Mittwoch, 25. Juli 2012

Rezension zu "Schlehenherz" von Heike Eva Schmidt


Solider Jugendthriller mit aktueller Thematik

"Schlehenherz" von Heike Eva Schmidt ist ein solider Jugendthriller, der die aktuelle Theamtik der Gefahren des Internets behandelt.

Inhalt: Vio und Lila sind die besten Freundinnen, doch kurz vor einer Schulparty kommt es zum Streit. Als Vio danach spurlos verschwunden ist, beginnt Lila sich Vorwürfe zu machen, weil sie ausgerechnet an diesem Abend nicht mit der Freundin nach Hause gegangen ist. Als Vio dann ermordert aufgefunden wird, vergraben unter einem Schlehenbaum im Moor, werden Lilas schlimmste Befürchtungen war. Sie versucht herauszufinden, wer ihre Freundin das angetan hat. Hat Vio ihren Mörder vielleicht in der Anonymität des Internets kennengelernt? Bei SchülerVZ, wo sie viel unterwegs war? Lila forscht nach und gerät dabei selbst ins Visier des Mörders...

Mit den Gefahren des anonymen Internets hat sich "Schlehenherz" ein Thema gewählt, für das viele Jugendliche in der heutigen Zeit wahrscheinlich noch nicht ausreichend sensibilisiert sind. Anhand der lebenfrohen, jungen Vio zeigt die Autorin auf, was im Extremfall geschehen kann, wenn man Daten zu leichtfertig weitergibt und beim Treffen mit Internetbekanntschaften nicht mit Bedacht vorgeht. Ihre Protagonistin bezahlt ihre Naivität mit dem Leben und lässt ihre Familie und auch ihre beste Freundin Lila geschockt zurück.


Spannend war "Schlehenherz" sicherlich, allerdings fand ich den Handlungsverlauf doch ein wenig vorhersehbar und einfach. Kleine falsche Fährten sind dabei, aber nichts Aufwendiges, nichts, von dem ich im Nachhinein sagen würde, dass hier besonders viel Mühe investiert wurde, um mich als Leser ins Zweifeln zu bringen. Stattdessen verläuft der Thriller ohne große Wendungen und das Ende ist nicht überraschend. Trotzdem gibt es zwischendurch immer wieder spannende und auch gefühlvolle Passagen, die ein wenig vom recht gradlinigen Verlauf der Handlung ablenken.

Die Charaktere fand ich ganz gelungen. Die Ich-Erzählerin Lila war für meinen Geschmack ein wenig sehr naiv für ihr Alter, gerade vor dem Hintergrund, dass ihre Freundin erst vor kurzem in der Einsamkeit unter einem Schlehenbaum ermordet wurde. Die Handlung des Romans beruht daher - mal wieder - vor allem auf einer sehr gutgläubigen Hauptprotagonistin und ihrer Skepsis der Polizei gegenüber, die mir in diesem Roman sogar besonders abwegig und irrational erschien. Daher würde ich "Schlehenherz" eher jüngeren Leserinnen empfehlen, denn mich hat diese Naivität gestört. Immerhin soll Lila gar nicht auf den Kopf gefallen, sondern ein recht intelligentes Mädchen sein, sodass es mir nicht ganz schlüssig erschien, warum sie teilweise denkt und handelt, als sei sie hinterm Mond aufgewachsen und dabei auch noch höchstens fünf Jahre alt.
Einige Nebencharaktere dagegen waren überzeugender als Lila. Sie findet eine neue Freundin und sogar die Liebe in Personen, von denen sie das nicht erwartet hätte.

Der Schreibstil der Autorin ist gut. Die Perspektiven wechseln von Lila als Ich-Erzählerin zu verschiedenen anderen Protagonisten, deren Abschnitte in der dritten Person erzählt werden, darunter zum Beispiel der Täter und die ermittelnde Polizistin. Zwar machen verschiedenen Perspektiven den ansonsten eher eindimensionalen Roman ein wenig vielschichtiger, aber nicht alle konnten mich überzeugen - mindestens eine Perspektive fand ich sogar überflüssig. Dagegen waren die Emails, die Lila an ihre verstorbene Freundin schreibt, sehr lesenswert.

Fazit: Ein guter, kein überragender Jugendthriller mit wichtiger Thematik. Die Handlung war zwar spannend, aber auch etwas einfach, die Ich-Erzählerin war mir persönlich für ihr Alter zu naiv. In Anbetracht der Tatsache, dass es sich um ein Jugendbuch handelt, vergeben ich 4 Sterne und empfehle ihn gerade für junge Leserinnen bis 15, 16 Jahren gerne. Mir hat es mit Mitte 20 zwar insgesamt immer noch gefallen, aber richtig begeistern konnte es mich nicht.


Allgemeine Informationen

Ausgabe: Broschiert, Januar 2012
 Seiten: 238
Verlag : Ueberreuter
ISBN: 978-3800056705
Preis: € [D]12.95

Leseprobe und weitere Informationen auf der Verlagshomepage
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