Freitag, 5. Oktober 2012

Rezension zu "Göttlich verloren" von Josephine Angelini


Mehr Action, weniger Kitsch

"Göttlich verloren" ist der zweite Band einer Trilogie von Josephine Angelini aus dem Bereich Contemporary/Romantic Fantasy. Nachdem mich der erste Band, "Göttlich verdammt", wenig überzeugen konnte, habe ich lange überlegt, ob ich den zweiten Band überhaupt lesen sollte. Letztendlich überwiegte die Neugier und ich wurde überrascht: "Göttlich verloren" gefällt mir deutlich besser als Band Eins. 

Zum Inhalt: Während Helens Mutter Daphne zusammen mit Hector untergetaucht ist, hat Helen selbst es sich zur Aufgabe gemacht, die Scions von den Furien und damit von ihrer Blutrache zu befreien. Dazu begibt sie sich jeden Abend in die Unterwelt, die sie auf der Suche nach den Furien durchwandert. Dort trifft sie eines Tages auf Orion, einen anderen Scion, der ihr seine Hilfe anbietet. Tagsüber verbringt Helen immer noch viel Zeit mit der Familie Delos, auch wenn das bedeutet, dass sie Lucas, ihren vermeintlichen Cousin, jeden Tag sehen muss, ohne mit ihm zusammen sein zu können. Doch auch ihre Bekanntschaft zu Orion birgt Gefahren, denn bei der Vereinigung der vier Häuser der Scions droht immer noch ein gewaltiger Krieg gegen die Götter...

Ich denke, der Hauptgrund, warum mit "Göttlich verloren" deutlich besser gefallen hat als "Göttlich verdammt", ist, dass sich der Schwerpunkt der Geschichte verschoben hat und in diesem zweiten Band nicht mehr die romantischen Aspekte im Vordergrund stehen, sondern die Fantasy. Die Liebesgeschichte, die ich im ersten Band deutlich zu kitschig fand, wurde ja bereits dort dadurch beendet, dass Helen und Lucas sich dank einer Lüge von Helens Mutter Daphne für Cousin und Cousine halten. Natürlich wartete ich in "Göttlich verloren" darauf, dass irgendein Protagonist Daphnes Lüge aufdecken würde - immerhin wäre das keine Kunst, sondern einfache Mathematik - aber solange sich die Vorstellung einer engen Verwandtschaft hält, entfallen zum Glück auch die unnatürlichen, gestelzten Dialoge zwischen den beiden, die mich im ersten Teil häufig mit den Augen rollen ließen. Ob sich in diesem Roman aber dennoch jemand findet, der frührer oder später dazu in der Lage ist die Nobelpreis-würdige Meisterleistung zu vollbringen, einen Unterschied zwischen den 19 Jahren, die Ajax, Helens angeblicher Vater und Lucas' Onkel, tot ist, und den 17 Jahren, die Helen alt ist, festzustellen und damit dieses etwas ärgerliche, weil nicht besonders überzeugende, Konstrukt der verbotenen Liebe aufzulösen, muss der zukünftige Leser schon selbst herausfinden.

Durch den Wegfall der Liebesgeschichte entstand jedenfalls viel Raum für eine andere, spannendere Handlung. Helens Wanderungen durch die Unterwelt waren für mich die Stärke dieses zweiten Bandes. Sie sind nicht nur spannend, düster und teilweise richtig gruselig, sondern - erstaunlicherweise - auch sehr eindringlich, detailreich und überzeugend beschrieben. Warum ich das erstaunlich finde? Weil ich "Göttlich verdammt" sprachlich alles andere als gelungen fand. Insgesamt ist der Schreibstil zwar an einigen Stellen immer noch nicht ganz das, was ich von einem wirklich guten Roman erwarte, aber er hat sich merklich verbessert - vielleicht mal wieder ein Indiz dafür, dass sich viele Autoren nach ihrem Debütromanen noch deutlich weiterentwickeln können. Ein Schwachpunkt im Stil der "Göttlich"-Reihe bleibt für mich dagegen nach wie vor der Aufbau. Im ersten Band erschien mir der Handlungsverlauf häufig schon recht unzusammenhängend - ein Ereignis folgte auf das nächste, ohne, dass stimmige Übergänge zu erkennen waren - und auch in "Göttlich verloren" hatte ich des Öfteren diesen irritierenden Eindruck. Zusammen mit den nicht immer gelungenen Perspektivwechseln störten mich besonders diese nicht vorhandenen Verbindungsstücke im Lesefluss.

Die Handlung selbst dagegen ist in diesem Band noch einmal deutlich stärker von der griechischen Mythologie geprägt, die gut erläutert und nachvollziehbar ist. Besonders die Passagen, in denen sich Helen mit Orion in der Unterwelt aufhält sind sehr abwechslungsreich gestaltet. Durch Orion kommt zudem ein interessanter neuer Charakter in die Geschichte, der auch Ansätze einer neuen Liebesgeschichte und damit natürlich auch einer Dreiecksgeschichte hervorruft. Orion war neben Helen allerdings auch einer der wenigen Charaktere, die sich die meiste Zeit über glaubwürdig verhalten. Einige andere, insbesondere Helens Freunde und Mitglieder der Familie Delos, allen voran Lucas, verhalten sich oft irrational sprunghaft und machen Helen aus heiterem Himmel Vorwürfe, in unpassenden Momenten aus nicht nachvollziehbaren Gründen. Das ist ein weiterer Punkt, der dazu beitrug, dass "Göttlich verloren" mich trotz eines gelungenen neuen Charakters (Orion) und eines spannenden, stimmigen Handlungsverlaufs nicht hundertprozentig überzeugen konnte.

Fazit: Weniger Kitsch, mehr Spannung und sprachlich besser. Im Vergleich zum ersten Band der Trilogie ist "Göttlich verloren" deutlich besser gelungen. Durch einen etwas holprigen Handlungsverlauf und manchmal nicht nachzuvollziehende Verhaltensweisen einiger Charaktere, konnte es mich allerdings nicht vollständig überzeugen. Knappe 4 Sterne.


 Die Göttlich-Trilogie (mit Links zu Amazon.de)

  1. "Göttlich verdammt" (Mai 2011, engl. Originaltitel: "Starcrossed") - meine Rezension
  2. "Göttlich verloren" (Mai 2012, engl. Originaltitel: "Dreamless")
  3. "Göttlich verliebt" (März 2013, engl. Originaltitel: "Goddess")


Allgemeine Informationen

Ausgabe: Gebunden
Seiten: 512
Verlag: Dressler
ISBN: 978-3791526263
Preis: € [D] 19.95

Weitere Informationen auf der Verlagshomepage
Leseprobe auf der Homepage zur Trilogie

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