Donnerstag, 2. Februar 2012

Rezension zu "Neva" von Sara Grant


 Ein abgeschottetes Leben

"Neva" von Sara Grant ist ein Jugendroman, der wie so viele andere in letzter Zeit eine Dystopie zum Thema macht. Meiner Meinung nach gehört er aber eindeutig zu den stärkeren Vertretern dieses Genres. Ich bin jedenfalls restlos begeistert...

Zuerst kurz zum Inhalt: Neva Adams ist 16 Jahre alt und lebt in "Heimatland", einem Land, das durch eine so genannte "Protektosphäre" - einem großen elektrisch geladenen Schirm, der nichts, auch nicht das Wetter, durchlässt - umschlossen wird, denn die Welt außerhalb ist durch den "Terror" unbewohnbar geworden. Das zumindest behauptet die Regierung von Heimatland, doch Neva und einige ihrer Freunde glauben nicht mehr daran und planen eine Rebellion, die das Öffnen der Protektosphäre herbeiführen soll. Dabei weiß Neva wie gefährlich der Protest ist, denn viele Menschen verschwinden - auch Nevas Großmutter. Gleichzeitig verliebt sich Neva in Braydon, den Freund ihrer besten Freundin Sanna, obwohl sie selbst mit Ethan zusammen ist...

Die Geschichte ist meiner Meinung nach ziemlich spannend und enthält viele erschreckende, aber sehr gut durchdachte Elemente, die sie zu einer der düstersten, gefährlichsten und bedrückensten Dystopien überhaupt macht. So sehen sich die Menschen in Heimatland zum Beispiel mittlerweile alle sehr ähnlich: alle haben braune Haare, braune Augen und auch andere körperliche Merkmale wie die Form von Ohren oder Nasen wiederholen sich immer wieder. Diese fehlende äußerliche Individualität ist das Ergebnis langer Inzucht, die den Genpool in Heimatland so sehr verkleinert hat, dass auch schon die Fortpflanzung gefährdet ist. Die Jugendlichen wehren sich gegen diese Gleichheit, indem sie sich so genannte "Kennzeichen" zulegen: Sterne, die sie auf die Wange malen, Tätowierungen, die sie sich selbst stechen, oder Narben, die sie eigenhändig einritzen.

Auch die Rohstoffe werden in Heimatland immer begrenzter, Technik kann nicht mehr repariert werden und seit einer Weile dürfen auch die Berufe nicht mehr frei gewählt werden. Doch wer sich auflehnt, lebt gefährlich. Es ist kein Geheimnis, dass viele Menschen verschwinden und dass die Regierung dahinter steckt. Diese Bedrohung durch die Polizei ist die ganze Zeit über sehr präsent.

In dieser düsteren Dystopie beschließen einige Jugendliche Protestaktionen zu starten. Alles beginnt auf einer Party im Stockdunkeln (daher auch der englische Titel "Dark Parties"), auf welcher der geheimnisvolle Braydon plötzlich Neva küsst. Sie fühlt sich sofort stark zu ihm hingezogen, obwohl sie ihn nicht einschätzen kann und sie damit ihre beste Freundin hintergeht. Braydons merkwürdiges Verhalten ist neben der glaubwürdigen Dystopie einer der besten Bestandteile dieses Buches. Er ist ein wirklich interessanter, schwer zu durchschauender Charakter, der bei der Ich-Erzählerin regelmäßig durch kleine Gesten ganze Wirbelstürme an Emotionen auslöst. Es kribbelt richtig zwischen den beiden. Gleichzeitig ist aber auch Nevas schlechtes Gewissen Sanna und Ethan gegenüber sehr gut geschildert und glaubhaft. Emotional hat mich der Roman dadurch restlos überzeugt. Er ist sehr einfühlsam und trifft auch beim verzweifelten Ethan genau den richtigen Ton.

Neva selbst ist ebenfalls ein sehr starker, dominanter und mir richtig sympathischer Charakter. Sie lässt sich nicht von ihren Plänen abbringen, auch nicht wenn sie allein dasteht und nimmt aktiv und mutig viele Gefahren auf sich. Dadruch bekommt der Roman neben der gefühlvollen auch eine sehr dynamische Seite mit vielen spannenden Passagen, einigen richtigen Schockmomenten, einer Prise Action und einem fesselnden Finale mit einigen Überraschungen.

Das Ende von "Neva" ist offen. Dennoch finde ich es gut, dass dieses Buch - "ausnahmsweise" muss man bei den ganzen Trilogien in letzter Zeit ja sagen - als Einzelband angelegt ist. Hier bleibt viel Platz für die eigene Phantasie, während in anderen Reihen oft zum Schluss jedes Rätsel gelöst, jeder Handlungsstrang abgeschlossen und jede Beziehung geklärt ist. Ein gutes Ende mit vielen Optionen ist da wirklich mal eine Abwechslung und es hat mir sehr gefallen.

Zu guter Letzt ist auch die Sprache überzeugend. "Neva" liest sich flüssig, die Emotionen und die Stimmung des Romans kommen durch die tolle ich Erzählerin Neva gut zur Geltung. Auch das Cover gefällt mir in seiner Schlichtheit recht gut.

Mein Fazit: Fesselnde Dystopie "at its best". Mich hat "Neva" von der ersten bis zur letzten Seite mitgerissen und sowohl von der emotionalen Seite her als auch im Spannungsverlauf überzeugt. Toller Jugenroman, klare Leseempfehlung und ein absolutes Muss für jeden Dystopiefan.

"Neva" von Sara Grant auf Amazon.de (engl. Originalausgabe "Dark parties")

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