Montag, 17. Dezember 2012

Rezension zu "Serafina - Das Königreich der Drachen" von Rachel Hartman


 Historisch angehauchte Drachen-High-Fantasy

"Serafina - Das Königreich der Drachen" ist der erste Band einer historisch angehauchten High-Fantasy-Trilogie von Rachel Hartman. Nach deutlichen Startschwierigkeiten konnte es mich auch nach spürbarer Steigerung nicht mehr richtig überzeugen.

Inhalt: Serafina lebt am Hof der Königin und unterrichtet Musik. Durch den gewaltsamen Tod des Thronfolgers, bei dem die Spuren auf einen Drachen als Täter hindeuten, ist der hart erkämpfte Frieden zwischen den Menschen und den Drachen, die sich in ihren menschlichen Gestalten ebenfalls am Hof aufhalten, plötzlich wieder gefährdet. Serafina, die eine engere Verbindung zu der Welt der Drachen hat, als sie zugeben darf, stößt auf wertvolle Hinweise und unterstützt Lucien, den Hauptmann der Garde und Verlobten der Prinzessin, bei den Ermittlungen, wodurch sie allerdings Gefahr läuft, dass ihr eigenes Geheimnis entdeckt wird...

"Serafina" ist meiner Meinung nach eher ein schwacher Auftakt für eine Fantasy-Reihe mit einer an sich ganz spannenden Hintergrundidee. Leider ist es gerade am Anfang oft zu verwirrend, da der Leser recht unzusammenhängend in die völlig fremde Welt eingeführt, nahezu mit Informationen jeglicher Art überschüttet, wird, von denen letztendlich viele nicht besonders relevant waren, sondern den Roman einfach nur unnötig langatmig gestalten. Besonders die Rollen etwaiger Heiliger konnten sich mir zum Beispiel bis zum Ende nicht erschließen, auch wenn sie ständig und ausführlich Erwähnung finden.

Serafina selbst könnte ein spannender Charakter sein, gerade ihr Innenleben blieb mir aber fremd. Leider hinterlässt sie in der Geschichte auch als Persönlichkeit, abgesehen von ihrem großen Geheimnis und ihrer Begabung, bei der ein recht befremdlich wirkendes Konstrukt in ihrem Kopf eine große Rolle spielen wird, auf mich keinen bleibenden Eindruck. Sie benimmt sich oft unpassend emotional und auf vorhersehbare Weise konstruiert unlogisch, wodurch die Handlung teilweise in umständliche Umwege gelenkt wird, was mich schlicht genervt hat. Was sich in der Ich-Erzählerin abspielt ist größtenteils zwar interessant, als Charakter bleibt sie aber blass und konnte mich dadurch nicht überzeugen.

Mein größtes Problem neben der eher schleppenden Entwicklung der Handlung und der nicht ganz stimmigen Ich-Erzählerin war der Schreibstil, der für meinen Geschmack zu stark schwankte, als dass sich für mich eine angenehme Leseatmosphäre hätte aufbauen können. Teilweise wird die Sprache von einer mittelalterlich anmutenden Steifheit dominiert, die an sich sehr gut zum ebenfalls mittelalterlichen Setting des Königreich passen würde, aber es gibt auch starke Schwankungen in Richtung einer sehr lockeren, alltäglichen Sprache, was für mich einen zu starken Bruch darstellt und mich oft aus der Kopfkino-Situation riss und den Lesefluss behinderte.

Neben aller Kritik hat "Serafina" allerdings auch einige sehr gelungene Elemente, die sich insbesondere am Ende auch in einer sehr spannenden Handlung und einem überzeugenden Finale zeigten. Zudem begeisterte mich eine (vorhersehbare) Liebesgeschichte und der Aufbau von Intrigen, Geheimnissen und Vorurteilen im Königreich. Drachen in Menschengestalt und die Menschen selbst leben misstrauisch nebeneinander und verstehen sich aufgrund des Logik basierten Denkens der Drachen auf der einen und der emotionalen Ader der Menschen auf der anderen Seite nicht. Die Differenzen setzt die Autorin besonders gelungen in einigen Nebencharakteren um, die der Geschichte deutlich mehr Highlights verschaffen, als die Ich-Erzählerin es könnte.

Fazit: Mittelmäßiger Auftakt, der allerdings eine Steigerung im zweiten Band verspricht. Insbesondere der Anfang hat Längen und leider überzeugen weder Ich-Erzählerin noch der uneinheitlich wirkende Schreibstil richtig. 3 Sterne



Die Serafina-Trilogie (mit Links zu Amazon):
  1. "Das Königreich der Drachen" (Nov. 2012, engl. Originaltitel: "Seraphina")
  2. noch nicht bekannt (engl. Originaltitel: "Dracomachia", wahrscheinlich Juli 2013)
  3. noch nicht bekannt
Allgemeine Informationen

Ausgabe: Gebunden, 1. Auflage
Seiten: 512
Verlag: cbj
ISBN: 978-3570152690
Altersempfehlung: Ab 12 Jahren
Preis: € [D] 17.99

Leseprobe und weitere Informationen auf der Verlagsseite zum Buch

Kommentare:

  1. Huhu Sarah,

    uh da war ich ja sehr gespannt auf deine Meinung dazu, mir hat das Buch entgegen vieler und auch teilweise deiner Ansichten sehr gut gefallen, es ist ein Jugendbuch und dafür finde ich es ziemlich gelungen :>

    Meiner Meinung nach, ist eine Ich-Erzählform immer sehr schwierig würde mich daher selbst nie daran wagen ^^

    Danke für deine Rezension :>

    LG
    Romi

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    1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    2. Wenn es kein Jugenbuch wäre, hätte ich den Schreibstil wahrscheinlich noch deutlich stärker gewertet. So stört mich da jetzt "nur" eine gewisse Uneinheitlichkeit (aber das schon deutlich) und ich finde, dass muss auch in einem Jugendbuch nicht sein.
      Ansonsten ist es hauptsächlich die schwerfällige erste Hälfte, die mir einfach nicht zusagt.

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  2. Ich warte mal deine Rezi zu Teil zwei ab - wenn die besser ist, überlege ich es mir, mir die Reihe in der Bibliothek auszuleihen.

    Wobei ich ansonsten kaum Jugendbücher lese, da muss das Buch schon sehr gut sein, um mich zum Lesen zu bringen *g*.

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    1. Ich glaube nicht, dass ich dir das Buch dann guten Gewissens empfehlen könnte. Besonders sprachlich ist es schon durch und durch Jugendbuch. Aber vielleicht legt die Autorin da ja noch ein bisschen was drauf im zweiten Teil. Möglich ist ja alles...

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    2. Stimmt, das ist es immer... Bei manchen Büchern stört es nicht - bei anderen gewaltig. Kennst du "Schneewanderer" von Catherine Fischer? Zwar ein Jugendbuch, aber eine der schönsten Geschichten, die ich je gelesen habe... ich war noch wochenlang gefangen in dieser geschaffenen Welt, so schön war sie...

      (Und fast vergessen: Du wurdest getaggt, ich wäre happy, wenn du Zeit finden würdest, auf die Fragen zu antworten :) http://weltenschmiede.wordpress.com/2012/12/19/wir-wurden-als-team-von-lebe-lieber-literarisch-getaggt/ )

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  3. Zu dem Buch habe ich gerade erst auch eine Rezi geschrieben und stimme dir in allen Punkten zu (deine ist nur schöner geschrieben). Nachdem ich bessere Bewertungen gelesen habe, habe ich mir schon gedanken gemacht, ob mit mir was nicht stimmt^^ Umso schöner zu sehen dass ich nicht ganz alleine mit der Meinung bin.

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  4. Die Geschichte ist zwar sehr schön und auch unterhaltsam geschrieben, doch plätschert die Handlung vor sich hin und wird streckenweise langweilig. Wirklich spannend wird es nicht, denn der Autorin ist es nicht gelungen den Leser wirklich zu fesseln. Es bleibt nut zu hoffen, dass es im nächsten Teil spannender wird.

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