Mittwoch, 10. April 2013

Rezension zu "Dark Destiny" von Jennifer Benkau



Ergreifendes Finale mit vielen Tränen

‟Dark Destiny“ von Jennifer Benkau ist nach dem grandiosen ‟Dark Canopy“ der zweite  und letzte Band der dystopischen Dilogie. Wie wird die Geschichte des Percents Neél und der Rebellin Joy zu Ende gehen?

Inhalt: Neél wurde von Joys eigenem Clan gefangen genommen und Matthial lässt ihn foltern. Für Joy ist die Situation unerträglich und, als Matthial ihr vom Tod des Percents berichtet, beschließt sie, nicht mehr im Clan ihres alten Freundes zu bleiben. Vor allem aber versucht sie herauszufinden, was mit Neél passierte, nachdem Matthial ihn vom Clan wegbringen ließ. Ihre Fragen führen sie zu einem anderen Clan und was sie dort findet, weckt Zweifel an Matthials Version und lässt sie wieder hoffen. Joy plant ihre Rückkehr in die Stadt...

Auch die Fortsetzung der meiner Meinung nach besten düsteren Zukunftsvision, die unter all den anderen Dystopien und Endzeitromanen, welche aktuell den Buchmarkt insbesondere im Bereich für Jugendliche/junge Erwachsene beherrschen, durch ihre einfühlsame und dennoch rücksichtslose, den dunklen Bedingungen ihrer erschaffenen Welt konsequent angepassten Erzählweise herausstach, konnte mich begeistern. Dabei ist diese Dilogie nicht den Jugendbüchern zuzurechnen, sondern richtet sich durch ihre Reife eindeutig (auch) an erwachsene Leser. Wieder ist die Welt sehr düster, wo in ‟Dark Canopy“ aber von Anfang an auch die Ereignisdichte relativ hoch war, überwog in ‟Dark Destiny“ gerade am Anfang die emotionale Seite der Beziehung von Joy und Neél und war dardurch ein wenig ruhiger – aber keinesfalls schlechter.

Was natürlich jeden Fan der Reihe aufwühlen musste, seit der Klappentext des zweiten Bandes bekannt war, war die große Frage: Kann die Autorin Neél wirklich sterben lassen? Neél, diesen wunderbaren männlichen Hauptcharakter, verschlossen, stur wie Joy und mit ihr zusammen dennoch eines der schönsten Liebespaare in der Buchwelt? Um die Antwort auf diese Frage zu finden, muss man mehr lesen, als diese kurze Bewertung, denn ich werde mich hüten hier etwas zu verraten, aber so viel muss ich sagen: Die Autorin findet einen gelungenen Weg für ihre Ich-Erzählerin Joy, um sie aus der vollständigen Verzweiflung nach Neél Todesnachricht ins Leben zurückzuführen. Joy, die mich seit jeher mit ihrer Mischung aus Sturheit, Stärke und Verletzlichkeit überzeugen konnte, begeisterte mich auch im zweiten Band wieder. Sie ist alles andere als ein einfacher Charakter - nicht immer sympathisch, nicht immer liebenswert – aber für mich sind es gerade ihre verschiedenen Facetten, die sie besonders glaubwürdig und für den Leser greifbar machen.

In ‟Dark Destiny“ befassen sich die Charaktere deutlich stärker mit der allgemeinen Frage des Zusammenlebens von Menschen und Percents als noch im ersten Band. Die einst als Soldaten erschaffenen Percents und die Menschen trennt immer noch die Feindschaft des Jahrzehnte zurückliegenden Kriegs – ein Ausweg scheint nicht in Sicht. Doch es bleibt auch die Frage, was sich hinter den Reisenden und den fremden Ausweisen verbirgt, die gefunden und von der Triade, der Regierung der Percents, verheimlicht wurden. Was befindet sich jenseits des Ozeans? Liegt dort eine Zukunft für Joy, während sich die Gerüchte mehren, die Rebellen würden einen Angriff auf die Stadt der Percents planen? Ist eine Reise ins Ungewisse die Lösung?

Die Autorin schafft es, alle Handlungsstränge aufzugreifen und in einem glaubwürdigen und nicht überzogen wirkenden Ende abzuschließen. Ich bin mir nicht sicher, dass dieses Ende jedem Leser gefallen wird, denn es ist ein schwieriger Abschluss und wie auch im Rest des Buches sind dort Trauer, Verzweiflung und Verlust allgegenwärtig, doch für mich war es eine perfekte Lösung: Ein offenes Ende, das sich nicht in einer unpassend perfekten Welt verliert, aber auch nicht ohne Hoffnung für die liebgewonnenen Charaktere bleibt. Es ist vor allem auch eine Gratwanderung zwischen der Entwicklung der Charaktere, die nicht verbogen werden, sondern sie selbst bleiben möchten, und einer gesellschaftlichen Lösung, die der Autorin zwar nicht ohne schmerzhafte Opfer, aber dennoch wunderbar gelingt.

Der Schreibstil in ‟Dark Destiny“ ist wieder sehr überzeugend und besonders atmosphärisch ist dieser Roman wieder sehr stark. Die Kälte des Winters und der Kampf ums Überleben werden eindringlich geschildert, als Leser kämpft und leidet man mit Joy, der Ich-Erzählerin, und auch die zweite Perspektive eines personalen Erzählers existiert wieder, allerdings wird sie dieses Mal nicht von Matthial erzählen, wie im ersten Band, sondern aus der Sicht eines anderen Charakters.
Die Autorin hat es in wie schon in ‟Dark Canopy“ immer wieder geschafft mich mit ihrer Geschichte tief zu berühren, mich mitfiebern zu lassen und mir die Tränen in die Augen zu treiben. Auch ‟Dark Destiny“ wird seine Leser nicht kalt lassen.

Fazit: Aufwühlend, ergreifend und hoch emotional wie schon der erste Band, stellt ‟Dark Destiny“ einen wunderbaren Abschluss der düsteren Dystopie dar. Ich kann dieses Buch beziehungsweise diese beiden Bücher nur immer wieder empfehlen. Bedingungslose 5 Sterne für das gelungene Finale.


Die Dilogie (Link zu Amazon.de):
  1. "Dark Canopy" (März 2012)  - meine Rezension
  2. "Dark Destiny" (März 2013)

Allgemeine Informationen

Ausgabe: Gebunden, März 2013
 Seiten: 464
Verlag : Script5
ISBN: 978-3839001455
Preis: € [D]18.95

Leseprobeund weitere Informationen auf der Verlagshomepage




Kommentare:

  1. Über das Ende war ich auch nur im ersten Moment geschockt. Aber wie du schreibst: alles andere wäre unglaubwürdig und würde die Charaktere verbiegen.

    Glg
    Steffi

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    1. Ich fand es im ersten Moment aber auch sehr ernüchternd. Habe danach noch einmal zum Intro geblättert und das noch mal gelesen.
      Allerdings passt es einfach und ich denke es ist gerade für die Tiefe und die Aussage hinter so einem Buch auch viel besser, wenn Freund Zufall nicht am Ende an zehn verschiedenen Baustellen alles irgendwie zum Guten wendet. Diese Über-Happy-Ends finde ich dann viel schlimmer, als wenn ich ein bisschen traurig bin.

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