Montag, 14. April 2014

Rezension zu "Heimflug" von Brittani Sonnenberg



Das Schicksal einer Familie ohne Heimat

‟Heimflug“ von Brittani Sonnenberg ist ein Roman, der sich mit dem Schicksal einer Familie befasst.

Chris und Elise sind Amerikaner, doch Chris macht Karriere in einem internationalen Unternehmen und muss daher häufig umziehen. Elise, seine Ehefrau, folgt ihm – erst allein, später mit den beiden Töchtern Leah und Sophie – von London über Deutschland nach Shanghai und Singapur, mit einigen Jahren und Sommern in den USA dazwischen. Die Familie schwangt zwischen Heim- und Fernweh und muss neben ihrer Heimatlosigkeit einen schweren Schicksalsschlag verarbeiten...

Ähnlich abwechslungsreich wie die Wohnorte der Familie ist von Anfang an die Perspektivwahl im Buch. Nicht nur die vier Mitglieder der Familie, sondern zusätzlich auch mal Angehörige erzählen – mehrheitlich chronologisch, aber mit einigen Sprüngen - vom Leben der Kriegsteins über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten. Auch ein Haus, Elises Elternhaus, darf einmal zu Wort kommen und ein anderes. Mal wechselt der Erzählstil plötzlich in einen reinen Dialog. Die unterschiedlichen Sichtweisen machen diesen Roman zu einem sehr vielseitigen Leseerlebnis und sorgen außerdem dafür, dass man jede der Figuren immer wieder neu wahrnimmt, ihre Eigenschaften durch sie selbst, aber auch durch äußere Beurteilung kennenlernt.


Den Charakteren der Geschichte kommt dies nur zu Gute. Diese tragen ohne Zweifel den Roman und beleben ihn durch ihren Umgang mit der ständig wechselnden Umgebung – die einzelnen, räumlich, Stationen ihres Lebens bilden eher die Kulisse. ‟Heimflug“ ist kein Reiseführer für fremde Städte. Die Familie wird zur Konstanten, zu Sicherheit in einem Leben, das von ständigen Umzügen und wechselnden Bekanntschaften geprägt ist. Das macht es umso ergreifender zu erleben, wie ein Teil dieser kleinen Gemeinschaft plötzlich wegbricht und die anderen vor das Problem stellt, sich neu zusammenzufinden oder einander endgültig zu verlieren.

Die einzelnen Figuren könnten unterschiedlicher nicht sein. Der ehrgeizige Chris, die freiheitsliebende Elise, die stille Leah und die quirlige Sophie erleben die Zeit auf Achse, in der sie höchstens für ein paar Jahre an einem Ort bleiben, gemeinsam und doch jeder unterschiedlich – auch im Umgang mit dem Tod und der Trauer, der in diesem Roman eine große Rolle spielt, unterschieden sie sich. Jeder für sich ist ein interessanter Charakter mit vielen Hintergründen, die dem Leser nahe gehen, Geheimnissen, die sie nicht mit anderen teilen, und kleinen Eigenarten, die sie einzeln als Persönlichkeiten herausstellen – und dennoch ist es trotz der Lebensabschnitte auf der ganzen Welt eine erfrischend gewöhnliche Familie.

Die Handlung hat einen gewissen Spannungsbogen, der besonders durch die kleinen Unterbrechungen der chronologischen Erzählweise immer wieder geschürt wird, doch, auch wenn das Gesamtbild eines fesselnden, emotional bewegenden und gut erzählten Romans über ein Familienschicksal größtenteils stimmig und überzeugend ist, bleiben einige Längen nicht aus. Zwischendurch hätte ich mir trotz der schönen Sprache, die ausdrucksstarke Bilder erschaffen kann, eine etwas fokussierte Erzählung gewünscht.

Fazit: ‟Heimflug“ ist ein guter Roman über das Schicksal einer Familie, die berufsbedingt die Welt bereist und nirgends lange bleibt. Kleine Längen sind bei einem guten sprachlichen Stil, abwechslungsreichen Charakteren und einer ans Herz gehenden Handlung beinahe zu verzeihen. Ich vergebe gute 4 Sterne.




Allgemeine Informationen
Ausgabe: Gebunden, mit Schutzumschlag
Erschienen: 01. April 2014
Seiten: 336
Verlag: Arche
ISBN: 978-3-7160-2709-7
Preis: € [D] 19.95

Leseprobe und weitere Informationen auf der Verlagshomepage




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