber ich bin und bleibe ein kleiner Kontrollfreak. Planlosigkeit nervt mich, ch kann nicht ohne Pläne leben. Ich erzähle nur nichts von den Plänen, dann bleibe ich auch viel entspannter, wenn sie scheitern.



Kommentare:

  1. Welcome back Sabrina :-)

    Das Depressionen oder andere seelische Erkrankungen schwer nachzuvollziehen sind weiß ich. Daher ist es umso schöner, das du den Weg heraus und auch wieder hier her gefunden hast. Ich hoffe für dich, das sich die dunklen Gedanken nach und nach verabschieden und du fröhlicher in die Zukunft blickst.
    Es ist sehr stark von dir ein Thema, das viele vielleicht nicht verstehen so zu kommunizieren. Hut ab dafür.

    Ich freu mich auf weitere Beiträge von dir und wünsche dir einen wunderbaren Tag.

    Liebe Grüße
    Steffi von Happy Booktime

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    1. Danke liebe Steffi,

      ich freue mich auch wieder da zu sein ;)

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  2. Hey,

    wie schön dass du wieder da bist! Du wurdest schmerzlich vermisst und die Mietz auch .
    Erst einmal herzlichen Glückwunsch zum abgeschlossenen Studium. Eine Lasr weniger.

    Und mit deinem sehr persönlichen Post sprichst du vielen aus der Seele. Diese Krankheit ist wirklich einen miese Bitch! Ich bin froh, dass es dir besser geht und, dass wir jetzt endlich wieder was von dir lesen können.

    Liebe Grüße

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    1. Schmerzlich vermisst? Dann freue ich mich ja doppelt, dass ich mich entschlossen habe, den Neustart anzugehen ;-)

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  3. Liebe Sabrina,

    deine offenen Worte haben mich sehr berührt. Ich fühle mich sogar als Nicht-Depression-Betroffene ein stückweit an der Hand genommen und kann deine Gedanken gut nachvollziehen, vor allem, weil du so offen über die Symptome sprichst. Du bist ein toller Mensch! Und ich liebe deinen Humor, der sogar durch die schwierigen Zeilen blitzt. Jetzt freue ich mich auf neue Texte von dir, auf Rezensionen und ggf. Austausch (und auf Snow!). Zufälligerweise war ich erst vor drei Tagen hier zu Besuch und habe mich gefragt wie es dir geht und ob du irgendwann "zurückkommst".
    Übrigens, die Leistungsdruck-Perfektionismus-Tante wohnt auch in mir. Da fühle ich mich dir sehr verbunden. Ein Plan und eine Übersicht liegen immer im Hinterkopf, auch wenn ich mich von vielen Listen lösen konnte. Das bringt für mich einfach auch eine gewisse Regelmäßigkeit, einen "Antrieb" mit sich. Aber reden wir besser nicht darüber ;-)

    Grüße dich ganz lieb,
    Damaris

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    1. Und da bin ich wieder ;) Gibt halt manchmal Zufälle.

      Ich habe natürlich eine Weile drüber nachgedacht, was ich schreibe, wie viel vor allem, aber ich fühle mich mit dem, was daraus geworden ist, wohl. Schön, dass es auch richtig ankommt.

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