Donnerstag, 1. März 2012

Rezension zu "Dystopia" von Patrick Lee


Ein Blick in die Zukunft

"Dystopia", die Fortsetzung zu Patrick Lees Science-Fiction-Thriller "Die Pforte" und mindestens ebenso spannend und actionreich. Trotz in sich angeschlossener Handlungen beider Teile empfiehlt es sich "Dystopia" erst nach dem ersten Teil zu lesen, denn es gibt einige übergeordnete Zusammenhänge.


Zum Inhalt: Weit unter der Wüste Wyomings liegt Border Town, eine unterirdische Anlage der internationalen Geheimorganisation Tangent, die das Portal bewacht, das Wissenschaftler in den 70iger Jahren öffneten. Noch immer weiß niemand, wohin dieses Portal führt, aber täglich kommen mehrere Objekte heraus, die sogenannten Entitäten. Zwei Jahre nach dem ersten Teil "Die Pforte" veranlasst eine neue Entität Paige Cambell dazu den Präsidenten zu informieren, doch auf dem Rückweg wird sie angegriffen und entführt. Daraufhin informiert Bethany, Paiges Mitabrbeiterin, Travis, der sich nach den Offenbarungen des "Flüsterns" aus Tangent zurückgezogen, die Beziehung zu Paige aufgegeben und ein Leben unter falscher Identität begonnen hatte. Während sie versuchen Paige zu befreien, erfahren sie auch, was die neue Entität kann: Sie erschafft einen Durchgang in die Zukunft. Eine menschenleere Zukunft. Als sie herausfinden, wie nah der Weltuntergang bevorsteht, setzen sie alles daran, herauszufinden, wodurch dieser verursacht wurde und legen sich dabei mit mächtigen Leuten an...

Zwei Jahre sind also vergangen, seit das "Flüstern" weltweit für Chaos gesorgt hatte. Entgegen meiner Erwartungen befindet sich der raue, schießwütige, aber auch sympathische Ex-Polizist Travis nicht mehr in Border Town. Aus Sorge darum, was er dort verursachen könnte, hat er der geheimen Einrichtung und auch seiner großen Liebe Paige den Rücken gekehrt. Erst als Paige in Gefahr schwebt, kehrt er zurück. Der Charakter dieses Protagonisten gefällt mir mit seiner Scharfsinnigkeit und einer manchmal zum Vorschein kommenden sensiblen Seite nach wie vor sehr gut.

Auch die Handlung hat es wieder in sich. Der Blick in die Zukunft offenbart Paige und Travis Schreckliches. Die Städte verfallen, die Natur erobert sich die Flächen zurück, denn es gibt keine Menschen mehr. Bei der Suche nach Antworten geht es gefährlich zu, denn wie schon im ersten Teil wird geschossen was das Zeug hält und so ist auch dieser Teil wieder ordentlich blutig.

Die Spannung ist während der gesamten Handlung hoch. Nicht nur die actionreichen Passagen überzeugen, sondern auch die ruhigeren und die Beschreibungen der erschreckend veränderten Welt, welche die Protagonisten durchstreifen. Der Autor arbeitet viel mit Andeutungen, die Spannung erzeugen und dafür sorgen, dass man weiterliest. Allerdings ist hier für mich auch die erste Schwäche von "Dystopia": Manchmal waren es einfach zu viele Andeutungen und der Spannungsaufbau raubte mir so auch oft ein paar Nerven, denn wenn einfach nie die Information dann verraten wird, wenn sie aufkommt, wirkt es beim x-ten Mal dann doch etwas konstruiert.

Sprachlich konnte "Dystopia" wie schon "Die Pforte" wieder restlos überzeugen. Leider viel es mir dieses Mal etwas schwerer eine in sich schlüssige Logik zu finden, wie sie mir im ersten Teil begegnet war und mich begeistert hatte. Manche Erklärungen waren einfach nicht zufriedenstellend und bei einigen wissenschaftlichen Details kamen mir doch arge Zweifel an ihrer Schlüssigkeit. Auch die "Zufälle", die sich im Laufe der Handlung so ergeben, die Geistesblitze genau zur richtigen Zeit und die perfekten Mittel, um sich frei zu kämpfen, genau am richtigen Ort, wirkten auf mich gelegentlich überzogen. Das sind aber nur kleine Punkte, die die Spannung nur wenig störten. Spätestens das starke Ende, das wieder offenen gehalten ist und auf eine gute Fortsetzung hoffen lässt, entschädigte mich auch wieder für einige kleinere Schwachstellen.


Zum Abschluss möchte ich noch das Cover erwähnen, dass zwar kein bisschen zum Vorgänger passt, was ich bei einer Reihe prinzipiell schade finde, aber doch so viel moderner und schöner gestaltet wurde als "Die Pforte".

Fazit: Tolle Endzeitvision verpackt in einem spannendem Action-Thriller mit gelungenen Charkteren und einer spannenden Handlung. Leichte Schwächen schmälern das Lesevergnügen kaum, für ein befriedigendes Verständnis der Zusammenhänge und der Vorgeschichte sollte aber der ebenso gute erste Teil "Die Pforte" vorher gelesen werden.
4 von 5 Sternen!

Die Reihe (Links zu Amazon.de)
  1. "Die Pforte" (Dez. 2010, engl. Originaltitel: "The Breach") - meine Rezension
  2. "Dystopia" (März 2012, engl. Originaltitel: "Ghost Country")
  3. noch nicht bekannt (engl. Originatitel: "Deep Sky")

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