Freitag, 17. Oktober 2014

Die Frankfurter Buchmesse: Sonntag - mein dritter und letzter Tag

...und dann war es auch schon Sonntag. Auf der Buchmesse vergeht die Zeit so schnell, da war mein dritter und letzter Tag gekommen wie im Flug. Morgens musste das Hotelzimmer geräumt werden, das ganze Zeug ab ins Auto und dann schnell zur Messe - Sonntag stand immerhin noch einiges auf dem Programm!

Shopping - Endlich ein paar Bücher!

Sonntags werden auf der Messe Bücher verkauft. Leerere Stände sind ja auch besser wieder zusammenzupacken. Auch ich wollte mir etwas mitnehmen. Im letzten Jahr habe ich mich - trotz Rabatt an einigen Ständen - sehr zurückgehalten und nur ein einziges Buch gekauft. Dieses Jahr wollte ich mir ein paar mehr gönnen. 



Das ist es dann geworden. Drei der Bücher werden euch im heutigen Bericht noch ein zweites Mal begegnen. Sie werden nämlich noch signiert. Das sind "Marmorkuss", "Der nie abgeschickte Liebesbrief an Harold Fry" und "Die Seiten der Welt". "Wer die Lilie träumt" war für mich genauso fest eingeplant wie der dritte Band von "Vollendet", für "Legend" und "Ein Jahr an deiner Seite" habe ich mich eher spontan entschieden - und weil mein Buchbudget es dann noch hergegeben hat, habe ich mir die gesamte "Dancing Jax"-Trilogie mitgenommen. Die wollte ich so lange schon lesen. Jetzt habe ich sie wenigstens schon einmal zu Hause. 

Im Vergleich zum letzten Jahr bin ich dieses Mal also mit einer ordentlichen Zahl an Büchern nach Hause gegangen. 

Jennifer Benkau liest aus "Marmorkuss"

Als ich mir am Loewe/Script5-Stand noch meine Bücher aussuchte, saßen dort schon Sarah von "buchverliebt" und Doreen von der "Chaosbibliothek" und warteten auf die Lesung von Jennifer Benkau - bis die anfing, war zwar noch massig Zeit, aber die Plätze bei den Lesungen auf dem Dach des Messestandes sind leider recht begrenzt - dafür ist es da oben aber richtig schön. Also habe ich mich der netten Wartegruppe angeschlossen und so ging die Zeit plaudernd auch schnell vorüber...


Die Lesung selbst war richtig toll - ich glaube, es war sogar meine liebste Lesung bei der diesjährigen Messe. Jennifer Benkau las aus ihrem neuen Roman "Marmorkuss", einer modernen Dornröschenversion. Anschließend moderierte sie selbst noch eine kleine Fragestunde und dann wurden natürlich auch direkt die Bücher signiert.

Nele Neuhaus liest aus "Die Lebenden und die Toten"

Nach der Lesung ist vor der Lesung - als nächstes ging es für mich ins Lesezelt, das natürlich längst voll war. Auch wenn Nele Neuhaus erst in über einer halben Stunde erwartet wurde, standen wir bereits draußen Schlange - immerhin ist die Krimiautorin aktuell wohl eine der erfolgreichsten Deutschlands. Ihr mittlerweile 7. Band der Bodenstein-Kirchhoff-Reihe aus dem Taunus wurde dementsprechend schon von vielen erwartet. 


Es hat sich aber absolut gelohnt, auch auf einem Stehplatz der Veranstaltung zu folgen. Nele Neuhaus las ein gutes Stück aus "Die Lebenden und die Toten" und berichtete außerdem unter anderem sehr amüsant über die Suche nach Handlungsorten. Immerhin existieren die meisten Schauplätze in den Krimis wirklich und das in ihrer eigenen Nachbarschaft im Taunus - da mussten dann auch für den Scharfschützen, der im 7. Teil sein Unwesen treibt und die frisch verheiratete Pia auf Trapp hält, geeignete Orte gefunden werden.

Signierstunde mit Rachel Joyce
und ein paar Worte zum Fließbandverfahren

Als nächstes stand für mich die Signierstunde mit Rachel Joyce auf dem Programm. Dort konnte ich mir noch einen Platz recht weit vorn in der Schlange sichern - direkt vor der Buchbloggerin und ihrem Mann von "Sharon Baker liest...". Herrchen und Frauchen von dem bezaubernden Haufen britischer Kurzhaarkatzen, die auch regelmäßig auf ihrem schönen Blog herumtollen dürfen, mal kennenzulernen, hat mich sehr gefreut.


Zu der Signierstunde muss ich im Nachhinein leider sagen: Sie war ein Paradebeispiel für Fließbandarbeit. Ich selbst gehe vor allem zu solchen Veranstaltungen, um mal zu "live" zu sehen, wer denn hinter den Büchern steckt. Wertvoll wird die Widmung in einem Buch für mich dann durch die Erinnerung und das ganze drum herum - nicht, weil die Striche, die die Unterschrift in meinem Buch bilden, aus Tinte bestehen, die aus einem Stift geflossen ist, den irgendein bestimmter Mensch in der Hand gehalten hat - deswegen haben signierte Bücher, die man in irgendeiner Buchhandlung kaufen kann, weil ein armer Autor sie vorher in einem stillen Kämmerchen in Massen unterschrieben hat, für mich auch keinen besonders großen Reiz.

Natürlich kann ich verstehen, dass die Zeit auf der Buchmesse oft knapp ist und viele Bücher signiert werden wollen. Ich habe auch nichts dagegen, zur Vermeidung ewiger Schreibweisen-Diskussionen vorher den Namen auf einen Zettel zu schreiben. Aber wenn dann ein Mitarbeiter schon das Buch annimmt, während die Autorin noch das vorherige signiert, es ihr dann schon aufgeschlagen und mit Nameszettel an der richtigen Stelle nur rüberschiebt, während man selbst einen Schritt weiter rückt, sobald der Vorgänger sein Zeug zusammengerafft hat, und wenigstens versucht ein "Thank you" loszuwerden, während das Buch unterschrieben auch schon wieder rausgeschoben wird, doch längst schon das nächste Buch bereit liegt und die Autorin nur selten die Gelegenheit hat aufzublicken - dann macht das eine Signierstunde nicht zum Highlight. Sind die 3 Sekunden, die es für ein kurzes "Hi" und eigenständiges Übergeben des Buches braucht, wirklich nicht mehr drin? Ich bin ja noch nicht einmal eine Quasselstrippe oder ein Foto-mit-Autor-Junkie. 
Man will ja als Leser auch nicht zum zeitlichen Risikofaktor werden, dessen Beteiligung am Fließbandprozess auf ein Minimum reduziert werden muss. Wie wäre es dann mit einem Garderoben-Verfahren? Buch abgeben, Marke kriegen, Buch irgendwann wieder abholen? Dann ist der Störfaktor "Leser und Buchbesitzer" vollständig eliminiert und klebt das Namenszettelchen auch nicht auf die Seite, auf die er selbst die Signierung gerne hätte. So wie ich. Gott sei Dank ging das Buch ja vorher noch durch die wachsamen Hände eines Mitarbeiters, der diese Dummheit korrigieren konnte und eine bessere Seite auswählen konnte...

Ich habe das Ganze jetzt sicher ein wenig überzogen - ich freue mich trotzdem Rachel Joyce mal live gesehen zu haben und auch über das signierte Buch. Aber das Highlight der Signierstunde war dann doch das Kennenlernen der lieben Mitblogger in der Warteschlange, weswegen ich einfach dafür plädieren möchte, den Leser und Fan nicht zu sehr wegzuoptimieren. Eine Begrüßung, ein Name und ein Danke-Auf-Wiedersehen. Das sind doch wirklich nur Sekunden, doch was die Qualität der Signierstunde angeht, ist der Unterschied gewaltig...

Bloggertreffen bei Bastei Lübbe

Eigentlich hätte ich noch eine weitere Veranstaltung besuchen können - ein Buch zum Signieren hätte ich auch noch dabei gehabt -, aber es war dann doch reizvoller, zum zweiten offenen Bloggertreffen bei Bastei Lübbe zu gehen. Am Samstag war es da schon so schön und eine perfekte Auszeit vom Gruppenkuscheln und Schieben auf den Gängen der Messe...


Als Autor war dieses Mal Richard Dübell dabei, der seinen historischen Roman "Zorn des Himmels" mitgebracht hatte. Es war wieder eine sehr schöne Atmosphäre. Auch wenn ich zwischendurch einen klassichen toten Punkt hatte. Nach fast drei Tagen Messe darf man ja mal müde werden...

Kai Meyer liest aus "Die Seiten der Welt"
mit Signierstunde im Anschluss

Doch eine Veranstaltung wollte ich noch Besuchen. Oder genau genommen zwei. Kai Meyers Lesung aus seinem neuen Roman "Die Seiten der Welt" um 16 Uhr, wieder im Lesezelt, und die anschließende Signierstunde um 17 Uhr.


Als ich ankam, war das Lesezelt auch noch gar nicht ganz so voll und ich fand einen schönen Sitzplatz mitten im Zelt. Zwar hat am Ende der Lesung nach - inklusive Wartezeit - fast eineinhalb Stunden im Sitzen, mein entzündeter Nerv im Rücken mal wieder deutlich von sich hören lassen, aber das war es wert. Die Lesung war wirklich gut. Nach der Lesung stand ich noch ungefähr eine halbe Stunde beim Signieren an und verließ dann mit dem Schlussgong um 17.30 Uhr die Messe, während an den Ständen schon fleißig zusammengeräumt wurde. 

Mit einem neuen Wärmeplaster habe ich auch noch die Heimfahrt im Auto überstanden und war gegen 20.30 Uhr zu Hause in Dortmund. 

Das Nachspiel

Montag habe ich erst einmal richtig schön ausgeschlafen - und dann ging nichts mehr. Mit Schmerzgel und Wärmepflaster habe ich die Messe trotz Rückenschmerzen, besonders beim Sitzen, echt besser überstanden, als ursprünglich gedacht. Aber Montag wollte der Rücken dann nicht mehr und trotz Spritze (die Schlimmste meines Lebens) beim Orthopäden habe ich den Großteil der ersten Wochenhälfte mit Armlängen-Reichweite auf dem Sofa verbracht und Rekordzeiten von bis zu 10 min in der Disziplin "Sockenanziehen" aufgestellt. Zum Glück scheint das jetzt vorbei zu sein...

Trotzdem, die Messe war toll und ich hoffe sehr, dass ich auch nächstes Jahr wieder dabei sein kann. Vielleicht ja auch mal im Frühjahr in Leipzig. Da war ich leider noch nie.



Kommentare:

  1. Ich wäre auch gerne am Sonntag noch hin gefahren, habe es aber leider nicht mehr geschafft und so auch Kay Meyer verpasst, den ich gerne mal getroffen hätte :(

    Was du über Rachel Joyce schreibst, klingt ja gar nicht schön - ich bin zwar normal kein Autogrammjäger, aber wenn ich mir eins holen würde, dann hätte ich da auch gerne Kontakt zum Autor. Wenn man eh bloß am Fließband abgefertigt wird, kann man das Ganze auch über die Post machen. Wenigstens ein paar Sekunden Kontakt zum Leser sollten die Autoren schon erübrigen können, finde ich.

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    1. Wobei ich das gar nicht als Kritik gegenüber Rachel Joyce meinte. Sie hat absolut keinen unsympathischen oder unnahbaren Eindruck gemacht. Es war halt alles direkt auf "schnell,schnell" organisiert, als sei der Zeitplan so eng, dass man direkt vom ersten in der Schlange angefangen zügig machen musste.

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    2. Nein, das habe ich auch nicht so aufgefasst, ich meinte auch die generelle Entwicklung diesbezüglich, die vermutlich auf die PR-Leute der größeren Verlage zurückzuführen ist. Wobei die Autoren da aber wohl auch nicht ganz unschuldig bei sind, die lassen das schließlich mit sich machen ...

      Ich sehe das immer ein bisschen kritisch (wobei ich sagen muss, dass mir natürlich die Erfahrung aus erster Hand fehlt, mich fragt nie jemand nach einem Autogramm ;) auch bei Musikern und Filmstars - natürlich, die machen manchmal tagelang nichts anderes, als Dinge zu signieren und für Fotos zu posieren. Und irgendwann stumpft man da sicher ab, besonders auch dann, wenn man genug Geld verdient und "es nicht mehr nötig hat". Aber auf der anderen Seite finde ich es immer schade und auch ein wenig undankbar, denn jeder Star hat es einzig und allein seinen Fans zu verdanken, dass er Geld mit seiner Leidenschaft verdienen kann. Das sollte keine Berühmtheit vergessen, egal wie viele Autogramme sie schon gegeben hat.
      Und da finde ich es Klasse, wenn eine Band, die schon seit 20 Jahren berühmt ist, auch heute noch nach jedem Konzert vor die Bühne kommt und mit den Fans plaudert, und nicht so wie andere ein schnelles "Danke und tschüss" loswird und dann schon gleich wieder im Tourbus sitzt.

      Naja, schon wieder viel zu sehr reingesteigert in das Thema ;)

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  2. Halli Hallo!
    Ein schöner und sehr ehrlicher Messebericht. Die Signierstunde bei RJ hört sich ja wirklich sehr unpersönlich und unbefriedigend an. Umso schöner, dass du nette Warte-Gesellschaft hattest. Die Bakers sind wahre Schätze!
    Schön, dass wir uns während der Messe auch mal wieder über den Weg gelaufen sind (wenn auch nur kurz).
    Ich wünsche dir GUTE BESSERUNG und freue mich auf unser Wiedersehen in Leipzig?!

    Liebe Blubbergrüße
    Anka

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  3. Hallöchen!
    Ein sehr schöner und ehrlicher Messeabschlussbericht, wie ich finde. :) Den Eindruck der Fließbandarbeit bei einer Signierstunde hatte ich auch schon mal, seither stelle ich mich für das bloße Autogramm nicht mehr an, sondern warte lieber auf andere Gelegenheiten, falls sich mal was ergibt.

    Und ich bin ganz neidisch, was deine Buchneuzugänge angeht! Das sind ja mal richtig viele. Gab's denn überall Messerabatt und hat sich das sehr bemerkbar gemacht? Ich habe Samstag das Glück gehabt, während einer Signierstunde zwei Bücher zu bekommen, die auf meinem Wunschzettel standen...

    Liebe Grüße,
    Juna

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