Mittwoch, 30. Januar 2013

Hörbuchrezension zu "Überman" von Tommy Jaud


Der Sprecher reißt es raus!

‟Überman“ ist der dritte Teil der ‟Simon Peters“-Reihe von Tommy Jaud. Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern habe ich den letzten Band der Reihe nicht gelesen sondern als Hörbuch gehört und das macht tatsächlich einen großen Unterschied.

Inhalt: 5 Jahre sind vergangen, seit Simon Peters Millionär wurde. Er lebt mit Annabelle zusammen, die gerade verkündet hat, ihren Job aufzugeben und stattdessen zu studieren, und alles könnte so schön sein, hätte Simon nicht gerade erfahren, dass er pleite ist und noch dazu hohe Schulden beim Finanzamt hat. Und das kurz vorm angekündigten Weltuntergang am 21.12.2012. Könnte er damit nicht vielleicht Geld verdienen?

Der Unterschied zwischen einem Hörbuch und den selbst gelesenen Buch ist bei Tommy Jaud tatsächlich beachtlich. Der Autor liest das Hörbuch selbst und bringt sprachliche Facetten ein, die sowohl die Handlung als auch die Charaktere des Romans in besonderem Maße unterstützen. Obwohl ich also zum Beispiel sicher bin, dass das Niveau von ‟Vollidiot“ und ‟Millionär“,was den Humor angeht, dem von ‟Überman“ deutlich überlegen ist, hatte ich bei den beiden ersten Büchern nie das Gefühl, so sehr von der Handlung mitgerissen zu werden, wie es beim ‟Überman“-Hörbuch der Fall war. Das Vorlesen, die Stimmveränderungen und Hintergrundgeräusche dabei, geben der Lebensgeschichte des ‟Vollidioten“ Simon Peters ein ganz anderes Flair und lassen den bissigen Humor der Hauptfigur erst richtig zum Vorschein kommen. Tommy Jaud macht seine Sache als Sprecher darüber hinaus insgesamt sehr gut und gestaltet die Lesung abwechslungsreich, so dass ich selbst dann noch gut unterhalten war, wenn die Handlung selbst ein wenig ins stocken geriet.

Was den Humor angeht, so war ‟Überman“ zunächst durchaus auf dem gleichen Niveau wie die Vorgänger: trocken, bissig, schwarz. Simon Peters, wieder der Ich-Erzähler in Jauds Geschichte, ist in seiner gewohnt unsympathischen, Freunde vergraulenden Manier zurück – eine Ausgeburt an sozialer Kompetenz, Freundlichkeit und brillanten Ideen war er ja ohnehin noch nie. Und so findet Simon auch garantiert jeden Fettnapf, den es zu finden gibt, und benimmt sich unausstehlich wie eh und je. Ich liebe Tommy Jauds Bücher für diese Art von bitter-bösem Witz in der Kombination mit einem schwierigen Protagonisten und einer Prise Absurdität und da kann sich auch ‟Überman“ größtenteils einreihen.

Erst im letzten Drittel des Buches wurde mir das Absurde zu viel. Simon Peters ist verzweifelt und greift zu verschiedenen Mitteln, um sich aus seiner prekären Situation zu befreien, und überdreht dabei mit der Zeit leider ein wenig. Der Humor geht ein wenig verloren, wenn Peters zum Irren mutiert, mit dem man dank vollkommener Verwirrung und Unzurechnungsfähigkeit eigentlich nur noch Mitleid haben möchte, anstatt drüber zu lachen. Sprachlich ist ‟Überman“ - und bleibt es auch über die gesamte Länge – allerdings sehr gut gelungen. Der Autor überzeugt mit einer rasanten Sprache und unterhaltsamen Neologismen und Wortzusammenstellungen.

Fazit: Es hat mich gut unterhalten. Insbesondere gegen Ende wurde die Handlung etwas zu absurd, doch das schwindende Witzniveau wird weitestgehend von einem überragenden Hörbuchsprecher (dem Autor selbst) ausgeglichen. Das Hörbuch kann ich daher für ein paar amüsante Stunden jedem empfehlen – ob das auch für das Buch gilt, kann ich in diesem Fall nicht beurteilen. 4 Sterne 


Die Simon-Peters-Reihe (mit Links zu Amazon.de):
  1. "Vollidiot" (2004)
  2. "Millionär" (2007)
  3. "Überman" (2012) - Hörbuch

Allgemeine Informationen

Ausgabe: Audio CD (2012)
Autorenlesung (Sprecher: Tommy Jaud)
Laufzeit: 5 Stunden, 24 Minuten (5 CDs)
Verlag:Argon Verlag
ISBN: 978-3839811740
Preis: € [D] 19.95 (UVP)

Hörprobe und weitere Informationen auf der Verlagshomepage

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Ich bedanke mich bei Blogg dein Buch und dem Argon Verlag für dieses unterhaltsame Hörbuch!

 

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