Samstag, 3. März 2012

Rezension zu "Glennkill" von Leonie Swann


Schäfer tot, Schafe ermitteln

Die Idee hinter dem SchafsKrimi "Glennkill" von Leonie Swann fand ich sofort ziemlich witzig. Eine Herde Schafe ermittelt in einem Mordfall. Leider war dann die Umsetzung meiner Meinung nach nicht unproblematisch.

Zum Inhalt: Der Schäfer George wird auf seiner Schafsweide tot aufgefunden. Ein Spaten steckt in seinem Rücken. Die Schafe seiner Herde sind aufgeregt. Sie haben den Mord nicht bemerkt, wollen aber unbedingt herausfinden, wer ihren geliebten Schäfer ermordert hat. Da er ihnen regelmäßig aus Liebesromanen und Krimis vorlas, kennen sie sich ein wenig aus, und ermitteln auf eigene Faust. Wenn es doch nur nicht so viele Dinge bei den Menschen gäbe, die sie nicht verstehen können...

Neben der witzigen Idee besticht dieser Kirmi vor allem durch seine Charaktere, die Schafe. Jedes ist anders. Es gibt zum Beispiel Miss Maple, das intelligenteste Schaf der Herde, das sich am begierigsten auf die Ermittlungen stürzt und die manchmal sehr wirren Gedanken ihrer Mitschafe ordnet, oder Othello, das schwarze Schaf der Herde und als Widder mit vier Hörnern und ungeklärter Herkunft ein Geheimnis für die anderen. Mein persönlicher Favorit allerdings war Mopple the Whale, ein verfressener Widder, der zwar nicht der scharfsinnigste in der Herde ist, aber dafür mit einem einzigartigen Gedächtnis punkten kann. Ganz im Gegenteil zum alten Leitwidder Sir Ritchfield, der dauernd etwas vergisst und nicht mehr richtig hört, während die mutige Zora davon träumt ein Wolkenschaf zu werden und sich am weitesten auf die Klippen heraustraut...

Auch die Art, wie die Schafe mit den Menschen umgehen, ist richtig witzig. Sie analysieren an ihnen herum und versuchen aus Gesprächsfetzen schlau zu werden - was ihnen nicht immer gelingt. So wird zum Beispiel "Gott" zwischendurch zum Hauptverdächtigen in der Ermittlung - irgendetwas muss ja an dem dran sein, wenn alle darüber reden. Was die Schafe sich so zusammenreimen ist wirklich herzallerliebst.

Nur leider wurde der "Krimi" zwischendurch auch zäh und langweilig. Die Schafe brauchen lange, um überhaupt eine Möglichkeit zu bekommen, irgendetwas herauszufinden und so dümpelt alles nur so vor sich hin. Nach rund 150 Seiten brauchte war ich daher kurz davor aufzugeben, denn es wurde trotz der charmanten Protagonisten einfach nicht spannend. Mittlerweile bin ich zwar froh, dass ich es zu Ende gelesen habe, denn es kommen noch einige gute Wendungen und so manches Schaf hat noch eine Überraschung auf Lager, aber durch diesen sehr langen Mittelteil konnte mich das Buch insgesamt betrachtet einfach nicht umhauen.

Auch sprachlich ist es recht schwach. Die Sprache ist nicht immer flüssig, die kurzen Sätze wirken oft eher abgehakt. Zwar unterstützen die einfache Sprache und die vielen Wiederholungen ein wenig den Eindruck von kindlicher Naivität und Neugier, welche die Schafe an den Tag legen, aber wirklich interessant zu lesen war es nicht.

Fazit: Die Schafe sind einfach göttlich und ihre Ermittlungsversuche und Menschenanalyse in der Regel zum schreien komisch, aber leider gibt es einige wirklich zähe Längen und sprachlich konnte es nicht überzeugen. Daher trotz toller Idee leider nur mittelmäßig. 3 Sterne. 

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