Donnerstag, 8. März 2012

Rezension zu "Septemberblut" von Rebekka Pax


Blutige Vampirgeschichte

"Septemberblut" ist der erste Teil einer Reihe von Rebekka Pax. Es geht darin um den Vampir und Ich-Erzähler Julius Lawhead, seinen Clan in Los Angeles und seine Liebe zur menschlichen Amber und hat mir gut gefallen.

Zum Inhalt: Der über 200 Jahre alte Vampir Julius lebt mit seinem Clan in Los Angeles. Als der Vampirjäger Frederik stirbt, bekommt Julius von seinem Meister und Clanoberhaupt Curtis den Auftrag das mächtige und für Vampire gefährliche Messer zu finden, das Frederik besaß und an einen Erben weitergegeben haben muss. Die Erbin ist schnell gefunden: Frederiks Schwester Amber hat das Messer. Julius verfolgt sie und verliebt sich in sie. Doch die beiden und Julius' Clan sind in Gefahr, denn ein verfeindeter Clan und dessen Oberhaupt Gordon wollen das Messer ebenfalls und könnten dadurch zur Gefahr für ganz LA werden. Gordon schreckt vor nichts zurück, auch nicht vor den Toten...

Die Idee des Romans hat mir gut gefallen. Die Vampire leben in strenger Hierachie, die aus Clanoberhaupt, Meistern und Eidgebundenen besteht. Auch Menschen gehören zu den Vampirclans, denn Vampire können sie als Diener an sich binden, wenn sie ihnen durch das gegenseitige Trinken von Blut fünf Siegel geben. Die menschlichen Diener sind Freunde oder Geliebte der Vampire und beschützen sie, wenn sie tagsüber wie tot in ihren Särgen ruhen. Gut durchdacht finde ich auch, wie sich die Vampire in der Welt der Menschen geheimhalten. Sie haben sich einen Codex auferlegt, nach dem das Töten von Menschen verboten ist. Sie trinken nur soviel Blut, wie sie brauchen. Bei Verstößen erlässt der Vampirrat von Los Angeles Todesurteile gegen die mordenden Vampire, die vom Jäger ausgeführt werden. In LA ist Julius dieser Jäger.

Dieser Roman liefert also eine, wie ich finde, recht erfrischende Mischung aus Eigenschaften "echter" Vampire, die Blut trinken, in Särgen schlafen und oft sehr altertümliche Ansichten haben, und ihren menschlichen Seiten. Sie wirken menschlich, können verletzt werden, haben Gefühle und keine allzu extremen übermenschlichen Fähigkeiten. Die Welt dieser Vampire ist blutig, brutal und grausam, wenn es zu Auseinandersetzungen kommt, und die Autorin schildert die Details der Gewalttaten sehr ausführlich und anschaulich. Mich stört das nicht, ganz im Gegenteil, ich finde es für die Atmosphäre sogar hilfreich und gut. Aber zartbesaitete Leser müssen sich auf einiges einstellen und sollten sich daher vielleicht vorher überlegen, ob derart viel Blut für sie lesenswert ist.

Das Zusammenleben der Vampire ist allerdings durch Eide, Blutgaben oder Siegel auch sehr ritualisiert und das wiederholt sich oft. Für mich, die ich Rituale immer etwas eintönig und Küsschen hier, Knieen da etwas kitschig finde, war es vielleicht schon das ein oder andere Mal zu oft oder zumindest an der Grenze dazu. Es gehört zwar zu der Hierachie, der Magie und den strengen Regeln ein wenig dazu, aber etwas weniger hätte dem Roman meiner Meinung nach nicht geschadet.

Gerade der Ich-Erzähler Julius gefällt mir aber sehr gut. Er hat für sich die Einsamkeit gewählt, lebt getrennt von seinem Clan auf einem kleinen Friedhof und kämpft innerlich mit seiner Vergangenheit. Obwohl er alt und mächtig genug wäre selbst ein Meister zu sein, hat er dies trotz Curtis' Wunsch nie getan und hat auch nie einen menschlichen Diener an sich gebunden. Dadurch hat er eine sehr sensible Seite, die einen schönen Gegensatz zu seinem Job als kämpfenden und Todesurteile ausführenden Jäger bildet, bei dem er oft ein wenig kaltherzig und grausam wirkt, und dem Charakter ordentlich Tiefe gibt.

Amber dagegen ist eine moderne junge Frau, die beruflich noch viele Pläne hat und mit Julius obrigkeitshöriger Welt rein gar nichts anfangen kann. Trotzdem muss Julius den Auftrag seines Meisters durchführen und sie zu seiner Dienerin machen. Weil er sich aber gleichzeitig auch in sie verliebt, fällt es ihm schwer Amber in seine Welt zu zwingen, obwohl er sich nichts sehnlicher wünscht, als sie bei sich zu haben. Amber ist immer wieder abgestoßen von den Vampiren und ihren Regeln, fühlt sich aber ebenfalls zu Julius hingezogen und ist hin- und hergerissen.

In der Liebesgeschichte liegt für mich aber auch ein Kritikpunkt: Sie läuft so schnell an und die beiden verbindet einfach scheinbar gar nichts. Daher konnte ich ihre Beziehung nur schwer nachvollziehen. Ein bisschen mehr Zeit, bevor sich beide so bedingungslos in einander verlieben, hätte vielleicht nicht geschadet. Gefallen hat mir dagegen die Funktion des Messer, das bedrohlich zwischen den beiden steht, denn als Trägerin kontrolliert nicht nur Amber das Messer, sondern die Waffe versucht auch Einfluss auf sie zu nehmen und sie dazu zu treiben, Vampire zu töten.
Auch gut fand ich die Entwicklung von Julius' Charakter, der im Laufe der Geschichte, durch seine unkontrollierte Art manchmal unfreiwillig, immer mehr Verantwortung übernehmen und seine Einsamkeit aufgeben muss. Während er die meiste Zeit sehr steif an seinen Traditionen festhält und manchmal sogar kalt und verständnislos wirkt, zeigt er zum Schluss richtigen Einsatz für seine Liebe zu Amber, was ich sehr überzeugend fand.

Die Sprache ist flüssig und sehr gut zu lesen. Auch die Spannung in der Handlung ist gut und hat mich das Buch kaum zur Seiten legen lassen. Die Perspektiven wechseln, doch nur Julius tritt als Ich-Erzähler auf. Bei allen anderen (das ist meistens aber nicht ausschließlich Amber) wird in der dritten Person erzählt.
Das Cover finde ich ebenfalls ansprechend. Es ist matt, der Name der Autorin ist glänzend und geprägt hervorgehoben und der rote Hintergrund mit der dunklen Skyline stimmen auf die Atmosphäre des Romans ein.

Fazit: Bis auf ein paar Kleinigkeiten fand ich diese Vampirgeschichte wirklich gut. Schreibstil und Charaktere haben mir gefallen, auch wenn gerade die Vampire sehr traditionsbewusst und festgefahren denken und handeln. Nur die Liebesgeschichte lief mir zu schnell an und war nicht immer ganz glaubwürdig. Trotzdem ein gutes Buch, sehr spannend und blutig, ich freue mich auf die Fortsetzung. 4 Sterne 

Die Reihe (mit Links zu Amazon.de):
  1.  "Septemberblut" (Dez. 2010)
  2. "Flammenmond" (Feb. 2012)

Keine Kommentare:

Kommentar posten