Mittwoch, 6. Juni 2012

Rezension zu "Dustlands - Die Entführung" von Moira Young


Sprache schwierig, Inhalt super

"Dustlands - Die Entführung" von Moira Young ist, wie so oft in letzter Zeit, der Auftakt einer Trilogie, die ein Endzeitszenario zum Thema hat. Schon das Zitat hinten auf dem Buch, "Sie nennen mich den Todesengel. Weil ich noch nie einen Kampf verloren habe.", verspricht, obwohl hier nicht ganz richtig zitiert wurde (dazu später), einiges an Spannung, die dieses überzeugende Jugendbuch auch tatsächlich liefert.

Zum Inhalt: Saba ist 18 und führt mit ihrem Vater, ihrem Zwillingsbruder Lugh und ihrer kleinen Schwester Em abgeschieden am Silverlake ein entbehrungsreiches Leben. Eines Tages tauchen Reiter auf, die Lugh entführen und Sabas Vater töten. Sie schwört ihren Bruder zu finden und macht sich mit ihrer ungeliebten kleinen Schwester auf die Suche. Dabei lernt sie zum ersten Mal in ihrem Leben die grausame Welt außerhalb des Silverlakes kennen und landet selbst als Kämpferin auf Leben und Tod in den Käfigen der Arena von Hopetown. Doch dort trifft sie auch Jack, einen Mann, der sich in sie verliebt, und eine Gruppe von Rebellinnen, die sie auf ihrer weiteren Reise unterstützen. Doch die Zeit, die ihr bleibt, um Lugh zu retten, wird knapp...

"Dustlands" zu lesen, fand ich am Anfang alles andere als einfach. Das meinte ich auch damit, als ich oben schrieb, das Zitat sei nicht ganz richtig: "habe" würde Saba nämlich nicht sagen. Richtig endet das Zitat im Buch mit "hab" und das macht den Schreibstil sehr gewöhnungsbedürftig. Die Ich-Erzählerin Saba verschluckt jedes "e" am Ende eines Prädikats in der ersten Person Singular und es werden zudem keine Anführungszeichen bei der wörtlichen Rede gesetzt. Als Stilmittel kann ich diese sprachlichen Besonderheiten verstehen, da sie die mangelnde Bildung von Saba, die nie ein Buch gesehen, geschweige denn gelesen, oder mit Menschen außerhalb ihrer Familie Kontakt hat, verdeutlichen sollen, aber zum Lesen empfand ich es dennoch eher als störend und ich habe lange gebraucht, sicher die Hälfte des Romans, bis ich mich einigermaßen daran gewöhnt hatte. Ich finde auch nicht, dass das Verschlucken oder Nicht-Verschlucken eines einzigen Buchstabens schon einen besonders überzeugenden Dialekt ergibt, es wirkt eher etwas unnatürlich - da hätte man sich bei der Übersetzung vielleicht doch etwas mehr überlegen müssen.

Wenn man die sprachliche Gestaltung aber mal außer acht lässt, ist "Dustlands - Die Entführung" wirklich ein gutes Buch. Spannend, sehr realistisch geschildert, mit erschreckenden Szenen. Unter 14 Jahren finde ich "Dustlands" durch einige dieser doch sehr grausam geschilderten Szenen auch nicht geeignet. Gerade die Kämpfe in den Käfigen in Hopetown sind wirklich packend und auch Sabas Entwicklung in diesem Teil, in dem das Mädchen vom Silverlake, das bisher kaum anderen Menschen begegnet ist, plötzlich zum Star der Arena wird und mit ihrem Ruf als "Todesengel" umgehen muss, ist sehr gut gelungen.

Überhaupt sind die Charaktere eine wirkliche Stärke dieses Romans. Saba ist ein sehr überzeugender Charakter, stur, eigenbrötlerisch und sehr entschlossen, und ihre Entwicklung ist riesig, ob nun in ihrem Verhältnis zu ihrer kleinen Schwester Emmi, die sie für den Tod der Mutter verantwortlich macht, oder in ihrer Selbsteinschätzung, da sie sich bisher immer nur im Schatten ihres Bruders Lugh sah. Auch die obligatorische Liebesgeschichte ist gelungen. Saba ist kein Mensch, der leicht Vertrauen fasst oder sich gerne auf andere verlässt. Daher wäre eine überzogene, kitschige Liebe in diesem Roman auch völlig fehl am Platz. Stattdessen beißt Jack sich an der sturen Saba richtig die Zähne aus, was teilweise zu recht tragisch-komischen Momenten führt und die Beziehung der beiden sehr abwechslungsreich macht.

Die Welt, in der "Dustlands" spielt, ist zweifelsohne eine endzeitliche Zukunftvision unserer Erde. Staubig, trocken - das Cover beschreibt die Welt eigentlich optimal, auch durch die feinen Erhebungen darauf, die ein Muster wie Risse auf einem trockenen Wüstenboden ergeben. Regiert wird die Welt von einem irren König und einer Droge, deren Anbau er betreibt und mit der er die Menschen abhängig macht. Alles wird sehr lebensfeindlich dargestellt und macht dieses Buch als Endzeitroman überzeugend, auch wenn die Ursachen noch im Verborgenen bleiben.
Allerdings hat der Roman auch Fantasyelemente: Ein Herzstein, der warm wird, wenn man in der Nähe seines Herzenswunsches ist, zum Beispiel, oder die vielleicht vorhandene Fähigkeit des Vaters in den Sternen zu lesen. Auch DeMalo, der geheimnisvolle Anführer der Tontons, zu denen auch die Reiter gehörten, die Lugh entführten, scheint etwas Übernatürliches an sich zu haben. Er ist ebenfalls ein sehr spannender Charakter, der für die Folgeteile sicher noch Überraschungen bereit hält.

Das Ende ist zwar was die Zukunft der Charaktere angeht offen gehalten, aber nach einem spannenden Finale gibt es eine in sich geschlossene Teilhandlung und ausnahmsweise mal keinen Cliffhander, über den sich viele Leser von Reihen gerne ärgern.

Fazit: Bis auf die sprachlichen Schwierigkeiten, die ich mit diesem Auftakt hatte, ist "Dustlands" ein wirklich spannender Endzeit-Fantasy-Mix mit sehr überzeugenden Charakteren und einer sehr durchdachten Welt. Mir hat die Handlung außerordentlich gut gefallen, sodass ich nach einem längeren Schwanken zwischen 4 und 5 Sternen doch 5 vergebe - an die Sprache muss man sich halt gewöhnen. Dann ist es einfach nur atemberaubend gut.


Die Dustlands-Trilogie (mit Links zu Amazon.de)
  1. "Die Entführung" (Dez. 2011, englischer Originaltitel: "Blood Red Road")
  2. Titel unbekannt (vorraussichtlich Feb. 2013, englischer Originaltitel: "Rebel Heart")
  3. noch nicht bekannt

 Allgemeine Informationen

Ausgabe: Gebunden, 2. Auflage
Seiten: 449
Verlag : Fischer Fjb
ISBN: 978-3841421425
Preis: € [D] 16.99
 Leseprobe und weitere Informationen auf der Verlagshomepage

Kommentare:

  1. Schöne Rezi! :)
    Bei mir steht das Buch schon ziemlich lange auf der Wunschliste und ich möchte es bald mal lesen :D

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  2. Also ich hab lange überlegt ob ich das Buch auf meine Wunschliste setzen soll oder nicht...Deine Rezi hat mich jetzt aber doch neugierig gemacht, werd das Buch gleich mal hinzufügen, schade nur, dass man auf die Nachfolgebände dann wieder so lange warten muss -.-

    Liebe Grüße
    Jenny

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  3. Was war ich bei dem Buch anfangs genervt von der Sprache! Ich hatte teilw. fast keine Lust mehr zu lesen. Irgendwann kam die Wende und ich fand das Buch nur noch super. Die Handlung hat mir ja von Anfang an gefallen. Das war eines der wenigen Bücher, bei der meine Bewertung wärend des Lesens komplett von 2 auf 5 Sterne umgeschwenkt ist. Genial!!
    Schön rezensiert, und liebe Grüße,
    Damaris

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