Mittwoch, 18. Juli 2012

Rezension zu "In diesem Sommer" von Véronique Olmi


 Ein Sommer ohne Spannung

Véronique Olmi erzählt in ihrem Roman "In diesem Sommer" die dramatische Geschichte dreier Familien, die sich an einem Wendepunkt in ihrem Leben befinden. Mich konnte sie damit leider nicht vollständig überzeugen.

Zuerst zum Inhalt: Delphine und Denis besitzen ein Ferienhaus am Strand in der Normandie. Dort verbringen sie jedes Jahr mit ihren Kindern und ihren Freunden, dem Ehepaar, Marie und Nicolas, beide über 50, und der einige Jahre jüngeren Lola, die jedes Jahr einen neuen, jungen Liebhaber mitbringt, den französischen Nationalfeiertag. Doch in diesem Jahr will die gewohnte Routine sich nicht einstellen. Delphines und Denis’ Ehe ist am Ende, Marie ist arbeitslos und bekommt als Schauspielerin nur noch Angebote als Großmutter, Nicolas hat gerade erst eine schwere Depression überstanden und Lola kämpft mit eigenen Erinnerungen, während ihr 12 Jahre jüngerer Freund Samuel es ernster meint, als ihr bewusst ist.

Die Autorin beginnt ihren Roman mit einer sehr eindringlichen Atmosphäre und einer hohen Geschwindigkeit, die insbesondere durch die kurzen Kapitel erzeugt wird und den Leser sprunghaft von einem Schicksal ins nächste reißt. Leider ebbt das Tempo mit der Zeit ab, wodurch die Handlung jeden Schwung verliert und leider keine Spannung mehr aufbauen kann. Die Wendepunkte, an denen sich die sechs Protagonisten in ihrem Leben befinden, sind zwar gut ausgearbeitet, werden aber von jedem einzelnen einfach zu ausladend durchdacht, was das ganze teilweise zu melodramatisch erscheinen ließ. Handfeste Gespräche gibt es kaum, der Roman baut eher auf Gedanken, Geheimnissen und Andeutungen auf.

Zwar sind einige der subtilen Motive, wie etwa die kranke Kiefer im Garten des Ferienhauses, gut gewählt, die Autorin neigt aber für meinen Geschmack zum Überdramatisieren und sinnlosen Wiederholen. Sie schreibt viel, sagt wenig und verliert dadurch die Spannung und die Intensität der Handlung. Eine Nebenhandlung mit dem jungen Dimitri und Delphines Tochter fand ich zu guter Letzt recht deplatziert. Die Charaktere sind allerdings stark gezeichnet und konnten mich überzeugen. Die einzelnen Facetten werden gut ausgearbeitet, die einzelnen Persönlichkeiten sind nachvollziehbar und vielschichtig.
 
Das Ende der Geschichte hat mir auf der einen Seite zwar gut gefallen, auf der anderen Seite wurde ich das Gefühl nicht los, dass die Handlung nicht zu Ende geführt wurde und die Lösungen am Ende bei all den Zweifeln in den Gedanken der Protagonisten aus dem Nichts kamen. Alles löst sich recht einfach, ohne große Spannungen, sodass am Anfang bei mir der Eindruck bleibt, eine zwar gute, charakterlich starke Geschichte gelesen zu haben, von der allerdings leider rein gar nichts übrig bleibt und die zu zwei Dritteln völlig überzogen dargelegt wurde, verglichen mit dem banalen Ausgang.

Sprachlich hat mir der Roman besser gefallen. Es liest sich gut, aber nicht anspruchslos. Die Autorin spielt mit der Sprache, beschreibt atmosphärisch sehr dicht und erzeugt eine sehr passende, leicht bedrückende Stimmung.

Fazit: Eine Geschichte über den Wendepunkt im Leben ihrer Protagonisten, die bei mir nicht über das Prädikat "ganz nett" hinauskommt, obwohl sie gerade am Anfang und durch die starken Charaktere durchaus das Potential für mehr hatte. Leider verliert sich die Spannung und das Ende wirkt nichtig. Schade. 3 von 5 Sternen.


Allgemeine Informationen

Ausgabe: Gebunden, 27. Juni 2012
 Seiten: 272
Französische Originalausgabe: Cet été-là
Verlag : Antje Kunstmann
ISBN: 978-3888977763
Preis: € [D]18.95

Leseprobe und weitere Informationen auf der Verlagshomepage

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