Mittwoch, 8. Februar 2012

Rezension zu "Schneewittchen muss sterben" von Nele Neuhaus


Weglegen unmöglich

Ich habe selten so einen guten Krimi mit einer so hohen Spannungsdichte gelesen - und zwar, ohne dass auch nur eine der Wendungen absurd oder unrealistisch gewirkt hätte - wie "Schneewittchen muss sterben" von Nele Neuhaus, dem vierten Teil der Taunus-Krimis (allerdings mein erster).


Kurz zum Inhalt: Der mittlerweile 30jährige Tobias Satorius kehrt nach 10 Jahren Haft wegen Mord und Totschlag an zwei damals 17jährigen Freundinnen in sein Heimatdorf zurück. Dort begegnen ihm und seinem Vater aber nur Hass, da er als Mörder unerwünscht ist und sich fast die ganze Dorfgemeinde gegen die Familie verschworen hat. Nur wissen manche vielleicht doch mehr über die wirklichen Tatumstände? Die 17jährige Tochter eines Zugezogenen gelangt an Informationen über die elf Jahre zurückliegenden Verbrechen und gerät dadurch selbst in Gefahr.

Das Buch ist spannend von Anfang bis Ende. Im Dorf ist nahezu jeder irgendwie verdächtig und der Nervenkitzel beim Lesen lässt eigentlich nie nach. Schon das erste Kapitel, das ich als Leseprobe in einem anderen Roman gefunden hatte, hat mich so in den Bann gezogen, dass ich mir das Buch direkt gekauft habe. Die mehr als 500 Seiten habe ich in zwei Nachtschichten durchgelesen, weil ich es einfach kaum aus der Hand legen konnte.

Nur durch Zufall habe ich nach der Hälfte des Buches erfahren, dass das Ermittlerduo auch schon in drei anderen Romanen von Nele Neuhaus Fälle gelöst hat. Man muss diese anderen drei nicht gelesen haben, das Buch scheint völlig eigenständig und man hat nie das Gefühl etwas verpasst zu haben, auch wenn es mehrmals Andeutungen zum Privatleben der Ermittler gibt.

Zwei kleine Störfaktoren hat das Buch für mich aber:

1. Man begegnet einer unglaublichen Masse an Personen - bis man alle Namen drin hat, kann es schon die ersten 150 Seiten dauern. Ich musste mich zwischendurch jedenfalls ein paar Mal angestrengt zurück erinnern, um einordnen zu können in welchem Kontext diese oder jene Person denn gerade schonmal aufgetauscht ist.

2. Bis Seite 150 ungefähr hatte ich zwei- bis dreimal den Gedanken, dass der ganze Fall innerhalb weniger Minuten hätte gelöst sein können, wenn die betreffenden Personen, die etwas herausgefunden hatten - also etwas absolut schockierendes über die Morde oder andere Verbrechen, was ein normaler Mensch wahrscheinlich kaum für sich behalten könnte - einfach nur einmal direkt den Mund aufgemacht hätten. Aber NEIN. Der Polizei trauen sie nicht und auch ,um sich untereinander auszutauschen, lassen sie sich gerne mal gemütlich bis zum nächsten Tag Zeit. Bis dann einer entführt wird und die Gefahr der schnellen Aufklärung endlich gebannt ist... Innerhalb diesen vielleicht insgesamt nur 20, 30 Seiten hatte ich einfach das Gefühl, dass alles ein bisschen zu kompliziert gemacht wurde.

Aber zum Glück lässt das Gefühl von "Es hätte so viel leichter gehen können" schnell wieder nach und auch das Personen-Wirrwarr hat man bald im Griff und dann ist es einfach nur ein wirklich brillianter Krimi, der so spannend und faszinierend und gleichzeitig so normal, so alltäglich, wirkt, dass er die 5 Sterne auf jeden Fall trotzdem verdient hat. Ich denke gerade das Unspektakuläre hat mich gefesselt. Es ist ein einfaches Dorf mit eingeschworener Gemeinschaft, wie es sie überall in Deutschland geben könnte. Kein Schischi und vor allem keine unschlüssigen Motive. Alles ist sehr verworren, aber trotzdem für den Leser logisch, wenn es sich nach und nach aufklärt.

Außerdem sind die beiden Ermittler wirklich sehr sympathisch und glaubwürdig. Auch der Schreibstil überzeugt, denn er ist sehr flüssig zu lesen, abwechslungsreich und die ganze Handlung ist richtig spannungsgeladen.

Zusammenfassend: Spannender Krimi mit tollem Ermittlerduo. Unbedingt lesen! Einfach genial!

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